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Über die historische Beurteilung eines Kriegsausbruchs

#1 von Yavuz Özoguz , 01.01.2012 16:13

Über die historische Beurteilung eines Kriegsausbruchs

Bei genauer Analyse der Gegenwart kann auch viel für die Vergangenheit geschlossen und verstanden werden und umgekehrt.

Zwischen den Jahren gab es etwas sehr Erstaunliches in kapitalistischen Landen. Dänemark hat begrenzt Staatsanleihen versteigert und es kam zuweilen zu negativen Zinsen. Jeder weiß mehr oder weniger was Zinsen sind, und viele wissen, dass Muslime Zinsen für etwas Verbotenes erachten. In der Form, wie es im Kapitalismus praktiziert wird, betrachten viele es sogar als schweres Verbrechen an der Menschlichkeit mit Millionen von Menschenopfern. Aber was sind “negative Zinsen“ für Gelder, die man sich leiht. Obwohl es in den Medien gar nicht besonders intensiv diskutiert wurde, ist es eine kleine Sensation. Denn es handelt sich um eine Art Leihgeschäft, bei dem der Geldverleiher geradezu darum bettelt, sein Geld verleihen zu dürfen und sogar bereit ist, dafür einen Teilverlust hinzunehmen: Er erhält nach Ablauf der Leihfrist also weniger zurück, als er verliehen hat. Nun sind 0,1 % und ähnliche Größenordnungen an “negativen Zins“ nicht gerade nennenswerte Summen, aber hinzu muss ja auch die Inflation eingerechnet werden, die es in allen europäischen Staaten gibt. Die Geldverleiher sind also definitiv bereit, weniger Kaufkraft zurück zu erhalten, als sie verleihen. Anders ausgedrückt: Die Geldverleiher sehen in einer Staatsanleihe im Euroraum ein derart hohes Risiko, dass sie lieber in die dänische Krone investieren (investieren ist hier wohl auch nicht das richtige Wort), um zumindest etwas zurück zu erhalten.

Der Kapitalismus spielt verrückt. Wann gab es so etwas zuletzt? Abgesehen von einer Episode mit dem Schweizer Franken gab es so etwas zuletzt vor den Weltkriegen bzw. den Weltwirtschaftskrisen davor. Ein Rückblick auf die Entstehung jener Weltkriege ist aus heutiger Sicht gut möglich, wenn man sich die gegenwärtige Lage genaustens vor Augen führt und etwas (realistisch) spekuliert bzw. sich Szenarien vorstellt.

Derzeit droht die kapitalistisch-imperialistische Welt dem Iran mit zunehmendem “Druck“, einen umfassenden Krieg gegen das Land zu führen. Als Begründung wird angegeben, dass der Iran Atomwaffen anstreben würde. Diese Behauptung entbehrt zwar jeglicher Beweisführung und es gibt vielmehr klare Hinweise, dass es nicht der Fall ist (z.B. eine klare Fatwa von Imam Chamene’i, der Atomwaffen als verboten einstuft), aber das kümmert die kapitalistisch-imperialistische Welt nicht. Ganz nebenbei geht die Fragestellung völlig unter, nach welchem Recht denn solch eine Kriegsdrohung erlaubt wäre, selbst wenn der Iran an Atomwaffen forschen würde. Um “Druck“ auf den Iran auszuüben, werden Sanktionen erlassen und verstärkt. Zunächst geschah das im Rahmen der UN, also sozusagen mit einer Art Minilegitimation. Inzwischen erfolgen die Verschärfungen der Sanktionen ganz ohne UN allein von der kapitalistisch-imperialistischen Welt, die sich auch gerne “internationale Weltgemeinschaft“ nennen lässt, obwohl sie nur einen geringen Bruchteil der Weltbevölkerung repräsentiert. Zuletzt wurde damit gedroht, dass der Iran auch kein Öl mehr exportieren kann. Der Iran hat geantwortet, dass in dem Fall niemand mehr Öl aus dem persischen Golf hinaustransportieren soll.

Nehmen wir also einmal an, der Westlichen Welt gelingt es (wie auch immer) China und Russland mit ins “Boot“ zu holen und Iran die wichtigste Einnahmequelle zu schließen. Und nehmen wir an, der Iran antwortet tatsächlich mit der Schließung der Straße von Hormuz. Zweifelsohne würde dann die kapitalistisch-imperialistische Welt Krieg gegen den Iran führen. Wenn sie frühzeitig erfolgreich ist und den Iran so zusammenschießen kann, dass die Gegenwehr gering ist, dann endet der Ian im Mittelalter und die kapitalistisch-imperialistische Welt hat den Krieg gewonnen. Sollte die Gegenwehr aber erfolgreich sein, würden irgendwelche Wahnsinnigen in der kapitalistisch-imperialistischen Welt früher oder später eine Atombombe auf eine iranische Stadt abwerfen, bis sie kapitulieren. Die Frage die sich dann stellt ist: Wer wird als derjenige dastehen, der den Krieg begonnen hat? Gibt es irgendeinen Zweifel, dass die radikal-zionistische Presse, die Großteile der kapitalistisch-imperialistischen Welt beherrscht und die öffentliche Meinung “bild“en lässt, den Iran als Kriegsschuldigen darstellen würde?

Ausgehen von diesem Szenario stellt sich rückblickend folgende Frage zu den ersten beiden Weltkriegen, die aufgrund einer von der Justiz verfolgten Geschichtsforschung und einer unfreien Wissenschaft diesbezüglich in der kapitalistisch-imperialistischen Welt nicht aufgearbeitet wird: Gab es damals gegenüber Deutschland Sanktionen, die Deutschland in eine ausweglose Lage gebracht haben? Wer war für jene Sanktionen verantwortlich und warum wurden sie erlassen? Und wie kam es dazu, dass Deutschland am Ende als “Alleinschuldiger“ dasteht. Letztere Frage ließe sich mit einer Art Siegerjustiz und Siegerhofberichterstattung erklären. Aber dennoch wäre der Verlauf nicht möglich gewesen, hätte es keinerlei rassistische Verfolgung in Deutschland (Stichwort: Nürnberger Rassegesetze) gegeben.

Zurück in die Gegenwart: Auch in der heutigen Zeit versuchen bestimmte Geheimdienste mit geradezu wahnsinnigen Operationen eine Religionsgruppe verfolgen. Heute werden überall in der Welt Kirchen angezündet. Warum? Wie kommt es dazu. Und warum steht die kapitalistisch-imperialistische Welt – die in ihren eigenen Ländern den wahren Glauben an Gott und die Ehre Jesu mit Füßen tritt – ausgerechnet als Beschützer jener Kirchen da? Wie hat man es damals geschafft, Nachbarn gegen ihre jüdischen Nachbarn Verbrechen begehen zu lassen (bzw. dazu zu schweigen), und wie schafft man es heute, dass Muslime in manchen Ländern ähnlich agieren (oder es zumindest so aussieht)? Die Antwort darauf ist ein Wechselspiel von Armut, Ignoranz, Bildungsferne mancher Schichten, die kaltblütige Brutalität von kapitalistischen Imperialisten damals wie heute und das Mitwirken von Hofgeistlichen auf vielen Seiten. Erst gestern hat einmal mehr der Kölner Kardinal Joachim Meisner von Vertretern des Islam in Deutschland ein “klares Bekenntnis gegen den Terror“ verlangt, obwohl sämtliche Verbände das schon mehrfach klar zum Ausdruck gebracht haben. Von Kardinal Meisner ist bis heute kein einziges Wort gegen die Verbrechen zu vernehmen gewesen, die im missbrauchten Namen des Christentums in der ganzen Welt verübt werden von Soldaten der kapitalistisch-imperialistischen Welt.

Im Fall Iran hat genau jenes Element der Unterdrückung der Menschheit durch Spaltung bisher nicht gefruchtet. Alle Versuche, die Bevölkerung gegen Juden, Christen oder andere aufzuwiegeln sind gescheitert. Alle Versuche im missbrauchten Namen des Sunnitentum über Pakistan mit US-Geheimagenten Terror zu verbreiten, um die Konfessionen gegeneinander aufzuhetzen, sind gescheitert. Der kümmerliche Versuch dieses Machtspiel mit den Bahai, die ihren Haupttempel in Haifa gegründet haben, durchzuexerzieren, war bisher auch nicht besonders erfolgreich, da den Profiteuren und Unterstützern des Schah-Regimes und besondere auffällig wohlhabenden “Exilanten“ die Verfolgtenrolle schwer zuzuschreiben ist. Zudem weiß ohnehin kaum jemand, woran Bahai eigentlich glauben.

Die Katastrophe des Ersten und Zweiten Weltkrieges (insbesondere des Zweiten) war möglich, weil es auf Deutscher Seite Menschen in der Führungsriege gab, die einen unmenschlichen Rassismus vorangetrieben haben und die Kirchenoberhäupter größtenteils schweigsam waren. Genau das ist im Iran heutzutage unmöglich. So mancher Versuch, die Autorität der obersten Geistlichkeit im Iran in den letzten Jahren zu untergraben, ist nicht nur fehlgeschlagen, er hat auch zur Zunahme des Ansehens des obersten Geistlichen geführt. Mit dieser Geistlichkeit wird aber weder ein Krieg gegen Juden oder Christen, noch ein Krieg gegen Sunniten möglich sein. Also bedarf es anderer Wege, jene Führung in einen Krieg zu verwickeln. Syrien und Palästina dürften Stichworte sein, um weitere Versuche zu starten, den Iran zu schwächen. Der Konfessionskrieg, der im Iran unmöglich ist, wird zumindest in gleich drei Nachbarländern angefacht, die allesamt unter der Kontrolle der USA stehen. Aber im Gegensatz zum Ersten und Zweiten Weltkrieg wird heute das “umzingelte“ Land von einer Führung verantwortlich regiert, die an Nächstenliebe als wichtigen Bestandteil der Gottesehrfurcht glaubt und nicht an Ariertum. Und das ist für die kapitalistisch-imperialistische Welt unschlagbar.

Mag sein, dass das dritte bisher unveröffentlichte Geheimnis von Fatima, das angeblich nur der Papst kennt, wirklich der dritte Weltkrieg ist. Mag auch sein, dass der amtierende Papst der letzte Papst sein wird, wie es manche prophezeien, weil Jesus bald kommt. Möglicherweise ist Imam Chamene’i auch wirklich jene prophezeite Person, die an der Seite des erwarteten muslimischen Erlösers stehen wird. Aber alle jene Annahmen sind Hoffnungen, die erst dann beweisbar sind, wenn sie eingetreten sind. Doch noch lange bevor irgendwelche Prophezeiungen eintreten, liegt es in unserer Hand, uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen! Das können wir im Rahmen unserer Möglichkeiten intensivieren! Und wenn wir uns gemeinsam für Gerechtigkeit einsetzen, dann wird die Welt nicht von kapitalistisch-imperialistischen Wahnsinnigen regiert, für die Menschenleben schlimmstenfalls Kollateralschäden sind. Wir müssen jenen zu verantwortungsvollen Lasten verhelfen, die von Menschlichkeit und Nächstenliebe geleitet werden. Und diesen Einsatz sind wir unseren eigenen Seelen schuldig.

Yavuz Özoguz  
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Die Sehnsucht nach einer gerechten Verfassung

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