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"Deutschland heute"

#1 von Fatima Özoguz , 14.03.2013 18:44

Gleich der erste Bericht handelt von einer kleinen Moschee in Garmisch, die auch von den nichtmuslimischen Nachbarn sehr gut angenommen wird. Kein Pro-Dingsbums kommt daher und schreit dumpfbackige Parolen oder zeigt gar Karikaturen. Die Moschee wird auch von Schulklassen und Bauernverbänden (!) besucht.


http://www.dw.de/deutschland-heute-das-d...e-16599875-9800

Das Minarettchen ist süß, oder?


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RE: "Deutschland heute"

#2 von Robert Stoffregen ( gelöscht ) , 24.03.2013 15:03

Ja, wirklich süß. Nur schade, dass noch nicht zum Gebet gerufen werden darf. Ich erinnere mich immer wieder gern an meinen ersten Aufenthalt in Teheran Anfang der 80er Jahre, als ich, todmüde, am frühen Morgen durch den Muezzin geweckt wurde. Habe ich beim Läuten der Glocken in Deutschland immer verärgert auf die Störung reagiert, wurde mir damals durch die Stimme des Muezzins ganz warm ums Herz. Dabei war ich alles andere als religiös und ich wusste natürlich auch nichts von der Islamischen Sicht, dass alle Menschen als Muslime geboren werden. Meine extrem angenehmen Empfindungen schob ich auf den Einfluss der Märchen aus Tausend und einer Nacht. Heute weiß ich es besser, und die Feinde der Menschheit wohl auch, weshalb sie sich wohl auch mit aller Macht gegen den Weckruf einsetzen.

Robert Stoffregen

RE: "Deutschland heute"

#3 von Fatima Özoguz , 24.03.2013 15:45

Lieber Herr Stoffregen,

willkommen in unserem überschaubaren, aber niveauvollen Forum.Ich erinnere mich noch an einen Skiurlaub in Österreich in meiner Kindheit. Dort läuteten die Glocken wirklich jede Viertelstunde. Viertel nach einmal, um halb zweimal, um viertel vor dreimal und dann eben so viel, wie die angezeigte Uhrzeit. Mich störte es nicht, meine Eltern dagegen gewaltig.

In Teheran habe ich es auch genossen, vom Azan geweckt zu werden, die Moschee war nur wenige Meter entfernt. Allerdings sind wir hier in einem nichtmuslimischen Land, und wenn es die Anwohner stört, dann soll auch nicht zum Gebet laut gerufen werden. Islam heißt auch Rücksicht. Ich fand es auf jeden Fall bemerkenswert, dass in einer erzkatholischen bayrischen Kleinstadt wie Garmisch (26.000 Einwohner) offenbar mehr Toleranz herrscht als in mancher Großstadt, wo man doch langsam an Muslime gewöhnt sein müsste.
Der Gebetsruf ist nicht unser dringendstes Problem. Sondern vielmehr, dass deutsche Muslime endlich als ein Teil Deutschlands wahrgenommen werden, statt von ihnen bedingungsloses Aufgabe ihrer Religion und Kultur zu verlangen, damit sie sich als Deutsche rechnen dürfen. Umgekehrt stimmt es aber auch, dass daran nicht nur die Deutschen Schuld sind, sondern auch die Einwanderer selber.
Weiterhin dass Frauen mit Kopftuch nicht von der Arge nahegelegt wird, es abzunehmen, weil sie sonst kaum vermittelbar seien, und ähnliches.
Gebetsruf oder Feiertage sehe ich dagegen als Äußerlichkeiten.


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zuletzt bearbeitet 24.03.2013 | Top

RE: "Deutschland heute"

#4 von Robert Stoffregen ( gelöscht ) , 24.03.2013 18:47

Liebe Frau Özuguz,

vielen Dank für das freundliche Willkommen.

Es liegt mir fern, den Gebetsruf zu einem dringenden Problem machen zu wollen. Ich finde es nur schade, dass man ihn nicht hin und wieder hören kann. Es muss ja nicht fünf mal am Tag sein, aber zum Freitagsgebet z. B., das wäre doch klasse.

Zitat
Allerdings sind wir hier in einem nichtmuslimischen Land, und wenn es die Anwohner stört, dann soll auch nicht zum Gebet laut gerufen werden. Islam heißt auch Rücksicht.


Sie schreiben so bestimmt, als wüssten Sie, dass es die Anwohner stört. Dabei kann man das doch gar nicht wissen, ohne es versucht zu haben. Sicher wird sich ein kleiner Teil gestört fühlen, so wie sich ja auch ein kleiner Teil vom Bimbammbaumel der Kirchen gestört fühlt, das auch erschallt, obwohl wir ein nichtchristliches Land sind. Laut http://www.ndr.de/kultur/kirche_im_ndr/ev102.html gehen noch 15% der Katholiken und 4% der Protestanten regelmäßig in die Kirche. Wenn man die Zahlen von http://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_Deutschland nimmt, dann sind das mal gerade knapp über 4,5 Millionen. Eine Minderheit also. Mich stört Glockengeläut sehr, und trotzdem erkenne ich das Bedürfnis dieser Minderheit nach ihrem Gebetsruf an, ohne Sturm dagegen zu laufen. So wie die Meisten eben, und das wird beim Azan ein oder zwei mal die Woche nicht anders sein, bis auf den Sturm, den die Menschheitsfeinde losbrechen werden. Aber wie gesagt, ich wollte kein Problem daraus machen.

Zitat
Sondern vielmehr, dass deutsche Muslime endlich als ein Teil Deutschlands wahrgenommen werden, statt von ihnen bedingungsloses Aufgabe ihrer Religion und Kultur zu verlangen, damit sie sich als Deutsche rechnen dürfen. Umgekehrt stimmt es aber auch, dass daran nicht nur die Deutschen Schuld sind, sondern auch die Einwanderer selber.


Diese Aussage verstehe ich nicht ganz. Ich nehme an, Sie reden hier vom Integrationsproblem? Ehrlich gesagt, ich bin auch nicht integriert, obwohl ich ur-deutsch bin und mit meinen beinahe 53 Jahren eigentlich an alles gewöhnt sein müsste. Wenn ich mir nun vorstelle, da kommt so ein frommer, gesitteter Mensch nach Deutschland in diesen verkommenen Sauhaufen und soll sich hier integrieren, dann weiß ich nicht, wie er das könnte. Das kann noch nicht mal ich, und glauben Sie mir, man hat sich die größte Mühe gegeben, aus mir ein verkommenes Subjekt zu machen. Da wird sich aufgeregt, dass Mädchen nicht zum Schwimmunterricht dürfen, das gehört schließlich zur Integration. Da kann ich nur lachen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich meine Kinder hier nicht einmal in die Schule geschickt. Von einem anständigen Menschen zu verlangen, er solle sich in diese Gesellschaft integrieren, ist unmenschlich. Die anständigen Einwanderer trifft überhaupt keine Schuld, Integrationsbemühungen sind Kraftverschwendung. Besser man gebraucht die Kraft, der westlichen Gesellschaft immer wieder den Spiegel vorzuhalten, damit ihr klar wird, warum man sich nicht vollständig integrieren kann und lieber unter sich, unter gesitteten Menschen bleibt. Das ist nämlich gar nicht im öffentlichen Bewusstsein, man hört immer nur von Integrationsunwilligkeit, von einer Unmöglichkeit ist nie die Rede. Warum nicht?

Robert Stoffregen

RE: "Deutschland heute"

#5 von Fatima Özoguz , 03.04.2013 11:50

Lieber Herr Stoffregen,

ich antworte darauf jetzt erst, weil ich doch lange darüber nachgedacht habe, besonders was das Thema "Integration" angeht.

Es liegt mir fern, den Gebetsruf zu einem dringenden Problem machen zu wollen. Ich finde es nur schade, dass man ihn nicht hin und wieder hören kann. Es muss ja nicht fünf mal am Tag sein, aber zum Freitagsgebet z. B., das wäre doch klasse.

stimmt. Nur wenn die Anwohner sich gestört fühlen, muss das nicht sein. Stimmt, ich gehe bei der derzeitigen Stimmung gegen Muslime in Deeutschland mittlerweile fast automatisch davon aus, dass sie sich vom Adhan gestört fühlen, wobei Sie ja korrekterweise anmerken, dass man das nicht immer wissen kann.

Zitat
Sie reden hier vom Integrationsproblem? Ehrlich gesagt, ich bin auch nicht integriert, obwohl ich ur-deutsch bin und mit meinen beinahe 53 Jahren eigentlich an alles gewöhnt sein müsste. Wenn ich mir nun vorstelle, da kommt so ein frommer, gesitteter Mensch nach Deutschland in diesen verkommenen Sauhaufen und soll sich hier integrieren, dann weiß ich nicht, wie er das könnte. Das kann noch nicht mal ich, und glauben Sie mir, man hat sich die größte Mühe gegeben, aus mir ein verkommenes Subjekt zu machen.



Einerseits haben Sie Recht, dass es gewisse Aspekte in diesem Lande gibt, an denen festgemacht wird, wie "integriert" jemand ist, in die man sich als Muslim, bzw. auch als gläubiger Christ / Jude absolut nicht integrieren kann. Beispielsweise dass von Frauen und Schulmädchen verlangt wird, dass sie sich derart "integrieren", dass sie ihr sittliches Schamgefühl ablegen sollen, in dem sie sich entblößen. Denn für eine muslimische Frau, die bewusst ihre Kleidung trägt und nicht aus Tradition, ist es schlicht eine Entwürdigung, wenn sie nur ihr Kopftuch ausziehen muss, geschweige dass sie Badeanzug tragen soll.
Wie "integriert" ist denn ein Angestellter oder Arbeitnehmer, der sich weigert, bei Anlässen anwesend zu sein, bei denen Alkohol konsumiert wird, z.B. auf Betriebsausflügen? Auch das ist für einen gläubigen Muslim ein absolutes Ding der Unmöglichkeit, bzw.ein "No-go", wie es heute auf Neudeutsch heißt. Das gilt natürlich erst recht für Partys, auf denen man "wichtige" Leute trifft - angeblich. Nein, in so eine Kultur möchte ich mich auch nicht integrieren, bzw. habe mich daraus de-integriert.
Aber andere Dinge wie z.B. Sprache und Berufsausbildung sind schon wichtig, wenn man hier dauerhaft leben möchte.

Zitat
Integrationsbemühungen sind Kraftverschwendung. Besser man gebraucht die Kraft, der westlichen Gesellschaft immer wieder den Spiegel vorzuhalten, damit ihr klar wird, warum man sich nicht vollständig integrieren kann und lieber unter sich, unter gesitteten Menschen bleibt. Das ist nämlich gar nicht im öffentlichen Bewusstsein, man hört immer nur von Integrationsunwilligkeit, von einer Unmöglichkeit ist nie die Rede. Warum nicht?




Gute Frage...weil man vielleicht nicht will, dass dieses "Warum" gerade von Muslimen beantwortet wird? Dass gerade Muslime es sind die dieser Gesellschaft in einiger Hinsicht einen Spiegel vorhalten? Wobei ich aber klarstellen möchte dass ich nicht jeden Nichtmuslim bzw. Nicht-Gläubigen automatisch als "nicht gesittet" betrachten würde und nicht jeden Muslim als vorbildlich in der Lebensführung. Ich verbringe aber zugegeben lieber meine Zeit mit Menschen, die nicht im Mainstream mitschwimmen.


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RE: "Deutschland heute"

#6 von Robert Stoffregen ( gelöscht ) , 11.04.2013 17:18

Liebe Frau Özoguz,

entschuldigen Sie bitte die späte Antwort, ich habe leider nicht die Zeit zum Schreiben gefunden.

Zitat
stimmt. Nur wenn die Anwohner sich gestört fühlen, muss das nicht sein. Stimmt, ich gehe bei der derzeitigen Stimmung gegen Muslime in Deeutschland mittlerweile fast automatisch davon aus, dass sie sich vom Adhan gestört fühlen, wobei Sie ja korrekterweise anmerken, dass man das nicht immer wissen kann.


Glockenläuten muss ja offensichtlich auch sein, obwohl es reichlich Menschen gibt, die sich davon massiv gestört fühlen. Wenn nun einmal in der Woche der Adhan ertönt, wird das sicher kaum jemanden stören und von der Mehrheit wahrscheinlich sogar als Bereicherung empfunden. Wer allerdings aufkreischen wird, sind die jüdischen Verbände, und deshalb wird der Gebetsruf hier sowieso nie erschallen.

Zitat
Einerseits haben Sie Recht, dass es gewisse Aspekte in diesem Lande gibt, an denen festgemacht wird, wie "integriert" jemand ist, in die man sich als Muslim, bzw. auch als gläubiger Christ / Jude absolut nicht integrieren kann. Beispielsweise dass von Frauen und Schulmädchen verlangt wird, dass sie sich derart "integrieren", dass sie ihr sittliches Schamgefühl ablegen sollen, in dem sie sich entblößen. Denn für eine muslimische Frau, die bewusst ihre Kleidung trägt und nicht aus Tradition, ist es schlicht eine Entwürdigung, wenn sie nur ihr Kopftuch ausziehen muss, geschweige dass sie Badeanzug tragen soll.
Wie "integriert" ist denn ein Angestellter oder Arbeitnehmer, der sich weigert, bei Anlässen anwesend zu sein, bei denen Alkohol konsumiert wird, z.B. auf Betriebsausflügen? Auch das ist für einen gläubigen Muslim ein absolutes Ding der Unmöglichkeit, bzw.ein "No-go", wie es heute auf Neudeutsch heißt. Das gilt natürlich erst recht für Partys, auf denen man "wichtige" Leute trifft - angeblich. Nein, in so eine Kultur möchte ich mich auch nicht integrieren, bzw. habe mich daraus de-integriert.


Bei all den unterschiedlichen Strömungen innerhalb der verschiedenen Religionen ist es immer problematisch, von Juden, Christen und Muslimen usw. zu reden.

"Denn am Ende kann doch nur ein jeder in seinem eignen Sinne aufgeklärt werden."
(Goethe)

Ob sich also jemand in eine Gesellschaft integrieren kann oder nicht hängt ja nicht unbedingt von der jeweiligen Religion ab, denn Sitte und Anstand besitzen auch Menschen, die keiner Glaubensgemeinschaft anhängen, wie Sie unten ja selbst erwähnen. Sitte und Anstand basieren auf Vernunft, und nicht auf Religion. Wenn immer wieder betont wird, dass man sich als Muslim nicht integrieren kann, grenzt man sich schon dadurch ab. In einem MM-Newsletter wird auf den Islamrat verwiesen, der die Debatte um den Schwimmunterricht als weder sachlich noch vertrauensbildend bezeichnet. Über Pro und Contra des gemeinsamen Unterrichts wird ja schon seit Jahrhunderten debattiert, es ist also kein religiöses Problem, was m. E. viel stärker hervorgehoben werden muss, damit Muslime nicht so allein dastehen.

Zitat
Aber andere Dinge wie z.B. Sprache und Berufsausbildung sind schon wichtig, wenn man hier dauerhaft leben möchte.


Richtig. Gerade die Sprache ist wichtig. Für mich ist jemand, der in einem fremden Land leben will und die Sprache nicht oder nur unzureichend lernt, von vorn herein als Schmarotzer abgestempelt.

Zitat
... Dass gerade Muslime es sind die dieser Gesellschaft in einiger Hinsicht einen Spiegel vorhalten? …


Aber genau das tun sie ja gerade nicht so deutlich und häufig, wie es angebracht wäre. Ein Spiegel zeigt alles klar und deutlich, und so müssen auch die Aussagen über diese Gesellschaft sein. Ein verbittertes hässliches Weib als Bundeskanzlerin, die das Wohlergehen eines fremden Volkes zur Staatsräson auf Kosten ihres eigenen Volkes erhebt. Ein schwuler Außenminister, der einen Affront gegen alle gesitteten Völker darstellt. Medien, die Gewalt und Perversionen am laufenden Band verherrlichen. Unglückliche Kinder, die keine Zukunft mehr sehen. Millionen Menschen, die mit ihre Hände Arbeit keine Familie mehr ernähren können usw. usf. Das Deutsche Volk ist vom Aussterben bedroht, das muss man dem Deutschen Michel klar machen. Wer will sich denn einem Volk anschließen, das ausstirbt? Diese Frage sollte jeden zum Verstummen bringen.

Robert Stoffregen

   

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