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Offener Brief eines deutschen Muslims an Iran im Wahljahr 1400 (Teil 11: Überwindung von Korruption und Heuchelei)

#1 von Yavuz Özoguz , 29.03.2021 10:06

Offener Brief eines deutschen Muslims an meine Brüder und Schwestern im Iran im Wahljahr 1400
(Teil 11: Überwindung von Korruption und Heuchelei)

Liebe Brüder und Schwestern im Iran,

den elften und vorletzten Teil meines Briefes an Euch beginne ich mit den herzlichen Glückwünschen zum Neujahr 1400 gemäß Eurem Sonnenkalender, der mit der Auswanderung des Propheten beginnt und den Frühlingsbeginn markiert. Gleichzeitig gratuliere ich uns allen zum Geburtstag des Erlösers, der Manifestation des erwarteten Frühlings, auf den wir alle hoffen.



Die Gründung der Islamischen Republik Iran im Jahr 1979 war ein Meilenstein zur erwarteten Erlösung. Euch brauche ich nicht zu erklären, dass das verfassungsmäßige Oberhaupt der Islamischen Republik Iran der erwartete Erlöser Imam Mahdi ist. Möge er zusammen mit Jesus bald erscheinen! Ihr wisst auch, dass das religiöse Oberhaupt lediglich der Vertreter des verborgenen Erlösers ist. Während Ihr solche Dinge nicht nur wisst, sondern auch verinnerlicht habt und die meisten von Euch fest daran glauben, ist es nahezu unmöglich, diese Gedanken hier in der Westlichen Welt zu erläutern. Selbst wenn wir Imam Mahdi nicht erwähnen und uns lediglich auf die Rückkehr Jesu konzentrieren würden, haben wir keine Chance, diese Überzeugung zu vermitteln. Nicht einmal die meisten Christen glauben ernsthaft daran.

Die Welt, in der wir leben, ist durch und durch vom Materialismus beherrscht. Der Materialismus beherrscht alle Bereiche des Lebens und Denkens. Es gibt keinen Lebensbereich, keine Ideologie, keine Ecke des Lebensablaufs, der nicht vom Materialismus korrumpiert ist. Selbst die scheinbar spirituell wirkenden Aspekte wie Esoterik oder Yoga dienen wiederum lediglich der materiellen Bereicherung derjenigen, die es verbreiten. Die Minderheit der gläubigen Muslime und die noch kleinere Minderheit der gläubigen Christen haben kaum einen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung.

Wir befinden uns in der sogenannten Karwoche. Das ist die Woche, die in den Karfreitag mündet und mit dem Ostermontag seinen Höhepunkt erreicht. Es ist die Woche der Lebenshoffnung der Christen. Ostern ist das größte Fest der Christen, noch größer als Weihnachten. Aber glaubt Ihr, liebe Iraner, wir hätten deshalb hier eine Art christlicher Stimmung? Selbst außerhalb der Corona-Beschränkungen hat nicht Jesus das Osterfest dominiert. Berühmter als Jesus sind in diesen Tagen Hasen, die Eier legen. Wenn der Materialismus damit Geld verdienen kann, können selbst Hasen Eier legen. Jene Eier gibt es überall zu kaufen in Form von Schokolade! Die Schokolade besteht aus den eingeschmolzenen Schokolade-Weihnachtsmännern, die zuletzt nicht verkauft werden konnten. Weitere Bräuche sind die Osterfeuer und Ähnliches, was ihr ja alles von Nouruz kennt. Während Ihr die vorislamischen Nouruz-Bräuche in den Islam integriert und unislamischen Aberglauben abgeschafft habt, haben wir die vorchristlichen Bräuche das Christentum überwältigen und im Rahmen des unersättlichen Materialismus lächerlich machen lassen. Gott vergebe diesem Volk.

Wir sind in solch einer traurigen Situation in der Osterwoche, dass nicht einmal die öffentlich-rechtlichen Sender irgendwelche Religionsfilme zeigen würden, und wenn doch, dann zu einer Zeit, in der es kaum jemand schaut. Möglicherweise wird die zweihundertfünfzigste Wiederholung des alten Klassikers „Ben Hur“ gesendet, weil die modernen Filme über Jesus und Maria zu unanständig sind, als dass man sie Ostern zeigen könnte. Und in dieser durch und durch vom Materialismus beherrschten Welt, bricht derzeit in Deutschland die bisher eher versteckt gehaltene Korruption in der Politik in die Öffentlichkeit in solch einem Maß durch, dass die Bevölkerung schockiert ist. Dutzende Politiker des Bundestages haben sich an Maskenverkäufen und Nebentätigkeiten bereichert. Obwohl unsere Bundestagsabgeordneten zu den höchsten Gehaltsempfängern im Land gehören, haben zahlreiche von ihnen „Nebenverdienste“ für Beratertätigkeiten und andere dubiose Geschäfte, die bei Euch Korruption heißen würden. Bei uns heißen sie Lobbyarbeit. Wird im Iran eine Korruption aufgedeckt, dann werden die Schuldigen teils schwer bestraft. Bei uns ist Korruption im Bundestag noch nicht einmal ein ernstzunehmender Straftatbestand!

Mit großem Entsetzen haben die Deutschen einstmals gelesen, dass im Iran korrupte Bänker hingerichtet worden sind. Glaubt nicht, dass das Entsetzen wegen der Hinrichtung war. Wenn in den USA ein Nachkomme der verschleppten Sklaven aus Afrika wegen harmloser Delikte hingerichtet wird, regt sich hier niemand auf. Aber als Bänker bei Euch hingerichtet worden sind, haben die Deutschen Angst bekommen, denn Bänker sind hier heilig! Und Heiligkeiten darf man nicht hinrichten, selbst wenn sie durch ihre Korruption Millionen-Schäden angerichtet haben. Derzeit füllen ganze Serien von Berichten unsere Medien, wie Minister der Bundesrepublik sich durch ihre Tätigkeit bereichert haben. Aber das ist hier erlaubt.

Jetzt seid Ihr sicherlich verwundert. Bisher habt ihr immer gelehrt bekommen und artig gelernt, dass der Orient die Ausgeburt an Korruption sei und die Westliche Welt – insbesondere Deutschland – erheblich weniger korrupt. Diese Art der Manipulation ist eines der propagandistischen Kriegsmittel, um den Gegner zu schwächen und die eigenen Reihen zu schließen. Zweifelsohne gibt es Korruption im Iran auf vielen Ebenen. Aber Ihr wisst es und verabscheut es. Und diejenigen mit Weitsicht unter Euch, die die Zeit vor der Islamischen Revolution miterlebt haben, wissen, dass die Korruption immer weniger geworden ist und immer heftiger bekämpft wird. Die heutige Situation der Korruption im Iran ist überhaupt nicht vergleichbar mit der Situation vor noch wenigen Jahrzehnten. Zudem verfügt ihr über ein Religionsoberhaupt und Revolutionsführer, dem selbst seine Gegner bescheinigen einen sehr bescheidenen Lebensstandard zu führen und ganz sicher nicht korrupt zu sein!

In Deutschland hingegen haben wir heute ein Maß an Korruption, wie es das Land noch nie zuvor gesehen hat mit dem Unterschied zu Euch, dass viele Deutsche es nicht wahrhaben wollen! Das liegt zum einen daran, dass die meisten Menschen selbst von einem materiell reichen Leben träumen. Zudem verfügen wir über kein so integres Oberhaupt, das ein einfaches bescheidenes Privatleben führt. Viele von uns in Deutschland wollen solch ein Vorbild auch gar nicht. Die meistgelesenen Geschichten in den volksverdummenden Klatschblättern sind die Geschichten von europäischen Königshäusern und deren Leben im Luxus, von dem jeder in der Anbetung des Materialismus träumen soll. Wir Deutsche haben zwar keinen König mehr, aber unser Präsident darf auch in einem Schloss leben und die meisten Deutschen finden das gut, einmal abgesehen davon, dass wir kaum eine befähigte Person für die geistige Führung finden würden, wenn er nicht in solch einem Luxus leben könnte.

Die Korruption in Deutschland wird sehr anschaulich durch einen unanständigen Witz verdeutlicht: „Ein Mann spricht in der Lobby eines Luxushotels eine fremde Frau an und fragt sie, ob er für eine Nacht mit auf ihr Zimmer kommen darf für eine Million Euro. Die Frau nennt unverzüglich ihre Zimmernummer. Daraufhin fragt der Gast, ob er auch für ein Euro mitkommen darf. Die Frau versetzt ihm eine schallende Ohrfeige und sagt entsetzt: „Solch eine Unverschämtheit! Für was halten sie mich?“ Der Mann antwortete daraufhin: „Für was ich sie halte, haben wir in der ersten Frage geklärt. Jetzt geht es nur noch um den Preis“.“ Die Korruption geht einher mit der Heuchelei. Wir haben derzeit Politiker, die dem Volk immer schwerere Lasten aufbürden und behaupten, dass die einfachste Sozialhilfe hinreichend sei, während sie sich in der schwersten Pandemie der Bundesrepublik schamlos bereichern!

Die Korrumpierung der gesamten Gesellschaft ist wie ein Eisberg, dessen Spitze von Politikern aus dem Wasser ragt. Das Fundament dieser Verwerfung ist der Materialismus, der gepaart mit der Selbstsucht, die hier „Selbstverwirklichung“ heißt, in den Herzen der meisten Menschen Seelen zerstört. Die daraus resultierende Einsamkeit soll wiederum durch die Wahnvorstellung von noch mehr Materialismus kompensiert werden.

Wir brauchen in Deutschland eine spirituelle Revolution, zurück zu Jesus, zurück zu Gott. Doch davon sind wir sehr weit entfernt. Ihr, liebe Iraner, habt solch eine spirituelle Revolution durchgeführt und damit den ganzen Dreck der ausländischen Überrumpelung weggespült. Ihr habt mit Eurem geistigen Oberhaupt eine Basis aufgebaut, mit der Ihr auch schwere Zeiten überwinden und Euch stets weiterentwickeln könnte – so Gott will. Bitte nehmt das Jahresmotto des Imams noch ernster als bisher. Und ich bitte Euch darum, diesen Weg beständig fortzusetzen, denn – auch wenn viele von Euch das noch nicht wahrgenommen haben – Eure Befreiung kann nicht nur den Armen der Welt Hoffnung schenken, sondern auch uns Deutschen. Wenn wir sehen, dass ein Volk sich von den Pharaonen der Zeit befreit hat, indem er sich dem wahren Moses der Zeit angeschlossen hat, werden wir Deutsche auch die Bergpredigt wieder lesen lernen. So werden wir feststellen, dass Muslime über eine viel umfangreichere Version der Bergpredigt Jesu verfügen und auch diese studieren. Wenn Ihr Euren revolutionären Weg voranschreitet, dann könnt Ihr auch uns damit helfen, uns von unserer Ergebung in den Materialismus zu befreien.

Abschließend bitte ich Euch, liebe Iraner, nicht zu glauben, der Schreiber dieser Briefe wäre so naiv, um nicht zu wissen, dass es auch im Iran Korruption auf vielen Ebenen gibt. Glaubt Ihr, ich weiß nicht, dass manche Eurer Politiker mit nur lächerlich erhobener Scheinfaust „Markbar Amrika“ rufen? Dabei ist doch dieser Schlachtruf so bedeutsam: Nieder mit dem Materialismus, nieder mit dem imperialistischen Kapitalismus des Westens, nieder mit der Verdinglichung von Menschen und Vergötterung von Dingen. Ja, jener Kampfruf ist genau so wichtig wie einstmals Euer „markbar Schorawi“, nieder mit dem Materialismus des Sowjetimperiums. Letzteren Kampfruf braucht ihr heute nicht mehr zu rufen – Gott sei Dank! Umso wichtiger ist das „markbar amrika“. Aber denkt nicht, ich wüsste nicht, dass Ihr Politiker im Parlament und zuweilen auch in Regierungskreisen habt, die einerseits „markbar amrika“ rufen und andererseits ihre eigenen Söhne und Töchter in die USA zum Studieren schicken, meistens, weil sie die schweren Aufnahmeprüfungen an Eure hochwertigen Universitäten nicht geschafft haben.

Aber genau dieses Wissen ist ja eines der Gründe, warum ich Euch schreibe, Liebe Iraner: Bitte wählt die Menschen, deren Söhne und Töchter ganz sicher nicht im Westen studieren werden. Bitte wählt diejenigen vorbildhaften Bürger, die sich nicht bereichern wollen an ihrer Aufgabe, sondern in der Erfüllung des Dienstes am Volk ihren Gottesdienst erkennen. Das mag wie eine Utopie klingen, aber die Islamischen Revolution hat diese Utopie zurück auf die Erde gebracht. Und mit Euren Wahlen könnt Ihr dazu beitragen, dass auch der Erlöser bald zurückkehren wird – so Gott will. Zumindest wäret ihr dann auf seiner heiligen Seite und wir hätten die Chance, dass Jesus uns mitbefreit. Gott schütze Euch.

Siehe auch:
- Teil 1: Ihr wisst nicht, was hier geschieht
- Teil 2: Atomdemütigung
- Teil 3: Bankensystem
- Teil 4: Sogenannte freie Sexualität
- Teil 5: Unser materieller Reichtum
- Teil 6: Tributzahlungen und Irreführung der Jugend
- Teil 7: An der Seite der Unterdrücker oder der Unterdrückten
- Teil 8: Religion
- Teil 9: Wirtschaftssystem
- Teil 10: Gleichberechtigung der Geschlechter


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zuletzt bearbeitet 29.03.2021 | Top

RE: Offener Brief eines deutschen Muslims an Iran im Wahljahr 1400 (Teil 11: Überwindung von Korruption und Heuchelei)

#2 von Dr.Josef Haas , 30.03.2021 09:17

Wie immer, haben Sie ebenso klare wie vor allem wahre Worte gefunden.
Die in Ihrem Beitrag geforderte "spirituelle Revolution- zurück zu Gott", wäre
natürlich in diesem Land, also Deutschland, dringender denn jemals zuvor. Deren
Erfolgsaussichten sind allerdings von Ihnen zutreffend charakterisiert worden.
Warum diese Aussage? Die völlige Systemkonformität der hiesigen katholischen
und evangelischen (Amts)kirchen sind für eine völlige Verfälschung unseres Christus-
Bildes hauptverantwortlich. Der revolutionäre Jesus, der bekanntlich in den Ostertagen
wegen seiner fortschrittlichen Botschaft von Liebe und Gerechtigkeit unter den Menschen
vom seinerzeitigen jüdischen Establishment den Römern ausgeliefert wurde, die ihn dann
ans Kreuz schlugen, hat ja weiß Gott nicht (mehr) das Geringste mit der heutigen, völlig
dem absolut unchristlichen Zeitgeist ergebenen, Führungsschicht der beiden großen
christlichen Kirchen zu tun.
Infolgedessen hat die dann auch allen Anlass, eine wirklich diesen Namen rechtfertigende
spirituelle Revolution zu verhindern.
Leider ist aber genau diese Tendenz zur Verbürgerlichung, welche unmittelbar zum Verrat
am wahren Glauben führt, auch im Islam zu beobachten.
Daher war und ist es auch richtig, dass Sie, lieber Herr Dr. Özoguz, diese Briefe an die
Muslime im Iran geschrieben haben.
Es bleibt abzuwarten, ob sie dort die gewünschte Reaktion auszulösen vermögen.
Sollte dies allerdings nicht der Fall sein, würde der teuflische Kapitalismus eine weitere Schlacht
gewonnen haben. Eine furchtbare Vorstellung, vor der uns Gott bewahren möge!

Dr.Josef Haas  
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Offener Brief eines deutschen Muslims an meine Brüder und Schwestern im Iran im Wahljahr 1400 (Teil 12: Demokratie und Imamat)
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