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Ist es wirklich so schwer den Moses und Pharao seiner Zeit zu erkennen?

#1 von Yavuz Özoguz , 15.11.2017 09:17

Ist es wirklich so schwer den Moses und Pharao seiner Zeit zu erkennen?

Eine der bedeutsamsten Aussagen Jesu in der Bibel zu Gott ist: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Und eine der häufigsten archetypischen [1] Geschichten im Heiligen Quran ist die Geschichte von Moses als Symbol des Heiligen auf Erden und Pharao, dem Symbol für alle Imperien aller Zeiten.



Wir leben in einer Zeit des Imperiums USA und Israel mit ihren Verbündeten, im Folgenden als USrael bezeichnet. Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Iran als größter Feind jenes USraelischen Imperiums gilt [2]. Wir stehen also zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite USrael, auf der anderen Seite der Iran. In beiden Fällen geht es nicht um die Bevölkerungen, was hier ausdrücklich betont werden muss. Es geht um Systeme. Auf der einen Seite steht das System des imperialistischen Kapitalismus, geführt von den nimmersatten Supermilliardären der Welt und auf die Bühne gestellten Marionettenschauspielern. Auf der anderen Seite die Islamische Republik geführt von einem bescheiden lebenden Geistlichen.

Ist die Unterscheidung wirklich so einfach, wie es in obiger Schilderung scheint? Will man eine sachliche Beurteilung für sich selbst und seine eigene Seele ermöglichen, dann muss man auf das zugreifen, was beiden Seiten veröffentlichen und was unstrittig ist (da sich beide darin einig sind). USrael wirft dem Iran vor, das Imperium (und vor allem Israel) zerstören zu wollen. Iran wirft USrael vor, das System im Iran zerstören zu wollen. Beide werfen einander Menschenrechtsverletzungen, Frauenverachtung, Kindermisshandlung usw. vor und beide haben die Todesstrafe und wenden diese auch an. Beide Systeme werfen einander einen aggressiven Systemexport vor. Beide behaupten der jeweils andere wolle die Welt, oder zumindest Teile davon, beherrschen.

Mit solch einer Betrachtungsweise kann die eigene Seele des in der westlichen Welt sozialisierten Bürgers kaum erleuchtet werden. Bei solche einer Betrachtungsweise gilt wirklich: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Es gibt aber auch eine Betrachtungsweise, bei der die Informationen beider Seiten übereinstimmen. USrael hat in 172 Staaten dieser Erde 240.000 Soldaten stationiert [3]. Der Iran hat wenige Soldaten als Berater und Kampfkräfte gegen IS in zwei Ländern stationiert (im Irak Kampfverbände, in Syrien Berater). USrael beliefert die übelsten Diktatoren der Welt mit Waffen und unterstützt diese in ihren Kriegen gegen die ärmsten Länder der Welt, z.B. Saudi-Arabiens Krieg gegen den Jemen. Der Iran versucht trotz USraelischer Blockade die jemenitische Bevölkerung humanitär zur versorgen. USrael beraubt die Palästinenser seit nunmehr über sieben Jahrzehnten sämtlicher Rechte und betreibt eine Politik der ethnischen Säuberung und Apartheid, der Iran steht auf der Seite der unterdrückten Palästinenser. Als es in Südafrika das Apartheidsregime gab, stand USrael an der Seide der Rassisten und der Iran stand an der Seite der unterdrückten einheimischen Bevölkerung. Das war auch der Grund, warum Nelson Mandela bei seinem Besuch im Iran das Revolutionsoberhaupt Imam Chamene’i als „my leader“ bezeichnet hat [4]. Während Myanmar die grausamsten Rassismusverbrechen begeht, liefert Israel Waffen an die Verbrecher [5], während der Iran an der Seite der unterdrückten Rohingya steht. Während das Finanzsystem der westlichen Welt ganz offen als der größte Raubzug der Geschichte bezeichnet werden kann [6], verfügt der Iran nur über ein eigenes inneres Geldsystem; allein schon wegen der Boykottmaßnahmen USraels. USrael verfügt über so viele Atomwaffen, dass sie die Erde mehrfach auslöschen könnten, sind das einzige System, das jemals Atomwaffen gegen Menschen eingesetzt hat, und drohen immer wieder mit dem Einsatz von Atomwaffen [7]. Hingegen hat das Revolutionsoberhaupt des Iran Imam Chamenei bereits im Jahr 2005 (!) jegliche Herstellung, Lagerung und Benutzung von Atomwaffen dem Islam zufolge als verboten definiert [8].

Wie aber ist es mit der Demokratie? Die äußerlichen Vorwürfe sind gegenseitige Beschuldigungen, dass es jeweils im andere System keine Demokratie gäbe. Bei Betrachtung der gemeinsamen Informationen sieht es etwas anders aus: Im iranischen Parlament sitzt kein einziger Multi-Millionär. In das US-Repräsentantenhaus oder Senat kann man nur als Millionär kommen. Sieben der zehn reichsten Männer der Welt kommen aus den USA, keiner aus dem Iran [9]. Die Präsidenten im Iran leben vor und nach ihrer Wahl im Volk. Die Präsidenten in den USA leben in Palästen. Die Islamische Republik Iran will eine Volksdemokratie für alle Völker, die USA wollen nur dann eine Demokratie, wenn sie sich USrael unterwirft. Ansonsten stürzen sie gerne auch Demokratien und ersetzen diese durch brutale Diktaturen, wie einst im Iran. Im UN-Sicherheitsrat verhindert USrael jegliche Bestrebung in Richtung Demokratie. Und wenn es in Teilen der UN zur demokratischen Ablehnung USraels kommt, verlassen USrael das Gremium [10].

So ließe sich Aspekt für Aspekt abarbeiten und der Kontrast zwischen USrael und Iran würde immer größer werden. Der Kontrast betrifft nicht nur die beiden Pole selbst. Auch jeder andere Staat dieser Erde wird im System USraels nach der jeweiligen Zuwendung beurteilt. Solange z.B. die Türkei als Militärdiktatur dem USraelischen System gedient hat, gehörten sie zu den Guten. Seitdem sich die türkische Politik mehr nach Osten orientiert, gehören sie zu den Bösen. Hingegen gehört die lupenreine Diktatur Saudi-Arabien zu USrael, während die Bevölkerung einer Volksbewegung des Jemen in Cholera erstickt wird. Selbst grausamste Tyrannen werden nur nach ihrer Unterwerfung eingestuft: Als Saddam im Auftrag USraels den Iran angegriffen und sogar Chemie-Waffen eigesetzt hat, wurde er von USrael mit allen möglichen Mitteln unterstützt. Als er aber die für USrael heiligen kuwaitischen Ölfelder besetzt hat, wurden ihm Chemie-Waffen angedichtet, die er gar nicht mehr besaß.

Die Geschichte von Moses und Pharao im Heiligen Quran ist eine universelle und zeitlose Geschichte vom Kampf zweier Brüder, die im selben Haus groß geworden sind. Es ist der ewige Kampf von Kain gegen Abel, der ewige Kampf der nimmersatten von ihren Gelüsten wahnsinnig gewordenen Unmenschlichkeit gegen die bescheidene demütige Menschlichkeit. In jeder Zeit und an jedem Ort dieser Erde gibt es jenen Kampf. Die ultimative epochale Tragödie dieses Kampfes hat Imam Husain vor 14 Jh. In der Wiege der Menschheit Mesopotamien gekämpft und sich mit einer Hundertschaft von Frauen, Kindern und Greisen einem Heer von 30.000 Soldaten des damaligen USraels gestellt [11]. Er hat bewiesen, dass Blut mächtiger ist als das Schwert!

Imam Chamenei hat der Jugend im Westen zwei Briefe geschrieben [12]. Obwohl die Medien USraels beide Briefe totgeschwiegen haben, leben wir in einem Zeitalter, in dem jeder, der die Briefe lesen möchte, es auch kann. Das Herz muss darauf antworten.

Angesichts der beschriebenen Sachlage stellt sich erneut die Frage, kann man heute immer noch sagen: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Mag sein, dass sie nicht wissen, was sie tun. Aber könnten sie es nicht wissen? Oder müssten sie es nicht sogar wissen? Das wird jede Seele eines Tages für sich selbst beantworten müssen. Doch dann kann es zu spät sein. Nutzen wir also die Chancen, die uns allen gegeben sind, bevor es zu spät wird. An der Seite des Moses der Zeit zu stehen bedeutet weltliche Entbehrungen in Kauf zu nehmen. Die weltliche Entbehrung ist die seelische Überflutung mit Geist.

[1] Paul Schwarzenau, Korankunde für Christen: ein Zugang zum heiligen Buch der Moslems, 1982
[2] http://www.fr.de/politik/israels-angriff...sorge-a-1347022
[3] https://www.freitag.de/autoren/jakob-rei...in-172-laendern
[4] http://english.khamenei.ir/news/3709/Nel...ei-as-My-Leader
[5] https://deutsch.rt.com/asien/56773-trotz...affen-befeuern/
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gr%C3%..._der_Geschichte
[7] http://www.nachrichten.at/nachrichten/po...;art391,2668097
[8] http://www.freace.de/artikel/200508/130805b.html
[9] http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-...ssen-die-unesco
[10] https://de.statista.com/statistik/daten/...daere-weltweit/
[11] Stellt Euch vor, er hieß Peter!
[12] https://archiv.offenkundiges.de/tag/brief-des-imam/

Yavuz Özoguz  
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RE: Ist es wirklich so schwer den Moses und Pharao seiner Zeit zu erkennen?

#2 von Fatima Özoguz , 15.11.2017 09:33

Ist es nicht vielmehr so, dass die meisten Leute einfach zu bequem oder schlicht zu uninteressiert sind, solange es ihnen selber gut geht?


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RE: Ist es wirklich so schwer den Moses und Pharao seiner Zeit zu erkennen?

#3 von Cengiz Tuna , 17.11.2017 14:48

Zitat von Fatima Özoguz im Beitrag #2
Ist es nicht vielmehr so, dass die meisten Leute einfach zu bequem oder schlicht zu uninteressiert sind, solange es ihnen selber gut geht?

Ja sicher! Solange sie selber nicht betroffen sind und es genug Brot und Spiele gibt, schauen viele darüber hinweg. Solange ist auch das Desinteresse an Politik groß. Hinzu kommt noch, dass die meisten die Wahrheit nicht sehen wollen, wenn sie unangenehm ist. Ein weiterer Aspekt ist die tief im Herzen gelegene seelische Komponente. Das Leugnen Gottes ist größer als der Glaube an Gott. Somit neigen Personen, die Gott verneinen, auch weniger Mitgefühl für Muslime zu haben. Wir brauchen nur auf die Ereignisse in den muslimischen Ländern zu schauen, kaum einen interessiert das Unrecht. Das geht sogar so weit, dass sie selbst, wie im Fall 9/11, Beweise leugnen und den Verstand zur Seite legen, nur um Muslime als die Bösen zu sehen.

Heute ist es wirklich nicht mehr schwer, die Fronten zu erkennen und keiner kann mehr sagen, er hätte es nicht gewusst. Selbst die Mehrheit der Muslime muss sich Fragen stellen.

Letztendlich gibt es trotzdem immer Menschen, die die Heiligkeit der Zeit erkennen. Die wissen, wer heute Moses vertritt und wer der heutige Pharao ist.

Dieses Video ist so herrlich. Wer so eine Bevölkerung hat, der braucht keine Atombomben und ist trotzdem unbesiegbar:

http://muslim-tv.de/videoclip-labayka-ya-husain-14-11-2017/


Cengiz Tuna  
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zuletzt bearbeitet 17.11.2017 | Top

RE: Ist es wirklich so schwer den Moses und Pharao seiner Zeit zu erkennen?

#4 von Dörte Donker , 19.11.2017 12:28

"Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist. " (13:11)


Das sagt doch alles, lieber Cengiz. Wenn unser Geist ( des Volkes) von Materiellen (Brot und Spiele) erfüllt ist und es keine Ideale mehr gibt, wird man nichts anderes erwarten können, was zur Zeit ist. Jedes Volk baucht ein Lehre, die richtige Lehre, die sie führt, die über ihr Zeitliches hinaus reicht; das unterscheidet die Edlen von den Unedlen.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass wir hier nicht einmal mehr "Volk" sagen, sondern nur noch Bevölkerung. Kein anderes Land tut das. Es ist damit zu einem unbestimmten Haufen ohne wirkliches geistiges Fundament geworden, jederzeit austauschbar, nur gemessen an dem, was es konsumiert und produziert; bestehend aus Menschen, die nur noch eine Gemeinsamkeit haben: Sie leben im gleichen begrenzten geographischen Gebiet, in einer vergesellschafteten Gesellschaft.


Dörte Donker  
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zuletzt bearbeitet 19.11.2017 | Top

   

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