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Die verspotteten Opfer

#1 von Dr.Josef Haas , 17.08.2022 19:46

Die verspotteten Opfer

Machmout Abbas, also der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde von Israels Gnaden, war
bislang nicht unbedingt für offene Kritik an Israel bekannt. Vorübergehend ließ er es allerdings zu einer
Ausnahme von der üblichen Regel kommen. Und dies ausgerechnet in Berlin, wo er Bundeskanzler
Scholz seine Aufwartung machte. Bei dieser Gelegenheit brachte er ebenso bemerkenswerte wie vor allem
richtige Worte zu Gehör.
Auszug: "Israel hat seit 1947 bis zum heutigen Tag 50 Massaker in 50 palästinensischen Orten begangen.
50 Massaker- 50 Holocausts".
Damit war- selbstverständlich- der kollektive bundesdeutsche Aufschrei gleichsam vorprogrammiert.
Ganz abgesehen davon, dass der aus dem Alt-griechischen stammende Begriff "Holocaust" hierzulande bis
zur Ausstrahlung der vierteiligen amerikanischen Fernsehserie gleichen Namens im Jahre 1979 in der ARD
völlig ungebräuchlich war, dient er mit seiner Opferzuerkennung allein an das jüdische Volk heute dazu, die
Verbrechen Israels am Volk von Palästina zu rechtfertigen.
Anders formuliert: Das unbestrittene Unrecht, was Juden widerfuhr, muss heute dazu herhalten, neues Unrecht
zu legitimieren.
Also genau das, was man Abbas vorwirft, nämlich dass er "den Holocaust am jüdischen Volk relativiere", trifft
leider umgekehrt, bezogen also auf Palästina, in jeder Hinsicht zu. Stellvertretend für alle jüdisch-zionistischen
Verbrechen sei hier nur das Massaker von Deir Yassin vom 9.April 1948 erwähnt.
Seinerzeit ermordeten Angehörige der Terrorgruppen Irgun Zwai Leumi sowie Lechi in dem heute zu Jerusalem
gehörenden Dorf Deir Yassin mindestens 400 arabische Einwohner.
Sie standen unter dem Befehl des späteren israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin.
Dieser wird bei Wikipedia folgendermaßen zitiert: "Das Massaker von Deir Yassin hatte nicht nur seine Berechtigung-
ohne den Sieg von Deir Yassin hätte es auch niemals den Staat Israel gegeben." (1)
Ist man nun "Antisemit", wenn man darauf hinweist und den seinerzeitigen Mörder sogar noch zu Wort kommen lässt?
In der hiesigen Bundesrepublik Deutschland, wo nichts sein kann, was nicht sein darf, sicherlich ja.
Genauso verhält es sich mit der massiven bundesdeutschen Kritik an der Verwendung des Begriffes "Apartheid"
durch Herrn Abbas. Denn all das, was seinerzeit den internationalen Protest an der damaligen Republik Südafrika, die
übrigens beste Beziehungen zu Israel unterhielt, auslöste und legitimierte, findet so ja bereits seit Jahrzehnten durch
Israel gegen das Volk von Palästina statt.
Die Verbrechen des damaligen südafrikanischen Rassisten-Regimes dürfen aber selbstredend in unseren Breiten nicht
mit Israels gleichartigem Verhalten in Palästina verglichen werden. Und dies, obwohl die renommierte Menschenrechts-
organisation Human Rights Watch in ihrem am 27.April 2021 veröffentlichten 213-seitigen Bericht Israel genau dies,
also Apartheit und Verfolgung, vorwirft.
Ein ebenso perverses wie widerliches Verhalten, werden hier doch unschuldige jüdische Opfer der Vergangenheit dafür
missbraucht, aktuelles Unrecht zu rechtfertigen.
Genau dies findet bekanntlich in diesem Land schon seit langem statt und erreichte am gestrigen Tag- einmal mehr-
seinen traurigen Höhepunkt.
Die sicherlich durch nichts zu rechtfertigenden Verbrechen, begangen an Juden, sollen und müssen also dafür herhalten,
das Unrecht eines Terror-Staates, denn um nichts anderes handelt es sich bei Israel, gegenüber dem palästinensischen Volk
gutzuheißen.
Israel verfolgt übrigens mit wahrhaft alttestamentarischem Hass jede historische Darstellung, welche gleichfalls auf Millionen
Menschenopfer hinweist. Der als "Holodomor" in die Geschichte eingegangene Vernichtungsfeldzug des Stalinismus gegenüber
dem ukrainischen Volk sei hier beispielhaft genannt.
Von 1929 bis 1933 fielen der damals durch die sowjetischen Behörden absichtlich herbeigeführten Hungersnot in der Ukraine
bis zu sieben Millionen Menschen zu Opfer. Infolge dessen haben die Vereinten Nationen dieses traurige Ereignis mit dem Status
eines Holocausts ausgestattet, was sofort wütende jüdische Proteste hervorrief. Auch hier wurde unverzüglich die Keule einer
angeblichen "Holocaust-Relativierung" geschwungen, obwohl die durch Stalins Anordnung ausgelöste Hunger-Katastrophe in der
Ukraine eine unbestreitbare historische Tatsache darstellt.
Dies war, ist und bleibt auch das Schicksal für jeden anderen Hinweis auf Massenverbrechen in der Geschichte. Waren dabei Nicht-
Juden als Tote zu beklagen, bleiben sie relativ unbeachtet.
Hier sei nur an die 30 bis 40 Millionen Menschenleben erinnert, welche die Diktatur Stalins forderte. Im China Mao-Tse-Tungs sollen
sogar bis zu 70 Millionen Tote zu beklagen gewesen sein. An die vielen alliierten Kriegsverbrechen, verübt an der deutschen Zivilbevölkerung
oder deutschen Kriegsgefangenen, will ich gar nicht erst erinnern.
Wie so oft, knickte angesichts der massiven deutschen Proteste, auch Machmout Abbas rasch ein und nahm unverzüglich einen Teil seiner
vorher artikulierten Israel-Kritik zurück.
Neueste Abbas-Version: "Ich bekräftige, dass der Holocaust das abscheulichste Verbrechen der modernen menschlichen Geschichte ist".
Abbas erklärte weiter, "dass er nicht dessen Einzigartigkeit in Frage stellen wollte. Gemeint habe er vielmehr die Verbrechen und Massaker
gegen das palästinensische Volk, die Israels Streitkräfte seit der Nakba begangen hätten." (2)
Trotz allem, es genügen auch diese hier wiedergegebenen Worte aus Abbas Munde.
Sie werden das hiesige Geschrei überdauern. Wahrheit kann man eben nicht vergewaltigen, obwohl sich alle relevanten bundesdeutschen
Parteien, wenn es um die Darstellung des israelischen Unrechts gegenüber Palästina geht, ständig und konsequent darum bemühen!
1
Siehe dazu den WIKIPEDIA-Artikel über das Geschehen in Deir Yasssin

2 Zitate nach "tagesschau.de" vom 17.August 2022

Dr.Josef Haas  
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RE: Die verspotteten Opfer

#2 von Werner Arndt , 17.08.2022 22:51

Zitat von Yavuz Özoguz im Beitrag Die so genannte Lügenpresse ist ein Teil des Lügensystems von Herrenmenschen!
Inzwischen weiß die gesamte Westliche Welt, dass in Palästina eine ethnische Säuberung ohnegleichen stattgefunden hat, das nunmehr mindestens über sieben Jahrzehnte andauert! Über 500 Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht. Unzählige Palästinenserinnen wurden vergewaltig, unzählige Palästinenser ermordet. Das Morden und Vertreiben hält bis heute an. Alle wissen es.



Zitat
03.09.2007

Archiv

800.000 Menschen entwurzelt und 531 Dörfer zerstört

Die ethnische Säuberung Palästinas gehört zu jenen dunklen Kapiteln des 20. Jahrhunderts, die von interessierter Seite gerne verdrängt werden. Das hat den israelischen Politikwissenschaftler Ilan Pappé, Leiter des Instituts für Konfliktforschung an der Universität Haifa, nicht daran gehindert, sich mit dem Thema gründlich auseinanderzusetzen und die Ergebnisse seiner Forschung der Öffentlichkeit zu unterbreiten. Eine Rezension von Marcel Pott


„Ich bin für Zwangsumsiedlung; darin sehe ich nichts Unmoralisches.“

Schon das dem Vorwort des Autors vorangestellte Zitat des Staatsgründers David Ben Gurion bringt den Leser dazu, die erste Fußnote zu studieren.

Er will wissen, wann genau der in Israel als „Vater der Nation“ verehrte Ben Gurion diesen Satz über die arabische Bevölkerung Palästinas gesagt und wem gegenüber er sich so geäußert hat.

Wir erfahren, dass David Ben Gurion am 12. Juni 1938 auf einer Sitzung der Exekutive der Jewish Agency für die Zwangsumsiedlung der Bevölkerung in Palästina eingetreten ist.

...

Dem Historiker Pappé geht es explizit darum, die Mechanismen der ethnischen Säuberung von 1948 zu untersuchen. Doch er will auch das kognitive System ergründen, das es der Welt und den Tätern ermöglichte, die von der zionistischen Bewegung 1948 begangenen Verbrechen zu vergessen oder zu leugnen. ...

Wer den Kernkonflikt im Nahen Osten besser verstehen will, sollte das mit viel Herzblut geschriebene Buch von Ilan Pappé lesen.

Marcel Pott über Ilan Pappé: „Die ethnische Säuberung Palästinas“,
Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2007,
Euro 19,90.

https://www.deutschlandfunk.de/800-000-m...stoert-100.html



Zitat
1. Februar 2022

ISRAELS APARTHEID GEGEN DIE PALÄSTINENSER*INNEN

VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT

Die israelischen Behörden müssen für das Verbrechen der Apartheid zur Verantwortung gezogen werden, schreibt Amnesty International in einem neuen Bericht. Darin wird detailliert aufgezeigt, wie der Staat Israel ein System der Unterdrückung und Herrschaft über die Palästinenser*innen durchsetzt.


... Der im Original 182 Seiten umfassende Bericht Israel’s Apartheid against Palestinians: Cruel System of Domination and Crime against Humanity kommt zum Schluss, dass die umfangreichen Beschlagnahmungen von palästinensischem Land und Eigentum, die rechtswidrigen Tötungen, Zwangsumsiedlungen, drastischen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die Verweigerung der Nationalität und der Staatsbürgerschaft für Palästinenser*innen Bestandteile eines Systems sind, das nach internationalem Recht Apartheid darstellt. ... Amnesty International fordert den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) auf, das Verbrechen der Apartheid bei seinen laufenden Ermittlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten zu berücksichtigen, und appelliert an alle Staaten, die universelle Gerichtsbarkeit anzuwenden, um diejenigen vor Gericht zu bringen, die Apartheidverbrechen begangen haben.

... Die israelischen Behörden schränken die Bewegungsfreiheit für Palästinenser*innen in den besetzten palästinensischen Gebieten massiv ein und verweigern palästinensischen Flüchtlingen das Recht auf Rückkehr. Der Bericht dokumentiert auch Zwangsumsiedlungen, Verwaltungshaft, Folter und rechtswidrige Tötungen, sowohl in Israel als auch in den besetzten palästinensischen Gebieten.

... Seit der Staatsgründung 1948 verfolgen die israelischen Behörden eine Politik, die darauf abzielt, eine jüdische Bevölkerungsmehrheit zu schaffen und zu erhalten und die Kontrolle über Land und Ressourcen zum Nutzen der jüdischen Israelis zu maximieren.

... Die Recherchen von Amnesty International zeigen jedoch, dass alle Palästinenser*innen demselben übergreifenden System unterworfen sind. Die israelischen Behörden verfolgen in allen Bereichen dasselbe Ziel: die jüdische Bevölkerung Israels bei der Verteilung von Land und Ressourcen zu bevorzugen und die palästinensische Präsenz und ihren Zugang zu Land zu minimieren.

... Seit 1948 haben die israelischen Behörden hunderttausende palästinensische Häuser in allen Gebieten, die unter israelischer Gerichtsbarkeit stehen, abgerissen. Die israelischen Behörden verweigern den Palästinenser*innen in Ostjerusalem und der Zone C im Westjordanland Baugenehmigungen und zwingen sie dadurch, illegale Bauten zu errichten, die dann wieder abgerissen werden.

In den besetzten palästinensischen Gebieten verschärft die ständige Ausweitung der rechtswidrigen israelischen Siedlungen die Situation. Israelische Siedlungen bedecken heute 10 Prozent des Landes im Westjordanland, und etwa 38 Prozent des palästinensischen Landes in Ostjerusalem wurde zwischen 1967 und 2017 enteignet.

... Amnesty fordert, als ersten Schritt die Praxis der Häuserabrisse und rechtswidrigen Zwangsräumungen zu beenden.

... Das Ausmass und die Schwere der von Amnesty International dokumentierten Menschenrechtsverletzungen erfordern einen radikalen Wandel in der Herangehensweise der internationalen Gemeinschaft an die Menschenrechtskrise in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten.

...

https://www.amnesty.ch/de/laender/naher-...-menschlichkeit

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RE: Die verspotteten Opfer

#3 von Dr.Josef Haas , 20.08.2022 09:10

Die Äußerungen von Mahmut Abbas, mit denen er auf die israelischen Verbrechen
an palästinensischen Zivilisten aufmerksam machte, dürfen so natürlich in der
Bundesrepublik Deutschland nicht zu Gehör gebracht werden. Dies konnte man sich
leider von vorneherein denken. Jene Annahme hat inzwischen die Berliner Polizei
bestätigt. Sie ermittelt nämlich mittlerweile wegen eines "Anfangsverdachtes der
Volksverhetzung" gegen den Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde.
Hingegen ist es hierzulande selbstredend keine "Volksverhetzung", wenn man das
Andenken der unzähligen palästinensischen Opfer Israels mit Füßen tritt, indem man
sie als "Terroristen" verhöhnt. Diese Beleidigung gilt dabei Frauen und Männern, welche
für die Schaffung eines Staates Palästina kämpfen.
Genau der ist übrigens in der BRD bis zum heutigen Tag nicht anerkannt.
Wenn allerdings anderswo Millionen Menschen, aus welchen Gründen auch immer, oft
genug auf extrem grausame Weise, hingeschlachtet wurden und leider immer noch
werden, interessiert das in unseren Breiten hingegen kaum jemanden.
Beispielsweise wurde noch nie auch nur ein einziges strafrechtliches Verfahren gegen
Mörder, die ihre Taten an Deutschen im zweiten Weltkrieg oder unmittelbar danach verübten,
eingeleitet. Demgegenüber müssen sich hundert Jahre alt gewordene Deutsche dafür vor
Gericht verantworten, dass sie, obwohl beispielsweise vom Arbeitsamt dorthin geschickt, in
Konzentrationslagern Schreibarbeiten verrichteten.
Von den ungezählten Morden des Stalinismus wird nur dann gesprochen, wenn Juden dessen
Opfer wurden, so wie beispielsweise im August 1952 jüdische Angehörige des sogenannten
"Antifaschistischen Komitees".
Man hat einmal als junger Mensch, der ich nicht mehr bin, gehört: "Im Tod sind alle Menschen
gleich". Leider stimmt dies- zumindest in unseren Tagen- schon lange nicht mehr.
Da wird eine grausame Unterscheidung zwischen der Politischen Korrektheit genehmen Toten
und solchen, die ihr missfallen, vorgenommen.
Eine Perversität, welche man sich schlimmer kaum vorzustellen vermag.
Aber sie ist leider ein integraler Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2022!

Dr.Josef Haas  
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