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RE: Warum leben wir?

#151 von Werner Arndt , 12.04.2022 19:47

Zitat von Dörte Donker im Beitrag #150
Egal, was man durchmacht, im Guten, wie im Schlechten, es ist nichts irgendwie sinnlos.


Ein Fazit zur Eingangsfrage dieses threads enthält #143, leider ist das Video zum Sinn des Lebens dort nicht mehr verfügbar.

Frau Donkers Zitat könnte man zum Anlass nehmen, darüber hinaus auch auf das Leid im irdischen Leben einzugehen. Exkurs: Warum lässt Gott Leid zu, Schmerz, Zerstörung, Katastrophen? Fragen dieser Art sind oft zu hören, in diesen Zeiten vielleicht alltäglich. Die Beantwortung ist kein Kinderspiel, als Versuch einer Annäherung in diesem Beitrag Ansätze dazu, Ergänzungen sind willkommen.

Zitat
Interview mit Gott

Fragen, die nie ein Mensch gestellt
ich spreche mit ihm über ihn und die Welt
Er war lange weg, wir sprechen exklusiv
über sein Comeback

"Ey, wieso lässt du uns so hängen?"
beginne ich mein Interview
"Wenn du doch der liebe Gott bist
warum lässt du dann Kriege zu?

Du schickst auch keine Schutzengel runter
runter in den Sudan
Die krepier'n da und ich vermute
du guckst es dir nicht mal mehr an"

...

(Udo Lindenberg)
https://www.udo-lindenberg.de/interview_mit_gott.60394.htm



Und wahrlich, Wir erschufen den Menschen, und Wir wissen, was er in seinem Innern hegt;
und Wir sind ihm näher als (seine) Halsschlagader.
(Qur´an 50:16)



Zitat
Gott, das Leid und die Antwort des Qur’an

...

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit … Dieser Ratschlag geht in erster Linie an diejenigen, die versuchen, das Problem des Übels als Beweis gegen Gott aufzustellen, aber selbst das Problem nicht lösen, sondern nur verlagern. Die islamische Theodizee hingegen bietet vernünftige Ansätze, von denen ich einige wenige erwähnt habe. Die göttliche Weisheit, der freie Wille, das Leben als Test und das Jenseits als individueller Ausgleich sind einige dieser Ansätze, welche durch den Qur’an belegte, vernünftige Zugänge sind. Wenn also jemand meint, er hätte die Welt frei von Übel und Leid erschaffen, wenn er Gott wäre, dann entgegne ihm: Das hättest du getan, wenn du Seine Allmacht hättest. Hättest du zudem Seine Weisheit, würdest du alles so lassen, wie es ist.

https://www.sertacodabas.at/gott-das-lei...wort-des-quran/



Und Wir fordern von keiner Seele etwas über das hinaus, was sie zu leisten vermag. ...
(Qur´an 23:62)

... Doch verkünde den Geduldigen eine frohe Botschaft, die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: "Wir gehören Allāh und zu Ihm kehren wir zurück."
Auf diese lässt ihr Herr Segnungen und Barmherzigkeit herab und diese werden rechtgeleitet sein.
(Qur´an 2:155-157)



Zitat
Abū Yahya Suhaib ibn Sinan - Allah habe Wohlgefallen an ihm - überliefert, dass der Gesandte Allahs - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - sagte:

"Der Gläubige ist zu bewundern, da alles für ihn gut ist. Und niemanden außer einem Gläubigen zeichnet dies aus: Wenn ihm etwas Erfreuliches widerfährt und er dankt (Allah) dafür, so ist das gut für ihn. Wenn er von einer Prüfung heimgesucht wird und sich in Geduld übt, so ist das auch gut für ihn." (Überliefert bei Muslim)

[Riyadhu s-Salihin: Hadith-Nr. 27, Buch 1, Kapitel 3]
https://islamische-datenbank.de/riyadhu-...gen&hadithno=27


Werner Arndt  
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zuletzt bearbeitet 13.04.2022 | Top

RE: Warum leben wir?

#152 von Werner Arndt , 27.04.2022 16:43

Zitat von Dörte Donker im Beitrag #142
Er [der Mensch] muss wissen, in welcher Position er sich gegenüber der Schöpfung und gegenüber Gott befindet und wie er mit den Geschöpfen der Schöpfung umgehen sollte. So wie das Universum voller fein abgestimmter Gesetze ist, so muss auch unser Leben ausgerichtet sein, um dem Ganzen nicht zu schaden, um letztendlich Gott zu dienen.


Zitat
Surah Al-´Asr

...

Ash-Shafi´i sagte: "Wenn die Menschen über diese Surah nachdenken würden, wäre sie ausreichend für sie."

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

1. Beim Zeitalter!
2. Der Mensch befindet sich wahrlich im Verlust,
3. außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun und einander die Wahrheit eindringlich empfehlen und einander die Standhaftigkeit eindringlich empfehlen.


...

(Tafsir Ibn Kathir, Qur´anexegese, 30. Teil, Verlag Al-Tamhid, Bonn 2011, S. 315 ff.)



Zitat
103:1-3 - Diese kurze Sura ist die Zusammenfassung des Grundgesetzes des Islam und der Anweisungen für das Handeln im täglichen Leben eines Muslims - nämlich Glaube als Grundlage für alles Handeln, daraus resultierende gute Taten und das gegenseitige Sich-Ermahnen zur Wahrheit und zur Geduld. ...

Der grammatische Einzahlbegriff "der Mensch" steht in Vers 2 dieser Sura als Abstraktion und stellvertretend für die ganze Menschheit; "Verlust" bedeutet in diesem Zusammenhang "Schaden", nach anderen Kommentatoren "Untergang", "Bestrafung", "Übel" oder "Übervorteilung" - wie man sieht, liegen die verschiedenen Begriffe in ihrer Bedeutung alle nahe beieinander. ...

Ausgenommen von diesem verlustreichen Handel der Menschheit sind diejenigen, "die glauben ..." - die an die Existenz und die Einheit Allāhs glauben, die an die Entsendung von Allāhs Boten glauben und daran, dass Muḥammad, Allāhs Segen und Friede auf ihm, der letzte und für alle Völker entsandte Prophet ist, die daran glauben, dass die vom Gesandten Allāhs, Allāhs Segen und Friede auf ihm, übermittelten Gebote und Verbote und sein Vorbild für alle Muslime und in jedem Zeitalter verbindlich sind und dass die durch ihn übermittelte Botschaft die Wahrheit ist. Im Anschluß an den Glauben werden im dritten Vers dieser Sura noch andere Eigenschaften genannt, die diejenigen besitzen, die vom verlustreichen Handel ausgenommen sind: Diese weiteren Eigenschaften stehen mit dem Glauben in unmittelbarem Zusammenhang; denn ohne ihn haben sie keinen Wert. ...

Die guten Werke müssen also getan werden, während man an Allāh (t) glaubt, sonst werden sie von Allāh (t) nicht angenommen, oder anders ausgedrückt: diejenigen, die nicht an Allāh (t) glauben, führen nicht nur mit ihren schlechten Taten einen verlustreichen Handel, sondern auch mit ihren "guten Werken", da diese ohne den Glauben an Allāh (t) keinen Wert haben. ...

Was sind nun "gute Werke"? Das sind Taten, die den Geschöpfen Allāhs nützen und den Bedürftigen in ihrer Not helfen. Denn wer Allāhs Geschöpfen dient, indem er ihnen Gutes erweist und ihnen in Not und Elend hilfreich zur Seite steht, der dient damit auch ihrem Schöpfer und Herrn. Der Begriff "gute Werke" ist also sehr weit gefasst zu verstehen; er beinhaltet alles, was einem anderen Geschöpf - von den eigenen Eltern bis hin zu den Tieren der Wildnis - Wohltat und Hilfe ist, vom Unterlassen übler Rede und Beleidigung bis hin zur Rettung aus Lebensgefahr, und für diese guten Taten verspricht Allāh (t) im Jenseits das Paradies. Mit der "Wahrheit" im Vers 3 soll nach Ibn ‘Abbās (r) die Lehre von der Einheit Allāhs, der Tauḥīd, gemeint sein, nach Meinung anderer der Qur’ān.

Wie dem auch sei - nach allgemeiner Definition ist die Wahrheit eine feststehende Tatsache, die niemand leugnen kann, und sie bezeichnet in diesem Zusammenhang alles Gute: angefangen von der Lehre des Tauḥīd und dem Gehorsam Allāh (t) gegenüber, indem man Seine Gebote und die Lehre Seiner Gesandten, Allāhs Friede auf ihnen, befolgt, bis hin zur Bescheidenheit im Diesseits und dem Verlangen nach dem Jenseits. (vgl. 90:17) "Geduld" bedeutet Ausharren in Gehorsam gegenüber Allāh (t) und Ablassen vom Ungehorsam Ihm gegenüber, aber auch Ertragen von Prüfung und Unglück. Das Wort "gegenseitig" zeigt, dass der Muslim sich mit der Wahrheitsliebe und der Geduld nicht auf sich allein beschränken darf, sondern auch andere Menschen dazu anhalten soll; denn der Islam ist keine Religion für Einsiedler, sondern in erster Linie eine Religion für Menschen, die in Gemeinschaft miteinander leben. Und wenn einer in dieser Gemeinschaft sieht, dass ein anderer seine Pflichten vernachlässigt, so soll er ihn an deren Erfüllung erinnern. In diesem Sinne kann der Text auch bedeuten: "sich gegenseitig mit der Wahrheit ermahnen", d.h. also, sich gegenseitig mit der Wahrheit und der Weisheit aus dem Qur’ān Rat erteilen und Anweisungen für ein rechtschaffenes, gottesfürchtiges Leben geben. Das arabische Wort "tawāṣau", "sich gegenseitig ans Herz legen, sich gegenseitig anhalten bzw. ermahnen, sich gegenseitig anraten", steht in diesem Vers zweimal: das erste Mal in Verbindung mit "Wahrheit" und das zweite Mal in Verbindung mit "Geduld". ...

Mit "sich gegenseitig zur Geduld anhalten" ist also gemeint, dass man seinem Mitmenschen in schwierigen Situationen, Notlagen und im Elend Mut macht, Trost spendet und ihn zum Ausharren und geduldigen Ertragen seiner Lage anspornt. Denn der Muslim darf niemals aufgeben, auch wenn seine Lage noch so aussichtslos erscheint - weiß er doch nicht, ob Allāh (t) ihn vielleicht damit prüfen will oder ob sich seine Situation nicht doch noch zum Besseren wenden wird.

...

(Tafsīr Al-Qur’ān Al-Karīm | Erläuterung des Al-Qur’ān Al-Karīm in deutscher Sprache, Monolinguale Ausgabe, Verlag Islamische Bibliothek, S. 990 ff.)
http://www.way-to-allah.com/dokument/Taf...an_Al-Karim.pdf


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