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Der Minderwestlichkeitskomplex gegen den Iran

#1 von Yavuz Özoguz , 19.05.2014 10:15

Bestimmt Überheblichkeitsrituale der westlichen Welt erzeugen Angst und Schrecken in der restlichen Welt. Schaut man aber genau hin, dann ist es der Ausdruck eines zunehmenden Minderwertigkeitskomplexes.

Die sogenannten Atomverhandlungen mit der Islamischen Republik Iran stecken in einer Sackgasse. Ein Vertreter der Westlichen Welt soll das Raketeprogramm des Iran mit in die Verhandlungen eingebracht haben, worauf ein Vertreter des Iran nur laut gelacht habe. Die konventionelle Rüstung des Staates, der von der gesamten Westlichen Welt umzingelt ist und tagtäglich von den Flaggenträgern Westlicher Werte, den USA und Israel, bedroht wird, stand nicht zur Debatte bei den Verhandlungen. Die Atomaufsicht ist dafür auch gar nicht zuständig. Aber Imam Chameen’i (h.) hatte bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass der Westen seine eigenen Zusagen nicht einhält, und falls man ihnen den kleinen Finger zum Frieden reicht, sie gleich den ganzen Arm gewaltsam abreißen wollen. Bedauerlicherweise gibt es in der aktuellen iranischen Politik einige Akteure, die den wahren Charakter der Westlichen „Wertegemeinschaft“ noch nicht durchschaut haben. Sie haben im Westen studiert und einige positive Aspekte der Westlichen Welt kennen gelernt. Den weltweit unterdrückerisch wirkenden Imperialismus mit Alleinherrschaftsanspruch haben sie dabei allerdings übersehen. Und so gibt es seit nunmehr 35 Jahren immer wieder „Verhandlungen“ mit der Islamischen Republik Iran, die in immer schwerere Sanktionen gegen den Iran münden. Der Iran hat damit zu leben gelernt.

Was also steckt hinter diesem merkwürdigen Verhalten bei den aktuellen Verhandlungen, das keine Ausnahmeerscheinung war? Warum freuen sich westliche Politiker nicht darüber, dass die Atomkontrollen verstärkt, die Aufsicht über das Uran vergrößert und die Transparenz diesbezüglich erhöht werden könnte? Warum wird kurz vor einer möglichen Einigung ein Aspekt in die Verhandlungen mit eingebracht, der nichts mit den eigentlichen Verhandlungen zu tun hat und einer Art Aufruf zur bedingungslosen Kapitulation vor der Westlichen „Vorherrschaft“ gleich kommt. Imam Chamene’is Antwort auf solcherlei Wahnsinn der Westlichen Welt ist auf teheraner Wandplakaten nachlesbar: „Es wird keinen weiteren Friedensvertrag mit Muawiya geben, wenn dann gibt es weiteres Kerbela.“ Islamkundige verstehen die Botschaft. Aber es ist zu bezweifeln, dass in der westlichen Verhandlungsdelegation jemand sitzt, der weiß, wie man Islam schreibt. Was aber ist der Grund für diese arrogante Überheblichkeit der Westlichen Welt, die immer wieder durchbricht?

Die Antwort auf diese Frage ist ein Unrechtsbewusstsein der eigenen Seele, die dieses Unrecht so lange und so lautstark verdrängt, bis die eigene Seele rebelliert und sich in der noch lautstärkeren und geradezu irrationalen Verteidigung des Unrechts versucht zu „befreien“. Man kann eben fast jeden betrügen, aber nicht sich selbst! Und derjenige, der Unrecht vertritt, der muss früher oder später irrational werden. Und so geht es gar nicht um die Verteidigung der Westlichen Wertegemeinschaft oder gar um die Verteidigung Israels allein, es geht um die Verteidigung des westlichen Imperialismus, des Kapitalismus und aller damit zusammenhängenden Unmenschlichkeiten. Und genau das darf ein Muslim eben nicht kritisieren, und schon gar nicht ein wehrhafter Staat, der sich nicht unterwirft. Das ganze erfolgt dann im Kontext des „christlich-jüdischen“ Erbes. Mann will hier nicht das Christentums oder Judentum verteidigen. Es geht darum althergebrachte Arroganz, dessen Hinterfragung absolut verboten ist, mit allen Mitteln zu verteidigen. Wer glaubt hier an irrationale Traditionen und wer vertritt die Vernunft?

Das gesamte Verhalten weist die typischen Merkmale eins Minderwertigkeitskomplexes auf, welche sich inzwischen im „Kampf der Kulturen“ durch die gesamte Palette politischen und gesellschaftlichen Lebens zieht. Und er mündet am Ende in Nachrichten, die genau jenes eigene tagtäglich verdrängte Unrechtsbewusstsein widerspiegeln.

Am Anfang der sogenannten Atomverhandlungen vermeldeten alle westlichen Nachrichten geradezu voller Stolz, dass der Iran nun doch mit den USA sprechen wollten als eine Art Triumph. Der Unterdrücker erlangt seine Befriedigung durch Unterdrückung und Demütigung und er ist geradezu süchtig danach. Um diesen Triumph immer wieder auszukosten wird jene Meldung immer wieder garniert mit dem Hinweis, dass die USA dem Iran Terrorismus vorwerfen. So geht es jetzt auch bei der Vorbereitung auf das Scheitern der Verhandlungen. Nicht die Westliche Welt, die plötzlich Aspekte in die Verhandlungen eingebracht hat, die absolut nichts mit dem Atomwaffensperrvertrag zu tun haben, sind schuld am Scheitern, sondern der Iran, der nicht kleinbei gibt. Dabei hat das Oberhaupt der Islamischen Republik Iran Imam Chamene´i klipp und klar verdeutlicht, dass jene Gespräche ausschließlich dazu dienen können, den wahren Charakter der USA und ihrer Verbündeter in der Westlichen Welt zu erkennen. Das Volk im Iran hat das schon längst erkannt. Manche Politiker im Iran benötigen da noch einige Ohrfeigen, bis sie aus ihrer Illusion aufwachen. Gleichzeitig hat Imam Chamene´i immer wieder unmissverständlich klar gelegt, dass es die USA sind, die für den meisten Terrorismus in der Welt verantwortlich sind. Und das weiß letztendlich die ganze Welt, auch die Westliche! Aber diesen Vorwurf im gleichen Atemzug neutral zu vermelden darf man offenbar nicht. Denn die Westliche Welt kann diesen westlichen Staatsterrorismus nicht zugeben. Jeder „Westler“ weiß, dass die USA zu einem Verbrecherregime unglaublichen Ausmaßes mutiert ist, aber man kann und darf es nicht zugeben, denn sie sind der größte und engste Verbündete. Inzwischen weiß jeder in der westlichen Welt, selbst die Springer-Presse und Spiegel, dass einige Gebäude im Umfeld des WTC-Anschlages gesprengt wurden. Aber man kann es nicht hinterfragen, bräche doch das gesamte Kartenhaus der Lügen westlicher Gerechtigkeits-Dominanz zusammen.

Die zunehmenden Komplexe, mehr oder minder zu der Seite des Unrechts zu gehören, nagen an jeder einzelnen Seele im Land. Denn der Mensch strebt Gerechtigkeit an. Das Bewusstsein jetzt auch die Ermordung von Zivilisten in der Ukraine mitzuverantworten, nachdem man bereits so viele Afghanen, Iraker, Syrer usw. ermordet hat, nagt an der Seele der ganzen deutschen Nation.

Alle jene Weltkonflikte münden in den Kernkonflikt: Jeder in der Westlichen Welt weiß, dass Israel niemals auch nur einen Quadratzentimeter Land freiwillig abtreten und jemals freiwillig seine Besatzung beenden wird. Und jeder weiß auch, dass die gesamte westliche Welt Mitschuld an einem halben Jahrhundert palästinensischen Leids ist. Das nagt an der Seele eines jeden Einzelnen und auch einer Nation, insbesondere der Deutschen, deren Regierung heute mehr den je zuvor, internationales Unrecht rechtfertigt!

Dabei wäre die Lösung aller Konflikte so einfach: Man müsste nur der Rationalität und der Gerechtigkeit eine Chance geben. Die Westlich Welt kann aber mit Rationalität und Gerechtigkeit in ihrer heutigen Form nicht überleben, zu sehr baut das System des Kapitalismus auf Ungerechtigkeit und Irrationalität. Und da kommt der Westlichen Welt der Moslem ganz recht. Ehrenmorden, Zwangsverheiratung und alle anderen Vorwürfe, die man Muslimen machen kann, sind wunderbarer Balsam für die eigene geschundene Seele, wenn auch nur kurzzeitig. Zwar distanzieren sich alle Muslime von jenen genannten Verbrechen, aber das kann man leicht überhören, indem man einfach laut dagegen brüllt, dass sich Muslime gefälligst zu distanzieren hätten. Man brüllt diese Aufforderung so laut und so unaufhörlich, dass für die Antwort der Muslime gar kein Gehör möglich ist.

All diese Komplexe der Westlichen Welt markieren den geistigen Verfall und die Sinnleere, in die man die Gesellschaft durch Ent-Wertung geführt hat. Und um das zu Übertünchen, wird immer lauter über „jüdisch-christlichen“ Werte gebrüllt, auf welchen die Gesellschaft fußen soll! Fragt man hingegen konkret nach, worin diese Werte bestehen, dann landet man früher oder später bei der angeblichen Toleranz gegenüber einer Wurst nicht aber bei den Zehn Geboten, denn denen stehen heutzutage die Muslime im Land am nächsten. Wirklich glücklich wird kaum jemand auf diesem Weg der Teilhabe an weltweiter Unterdrückung und Kriegsgebaren!

Es gäbe aber einen Weg zum gemeinsamen Glück aller Bürger, und der heißt Gerechtigkeit. Ohne Gerechtigkeit wird es nicht gehen, mag man noch so laut dagegen anbrüllen, antrinken oder sich andersartig ablenken wollen. Gerechtigkeit kann aber nicht von denen ausgehen, die für das Unrecht auf Erden die Hauptverantwortung tragen. Sie muss vielmehr vom Volk ausgehen und zwar gegen die Vertreter des Unrechts. Dabei dürfen wiederum keine ungerechten Mittel zum Einsatz kommen. Möglichen Versuchen der Unrechtsvertreter Gerechtigkeitsbestrebungen dadurch zu diskreditieren, indem man V-Leute einschleust, die zum Extremismus verführen, muss eine Absage erteilt werden.

Der Minderwestlichkeitskomplex ist auch darin begründet, dass man glaubt ein gerechtes Ziel könne ungerechte Mittel rechtfertigen. Aber das ist nicht möglich für einen Menschen, der weiß, dass Gerechtigkeit ein Attribut Gottes ist und das wahre Gerechtigkeitsstreben ihn Gott näher bringt. Das ist mit ungerechten Mitteln nicht möglich. Möge Gott – der Erhabene – den Gerechtigkeitsliebenden einen gerechten Weg der Befreiung aufzeigen, selbst wenn einige darunter Gott nicht kennen oder nicht kennen wollen. Gott kennt sie alle.

Yavuz Özoguz  
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