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Fordert der Islam zur Gewalt gegen Nichtmuslime auf?

#1 von Yavuz Özoguz , 25.01.2015 14:22

In einer Zeit, in der Tauende selbsternannter Islam-Experten den Islam verunglimpfen und so genannte Islam-Wissenschaftler im Dienste des Imperialismus Texte gegen den Islam verfassen, ist es von umso größerer Bedeutung, dass Muslime im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten die Vorwürfe aufgreifen und nachweisen, dass genau das Gegenteil der Wahrheit entspricht. Die Gnade und Liebe, die der Islam verbreitet, gehört nicht den Muslimen allein. Gottes Liebe ist allen Menschen zugedacht.

In diesem Sinn soll heute die Frage aufgeworfen werden, ob der Heilige Qur’an zur Gewalt gegen Nichtmuslime aufruft, was einer der schweren Vorwürfe von Seiten westlicher Leser (ob Wissenschaftler oder nicht) darstellt. Da nicht sämtliche Vorwürfe und sämtliche Qur’an-Stellen gleichzeitig behandelt werden können, beschränkt sich die folgende Betrachtung auf den Anfang der Sure 9, hier wiedergegeben in der sicherlich neutralen Übersetzung von Adel Theodor Khoury, einem libanesischen Christen:

9:1 Aufkündigung von Seiten Gottes und seines Gesandten an diejenigen unter den Polytheisten, mit denen ihr einen Vertrag abgeschlossen habt.
9:2 Nun zieht im Land vier Monate umher und wisst, dass ihr Gottes Willen nicht vereiteln könnt, und dass Gott die Ungläubigen zuschanden macht.
9:3 Und Bekanntmachung von Seiten Gottes und seines Gesandten an die Menschen am Tag der großen Wallfahrt: Gott ist der Polytheisten ledig, und auch sein Gesandter. Wenn ihr umkehrt, ist es besser für euch. Wenn ihr abkehrt, so wisst, dass ihr Gottes Willen nicht vereiteln könnt. Und verkünde denen, die ungläubig sind, eine schmerzhafte Pein.
9:4 Mit Ausnahme derer von den Polytheisten, mit denen ihr einen Vertrag geschlossen habt und die euch in nichts fehlen lassen und niemandem gegen euch beigestanden haben. So erfüllt ihnen gegenüber ihren Vertrag bis zu der ihnen eingeräumten Frist. Gott liebt die Gottesfürchtigen.
9:5 Wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Polytheisten, wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Weg auf. Wenn sie umkehren, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann lasst sie ihres Weges ziehen: Gott ist voller Vergebung und barmherzig.
9:6 Und wenn einer von den Polytheisten dich um Schutz bittet, so gewähre ihm Schutz, bis er das Wort Gottes hört. Danach lass ihn den Ort erreichen, in dem er in Sicherheit ist. Dies, weil sie Leute sind, die nicht Bescheid wissen.
9:7 Wie sollten die Polytheisten Gott und seinem Gesandten gegenüber einen Vertrag geltend machen, ausgenommen die, mit denen ihr bei der heiligen Moschee einen Vertrag abgeschlossen habt? Solange sie sich euch gegenüber recht verhalten, verhaltet auch ihr euch ihnen gegenüber recht. Gott liebt die Gottesfürchtigen….

Aus diesem Gesamtzusammenhang wird dann oft jener Teilvers herausgerissen: „ … dann tötet die Polytheisten, wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Weg auf.“ Und dieser Teil wird als angebliche Regel des Islam vorgestellt. Darauf wäre zunächst ganz einfach zu antworten: Wenn das eine Regel des Islam wäre, dann müssten Muslime alle mit einer Waffe herumlaufen. Die historische Realität sieht aber so aus, dass das offensichtlich nicht der Fall war und ist. Viele Nichtmuslime haben im Herrschaftsgebiet von Muslimen oft in Frieden gelebt. Zudem handelt es sich hier nicht um irgendwelche allgemeingültigen Vorschriften, sondern um eine Spezialsituation, die selbst aber auch die Gnade Gottes und Seines Propheten darlegen wird.

Allgemeine Vorschriften sind im Heiligen Qur’an leicht erkennbar durch eine Formulierung in dem Sinn wie „Vorgeschrieben ist Euch“, z.B. die Vorschrift zum Testament beim Sterbenden (2:180), die Vorschrift zu Fasten (2:183), das Gebet 4:103 usw.. Manche der Vorschriften richten sich an bestimmte Personengruppen zu bestimmten Zeiten, manche der Vorschriften haben Einschränkungen (zeitlich, räumlich, personenabhängig), manche Vorschriften werden durch eine übergeordnete Empfehlung ergänzt, z.B. Vergebung statt Vergeltung (2:178) usw… In obigen Versen ist dieser Charakter nicht gegeben.

Ohnehin handelt es sich bei obigen Versen um einen extremen Ausnahmecharakter im Heiligen Qur’an, wie er an keiner anderen Stelle existiert. Die Sure beginnt – im Gegensatz zu allen anderen 113 Suren – nicht mit der Formel (Basmala) „Im Namen Gottes des Gnädigen des Begnadenden“. Ein einziges mal fehlt diese Eingangsformel, was Hinweis genug ist für den Ausnahmecharakter der folgenden Verse! (Nur zur Info, in einer anderen Sure gibt es die Basmala zwei Mal, so dass es am Ende 114 Basmala sind).

Was aber macht diese Sure so außergewöhnlich? Bereits aus dem ersten Vers wird deutlich, dass es sich um ein sehr spezifisches geschichtliches Ereignis handelt. Dazu kurz die Vorgeschichte. Prophet Muhammad hat jahrzehntelang miterlebt, wie die Gläubigen durch die Polytheisten von Mekka versklavt, enteignet, vertrieben, vergewaltig, ermordet und sogar dem Hunger ausgesetzt wurden. Er hat miterlebt, wie seine geliebte (und damals einzige) Ehefrau Chadidscha im Asyltal verhungert ist. Asyl hatte ihnen sein Onkel Abu Talib gewährt, der ebenfalls in der Zeit gestorben ist. All das hat er geduldig ertragen. Er hat miterlebt, wie man ihn und seine Anhänger selbst bei der Flucht nach Medina ermorden wollte. Er hat miterlebt, wie die Mekkaner Medina gleich zwei Mal im größeren Stil angegriffen und überfallen haben, teils mit verheerenden Folgen für die Muslime. Er hat miterlebt, wie die Mekkaner selbst die völlig unbewaffneten Pilger nicht nach Mekka gelassen haben, obwohl das Jahrhunderte lang Regel aller Mekkaner war, unbewaffneten das Pilgern zu ermöglichen! Er hat ein Abkommen geschlossen zum 10-jährigen Waffenstillstand und wollte zurückkehren ohne Pilgermöglichkeit in dem Jahr. Daraufhin haben seine eigenen Anhänger rebelliert und wollten lieber kämpfen. Er hat es verhindert! In der Folgezeit traten immer mehr Stämme zum Islam über. Er hat miterlebt, wie dieser Waffenstillstand von den Mekkaner immer wieder gebrochen wurde und Hunderte unschuldiger Menschen völlig unbeteiligter Stämme ermordet worden sind durch die Mekkaner, nur weil sie sich zu Gott bekannt haben und nicht zu den Götzen der Mekkaner.

Der Prophet hat geduldig ertragen, bis diese Verse kamen, ohne Basmala. Irgendwann ist eben Schluss, selbst bei der größten Geduld. Gott lässt nicht zu, dass diejenigen, die sich ihm zuwenden, hilflos den Massenmorden der Götzendiener ausgeliefert sind. Dann kamen diese Verse mit aller Wucht! Die Wucht der Verse genügte, dass weiteres Blutvergießen verhindert werden konnte. In der Folge marschierten die Muslime absolut kampflos in Mekka ein. Es gab kein Blutvergießen!

Doch die Verse beinhalten auch ein erstes Weltkriegsrecht und ein Asylrecht, das die meisten Länder dieser Erde bis heute nicht umgesetzt haben. Es beinhaltet eine Verpflichtung zur Vertragstreue.

Vertragstreue: „So erfüllt ihnen gegenüber ihren Vertrag bis zu der ihnen eingeräumten Frist. Gott liebt die Gottesfürchtigen.“ Jeder Vertrag hat eine Vertragslaufzeit und in dieser hat ein Muslim den Vertrag zu erfüllen. Ein Muslim, der z.B. Deutscher ist, ist damit einen Vertrag eingegangen mit dem deutschen Staat, dass er die Gesetzte im Land einhalten wird. Kann oder will er das nicht, muss er das Land verlassen und seine Staatsbürgerschaft abgeben. Dabei spielt es keine Rolle, ob er deutsche Vorfahren hat oder nicht.

Asylrecht: „Und wenn einer von den Polytheisten dich um Schutz bittet, so gewähre ihm Schutz, bis er das Wort Gottes hört. Danach lass ihn den Ort erreichen, in dem er in Sicherheit ist. Dies, weil sie Leute sind, die nicht Bescheid wissen.“ Ein wirklich muslimischer Staat ist verpflichtet jedem Asylsuchenden Asyl zu gewähren (seit 1400 Jahren!), unabhängig davon, woran er glaubt. Hier ist explizit sogar jemand genannt, der definitiv kein Muslim, kein Christ, kein Jude und eben kein Monotheist ist. Wenn er im islamischen Land bleiben will, im dem er die Worte Gottes hört, dann darf er das. Will er aber nicht bleiben, dann darf er nicht einfach zurückgeschickt werden! Er kann nur in ein Land entsandt werden, in dem er in Sicherheit leben kann, und das ihn auch aufnehmen würde. Gibt es solch ein Land nicht, dürfte er ewig im muslimischen Land in Frieden leben! Solch ein Asylrecht gibt es derzeit in der islamischen Welt nur Islamischen Republik Iran.

Weltkriegsrecht: Selbst der Kriegszustand ist niemals ein totaler Krieg. „Wenn sie umkehren, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann lasst sie ihres Weges ziehen.“ Es ist hier zu erwähnen, dass die genannte Abgabe eine allgemeine Form der Abgabe ist. Sie gilt z.B. auch für Christen und Juden und andere. Polytheisten, die keinen Krieg gegen die Muslime geführt haben, sind hier nicht betroffen. Es geht „nur“ um Polytheisten, die Krieg führen und schon evtl. Tausende von Menschen ermordet haben. Selbst die kommen frei, wenn sie sich einfach nur zum Monotheismus bekennen. Sie werden weder versklavt, noch werden sie zu irgendetwas anderem gezwungen. Nicht einmal ein Strafgericht gibt es für ihre Kriegsverbrechen! Sie können einfach abziehen. Solch ein gnadenreiches Kriegsrecht gibt es bis heute in der gesamten Welt nicht! Und wenn diejenigen, die dann abgezogen sind, dann an irgendetwas anderes glauben, aber die Muslime nicht weiter angreifen, dann ist das eine Sache zwischen ihnen und Gott, aber nicht mehr Sache der Muslime.

Die Verse verdeutlichen aber noch einen Aspekt, der unzweifelhaft ist. Die gesamte Geschichte ist nur gültig bei Anwesenheit des Propheten! Es geht hier nicht um irgendwelche Auseinandersetzungen, sondern um eine spezifische Auseinandersetzung bei Anwesenheit des Propheten. Und selbst in diesem Rahmen wird deutlich, dass der Islam ggf. sogar Massenmördern vergeben kann. Nehmen wir dazu ein geschichtliches Beispiel zum Verständnis. Nehmen wir an, dass ein Schuldiger bei den Nürnberger Prozessen sich schuldig bekannt und bereut hat. Würde ihm dann vergeben worden sein? Sicher nicht. Im Islam ist es anders. Der Prophet hat sogar dem Mörder seines so extrem geliebten Onkels Hamsa vergeben. Derjenige, der den Onkel des Propheten ermordet hat, durfte frei und unbescholten in Medina leben, nachdem er bereut hatte und Zuflucht beim Propheten gesucht hat (also die Merkmale des obigen Verses erfüllt hat).

Abschließend ist zu erklären, dass solch ein kurzer Analysetext niemals die große Dimension solcher Verse wiedergeben kann. Leute, die die mystischen Aspekte der Verse verstehen wollen, werden sich die Frage stellen, was das für eine merkwürdige Reihenfolge ist: „..dann tötet die Polytheisten, wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Weg auf…“, denn wie sollte man jemanden ergreifen, wenn man ihn zuvor getötet hat, und wie sollte man jemanden auflauern, wenn man ihn zuvor belagert hat? Andere werden den unglaublich schön klingenden Versreim im Arabischen entdecken. Wiederum andere werden den Begriff „Abkehr“ genauer analysieren, der ja auch der Name der Sure ist usw.. Aber britische Kolonialisten haben mit Hilfe ihrer käuflichen Orientalisten das Gift der willkürlichen Deutung in die muslimische Welt getragen. Dazu haben sie die Wahhabiten erzeugt, die man heute Salafisten nennt. Mit Hilfe ihrer islamfeindlichen Massenmedien haben die Briten der ganzen Welt das Gift einer Vergewaltigung von Versen aufgezwungen. Und leider fallen viel zu viele Menschen darauf hinein. Das Ziel solcher Schriften ist es dieser teuflischen Entwicklung entgegen zu wirken. Möge es – so Gott will – gelingen.

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RE: Fordert der Islam zur Gewalt gegen Nichtmuslime auf?

#2 von Fatima Özoguz , 25.01.2015 15:29

Zitat
Dann kamen diese Verse mit aller Wucht! Die Wucht der Verse genügte, dass weiteres Blutvergießen verhindert werden konnte. In der Folge marschierten die Muslime absolut kampflos in Mekka ein. Es gab kein Blutvergießen!



Ich möchte an dieser Stelle noch hinzufügen, dass selbst führende Muslime diesen Vers anlässlich der Eroberung Mekkas falsch verstanden haben.

Der Propheten hatte einem seiner prominentesten Gefährten, Sa´d ibn Ubadah , das Banner übertragen, mit dem er in Mekka einmarschieren sollte. Daraufhin rezitiertet Sa´d einen kriegerischen Reim (der leider auf Deutsch nur unzureichend wiedergegeben werden kann) :

„Heute ist der Tag des Schlachtens, der Tag, an dem jede Frau gefangen genommen wird.“ Der Prophet befahl daraufhin Imam Ali (a.s.), Sa´d das Banner - und damit die Führungsposition - wegzunehmen, damit er keinen Schaden anrichtet.

Das zeigt, dass die wahre Deutungshoheit des Qur´ans nur bei den Reinen, Sündlosen liegen kann, nämlich beim Propheten, Fatima, Ali und den 11 ihrer Nachkommen.

Das war nur eine der vielen Gelegenheiten, bei denen Ali ibn Abi Talib das Fehlverhalten einiger Muslime korrigierte, wie auch später unter den Kalifen. Es zeigt auch, dass nur ein "Reiner", die Verse des Qur'an fehlerfrei verstehen und umsetzen kann.

http://www.eslam.de/manuskripte/buecher/...des_banners.htm


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zuletzt bearbeitet 25.01.2015 | Top

   

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