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Die verschiedenartigen Gefahren für den Islam

#1 von Fatima Özoguz , 17.12.2013 21:18

Die Angriffe auf den Islam

Assalamu alaikum

Dass der Islam immer schon verschiedene Ausprägungen hatte, ist nicht neu, auch in anderen Religionsgemeinschaften ist das durchaus üblich.
In vielen muslimischen Ländern ist leider bittere Realitität, dass Muslime Muslime töten.

Als Beispiele seien nur Irak, Pakistan und Syrien genannt, wo es täglich blutige Anschläge gibt, weil sich Muslime von den Imperialisten gegeneinander aufhetzen lassen.

Soweit ist es hier Gott sei Dank noch nicht. Allerdings muss man feststellen, dass auch in Deutschland der Islam Attacken von verschiedenen Seiten ausgesetzt ist.

Auf der einen Seite die Islamhasser, teilweise im bürgerlichen Gewand, die durch Muslime begangene Straftaten gern mit der Religion erklären und auch ihr rassistisches Gedankengut mehr oder weniger deutlich deutlich zeigen.

Aber auch viele Muslime zeigen nicht unbedingt ein Verhalten, das dazu angetan ist, das Image des Islams zu verbessern.
Da sind zunächst mal die Radikal-Salafisten zu nennen, die teilweise durch große Aggressivität von sich reden machen, durch martialische Internet-Videos, Drohungen und Diffamierungen gegen andersdenkende Muslime, aber auch durch Messerstechereien, die sie sich schon mit der Polizei auf einer Demonstration geliefert haben. Siehe Offenen Brief an Salafisten:

Habt Ihr keinen Verstand? – Offener Brief an Salafisten

Dabei sollte man sich aber hüten, einfache Mitläufer gleich als Feinde zu betrachten. Oftmals sind es junge Leute ohne Halt, die den salafistischen Rattenfängern ins Netz gegangen sind.
Viele von ihnen wollen einfach nur die Sunnah des Propheten (s.a.s.) bewahren, was ja auch wünschenswert ist, übersehen dabei aber, dass das Islamische Recht nicht im 7. Jahrhundert steckengeblieben ist. Sie durchschauen weiterhin die menschenverachtende Ideologie nicht, die dahintersteckt und viele wissen auch nicht, dass diese mittelalterliche Ideologie auf der Arabischen Halbinsel mit Hilfe der Briten installiert wurde, um die Araber gegen das Osmanische Reich aufzuwiegeln und so einen Keil zu treiben. Diese Bewegung wird jetzt im Westen als Schreckgespenst gegen den Islam allgemein genutzt, gleichzeitig aber in Syrien und Saudi-Arabien unterstützt

Dann das andere Extrem, die sogenannten „Liberalen“. Mir sieht es so aus, als hätten sich ihnen hauptsächlich vom konservativen Mainstreamislam enttäuschte Konvertiten angeschlossen, die von den Moscheen genug haben, die oftmals nur als türkische, arabische, bosnische oder albanische Heimatvereine genutzt werden und so sich Konvertiten nicht willkommen fühlen. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass sie alte Verkrustungen aufbrechen wollen, aber sie schießen dabei in manchen Dingen übers Ziel hinaus, beispielsweise in puncto Bewertung der Homosexualität.
Zitat auf einer einschlägigen Homepage: „Eine homosexuelle Orientierung ist nach unserer Auffassung weder sündhaft noch
krankhaft, sondern ein Teil der Vielfalt der Schöpfung, mit der Gott uns Menschen zum
gegenseitigen Kennenlernen auffordert.“ Es fällt überhaupt auf, dass die Akzeptanz von Homosexualität offenbar als Lackmustest für Integration gewertet wird. Allerdings trifft das nicht nur Muslime, sondern auch viele gläubige Christen oder einfach konservativ denkende Menschen. Ich verurteile dabei nicht die Mitglieder, die einfach die erstarrten Strukturen in den Moscheen satt haben, sondern diejenigen, die mit der Werbung „liberal“ den Islam zu schwächen versuchen. Beiden Richtungen ist gemeinsam, dass sie kaum das Wirtschaftssystem angehen. Die salafistische Variante des Islam kennt keine Spiritualität, sondern ist mehrheitlich auf Kampf und Krieg gepolt und nennt das „Jihad“.
Die liberale Richtung ist zwar spirituell orientiert, scheint aber mehr einen „Privatislam“ nach dem Baukastensystem zu pflegen, in dem sich jeder das raussucht, was ihm passt. Hauptsache, dass das Individuum glücklich sein soll, ohne zu berücksichtigen, dass manche Verstöße gegen den Islam auch der Gesellschaft schaden. Das passt natürlich besser in die westlichen Gesellschaften, die das Individuum in den Vordergrund stellen gegenüber dem Wohlergehen der Gesellschaft. Wer schon mal die Reaktionen erlebt hat,wenn man unter Liberalen sagt , dass das Kopftuch Pflicht ist, weiß, was ich meine.

Auch die Ahmadiyya, obwohl sie sehr konservativ ist und ihre Mitglieder auch nur untereinander heiraten dürfen, ist bei der Politik sehr beliebt, weil ihr Gründer damals den Kampf gegen die britische Kolonialmacht in Indien abgeschafft hat.

Kommen wir nun zu den Schiiten. Im großen und ganzen kann man bei den Bewussten von ihnen mehr Toleranz als bei den Salafiten feststellen, aber auch mehr Treue zu den islamischen Gesetzen als bei den Liberalen.
Aber auch unter ihnen machen sich schädliche Tendenzen breit, wie ich diesen Muharram feststellen konnte. So gibt es sogenannte „Gelehrte“ , oder eher gesagt Männer mit Turban, die in England und USA eigene Fernsehkanäle betreiben und nicht nur gegen Sunniten hetzen, sondern auch gegen hochrangige schiitische Gelehrte. Sie verteidigen und reaktivieren auch unislamische Traditionen wie Tatbeer (Ritual bei Aschura, bei dem man s ich mit dem Schwert auf den Kopf schlägt, bis Blut fließt), eine Praktik, die Imam Khamenei schon vor über 20 Jahren verurteilt hatte.

Insgesamt muss man aber dennoch sagen, dass es auf individueller Ebene in jeder Richtung bei den einzelnen Mitgliedern Leute gibt, mit denen man sachlich diskutieren kann, und andere, mit denen das nicht möglich ist, das ist keine Angelegenheit der Religion oder Religionsrichtung, sondern der Selbsterziehung. Unser größter Feind ist das Nafs, das Ego, das uns einredet, dass wir jede Diskussion „gewinnen“ müssen.

Das oben Gesagte gilt hauptsächlich für die kollektive Ebene.

Der Islam wird also von allen Seiten torpediert. Letztendlich ist es aber logisch, dass immer mehr gesiebt wird.

Imam Sadiq (a) sagte: “Wie wird es um euch stehen, wenn ihr ohne rechtleitenden Imam (a), ohne Wissen und Kenntnis sein werdet und euch untereinander nicht leiden könnt?! Dies wird in einer Zeit sein, da ihr geprüft und die Guten unter euch von den Üblen getrennt werden, wenn “gesiebt” wird und ihr über- und untereinander geschüttelt werdet; dann, wenn die Schwerter klingen, das Kriegsfeuer lodert und eine Regierung, die morgens begann, am Abend bereits vom Tod ereilt wird und ihr Ende findet.”

Jesus sagte: „Ich bin nicht gekommen, um den Frieden zu bringen, sondern das Schwert, zwei von euch arbeiten auf dem Feld zusammen, der eine wird angenommen ,der andere verworfen, zwei von euch liegen zusammen in einem Bett der eine wird angenommen der andere wird verworfen, und des Menschen Hausgenossen werden seine Feinde sein. (Mt. 19,21)

Es ist also mitnichten so, dass alle Recht haben können. Wenn alles gleich gültig ist, ist auch irgendwann alles gleichgültig. Was aber ist die Richtschnur, mit der wir erkennen können, was richtig und was falsch ist, wenn es so viele unterschiedliche Interpretationen des Islamischen Rechts gibt? Macht man es sich nicht etwas leicht, wenn man sagt „Ich brauche keine Gelehrten, ich benutze meinen Verstand“. Wenn man so krank ist, dass Hausmittel nicht mehr helfen, geht man zum Arzt. Wenn das Auto so kaputt ist, dass man es nicht selber reparieren kann, gibt man es an einen Fachmann. Warum soll das gerade beim Islam anders sein, dass jeder selber auf eigene Faust herumdoktert? Das hat meines Erachtens wenig mit dem Gebrauch des Verstandes zu tun.
Verstandesgemäß handelt man vielmehr, wenn man einem Imam folgt, denn ohne Imam geht man früher oder später in die Irre. Leider ist das Wort „Führer“ oder „Führungspersönlichkeit“ in Deutschland aufgrund der Vergangenheit sehr negativ besetzt.
Was aber nicht heißt, dass es hier keine Führer gäbe, sie heißen nur anders, nämlich „Märkte“, und man kann darüber streiten, ob sie wirklich humaner sind als menschliche Führer. Jedenfalls kann die Befolgung des richtigen Imams helfen, die zahlreichen vielfältigen Attacken gegen den Islam abzuwehren.
Mögen wir immer auf der richtigen Seite stehen, wenn wir „gesiebt“ werden.

Wa salam


Fatima Özoguz  
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zuletzt bearbeitet 18.12.2013 | Top

   

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