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RE: Warum leben wir?

#76 von Cengiz Tuna , 04.02.2015 22:07

Zitat
Iblis müsste ja auch göttliche Fähigkeiten haben. Ist er auch ein Statthalter Gottes? Und wer sind die Dschinn? Können die nicht auch zwischen Gut und Böse unterscheiden?


Lieber Herr Hader, Satan bzw. Dschinns und Engel haben auch Fähigkeiten von Gott bekommen, diese reichen aber nicht an die des Menschen heran. Der Satan kann die Menschen verführen, aber nur, wenn der Mensch es zulässt. Gott hat den Menschen zu seinem Statthalter erkoren und ihm einen besonderen Rang verliehen. Das wollte Iblis nicht wahrhaben und widersetzte sich dem. Die Geschichte kennen wir.

Soweit ich weiß, gibt es für die unterschiedlichen Aufgaben unterschiedliche Arten von Dschinns. Einige davon können zwischen Gut und Böse unterscheiden. Auch Satan. Er weiß, dass es Gott gibt. Schließlich hat er ihm sehr lange gedient. Und im Jenseits wird er sich noch von denen, die er verführt hat, lossagen und zugeben, dass er sie verführt hat. Also muss zumindest Satan zwischen Gut und Böse unterscheiden können.

Für solche Fragen ist die Enzyklopädie des Islam von Herrn Özoguz die beste Quelle, um sich zu informieren. Für mich gibt es im deutschsprachigen Raum nichts Wertvolleres. Und ich denke, ich übertreibe da nicht. Bevor man sich auf anti-islamischen Seiten über den Islam informiert, wie es einige tun, sollte man lieber da reinschauen.

http://www.eslam.de/begriffe/d/dschinn.htm

http://www.eslam.de/begriffe/i/iblis.htm

Zitat
Ich bitte um Entschuldigung dafür, dass mir einiges noch nicht klar ist. Man kann nicht von Vor-der-Zeit sprechen. Dennoch muss ein Zustand geherrscht haben. Ein Zustand kann doch auch zeitlos sein. Wir wissen aber nicht, welche Gesetzmäßigkeiten bei diesem Zustand gelten. Deshalb können wir auch nicht wissen, ob dieser Zustand absolut ist.



Nein, dafür müssen Sie sich nicht entschuldigen. Es ist ja auch kompliziert. Solche Themen hat man nicht alle Tage.

Wenn ich es mal so erklären darf. Der "Zustand" ist schon eine „Form“, auch wenn sie "zeitlos" ist. Aber die Ur-Ursache kann nicht in einem Zustand oder einer Form sein. Egal welcher Zustand geherrscht hat. Die Ur-Ursache ist nicht daran gebunden. Wenn dem so wäre, würden wir die Ur-Ursache definieren (hier als zeitloser Zustand der herrschte) und somit die Ur-Ursache wieder begrenzen.

Wir, gefangen in unserer Schöpfung von Raum und Zeit, Fragen nach dem Vorher, von dem das Absolute befreit ist. Denn wäre die Ur-Ursache auch gefangen in irgendeinem Zustand, oder einer Form, oder einer Dimension, wäre es nicht die Ur-Ursache.

Oder anders:

Zitat
Dennoch muss ein Zustand geherrscht haben. Ein Zustand kann doch auch zeitlos sein.


Wenn etwas herrschen muss, dann ist etwas, wenn etwas ist, dann ist es nicht die Ur-Ursache. Die Ur-Ursache ist weder in der Zeit, noch außerhalb der Zeit. Die Ur-Ursache kommt weder aus der Existenz, noch aus der Nicht-Existenz.


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RE: Warum leben wir?

#77 von Cengiz Tuna , 04.02.2015 22:46

Zitat
Aber das erklärt noch nicht, warum es überhaupt zur Trennung kommen musste, doch das hängt auch mit der Liebe zusammen und den bereits gestellten Fragen.


Die höchste Stufe der Liebe, ist die freiwillige Liebe. Man kann Liebe nicht erzwingen. Erzwungene Liebe ist keine echte Liebe. Deshalb sind wir getrennt. Gott möchte, dass wir von aus auf Ihn zugehen. Er würde uns nie zwingen. Wenn Gott wollte, hätte er uns wie die Engel erschaffen und wir würden uns Ihm nicht widersetzen. Aber wir haben die Freiheit.

Und wie wir an den Problemen sehen, gehen wir damit nicht richtig um.


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RE: Warum leben wir?

#78 von Dörte Donker , 05.02.2015 13:16

Als Einzelindividuen sind wir ja schließlich von allen anderen getrennt.
In dieser Trennung gibt es verschiedene Formen der Liebe.
Die Liebe als Kind zu Vater und Mutter, von denen wir abhängig sind.
Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, dass vollkommen abhängig von einen ist. Und daher ist die Liebe bedingungslos.
Die Liebe von Mann und Frau zueinander, die sich ergänzen und sich mit ihrer Liebe gegenseitig beschränken. Eine Liebe, die auch ihren biologischen Zweck erfüllt, wie auch die anderen Formen der Liebe.
Dann gibt es die platonische Liebe, die Liebe der Seele zu einer anderen Seele, die keinen biologischen Zweck erfüllen.

Die Frage ob man Liebe erzwingen kann. Wenn Liebe auch eine biologische Funktion hat, ist sie gewissermaßen nicht frei entschieden. Die stärkste Liebe, die ich je kennen gelernt habe, war die Mutterliebe die ich entwickelte, als meine Kinder geboren waren und total von mir abhängig waren. Dann die Liebe zu einem Mann, in der ich einmal sagte, dass ich in seiner Seele das gesamte Universum lieben würde. Aber auch diese Liebe hätte einen Zweck gehabt, nämlich Nachkommen zu zeugen.
Nur die umfassende Liebe zu Gottes Schöpfung und zu Gott selbst, ist eine Liebe zu der ich mich entschlossen habe und die aus einem Willen gewachsen ist, so scheint es.
Aber letztendlich gibt sie den Reichtum meiner Seele, die ich benötige um das Leben als lebenswert und gut zu empfinden.


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RE: Warum leben wir?

#79 von Dörte Donker , 05.02.2015 13:33

Noch einmal, wenn wir Schwierigkeiten haben bestimmte Dinge zu erfassen, dann liegt es daran, dass diese Dinge in einem Zustand sind, die außerhalb unserer Erfahrungswelt liegen. Wir können uns auch wissenschaftlich nur bis zum unmittelbaren Zustand vor dem Urknall zurück denken, als der Raum leer war. Wir können sogar ein Bild erstellen von dem Zustand des Universums unmittelbar nach dem Urknall. Das ist tatsächlich möglich, solche "Fotos" gibt es. Sie zeigen Lichtquellen und verschiedene Wärmezonen in der sich Materie bereits verdichtet hat. Und jedes Teilchen im Universum ist da bereits vorhanden, auch wir, also die Teile aus denen wir bestehen.
Wir müssen uns damit abfinden, dass niemand das davor definieren kann. Niemand, kein Philosoph, kein Religionsstifter, kein Astrophysiker hat den Zustand davor bisher definieren können. Wir können nur sagen und das taten auch alle diese besagten Menschengruppen, dass es eine andere Dimension ist oder das Absolute.
Das Absolute gibt es nach der Ausdifferenzierung nicht mehr in der Welt die wir wahrnehmen, erdenken und erforschen können. Daher ist auch per Ausschlussverfahren wenn wir also alles erdenken, was ist, und es negieren, das Absolute das einzige Attribut, was wir über GOTT sagen können. Alle anderen Attributen gehen wieder auf unsere menschliche Erfahrungswelt zurück und sind Übertragungen aus unserer eigenen Wahrnehmung und beruhen darauf, dass unseren geistigen Prinzipien auch im Absoluten wieder zu finden sind, wie die Liebe. Weil die Liebe überall schöpferisches Prinzip ist hier auf der Welt ist, gehen wir davon aus, wenn wir die Schöpfung in seinen Eigenschaften betrachten, dass das stimmig ist.

Zum Satan.
Ich hatte da gestern einen interessanten Gedanken.
Als der Urknall ablief, da wurde zu jedem Teilchen ein gegenteiliges Teilchen erschaffen. Nur so funktioniert Quantenfluktuation. In einer Geschwindigkeit die wir nicht wahrnehmen, löschen die sich gegenseitig wieder aus. Dabei wird enorm viel Energie frei. Im Urknall passierte da in so großer Menge, dass die dabei ausgeschüttete Energie verhinderte, bzw. dafür sorgte, dass die Teilchen verklumpten. Ihre Antiteilchen konnten sie nicht mehr auslöschen, sie sind aber noch da und zwar zu allem, was existiert.
Viel Spaß bei der geistigen Inspiration.
Entschuldigt, dass ich auch immer wieder in den Topf der Theorien der Naturwissenschaften greife.


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RE: Warum leben wir?

#80 von Dörte Donker , 05.02.2015 14:19

@daniel Hader

Weder die östlichen Philosophen, noch die westlichen sind jemals an den griechischen Denkern der Antike vorbeigekommen. Ohne diese Basis existiert weder im Osten noch im Westen Philosophie, alles geht auf Sokrates, Platon, Aristoteles u.v.m. zurück. Östliche und westliche Denker haben hierbei schließlich andere Schwerpunkte gesetzt, da ja.
Vielleicht hatte die griechische Philosophie als Mutter der Philosophie auch noch eine andere Wiege. Wenn ich mir die Riesenmonumente ansehe, wie Stonehenge usw., kosmologische Monumente aus der Megalithzeit, möchte man das vermuten. Aber wir wissen davon wenig. Auch besaß diese Kultur mathematische Grundlagen, die wir den Griechen als Erdecker zuschreiben.


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RE: Warum leben wir?

#81 von Yavuz Özoguz , 05.02.2015 17:45

Bruder Cengiz hat es wunderbar beschrieben: So lange wir bei Gott waren, konnten wir ihn schlecht verleugnen. Die höchste Stufe der Liebe aber beinhaltet, dass man sie freiwillig annimmt. Daher wurden wir "herabgesandt" (downgegraded). Erst hier haben wir die Freiheit, die Liebe freiwillig anzunehmen bzw. abzulehnen. Dennoch bleibt immer noch die entscheidende Frage zu der höchsten Stufe der Liebe offen. Was, bzw. wie viel gibt derjenige, der die höchste Stufe der Liebe geben will?

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RE: Warum leben wir?

#82 von Dörte Donker , 05.02.2015 18:31

@YAVUZ
die höchste Stufe der Liebe ist immer selbstlos. Dabei muss man die niedrigen Bedürfnisse des Ichs überwinden. Diese Selbstlosigkeit geht sogar so weit, dass wir unser Leben opfern würden, nicht für jeden, aber viele Menschen haben es im Laufe der Geschichte immer wieder bewiesen, nicht nur Jesus Christus.
Jetzt kommt mein ABER.
Selbstlosigkeit ist ebenfalls ein Prinzip der Biologie, der Altruismus. Man glaubt gar nicht, wie viele Tiere selbstlos handeln. Gestern gab es ein Beispiel im TV über die Freundschaft einer alten Ziege mit einem alten, blinden Pferd. Die Ziege übernahm das Sehen für das Pferd, führte es täglich auf seine Lieblingsweide durch ein Wäldchen, ohne selbst davon etwas zu haben, es fraß dort nicht einmal selbst. Wenn wir selbst kaum unser Ego überwinden können, und eine Ziege das ohne wenn und aber über 14 Jahre lang tut ohne etwas davon zu haben, dann sollten wir uns mal fragen, was mit uns ist.


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RE: Warum leben wir?

#83 von Daniel Hader , 05.02.2015 22:02

Ich glaube die bedingungslose Liebe Gottes ist tiefer und reiner als alle Selbstlosigkeit in der Welt.
Eine Mutter beispielsweise liebt ihr Kind, da es ihr Kind ist. Zudem hat eine Mutter diese Liebe geliehen bekommen und darf sie kosten.

Altruismus in der Tierwelt (Menschen nicht ausgeschlossen) dient der Gemeinschaft oder höheren Zielen.
Gutes Tun bringt dem Wohlstäter eine Ruhe in der Seele, die ihm gut tut.
Allein Gott ist absolut unabhängig und hat dennoch dem Menschen Liebe bereitet und tut es unentwegt.

Gott/Allah hat ja auch Iblis die Möglichkeit gegeben sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Gab somit Gott Iblis auch die Chance die höchste Stufe der Liebe zu erreichen?

Die natürliche Veranlagung des Menschen ist der Gehorsam gegenüber Gott.
Hat Iblis nicht auch diese natürliche Veranlagung? Ich meine ja, sonst wäre es ungerecht von Allah, Iblis zu verdammen.

Und hier wäre ja auch noch zu klären, warum Allah gut sein muss. Allah ist doch gegenüber seiner Schöpfung nicht rechenschaftspflichtig. Der Schöpfer könnte ja nach menschlichem Ermessen ungerecht sein. Da wir aber Allah gehören, kann Er mit uns ja machen, was Er will, wie ich mit Holz. Ich kann daraus was schnitzen oder ich kann es als Brennholz verwenden. Aus der göttlichen Perspektive kann Gott mit uns machen was Er will, denn wir haben ja keine Rechte Ihm gegenüber.


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RE: Warum leben wir?

#84 von Yavuz Özoguz , 06.02.2015 07:34

Ich frage noch einmal direkt: Nehmen wir einmal an, einer von uns liebt einen Menschen mehr als alles, was würde er ihm geben? Jemand hat geantwortet, sogar sein eigenes Leben. Da Allah aber die Ur-Ursache allen Lebens ist, kann er geben, ohne selbst zu verlieren. Er "gebriert" nicht! Was also gibt der Liebende? Lässt sich das nicht mit einem einzigen Wort verallgemeinern? Was würden wir dem geben, den wir am meisten lieben?

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RE: Warum leben wir?

#85 von Dörte Donker , 06.02.2015 09:24

@Daniel Hader
[quote]Die natürliche Veranlagung des Menschen ist der Gehorsam gegenüber Gott.[quote]
Ja ist es das? Ich denke nicht, denn sonst brauchten wir keine Gesetze.

@yavuz
Was wir geben würden. Ich würde sagen unsere Seele. Andere verstehen unter Liebe etwas ganz anderes. Die Definition was Liebe ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden.


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RE: Warum leben wir?

#86 von Cengiz Tuna , 06.02.2015 10:04

Zitat
Was also gibt der Liebende?


Das eigene Leben haben wir schon gehabt.

Dann fällt mir noch Treue ein. Kann Treue gemeint sein? Wenn jemand jemanden aus ganzem Herzen liebt, dann gibt er ihm die Treue. Treue bestätigt Liebe.


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RE: Warum leben wir?

#87 von Yavuz Özoguz , 06.02.2015 12:12

Wie wäre es mit der einfachen Antwort: Alles?
Fällt jemanden etwas größeres ein, was ein Liebender verschenken könnte?
Und wenn das die Antwort sein sollte, was würde das im Bezug auf das Geschöpf heißen? Was könnte der Mensch alles erhalten?


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RE: Warum leben wir?

#88 von Daniel Hader , 06.02.2015 12:17

Der Mensch könnte die Statthalterschaft erhalten.
Er könnte in gewisser Weise göttlich werden.


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RE: Warum leben wir?

#89 von Dörte Donker , 06.02.2015 14:35

Der Islam ruft auch zur Dankbarkeit auf. Man muss erst einmal sehen, was man von Natur aus alles von Gott erhalten hat. Das nehmen wir immer so selbstverständlich hin, aber wenn man sich einmal Gedanken darüber macht, wie reich diese Gaben Gottes bereits sind, kann man sich dessen bewusst werden. Und wenn wir auf Gott zugehen, werden diese Gaben um so vielfältiger, aber das sind keine materiellen Dinge sondern Gaben an die Seele und unseren Geist.
Wir können sogar beginnen die Welt durch ganz andere Augen zu sehen und wenn dass zu einem Handeln führt, dann können wir auch die Statthalterschaft als Gabe bekommen, so Gott will.


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RE: Warum leben wir?

#90 von Dörte Donker , 06.02.2015 14:46

Zumindest schenkt Gott den seinen Freude. Dass ist ja das, was die meisten Muslime sagen und ich bei anderen Religionen niemals so vernommen habe und diese Freude ich , auch selbst empfinde, Freude und Frieden in der Seele, also eine irdische Form der Glückseeligkeit. Das möchte ich fast schon als magisch bezeichnen.


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