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Was ist los im Iran und was in Israel?

#1 von Yavuz Özoguz , 01.01.2018 21:38

Was ist los im Iran und was in Israel?

Eine regionale, eine globale und eine religiöse Betrachtung

In der Zeit des Softwars [1] schießen die Presstituierten der Westlichen Welt im Minutentakt ihre Giftmunition in die Welt hinaus, so dass Journalisten, die an sich selbst den Anspruch erheben, bedacht zu agieren und ernsthaft zu recherchieren, kaum Zeit zum Luftholen zwischen den Giftsalven bleibt, geschweige denn sachlich nachprüfbare Informationen und qualifizierte Kommentare wiederzugeben. Bedauerlicherweise betrifft die Ungeduld nicht nur die noch verbliebenen politikinteressierten Bürger mit Westaffinität, sondern zunehmend auch jugendliche Muslime, die in der Ungeduld des Zeitgeistes nach Antworten verlangen, welche als Gegengift der ihnen minütlich eingeflößten Propaganda entgegenwirkt.



Regionale Betrachtung

Die inneriranische Betrachtung zu den Protesten in der Islamischen Republik Iran ist durchaus komplex. Die ersten Proteste begannen nicht etwa vor wenigen Tagen, sondern werden schon seit Wochen in verschiedenen Städten durchgeführt, ohne dass die Westliche Welt davon erfahren hätte. Kein Wunder, denn die Proteste richteten sich ausschließlich gegen die Regierung Ruhanis, der vor drei Wochen seinen Haushalt für das nächste persische Jahr ins Parlament eingebracht hat [2]. Der Haushalt sah Kürzungen für das Volk vor, unter anderem beim Grundeinkommen der Bevölkerung, das Ahmedinedschad eingeführt hatte und das von der Höhe her lediglich als anerkennende Geste und Aufstockung des eigenen Gehaltes verstanden werden kann. Allerdings macht genau jenes bedingungslose Grundgehalt bei vielköpfigen Familie durchaus einen nicht zu unterschätzenden Finanzaspekt aus. Bereits seit 2016 hatte es zudem massive Proteste gegen eine Bankenkorruption im Iran gegeben, bei der umgerechnet mehrere Milliarden Euro von Anlegern veruntreut worden waren. Im Jahr 2016 wurden die Todesurteile gegen einige Bank-Manager vom obersten Gericht im Iran bestätigt [3]. Diese Anhäufung von wirtschaftlichen Belastungen für das Volk, die einherging mit der in den letzten Monaten wieder zunehmenden Inflation im Land, führte seit Wochen zu Protesten gegen die Regierung.

Die Ruhani-Regierung hat seit nunmehr fünf Jahren nur ein einziges Regierungsprogramm: Es wird allen Iranern bessergehen, wenn die Regierung mit den USA halbwegs zurechtkommt. Das Versprechen war, dass nach dem Atomabkommen sämtliche Sanktionen aufgehoben werden und dadurch die Wirtschaft florieren wird. Alle Iraner würden davon profitieren. Imam Chamenei hingegen warnt schon seit 10 Jahren, dass der Iran eine Widerstandswirtschaft [4] aufbauen müsste, die allen Angriffen der Imperialisten gegenüber widerstandfähig ist. Seit zehn Jahren betont Imam Chamenei die Bedeutung einer Widerstandswirtschaft auch immer wieder in dem Jahresmotto, das er zum Anfang des iranischen Wirtschaftsjahres ausgibt. Z.B. war 1390 (ab März 2011) das Jahr des wirtschaftlichen Dschihad, 1392 das Jahr der epochalen politischen und wirtschaftlichen Tapferkeit, 1393 das Jahr der Wirtschaft und Kultur mit der Entschlossenheit des Volks und Anstrengung (dschihadi) der Verantwortungsträger, 1395 das Jahr der Widerstandswirtschaft, Konzeption und Handeln und das laufende Jahr 1396 (ab März 2017) ist das Jahr der Widerstandswirtschaft, Produktion und Arbeitsplätze. Alle diese sehr deutlichen Hinweise wurden von der Regierung Ruhani völlig ignoriert. Als dann mit Trump auch die amerikanischen Hoffnungen der Regierung geplatzt sind, hatte sie keinen Alternativplan. Das Volk im Iran merkte zunehmend, dass die amtierende Regierung mehr den Interessen der Reichen verbunden war als den Interessen des Volkes.

So begannen im ganzen Land vor drei Wochen vereinzelt Proteste. Sie verliefen friedlich und die westliche Welt durfte aus zweierlei Gründen nicht davon erfahren. Zum einen würde es der eigenen Propaganda widersprechen, wenn man zugeben müsste, dass im Iran Demonstrationen gegen die Regierung problemlos möglich sind. Zum anderen wollte man Proteste gegen Imam Chamenei aber nicht gegen den Präsidenten Ruhani unterstützen, der scheinbar ein Glücksfall für den westlichen Imperialismus war.

Es hat drei Wochen gedauert, bis die westlichen Geheimdienste ihre Leute in Position gebracht haben und auf die laufenden Kundgebungen aufgesprungen sind. Während die meisten westlichen Medien erkannt haben, dass die Proteste im Iran sehr vielschichtig sind und daher nicht so pauschal beurteilt werden können, will die berüchtigte Bild-Schreiberin Schippmann [5] ihren Lesern einen Aufstand von Zahntausenden auf Irans Straßen verkaufen [6].

Ja, es gab nicht nur Zehntausende, sondern Hundertausende einen Tag lang, aber das waren Demonstranten, die sich gegen jegliche Form von Unruhen und Ausschreitungen gestellt haben und Bilder von Imam Chamenei hochhielten. Die regierungskritischen Proteste haben in keiner einzigen Stadt auch nur annähernd eine vierstellige Zahl erreicht. Offensichtliche Iranhasser wie der Human Rights Watch Chef Kenneth Roth haben sich in diesem Zusammenhang übel blamiert. So zeigte er in seinem Twitter-Account Fotos von den Massendemonstrationen für Imam Chamenei und stellte sie als Demonstrationen gegen Imam Chamenei dar. Als er auf seinen Fehler aufmerksam gemacht wurde, zumal die Demonstranten auf den Fotos deutliche Plakate für Imam Chamenei trugen, löschte er das ganze einfach wieder. Eine Entschuldigung wegen Verbreitung von Unwahrheiten ist von Vertretern westlicher Systemorganisationen nicht zu erwarten.

Die Behauptung, dass die USA sich in Form ihrer Clown-Marionette Trump auf die Seite der Demonstranten gestellt hätten, weil Trump sich um das iranische Volk sorge, kam beim gesamten iranischen Volk nicht besonders gut an. Iraner reagieren seit der Islamischen Revolution grundsätzlich allergisch auf äußere Einmischung, insbesondere von Imperialisten. Trumps Heuchelei war aber kaum noch zu überbieten, hatte er doch erst wenige Wochen zuvor das ganze iranische Volk mit seinem Einreiseverbot kollektiv als Terroristen abgestempelt.

Am letzten Donnerstag gab es zwei Tote, wobei bis heute unklar ist, wer sie umgebracht hat, was oft ein Hinweis auf Geheimdienstaktivitäten ist. Am Sonntag gab es zehn Tote, als bewaffnete Demonstranten versucht haben, Polizeiwachen und Militärstützpunkte zu erobern. In jedem anderen Land hätte man das als Terrorangriffe eingestuft. Terror gegen die Islamische Republik Iran gehört aber faktisch zur Staatsräson aller westlichen Staaten und deren Systemmedien.

Es kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht abgesehen werden, wohin die Proteste münden und ob es am Ende ein Umdenken bei der Ruhani-Regierung geben wird oder nicht. Die Zurückhaltung der meisten europäischen Medien bei dem Thema gründet allerdings darauf, dass sie realistisch einschätzen, dass das iranische Volk ganz sicher keine westliche Dominanz in ihre Heimat wünscht.

Globale Betrachtung

Bei einer umfassenden Betrachtung darf niemals vergessen werden, dass wir uns seit nunmehr 17 Jahren im dritten Weltkrieg [7] befinden. Den größten Widerstand gegen die aggressive westliche Hegemonialpolitik leistet die Islamische Republik Iran. Aber auch andere Staaten – animiert durch die Erfolge des Iran – versuchen sich nach und nach von dem mörderischen Klammergriff des Westens zu befreien. Daher wird die Region auch mit Kriegen überzogen und Millionen unschuldiger Menschen abgeschlachtet. Die Überlebenden werden Jahrzehnte lang der Strahlung von Uranmunition ausgesetzt. Diejenigen, die die Völker direkt oder indirekt mit Saudischer Hilfe mit Kriegen überziehen, betreiben gleichzeitig nach wie vor Guantanamo, was inzwischen zur Normalität westlicher Menschenrechte gehört.

Was aber das Schlimmste für die westliche Welt ist, ist die Tatsache, dass die USA und Israel total isoliert sind. Bei Abstimmung in der UN stehen sie völlig alleine gegen den Rest der Welt. Selbst ihre Vasallen aus Europa wollen sich nicht mehr unterdrücken lassen [8]. Mit Trump ist die letzte Schamgrenze gefallen. Jerusalem wurde völkerrechtswidrig zur ewigen Hauptstadt des zionistischen Kolonialgebildes erklärt und im Windschatten der Berichterstattung über die Proteste im Iran hat die Regierungspartei in Israel einstimmig (!) beantragt, dass das Westjordanland annektiert werden soll [9]. Wozu soll noch vorgeheuchelt werden, was schon immer israelische Politik war? Wie eng die Ereignisse mit dem Iran zu tun haben, kann daran ersehen werden, dass einige gekaufte Agenten des Westens Plakate von General Qasim Sulaymani zerrissen haben, dem General, der sowohl im Irak als auch in Syrien die USraelischen IS-Monster vernichtend geschlagen hat.

Ohne die vorgeheuchelte Perspektive einer Zweistaatenlösung tritt der zionistische Rassismus deutlicher zutage als je zuvor. Die Vorreiterrolle der zionistischen Leitblätter verliert zunehmend an Wirkung. Kaum ein Blatt ist noch bereit der zionistischen Springer-Propaganda zu folgen. Der Spiegel gibt offen zu: „Im Westen sorgen die Unruhen prompt für Hoffnungen auf eine Liberalisierung des Landes. Doch offenbar versammeln sich bei den Demonstrationen Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Positionen.“ [10] Neben der propagandistischen Niederlage steht auch der finanzielle Niedergang der Westlichen Welt bevor, wie es selbst seriöse Blätter vorhersagen [11]. Ohne Unterstützung der westlichen Welt gibt es kein Israel.

In dieser Weltlage gibt es für Israel nur noch zwei Auswege: Entweder ihr letzter Einsatz zur Destabilisierung des Iran ist erfolgreich – aber danach sieht es wahrlich nicht aus. Oder aber es wird wieder einen 11. September geben müssen, dieses Mal in dem Niveau einer Atombombe auf eine US-Stadt. Über den Hauptschuldigen Nordkorea wird man mit Hilfe der weltweiten Bild-Zeitung dann schon irgendwie eine Beziehung zum Iran herstellen, um dann den dritten Weltkrieg in seine letzte Phase zu führen. Gott schütze die Menschheit vor diesen Wahnsinnigen, die die ganze Welt in Brand setzten würden, um ihre kranken Ziele durchzusetzen.

Religiöse Betrachtung

Bliebe noch die theologische Beurteilung. Die Islamische Republik Iran ist gegründet worden als Vorbereitung zur Machtübergabe an den Erlöser. Solch ein Weltbild ist zwar der Westlichen angeblich so christlich-jüdischen Welt nicht vermittelbar, da die meisten Bürger nicht an ihre eigene Religion glauben, aber im Iran ist der Erlöser verfassungsmäßiges Oberhaupt [12]. Das amtierende Oberhaupt Imam Chamenei ist lediglich eine Art Vertretung, bis der Erlöser erscheint. Die immer deutlicher werdenden Vorstellungen über das Erscheinen des Erlösers gehen aber nicht von einer Art Supermann oder Yedi-Ritter mit Laserschwert aus, der allein sämtliche Atomwaffen der Welt ausschaltet und dann Frieden und Gerechtigkeit von oben verordnet. Vielmehr wird von bewussten Anhängern des Erlösers ausgegangen (übrigens aus allen Religionen), die sich aktiv, wachsam und intensiv für Frieden und Freiheit in Gerechtigkeit einsetzen. Diese Art des Erlöserglaubens ist die gefährlichste Ideologie gegen den Imperialismus und wird entsprechend bekämpft [13]. Für die Religiösen im Iran sind die aktuellen Ereignisse ein Segen und Gnade Gottes, um mögliche Gemütlichkeitsträgheit aufzuheben, Müßiggang durch Wachheit zu ersetzen und die Menschen zu aktivieren.

Für alle drei Betrachtungsebenen, die regionale, die globale und die religiöse kann festgestellt werden, dass die Vertreter des USraelischen Imperialismus auf der Verliererstraße sind, während die Anhänger der Befreiungstheologie unserer Zeit voranschreiten. Eines sollte aber sicher sein: Bis zum Eintreffen des Erlösers wird der Pharao der Zeit den Moses der Zeit nicht in Ruhe lassen.

[1] http://www.eslam.de/begriffe/s/softwar.htm
[2] https://djavadsalehi.com/2017/12/31/rouh...cash-transfers/
[3] https://www.ft.com/content/635cf970-b95c...45-b8b81dd5d080
[4] http://www.eslam.de/begriffe/w/widerstandswirtschaft.htm
[5] https://offenkundiges.de/wer-ist-antje-s...springerpresse/
[6] http://www.bild.de/politik/ausland/iran-...35174.bild.html
[7] Die neue Front im Weltkrieg Jemen und was Deutsche wissen sollten
[8] 182 Staaten gegen USA und Israel, aber die deutsche Lückenpresse relativiert
[9] http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-...nd-annektierung
[10] http://www.spiegel.de/politik/ausland/ir...-a-1185747.html
[11] https://www.heise.de/tp/features/2018-Di...en-3929074.html
[12] http://www.eslam.de/manuskripte/verfassu...fassung_iri.htm
[13] Ist es wirklich so schwer den Moses und Pharao seiner Zeit zu erkennen?


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RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#2 von Dr.Josef Haas , 02.01.2018 04:24

Wie immer, lieber Herr Dr.Özoguz, eine ungemein anschauliche Analyse aus Ihrer Feder!
Mittlerweile, was nicht zu überraschen vermag, hat sich ja auch der israelische
Regierungschef Netanjahu in die inneren Angelegenheiten des Iran eingemischt und
den dortigen Aufrührern "Erfolg bei ihrer noblen Suche nach Freiheit gewünscht."
Ausgerechnet dieser Spitzenrepräsentant eines Staats-terroristischen Systems, welches
dem gesamten Volk von Palästina kollektiv die elementarsten Freiheitsrechte
verweigert, wagt es, eine derartig heuchlerische Stellungnahme zu veröffentlichen,
welche natürlich in unseren Medien weiteste Verbreitung finden dürfte.
Ihre so tiefschürfende Betrachtung über die wahren Ursachen der derzeitigen
iranischen Probleme wird hingegen wohl darin nicht vorkommen.
Es bleibt nun abzuwarten, ob die Bevölkerungsmehrheit dieses so stolzen Landes tatsächlich
in der Lage sein wird, den verbrecherischen imperialistischen Anschlag auf ihre
Freiheit und die seit 1979 existierenden revolutionären Errungenschaften abzuwehren.
Der Zeitpunkt der Bewährung ist aber jetzt unweigerlich gekommen.
Denn jetzt hat dieses Volk, noch dazu vor aller Welt, zu beweisen, ob ihm das tatsächlich
wertvoll ist, was den Iran seit seiner Revolution so auszeichnet: die göttliche Fundamentierung
der staatlichen Macht!

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RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#3 von Yavuz Özoguz , 02.01.2018 08:09

Die bereits erwähnten "Fotofehler" werden nicht nur von Einzelpersonen begangen. Die "große" FAZ bringt seit mehr als 35 Stunden ein Foto von Demonstrationen für Imam Chamenei als "Gegendemo".



Die Autoren solcher Artikel müssen derart verblendet sein, dass sie nicht einmal die deutlichen Plakate Imam Chameis auf dem Foto sehen können (das Original in der FAZ ist viel größer!).

Bei der Wirtschaftswoche ist das Foto der Nachrichtenagentur AP noch krasser. Offensichtlich interessiert die Propagandisten überhaupt nicht mehr, wie deutlich sie lügen:


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RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#4 von Michael Thomas , 02.01.2018 12:14

As-salamu alejkum!

Wir Deutschen können einfach nicht glauben, was tatsächlich unglaublich ist: entgegen allen Behauptungen existiert in Europa keine freie Presse.

Unter dieser Annahme fügt sich alles zusammen, ergibt alles ein einheitliches, durchgehendes und konsequentes Bild eines Räderwerks, dass deutsche und europäische Bürger zielgerichtet verschaukelt. Wenn man nur allein von der Tatsache ausgeht, dass die Eigenständigkeit des Iran als rohstoff- und einflussreiches Land als durchaus störend empfunden wird, hat man m.E. den Beginn des roten Fadens in der Hand.
In einer verblüffenden Kumpanei zwischen vielen Golfstaaten und dem nahezu ausnahmslos versammelten Westen soll die Welt für eine Nach-Öl-Ära neu geordnet werden. Hier kann nur Partner sein, wer das Wohl seines Bankkontos dem seiner Mitmenschen vorzieht und bereit dazu ist, alle notwendigen Kriege, Destabilisierungen und sonstige Massaker dafür vorzubereiten und anzurichten.

Und dem Diktat ordnet sich die Presse freiwillig unter.

Die Abwesenheit staatlicher Zensur bedeutet ja noch lange nicht, dass wir eine "objektive, freie, neutrale" Presse hätten, die frisch von der Leber weg ausschließlich nur handverlesene und geprüfte Fakten liefern würde, die nur der Wahrheit verpflichtet wären. Die Presse ist ein Gewerbe und so hat sie ein Interesse daran, die einfachsten Gefühle von Menschen anzusprechen, hochzuheizen und publizistisch auszubeuten, um möglichst große Auflagen zu erzielen. Deshalb wird man in unserer Presse niemals lesen, dass die Islamische Republik Iran ein "freundlicher Staat" wäre. Iran wird grundsätzlich immer als wahrscheinlich feindselig, rückständig, hetzerisch und als Kriegstreiber wahrgenommen. Es hat sich eine sehr freundliche und auf gegenseitige Unterstützung basierende Reihe von lockeren Beziehungen zwischen Politik und Presse etabliert, die die Bevölkerung von zwei Seiten mit den gleichen Bildern traktiert.
Im Falle Israel gibt es die gleiche Strategie: vereinfacht ausgedrückt, widmet Europa neben den USA und Israel selbst jeder hilflosen, in einem Feld harmlos niedegegangenen Qassam-Rakete ganzseitige Schreiereien und fabuliert über das unendliche Leid, das diese Rakete über ganz Israel gebracht hatte, widmet Radioreportagen über schreiend in bunker flüchtende Kleinkinder und weinende Mütter. Die Blutspur, die Israel jeden einzelnen Tag durch sich selbst, durch das Westjordanland und durch den Gaza-Streifen durch willkürliche Verhaftungen, Erschießungen und Folter zieht, findet in unseren Medien hier im Grunde gar nicht statt.

Unsere europäischen Bevölkerungen werden konditioniert.
Die "Demokratie" Europas folgt der Idee von Erich Fromm und wird nur noch von "Priestern" propagiert und als sozusagen heilige Idee in einer Monstranz hochgehalten. Dass sie gleichzeitig von innen ausgehöhlt und unwirksam gemacht wird, ist dabei Nebensache. Diese "Demokratie" gaukelt uns ja auch vor, dass eine Angela Merkel angeblich Bundeskanzlerin wäre - obschon sie "netto" von nur wenigen tatsächlich gewählt worden war. Ihr Ergebnis in 2013 betrug für die CDU 41,5 Prozent, was nach einer Wahlbeteiligung von 71,5 Prozent einer Zustimmung von knapp 30 "echten" Prozent entsprach. Eine Demokratie, die keine "Demokratie" sein will, müsste soetwas selbstverständlich unterbinden.
Mit dem selben Mechanismus, mit dem Deutschland zu einer "Demokratie" erklärt wird, kann man auch aus dem Iran eine "menschenfeindliche Despotie" machen - hier reicht es einfach aus, ein paar unliebsame Informationen entweder überhaupt nicht zu bringen, einfach zu unterdrücken oder so umzubiegen, dass sie wieder ins Bild passen. Der deutsche Michel merkt das nicht. Er ist weder kritisches Denken gewöhnt, noch hat er Spaß daran. Er glaubt viel lieber Institutionen und Medien, die ihm gefallen und sympathisch sind. Wie das im Exzess funktionieren kann, zeigen uns gerade die USA: noch nicht einmal eine klar und unmissverständlich als Lüge geoutete "Information" richtet sich gegen den, der sie nutzt.

Und deshalb sind auch Vergangenheitskorrekturen recht leicht möglich: es wäre z.B. vollkommen sinnlos europäischen Bürgern anhand von Fakten erklären zu wollen, dass der Antisemitismus aus Europa in den Nahen Osten gebracht worden war und nicht etwa umgekehrt. Sie würden alle den Kopf schütteln und etwas von "dreckigen Islamisten" antworten, die solches behaupten würden. So wird es vermutlich auch jetzt schon völlig unmöglich sein, den Menschen den Iran als helle, freundliche Nation vorstellen zu wollen. Sie alle haben ihre Portion Manipulation in Form des Films "300" gehabt, die ihnen Persien als brutale, bestialische, steinzeitliche und regelrecht ekelerregende Monstrosität vorgestellt hatte.
Israel wird uns als "Opfer" vorgestellt; wir alle sollen Israelis als hilflos, freundlich, friedlich und fröhlich wahrnehmen, die von schreienden, bombenden, aggressiven Muslimen vergewaltigt und vernichtet werden sollen. Deshalb dudelt man uns ihre Lieder, kaum eine Woche ohne israelisches Speiserezept in einem unserer angeblich so hochstehenden Medien wie SPIEGEL oder ZEIT vergeht, uns wird von Reisen in Israel vorgeschwärmt, wir lesen herzzreißende Stories und sehen eine Menge bunter Bilder von lachenden Israelis. Palästinenser hingegen sehen wir in all den Reportagen immer hasserfüllt, abgerissen, dumm, bewaffnet, fäusteschüttelnd.

Der Krieg der Wahrheit gegen die Lüge, der Herzen gegen das Geld ist meiner Meinung nach verloren.
Ich denke persönlich nicht, dass die Welt an einem sehr großen, womöglich weltumspannenden (Atom-?) Krieg herumkommen wird.
Wir, die deutschen Bürger, haben willentlich oder unwillentlich alles dazu Notwendige längst hergestellt, verkauft und geliefert. Geld, Waffen, politische Unterstützung sind bereits vor Ort. Deutsche U-Boote haben vermutlich ihre Zusatzausrüstung für den Abschuss von Atomraketen "made in Israel" bereits erhalten und die Besatzungen dürften im Rahmen der längst vorliegenden Feinplanung bereits daran trainieren. Es sind ungeheure Waffenmengen vor Ort und die Choreographie zwischen den Golfdespotien, Europa und den USA bedient das verbale Vorfeld schon mit hasserfüllten Botschaften und Drohungen.

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RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#5 von Yavuz Özoguz , 02.01.2018 12:45

Zitat
Die Abwesenheit staatlicher Zensur bedeutet ja noch lange nicht, dass wir eine "objektive, freie, neutrale" Presse hätten...



Möglicherweise machen wir alle den Fehler, dass wir annehmen, dass Regierung, Parlament usw. der Staat wären. Wenn wir aber annehmen, dass das Kapital den Staat stellt, dann ist die Zensur viel besser zu verstehen.

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RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#6 von Dörte Donker , 02.01.2018 13:28

Zitat

Möglicherweise machen wir alle den Fehler, dass wir annehmen, dass Regierung, Parlament usw. der Staat wären. Wenn wir aber annehmen, dass das Kapital den Staat stellt, dann ist die Zensur viel besser zu verstehen.



Ja, genauso ist es und tausend mal ja. Wir leben in einem totalen Betrug, all unsere Freiheit wird uns vorgegaukelt, wenn dann bezieht sie sich eh nur auf niedrige Triebe, die man hier ausleben darf, wobei der moralische Untergang jedes Jahr überschritten wird (man schaue sich nur die Gewaltbilanz zu Silvester an, ein Nachbar erzählte mir, dass gezielt Böller in einen Kinderwagen geworfen wurden, ganz zu schweigen davon, dass jeder auf der Straße beschossen wird). Im Grunde genommen existiert "unsere Freiheit und Demokratie" nicht, wir bestimmen hier gar nichts, Parlamente und Politiker sind nichts anderes als Marionetten, Politik wird ganz woanders gemacht. Wir merken nicht einmal, wie wir langsam aber sich zu den werden, die das Malzeichen des Teufels an der Stirn (im Kopf, Stirn, präfrontaler Kortex, Sitz des Bewusstseins) und an der Hand (unsere Geräte) tragen (und wer das Tier und die Hure Babylons ist, darüber muss man doch nicht mehr allzuviel nachdenken, nicht umsonst ist das Europaparlament dem Turm von Babel nachgebaut http://www.eaec-de.org/Europaparlament.html ). In Zukunft wird man nicht einmal mehr den Fernseher anmachen können, nicht nur um dort manipulierte Nachrichten zu sehen, sondern dass man uns direkt ins Wohnzimmer hören und blicken kann. Selbst unsere Drucker werden mit Mikrofonen ausgestattet, die Sprachsteuerung der nächsten Gerätegeneration, die jetzt auf den Markt kommt, macht es möglich. Natürlich klingt das alles nach Verschwörung oder nach Äußerungen einer von Verfolgungswahn geplagten, aber das Nutzen sämtlicher Medien wird in Zukunft von Konzernen wie Google etc, bestimmt, die all unsere Daten sammeln und zwar bei jeder Gelegenheit, selbst wenn wir uns ins Auto setzen. Nichts wird mehr genutzt werden können, ohne sich bei diesen Konzernen wie Google anzumelden und denen sämtliche Rechte über unser Privatleben zu überlassen und irgendwann wird man auch nichts mehr kaufen können, ohne das man bei denen angemeldet ist, wie in der Johannes Offenbarung beschrieben. Bahnen sich dann einmal hier im Westen zu Unruhen und Aufstände an, kann man sofort jene ausschalten, die sich an deren Spitze setzen würden. Wir haben noch gar nicht mal eine blasse Ahnung davon, wie wir hier vernetzt sind und Algorithmen unser Leben bestimmen und wie unsere ach so hoch gehaltene Freiheit ein Gefängnis ist; ein Gefängnis, deren Mauern wir nicht einmal erkennen können, was das Fatalste daran ist.
Wenn Länder wie der Iran Facebook und co. verbieten, dann ist das das Klügste was man machen kann, aber hier wird es so dargestellt, als ob dort die freie Meinungsäußerung verboten wird. Ich denke, die meisten Iraner begreifen das. Ich bin zuversichtlich, dass der Kelch an den Iran vorüber zieht und diese Demonstrationen sicher nicht den Wunsch der Iraner widerspiegeln, so sein zu wollen, wie wir hier. Ich wünsche mir für den Iran, dass sie ein kluge Wirtschaftspolitik machen und die Armen im Land stärken, und ich wünsche den Iranern nicht den Blick dafür zu verlieren, wem wir hier im Westen dienen und welche große Aufgabe ihnen eines Tages zukommen wird....insch Allah.
Mögen der Mahdi und Jesus Christus bald erscheinen, Amin!


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zuletzt bearbeitet 02.01.2018 | Top

RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#7 von Meriton Salihi , 03.01.2018 10:35

@Geehrter Bruder Yavuz
Mashaa`Allah, eine sehr weise und scharfsinnige Analyse. Welche offensichtlich mit viel Noor durchflutet ist.

Bin ebenfalls der Meinung, dass die Regierung Irans momentan mit Rohani einen Knick erlebt. Ahmadinejad wäre niemals mit dem „Shaytanu-Kabira“ einen Deal eingegangen.

Ahmadinejad hatte immer das WIR betont und sich für die muslimische Einheit strak gemacht. Um glaubhaft nicht als eine Marionette des westlichen Imperialismus abgestempelt zu werden, hatte er es nicht nötig sich ständig in islamischen Gewänder dem Volk zu präsentieren.

Ich möchte gerne Malcom X zitieren, als er sinngemäss sagte, dass die westliche Täuschung beispielslos ist. Er meinte dazu, auch wenn du felsenfest davon überzeugt bist, dass du gegen den Osten läuft, sie schaffen es immer wieder dich in die falsche Richtung zu täuschen.

Die Geschichte ist voller Beispiele von Fallen der westlichen Geheimdienste. Wie die hinterlistige und teuflische Falle, die dem Zar vor hundert Jahren erfolgreich gestellt wurde und er sich auf einmal in der Triple Entente an der Seite seiner Feinde, Englands und Frankreichs, befand. Er musste dafür einen grossen Preis bezahlen, denn seine ganze Familie wurde hingerichtet. England befand sich permanent mit dem Zar im Krieg. Erinnern wir uns an dem Krim-Krieg. Selbstverständlich mehrheitlich über Dritte und Stellvertreter. Nach dem üblichen Muster, wie heute über die angeblichen Yankee-Jihadisten, gestern über das Osmanische Reich.

Habe mich immer wieder gefragt, wie es die Geheimdienste der Majestät es geschafft hatten den Zar davon zu überzeugen in ihrer Allianz beizutreten. Man kannte doch die Kolonialisten nur zu gut. Also haben sie ihm ein unschlagbares Angebot unterbreitet, welches er unmöglich hätte ablehnen können, um ihn davon zu überzeugen all seine Prinzipien zu verraten. Sie hatten ihn mit etwas gelockt, seinen Schwachpunkt lokalisiert und dann gnadenlos zu geschlagen. Der kranke Mann am Bosporus hatte gerade ausgedient und die Zeit war nun gekommen ihn den Gnadenstoss zu versetzten. Nun weiss ich (alhamdulillah) was die Falle war, nämlich Konstantinopel. Sie hatten ihm nämlich Konstantinopel als Ausgang des Krieges versprochen. Dafür hatte der Zar lange gedurstet, beinahe fünfhundert Jahre. Mal ehrlich, jeder wäre da schwach geworden, vor allem wenn man gerade im Höhepunkt seiner Blütezeit ist. Da ist man leicht anfällig.

Ich befürchte sie bereiten für Iran ebenfalls eine ähnliche Falle vor und Rohani ist ein Puzzle davon.


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zuletzt bearbeitet 03.01.2018 | Top

RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#8 von Cengiz Tuna , 03.01.2018 12:13

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, was denn mit der ganzen Aktion bezweckt werden soll.

Die Zeiten sind vorbei, wo der Westen im Iran einen ernsthaften Aufstand durch Unruhen anstoßen könnte. Dafür sind die Kräfteverhältnisse zu eindeutig. Die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter der Regierung, wenn es um Einmischung von außen geht. Natürlich gibt es Unmut und nicht alle sind zufrieden, aber einen gewaltsamen Umsturz wollen die Wenigsten. Dass die Voraussetzungen für einen Umsturz nicht gegeben sind, weiß auch die USA, deshalb mussten Bilder von Demonstrationen für die Regierung als Gegendemonstration herhalten.

Jetzt, wo die USA eine Dringlichkeitssitzung im „Sicherheitsrat“ einfordern, wird es vermutlich deutlich, worum es ihnen eigentlich ging: Es sollen neue Sanktionen durchgesetzt werden. Dafür wurde der Aufstand angefeuert und größer dargestellt, als er in Wirklichkeit war.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-...en-iran-unruhen

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RE: Was ist los im Iran und was in Israel?

#9 von Yavuz Özoguz , 03.01.2018 15:13

Zu dem ganzen Theater passt auch der heutige Artikel in Offenkundiges:

Pro oder kontra Islamische Republik? Deutsche Journalisten verwechseln Demonstrationen im Iran

https://offenkundiges.de/pro-oder-kontra-islamische-republik-deutsche-journalisten-verwechseln-demonstrationen-im-iran/

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