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Es gibt keinen marktkonformen Islam – oder: Warum der Islam die einzig verbliebene Befreiungschance für Deutschland ist

#1 von Yavuz Özoguz , 03.03.2019 11:33



Es gibt keinen marktkonformen Islam – oder: Warum der Islam die einzig verbliebene Befreiungschance für Deutschland ist

Nein, keine Sorge, in diesem Artikel wird weder dafür plädiert, dass die Bürger Deutschlands den Islam annehmen sollen, noch soll das islamische Recht in Deutschland eingeführt werden. Es geht vielmehr darum, dass die Bürger Deutschlands versuchen zu verstehen, dass ihnen Frieden, Freiheit und Demokratie geraubt wurden, sie – ohne es zu merken – zu modernen Sklaven eines weltweit mörderisch agierenden Unterdrückungssystems verkommen sind und der Ausweg sehr eng mit dem Islam und den muslimischen Mitbürgern zu tun hat.

Einmal mehr ist – zum tausendsoundsovielten Mal (gähn) – in Deutschland ein Buch gegen den Islam und die Muslime verfasst und verbreitet worden [1]. Die gleich mehreren Autoren sind eine Art Who is Who der deutschen Islamhasser, die die neue Berufsbezeichnung „Islamkritiker“ für sich in Anspruch nehmen. Das ist ein äußerst neuer Beruf, den jeder Vollidiot ausüben kann, der jemanden kennt, der schon einmal Allahu Akbar (Gott ist am Größten) gerufen haben könnte. Das macht jeder Muslim mehrfach bei jedem Gebet! In Kirchen und Synagogen hat die Befreiungstheologie Gottes schon lange keine Ausstrahlungskraft mehr. Bis hierher ist eigentlich noch alles „normal“ an dem neuen Buch.

Doch bei der Vorstellung des neuen Buches im Deutschlandfunk ist dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU und Zuständigen für Wirtschaftspolitik etwas herausgerutscht, was mehr als nur entlarvend war. Er faselte etwas von einem „Werte-Fundament“, das die freiheitlich-westlichen-Blablablas haben, verteidigen müssten usw. Und dann kamen die entscheidenden Sätze: „… ein Staat kann nur funktionieren, wenn es ein Werte-Fundament gibt. Und dieses Werte-Fundament ist entscheidend für die Umsetzung der sozialen Marktwirtschaft. Und viele glauben in Deutschland, die soziale Marktwirtschaft ist ein Wirtschaftssystem, nein, es ist ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem. Und für dessen Umsetzung brauchen wir ein Werte-Fundament.“ [1]

Die soziale Marktwirtschaft sei also auch ein Gesellschaftssystem. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, dass ein Spitzenpolitiker mit „C“ im Parteinamen, das so unverhohlen zugibt. Der Begriff „soziale Marktwirtschaft“ ist nichts anderes als eine verniedlichende Beschreibung des imperialistischen Raubtierkapitalismus. Und in Deutschland gibt ein Spitzenpolitiker der Regierungsparteien zu, dass nicht der Mensch im Vordergrund des aktuellen deutschen Systems steht, sondern die Wirtschaft. Nicht die Wirtschaft ist für den Menschen da, sondern der Mensch für die Wirtschaft. Die mit dieser unmenschlichen Denkweise zusammenhängenden Dogmen entlarven das ganze Dilemma. Jahrzehntelang hat man dem Deutschen eingeredet, dass nur in der Arbeit die Selbstverwirklichung möglich ist. Mann und Frau müssen idealerweise beide für den Markt arbeiten. Es genügt nicht so viel zu erwirtschaften, dass die Familie versorgt und glücklich ist, nein, die Selbstverwirklichung hängt an der Arbeit. Die Ehefrau, die ihre Selbstverwirklichung in Kindern und Familie sieht, ist nicht marktkonform. Daher wird die Familie zerstört; wie jeder sehen kann, sehr erfolgreich.

Eine „marktkonforme Demokratie“ ist in jenem Wertesystem eine Selbstverständlichkeit, während ein demokratiekonformer Markt nicht vorgesehen ist. Entsprechend ist eine marktkonforme Umweltpolitik [3] seit Jahrzehnten vorgesehen, nicht aber ein umweltkonformer Markt. Es gibt eine marktkonforme Arbeitsmarktpolitik [4], marktkonforme Arbeitsbedingungen [5] mit marktkonformen Schlachthofstrukturen [6], marktkonforme Versicherungspflicht [7], marktkonforme Gesundheitspolitik [8] und marktkonforme Familien [9]. Auf die Idee einen umweltkonformen oder gar familienkonformen Markt zu etablieren, kann man in dem Wertesystem „soziale Marktwirtschaft“ gar nicht kommen, denn sie wären nicht marktkonform. Selbst eine marktkonforme Religion [10] wird angestrebt. Der Markt ist der Götze, dem sich alles unterzuordnen hat. Der Wert Freiheit bedeutet vor allem Freiheit der Märkte. Ist sie gegeben, interessieren andere Freiheiten kein Stück, wie man es am Beispiel Saudi-Arabien sehen kann. Werden aber die Freiheiten der Märkte eingeschränkt, dann wehrt sich der Markt mit allen seinen Propagandamitteln und fordert Freiheitsrechte ein, in dem er den Menschen vorschiebt. Frieden ist gut, wenn es den Märkten dienlich ist. Hat der Markt sich aber überhitzt und droht das Finanzsystem in sich zusammenzubrechen, dann kann auch ein Krieg marktkonform sein. Die Politik der andauernden Spannung hilft den Märkten.

Deutschland ist derart zum Sklaven jenes Götzendienstes verkommen, dass alles und jeder dem Markt untergeordnet wird. Markt bedeutet, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderdriftet. Markt bedeutet, dass die Umwelt und die Familien zerstört werden. Markt bedeutet, dass der Mensch verdinglicht und Dinge vergöttert werden.

Das Christentum und das Judentum haben sich schon lange dem Markt untergeordnet. Kaum ein hoher Geistlicher dieser Religionen traut sich noch den Kampf gegen die Märkte aufzunehmen. Die Aussage „Gott ist am Größten“, die eigentlich für alle monotheistischen Religionen Gültigkeit haben müsste, wurde „integriert“ in: Ein marktkonformer Gott ist am Größten.

Einzig der Islam ist sowohl international als auch national in Deutschland die einzige verbliebene Kraft, welche die Menschen erreicht und sich gegen das Diktat der Märkte stellt. Daher wird der Islam bekämpft. Im eingangs erwähnten Buch wird die soziale Marktwirtschaft gegen den Islam aufgestellt. Hingegen steht im Islam das Geschöpf Mensch im Mittelpunkt, für den eine echte gerechte Marktwirtschaft etabliert werden muss. Der Markt bekämpft den Islam; aber nicht jeden Islam! Ein „liberaler“ Islam, der die Märkte in Ruhe lässt, ist genau so willkommen wie ein unmenschlicher Islam Marke Saudis, der die Märkte fördert. Nur ein Gerechtigkeit einfordernder Islam ist verboten. Denn was Gerechtigkeit ist, bestimmt nicht der Mensch, sondern der Markt.

Dieser Artikel soll einmal dazu anregen, sich intensiver und unabhängig von der marktkonformen Propaganda mit der Thematik zu beschäftigen. Wer z.B. verstehen will, warum die Islamische Republik Iran durch die Märkte zum größten Bösewicht aller Zeiten deklariert wurde, lässt sich in deren Verfassung ablesen: „Bei der Festigung der ökonomischen Grundlagen geht es prinzipiell um die Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen während seines Reife- und Entwicklungsprozesses, aber nicht, wie bei den anderen ökonomischen Systemen, um Zentralisierung und Akkumulation des Kapitals oder um Profitsucht, zumal die materialistischen Schulen die Wirtschaft als Selbstzweck betrachten, was auf dem Wege zur Entwicklung als Faktor der Zerstörung, Korruption und Verderbnis wirkt. Im Islam jedoch ist die Wirtschaft ein Mittel, und von einem Mittel erwartet man nur, zweckmäßig für das Erreichen eines Zieles zu sein. Aus dieser Sicht besteht das islamische Wirtschaftsprogramm darin, die geeigneten Grundlagen zur Entfaltung der unterschiedlichen menschlichen Kreativitäten zu bereiten ...“ [11]

Wie wäre es, wenn etwas Ähnliches eines Tages in der Verfassung eines vom Diktat der USA und Israels befreiten Deutschland stehen würde? In solch einem Staat gäbe es keine Notwendigkeit, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen und die unterschiedlichen Bürger könnten sich gegenseitig in vielen Bereichen bereichern.


[1] https://www.deutschlandfunk.de/politisch...Q4WbRu4GYJsGd-o
[2] http://www.ard.de/home/radio/Marktkonfor...9562/index.html
[3] https://www.springer.com/de/book/9783790811841
[4] https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/m...itsmarktpolitik
[5] https://eyer.de/images/pdf/Schssler-Eyer...4-15_236_ff.pdf
[6] https://www.zmp.de/analysen/marktkonform...trukturen/85096
[7] https://www.econstor.eu/handle/10419/151211
[8] https://www.treffpunkteuropa.de/Die-mark...tspolitik,05746
[9] http://www.spiegel.de/forum/politik/stud...ad-87469-4.html
[10] http://lothargothe.de/2017/05/10/marktko...forme-religion/
[11] http://www.eslam.de/manuskripte/verfassu....htm#Einleitung

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RE: Es gibt keinen marktkonformen Islam – oder: Warum der Islam die einzig verbliebene Befreiungschance für Deutschland ist

#2 von Dr.Josef Haas , 03.03.2019 14:17

Wie immer, eine vorbildliche Analyse aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, die Sie, lieber
Herr Dr. Özoguz, da haben stattfinden lassen.
Ich stimme ihr auch in der Aussage, dass hierzulande "alles und jeder dem Markt untergeordnet
wird", voll und ganz zu.
Allerdings, und darauf muss leider hingewiesen werden, ist Ihre in diesem Zusammenhang getroffene
Feststellung, wonach "einzig der Islam ... sowohl international wie also auch natürlich in Deutschland
die einzig verbliebene Kraft /ist/, die ... sich gegen die Diktatur der Märkte stellt", nicht mit den Tatsachen
übereinstimmend.
Denn Sie wissen doch genauso gut wie ich, dass dies für ein so wichtiges islamisches Land wie Saudi-Arabien
nicht zutrifft.
Dort, oder ebenso in den Golf-Staaten, finden wir doch zumindest die gleiche Markt-Anbetung wie sie
hierzulande oder gar in den USA stattfindet.
Wenn Sie sich also bei deren Ablehnung verallgemeinernd auf den gesamten Islam beziehen, gibt dies leider
nicht die volle Wahrheit wieder, denn nicht wenige der Staaten, wo er als Religion dominiert, sind von
einem üblichen kapitalistischen Staatsgebilde in nichts mehr zu unterscheiden.
Dies zu übersehen, wäre die Verbreitung von Illusionen, eine Handlungsweise, welche sich langfristig sogar als
gefährlich erweisen könnte.

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RE: Es gibt keinen marktkonformen Islam – oder: Warum der Islam die einzig verbliebene Befreiungschance für Deutschland ist

#3 von Yavuz Özoguz , 03.03.2019 15:49

Deswegen habe ich "Islam" geschrieben und nicht "Muslime". Kein halbwegs informierter und bewusster Muslim - ich meine nicht Kulturmuslime oder ignorante Menschen im Allgemeinen - würde die Könige und Prinzen der Saudis und ähnliche Gestalten als Vertreter des "Islam" anerkennen. Im Islam gibt es nur einen König, und das ist Gott. Vielmehr sind jene Möchtegernkönige Vertreter der Märkte im missbrauchten Gewand des Islam. Mit dem Untergang der Märkte werden auch die Wolkenkratzer in der Wüste verfallen und die europäischen Spielcasinos werden Asylanträge von Königen und Prinzen erhalten.

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RE: Es gibt keinen marktkonformen Islam – oder: Warum der Islam die einzig verbliebene Befreiungschance für Deutschland ist

#4 von Dr.Josef Haas , 03.03.2019 16:10

Ich danke Ihnen sehr herzlich für diese klaren, in jeder Weise nachvollziehbaren Worte.
Mögen sie von möglichst vielen Muslimen ebenso verstanden wie beherzigt werden!

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RE: Es gibt keinen marktkonformen Islam – oder: Warum der Islam die einzig verbliebene Befreiungschance für Deutschland ist

#5 von Cengiz Tuna , 04.03.2019 15:38

Zitat
Im Islam jedoch ist die Wirtschaft ein Mittel, und von einem Mittel erwartet man nur, zweckmäßig für das Erreichen eines Zieles zu sein. Aus dieser Sicht besteht das islamische Wirtschaftsprogramm darin, die geeigneten Grundlagen zur Entfaltung der unterschiedlichen menschlichen Kreativitäten zu bereiten ...


Hier kommt das doch ganz prima zum Vorschein. Warum soll das, was für den Islam gilt, nicht für den Zionismus gelten? Auch für den Zionismus ist die Wirtschaft ein Mittel zum Erreichen des Ziels. Nur haben die Zionisten ein anderes Ziel. Ihnen geht es nicht um das Gemeinwohl in der Welt, sondern in allererster Linie nur um ihr eigenes Volk. Während wir gegen Rassismus und Nationalismus sein sollen, wird der Rassismus und Nationalismus in Israel zum Grundstein des Staates.

Wie effektiv sie arbeiten, sehen wir an der Lobby und an der weltweiten, pro-israelischen Politik. Wir brauchen nur auf das Geschehen im letzten Jahrhundert und ganz besonders auf die heutigen Konflikte um Israel herum zu schauen.

Deshalb steht der Zionismus - für mich - als Hauptproblem noch vor dem Kapitalismus. Wir dürfen den Kommunismus, den Kapitalismus und alle anderen Götzen kritisieren - was man ja zu Genüge macht - und wo man auch keine Konsequenzen zu befürchten hat. Nur den Zionismus, den dürfen wir nicht kritisieren, denn das kann ernsthafte Konsequenzen zur Folge haben. Wenn man noch weiter gehen würde, dann ist selbst Marx ein Freimaurer gewesen. Das Links-Rechts-Schema ist Teile-und-herrsche-Prinzip Nr. 1.

Doch worauf ich eigentlich hinaus wollte: In der Tat ist der Islam die einzig verbliebene Chance für die Befreiung Deutschlands vom “Markt“. Nur wie wir wissen, ist die Islamphobie in Deutschland schon so weit in den Köpfen der Menschen eingetrichtert, dass sie lieber unter der zionistischen Knechtschaft leben würden, als den Islam zu unterstützen. Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland, sondern für die meisten anderen Länder ebenso.


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zuletzt bearbeitet 04.03.2019 | Top

RE: Es gibt keinen marktkonformen Islam – oder: Warum der Islam die einzig verbliebene Befreiungschance für Deutschland ist

#6 von Dr.Josef Haas , 04.03.2019 21:12

Es ist auch meine Meinung, lieber Herr Tuna, dass viele "lieber unter der zionistischen Knechtschaft
leben würden, als den Islam zu unterstützen."
Aber wird dieser extreme jüdische Nationalismus namens "Zionismus" nicht auch von zahlreichen
sogenannten "Muslimen" tatkräftig gefördert?
Man denke hier doch nur einmal an die diplomatischen Beziehungen Ägyptens, Jordaniens, Omans,
oder auch Ihrer Heimat, der Türkei, zum Judenstaat.
Von der militärischen Zusammenarbeit Saudi-Arabiens mit dem zionistischen Gebilde will ich hier
gar nicht erst reden.
Erkennbar ist also leider auch der Islam kein monolithischer Block- ansonsten wäre diese Pestbeule
des Nahen Ostens, also Israel, doch schon lange verschwunden und hätte einem Staat Platz gemacht,
in dem Muslime, Christen und Juden friedlich miteinander leben könnten.
Leider wird aber auf dieser Internet-Plattform gelegentlich bittere Realität durch Wunschvorstellungen
ersetzt und Illusion an die Stelle von bitterer Wirklichkeit gesetzt.
Die zionistischen Rassisten haben ihren Nutzen davon- können sie dann doch- einmal mehr- ihre
schmutzigen, vom Blut zig-tausender friedlicher Palästinenser getränkten, Hände reiben, denn von Phrasen
hatten und haben sie ja noch nie etwas zu befürchten gehabt.
Notwendig wäre stattdessen ein Kampf der muslimischen Welt für die Freiheit Palästinas, welcher auch
tatsächlich diesen Namen verdient.
Der Islam hat aber nach wie vor die Chance, ihn zustande zu bringen.
Scheitert er allerdings an dieser Menschheitsaufgabe, bliebe dies für ihn auf immer und ewig eine untilgbare
Schande!

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