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Offener Brief eines deutschen Muslims an meine Brüder und Schwestern im Iran im Wahljahr 1400 (Teil 1)

#1 von Yavuz Özoguz , 16.02.2021 11:35

Offener Brief eines deutschen Muslims an meine Brüder und Schwestern im Iran im Wahljahr 1400
(Teil 1: Ihr wisst nicht, was hier geschieht)

Liebe Brüder und Schwestern im Iran,

unabhängig davon, ob Ihr Muslime seid oder Christen, Juden, Zaroastrier oder von Gott bisher wenig wisst, euch aber für Gerechtigkeit interessiert, ich grüße Euch alle mit dem Friedensgruß: Der Friede Gottes sei mit Euch allen.



Ein sehr bedeutsames Wahljahr steht in der Islamischen Republik Iran bevor. Und in diesem Wahljahr geht es um eine Ausrichtung. Aus einer Ferne von mehreren tausend Kilometern steht es mir nicht zu, den mutigen Kämpfern für Freiheit und den Flaggenträgern für Widerstand gegen den verbrecherischen Imperialismus Wahlratschläge zu geben. Ich weiß, dass Ihr von der Linie des Widerstandes gegen die Arroganz der Welt nicht abweichen, sondern mutig und standhaft diesen Weg fortsetzen werdet, bis der Erlöser erscheint. So besteht die Frage der Wahl nicht darin, ob Ihr die Flagge der Islamischen Revolution zur Befreiung aller Unterdrückten der Welt weitertragt, sondern nur darin, wie ihr sie weitertragt. Ihr habt euch in den letzten Jahren mit großen Opfern den historisch übelsten Sanktionen widersetzt. Kein anderes Land dieser Erde hätte das überstanden. Gott belohne Euch für diesen Widerstand, der ein Leuchtturm für alle nach wahrem Frieden und wahrer Freiheit sehnenden Völker ist.

In diesem einmaligen Widerstand habe ich allerdings einige Nuancen unterschiedlicher Meinungen entdeckt, die ich wie folgt vereinfacht darstellen möchte: Im einem Pol Eures Widerstandes gibt es zweifelsohne die Heiligkeit unserer Zeit Imam Chamenei – Gott schütze ihn - der Moses unserer Zeit, der den Stab gegen die Truppen des Pharaos in der Hand hält und immer wieder das Meer spaltet, um das Volk der Freiheitsliebenden sicher durch die Stürme der Unterdrücker zu führen. Mit ihm sind zahlreiche Gelehrte, Soldaten, die ehrenvollen Revolutionsgarden, Parlamentarier und ein Teil des Volkes. Den anderen Pol stellen all jene Verantwortungsträger dar, die glauben die Welt besser zu verstehen als Imam Chamenei. Sie wollen die Linie des Friedens und der Freiheit für das eigene Land nicht verlassen, aber sie haben die Vorstellung, dass es den Menschen in der Westlichen Welt besser geht als den Iranern und daher glauben sie durch eine Art Kompromiss mit dem Westen gewisse Vorteile für die Bevölkerung im Iran erringen zu können. Auf dieser Welle schwimmen nicht nur alle, die gerne einen westlichen Lebensstil führen wollen, sondern auch einige Theologen, sogenannten Intellektuelle, Parlamentarier, selbst Regierungsmitglieder und Teile des Volkes. Hierbei liegt meines Erachtens eine eklatante Fehleinschätzung vor, die darauf beruht, dass Euch, meine lieben Brüder und Schwestern im Iran, viele Gegebenheiten aus der Westlichen Welt nicht berichtet werden.

Meine Wenigkeit lebt im Westen. Ich bin kein Iraner, sondern deutscher Staatsangehöriger mit türkischen Wurzeln, der im Laufe der Islamischen Revolution 1979 zum ersten Mal in seinem Leben von der Schia und der wahren Bedeutung von Aschura gehört hat. Es gibt keinen Zweifel daran, dass es mir und meiner Familie in Deutschland so gut geht, dass ich mich schäme diesen Brief an meine Brüder und Schwestern im Iran zu schreiben, denen es weitaus schlechter geht, um Ihnen Dinge zu erklären, die sie leider nicht nur nicht gehört haben, sondern sich kaum vorstellen können. Ich behaupte am Anfang dieses Briefes sogar, dass manche Leser mir die folgenden Zeilen nicht glauben werden. Daher empfehle ich Euch nachzufragen und zu erfragen, ob das überhaupt stimmen kann.

Meine Wenigkeit gilt in Deutschland als eine bekannte Figur der Anhänger Imam Chameneis, Gott schütze ihn. Das hat zur Folge, dass meine Wenigkeit, und diejenigen mit mir, regelmäßig von den Zeitungen des Landes zerrissen werden. Viele von uns bekommen Probleme im Beruf und können selbst bei freiwilligen und ehrenamtlichen Arbeiten, wie der Hilfe für Flüchtlinge, nur mitarbeiten, wenn sie sich nicht öffentlich zu Imam Chamenei bekennen. Unsere Leute versuchen unsere Moscheen zu schützen, wie z.B. die wunderbare Imam Ali Moschee in Hamburg, aber dafür bekommen wir immer wieder Probleme, während Iraner, die öffentlich gegen die Moschee sprechen und die übelsten Schimpfworte gegen Imam Husain (a.) verbreiten, vom Staat geschützt werden. Meine Wenigkeit kann kein Konto bei irgendeiner deutschen Bank eröffnen, da ich auf irgendeine geheime amerikanische Liste geraten bin, wie es mir ein vertrauensvoller Bankmitarbeiter mitgeteilt hat. Fast alle unsere Arbeiten werden vom Staat tagtäglich bekämpft. Dazu ein einfaches Beispiel: Mein junger Neffe und meine Schwägerin haben den schwarzen Gurt in Karate und haben in einem deutschen Verein ehrenamtlich Unterricht in dieser Sportart erteilt, bis der Verfassungsschutz den Sportverein dazu gebracht hat, beiden jegliche weitere Lehre zu verbieten. Bis hierher werden diejenigen unter Euch, die Kompromisse mit dem Westen anstreben, möglicherweise noch folgen können. Aber was ich jetzt im Folgenden berichten werde, werdet Ihr nicht glauben können oder wollen. Doch es ist die Wahrheit.

Wir haben in Deutschland eine Meinungsdiktatur, die Ausmaße erreicht hat, dass selbst die einfachsten Dinge nicht mehr erlaubt sind zu sagen. Erst vor Kurzem hat ein Bruder ein 14-Sekunden Video beim deutschen Ableger einer berühmten Internetplattform namens TikTok hochgeladen. Darin sagt er, dass Jungen zu Männern werden und Mädchen zu Frauen, und dass man sich nichts anderes einreden lassen soll. Das Video wurde wegen Diskriminierung von Minderheiten gelöscht. Das werden viele von Euch nicht verstehen, aber in Deutschland ist es inzwischen Gesetz, dass es nicht nur Männer und Frauen gibt, sondern ein Dutzend Geschlechter dazwischen. Dazu ein Beispiel: Vor 50 Jahren musste man eine Stellenanzeige z.B. folgendermaßen formulieren: „Suche Ingenieur“. Damit war klar, dass es ein männlicher oder weiblicher Ingenieur sein konnte, der die Qualifikation erfüllte. Vor wenigen Jahrzehnten wurde man rechtlich dazu verpflichtet die gleiche Anzeige folgendermaßen zu formulieren: „Suche Ingenieur/Ingenieurin“. Inzwischen aber ist man verpflichtet zu schreiben: „Suche Ingenieur männlich/weiblich/divers“. Falls jemand das ins Persische übersetzt, entschuldige ich mich dafür, dass es wohl nicht übersetzbar ist.

Ich weiß, Ihr werdet das nicht glauben, und wenn doch, dann werdet Ihr denken, was macht das schon. Aber die Auswirkungen zeigen sich überall in der Gesellschaft. Unseren kleinsten Kindern wird bereits in den ersten Schulklassen beigebracht, dass es völlig normal sei, dass ein Kind zwei Väter oder zwei Mütter hätte. Es gibt kaum einen modernen Spielfilm, in dem nicht Homosexuelle eine wichtige Rolle spielen. Der zweitwichtigste Virologe des Landes, der jetzt im Zuge der Corona-Maßnahmen jede Woche im Fernsehen zu sehen ist, ist mit einem Mann verheiratet! Ja, in Deutschland dürfen zwei Männer miteinander heiraten und sie dürfen sogar Kinder adoptieren. Jener „Ehemann“ des männlichen Virologen hat jetzt einen sehr lukrativen Job im Bundesgesundheitsministerium erhalten. Der Bundesgesundheitsminister lebt ebenfalls mit einem Mann zusammen und beide haben sich während der größten Pandemie in Deutschland eine sehr teure Villa in Berlin gekauft und die Zeitung verklagt, die den Kaufpreis veröffentlicht hat. Ich sehe Eure Gedanken vor mir, und Ihr glaubt, ich übertreibe maßlos, aber Ihr habt kein Wissen über diese Dinge, weil sie Euch nicht berichtet werden.

Im Bundestag – das ist unser Parlament – sitzen Parlamentarier einer Partei, deren Jugend Inzest erlauben will. Sie wollen die Ehe zwischen Vater und Tochter, Bruder und Schwester, ja sogar zwischen Vater und Sohn erlauben. Immer mehr glaubt Ihr, dass ich spinne, aber fragt nach, ob es stimmt. Eine letzte Steigerung will ich Euch noch liefern. In einigen Nachbarländern Deutschlands ist es inzwischen erlaubt, jemandem beim Selbstmord zu helfen, wenn er so krank ist, dass aus medizinischer Sicht kaum eine Heilung erwartet wird. Was bisher nur für Erwachsene galt, soll jetzt auch für Kinder ermöglicht werden, wobei die Eltern für die Kinder entscheiden. Und das soll bald auch in Deutschland eingeführt werden.

Ja, ich weiß, Ihr glaubt, das ist unmöglich, ich übertreibe maßlos. Aber warum sollte ich das tun? Es geht um meine Heimat Deutschland. Auch wenn ich Imam Chamenei liebe, so ist Deutschland mein Heimatland und ich möchte meine Heimat schützen vor den Abgründen, auf die wir zusteuern. Ich weiß, was hier geschieht und in welche Richtung wir gehen. Habt Ihr ernsthaft geglaubt, Deutschland kann an der Seite der US-Imperialisten und als bester Unterstützer des Zionismus die halbe Menschheit mit unterdrücken helfen, ohne dass es Auswirkungen auf unser Land hätte? Wollt Ihr wirklich Eure Kinder in solch einer Atmosphäre groß werden lassen? Wollt Ihr Euren Kindern erklären müssen, warum der Freund zwei Väter hat und warum die schwerkranke Freundin von den eigenen Eltern umgebracht werden durfte? Wollt Ihr Euren Kindern erklären, warum Ihr Politiker habt, die gar keine eigenen Kinder haben können, und ihnen möglicherweise auch deshalb die Zukunft des Landes weniger bedeutet als der aktuelle eigene Geldbeutel?

Meine lieben Brüder und Schwestern im Iran, dieser erste Teil meines Briefes an Euch ist nur ein vorsichtiger Einstieg in das, was ich Euch noch in Zukunft über dieses Land berichten möchte, damit Ihr aufhört „Kompromisse“ mit dem Westen zu schließen. Der gesegnete Imam Chomeini hat einstmals geschrieben, dass in einer Atmosphäre der Unterdrückung viele sich freuen, wenn einer den Mut aufbringt, die Wahrheit zu verkünden. Ihr, liebe Iraner, seid es, die in dieser Welt die Flagge einer simplen Wahrheit hochhaltet, die Flagge der Gerechtigkeit. Je weniger wir hier die Wahrheit aussprechen dürfen, desto mehr freuen wir uns, wenn Ihr es tut.

Abschließend fragen sich einige von Euch, warum ich denn diesen Brief in Deutschland veröffentlichen darf, wenn doch hier alles Kritische verboten sei. Die Antwort darauf ist einfach: In den letzten 40 Jahren meiner politischen Aktivitäten wurden unsere Veröffentlichungen derart massiv eingeschränkt, dass wir nur noch wenige hundert Leser erreichen können. So lange das der Fall ist, wird man uns zulassen, um behaupten zu können, dass es hier Meinungsfreiheit gäbe. Aber sobald es mehr werden, geht der Staat massiv dagegen vor. Das spüren zur Zeit viele Ärzte im Land, deren Praxen tagtäglich mit starkem Polizeiaufgebot durchsucht werden, weil sie die Corona-Maßnahmen des Staates kritisieren. Das spüren viele alternative Denker, deren Kanal in YouTube gelöscht wurde und alle ihre Filme dazu.

Falls Ihr deutschsprachigen Leser dieser Briefes und Iraner, die möglicherweise eine Übersetzung lesen, an weiteren Teilen interessiert seid, so schreibt es mir unter yavuz@muslim-markt.de

Gott schütze Euch und uns alle.


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zuletzt bearbeitet 16.02.2021 | Top

RE: Offener Brief eines deutschen Muslims an meine Brüder und Schwestern im Iran im Wahljahr 1400 (Teil 1)

#2 von Dr.Josef Haas , 16.02.2021 15:07

Ich stimme Ihren Ausführungen in jeder Hinsicht zu. Es bleibt in diesem Zusammenhang nur zu
hoffen, dass der revolutionäre Iran, in dem es aber leider auch einen konter-revolutionären Bodensatz
gibt, erhalten bleibt.
Er ist und bleibt- zumindest derzeit- ja der Hoffnung verheißende Part im Islam, der bekanntlich
ansonsten- Stichwort: Massenweise völkerrechtliche Anerkennung Israels durch islamische Staaten-
immer mehr durch eine perverse Anpassung an den teuflischen Zeitgeist in Mitleidenschaft gezogen
wurde und wird.

Dr.Josef Haas  
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