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Warum ist Katar plötzlich böse?

#1 von Yavuz Özoguz , 17.11.2022 09:43

Warum ist Katar plötzlich böse?

Im Dezember 2010 wurde die Fußballweltmeisterschaft für das Jahr 2022 an Katar vergeben. Die Welt hatte 12 Jahre Zeit Katar zu kritisieren, aber die Kritik hielt sich zunächst in Grenzen. Dass Fußballweltmeisterschaften auch nach monetären Gesichtspunkten vergeben werden, wissen wir spätestens, seit Franz Beckenbauer wohl möglicherweise unser Sommer-Märchen mit nach Deutschland geholt hat [1].



Bei der Vergabe der WM an Katar war Joseph Blatter an der Spitze der FIFA, und der war nicht unbedingt für seinen bescheidenen Lebensstil ohne Blick auf das Geld bekannt [2]. Nur solche Dinge interessierten die Anhänger der Ersatzreligion Fußball, die Betenden in den Fußball-Tempeln nicht. Viel wichtiger waren die Vorbeter Ronaldo, Messi und wie sie alle heißen. Wir Deutschen konnten nur einen Weltklassetorwart vorbeten lassen, denn die Altar-Technik war nicht unsere Sache. Wir sind mehr für die Anstrengung und Kraft auf dem Platz zuständig.

Vor also 12 Jahren wurde eine WM nach Katar vergeben. Schon damals hätte man wissen können, dass es in jenem Land sehr heiß ist. Aber auch das interessierte niemanden. Zur Ironie der Geschichte wird es jetzt, da die gekühlten Stadien mitten in der Wüste die gesamte Umgebung kühlen werden und dabei so viel Energie verbrauchen, wie eine Kleinstadt in Deutschland, während die Fußballzuschauer in Deutschland nicht wissen, wie sie beim Mitfiebern nicht frieren sollen.

Was also hat die Medien in den letzten Jahren zunehmend dazu bewegt, kritisch gegenüber Katar zu werden? Katar ist bekanntermaßen eine lupenreine absolute Monarchie. Aber das war sie vor 12 Jahren auch schon. Dass die WM „gekauft“ sein könnte, weiß jeder, aber die FIFA finanziert große Werbekampagnen in Zeitungen, die sich hüten werden, ihre Kunden und Informationsgeber zu sehr zu vergraulen. Dass die „Gastarbeiter“ in Katar nicht unbedingt den deutschen Mindestlohn erhalten, war auch schon immer so und kann nicht Grund für den Meinungsumschwung sein. Die Tatsache, dass es Probleme mit dem Bierausschank vor den Stadien gibt, wobei ein Liter Bier das 60-fache von einem Liter Benzin im Land kostet, ist erst in den letzten Wochen aufgekommen und kann nicht der Grund für eine Katar-kritische Berichterstattung der letzten Jahre sein [3].

In einem Telepolis-Artikel vom 16. November 2022 wundert sich der Autor ebenfalls darüber, warum Katar so anders behandelt wird als seine unmittelbaren Nachbarn [4]. So hat Deutschland überhaupt keine Probleme Waffen an Saudi-Arabien zu liefern, obwohl dieser gerade einen Krieg gegen Jemen führt. Nicht einmal der Mord am Journalisten Jamal Khashoggi konnte das verhindern. Auch andere Länder, die in den Jemen-Krieg verwickelt sind, wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait erhalten Kriegswaffen aus Deutschland, wobei die deutsche Politik sich kein Stück um die Verletzung des eigenen Kriegswaffenkontrollgesetzes schert.

Inzwischen wird ja jeder Hustenanfall eines Kataris zum Anlass genommen, gegen Katar zu hetzen. So wurden aktuelle Äußerungen eines Kataris gegen Homosexualität aufgebauscht [5], als wenn sie Haltung in der gesamten Region zu dem Thema eine Überraschung wäre. Oder hatte man gedacht, dass mit Vergabe der WM auch eine sexuelle Umorientierung mitgekauft oder-verkauft wurde?

Nein, das alles kann nicht der Grund für die Kritik der letzten Jahre sein. Irgendetwas muss sich seit der Vergabe 2010 in Kater Grundlegend geändert haben, so dass sich auch die Haltung gegenüber Katar in den westlichen Medien geändert hat.

Ich finde es sehr traurig und bezeichnend für unsere in den transatlantischen Imperialkrieg eingebettete und mehr oder minder gleichgeschaltete Medienlandschaft, dass der wichtigste und entscheidende Aspekt für den Meinungsumschwung nie erwähnt wird. Bis in das Jahr 2017 war Katar ein 150%iger West-Lakai, der jeden Befehl des Werte-Westens mit tyrannischer Präzision umgesetzt hat. Im Jahr 2017 hat Katar die Seiten gewechselt und die Türen in Richtung Islamischer Republik Iran geöffnet. Das geht aus westlicher Sicht gar nicht! Innerhalb weniger Tage hat Saudi-Arabien, der Hauptlebensmittellieferant Katars, alle Lebensmittezufuhren nach Katar blockiert. Offensichtlich war Katar nicht darauf vorbereitet. In Windeseile wurde – teils zu Wucherpreisen – Ersatz gesucht. In dem Jahr haben deutsche Halal-Zertifizierer innerhalb einer Woche mehrere Großunternehmen prüfen und zertifizieren müssen, damit diese innerhalb kürzester Zeit die Lücke in Katar füllen konnten. Dazu zählten unter anderem die größten deutschen Fruchtsafthersteller. Katar gelang es mit großem finanziellem Aufwand die Boykottmaßnahmen zu umgehen, so dass nach einem Jahr auch Deutschlandfunk die Boykottmaßnahmen als Eigentor Saudi-Arabiens bezeichnete [6]. Als Ende 2020 und dann als offizielle Mitteilung Anfang 2021 Katar ankündigte die Beziehungen zur Islamischen Republik Iran vertiefen zu wollen [7] veränderte Saudi-Arabien seine Politik und hob alle Boykottmaßnahmen wieder auf [8]. Der Westen musste eingestehen, dass die Boykottmaßnahmen wirkungslos geblieben waren [9]. Aber so lange Katar die Beziehungen zur Islamischen Republik Iran pflegt, wird es zum „Frontstaat“ des Westens erklärt.

Die Islamische Republik Iran ist der geistige Vater einer Befreiungstheologie, welche die ganze Welt, insbesondere die ärmeren Länder und Völker vom kapitalistischen Imperium zu befreien vermag. Das weiß auch der Westen. Die Kriege in der Ukraine, Jemen und Syrien sind auch Kriege gegen die Heiligkeit unserer Zeit [10]. Die Unterstützung der Kurden im Irak und der Türkei richten sich vor allem gegen den Iran. Der Krieg in Afghanistan, die dortige Verfolgung der Schiiten, der CIA-Drogenanbau und kostenlose Verteilung im Iran richteten sich gegen den Iran. Die Verfolgung von Schiiten in vielen westlichen Ländern [11] richtet sich gegen den Iran. Die extreme Feindschaft des Westens gegen den Libanon und Bezeichnung einer Regierungspartei als Terrororganisation richtet sich gegen den Iran. In keiner anderen Sprache des Orients engagieren sich westliche Imperial-Sender mehr als in Farsi.

Die WM muss jetzt durchgezogen werden. Das System „Brot und Spiele“ verlangt danach. Sonst könnten zu viele Bürger auf die Idee kommen nachzufragen, warum wir in Europa eigentlich frieren sollen, während die USA dadurch immer reicher werden. Bei der „Auslosung“ der Gruppen wurde Iran „zufällig“ in die Gruppe mit den USA und England gelost. Das sind ausgerechnet zwei der drei Länder, für deren Niedergang die Betenden im Iran nach jedem Gebet beten. Der Dritte hat sich nicht qualifizieren können, sonst wäre er sicherlich auch noch in der Gruppe gelandet. Doch Katar zuliebe hat man das wohl verhindert.

Wer die WM gewinnt, ist mir völlig gleichgültig, denn das Theater hat mit Sport kaum mehr etwas zu tun. Die deutsche Nationalmannschaft könnte in der Vorrunde schon ausscheiden, was immerhin zu einigen Stromeinsparungen in Deutschland führen könnte. Die nächste WM soll unter anderem in den USA stattfinden, so dass mein Interesse an Fußball immer geringer wird. Diese Ersatzreligion kann Deutschland nicht ewig betäuben. Ich bete darum, dass wir zusammen zurückfinden zu einem gottesehrfürchtigen Dasein. Und fiebern wir alle für Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung. Denn das ist wirklich noch Sport!

[1] https://www.sueddeutsche.de/sport/wm-aff...faere-1.3743831
[2] https://www.businessinsider.de/wirtschaf...eisterschaft-a/
[3] https://www.zeit.de/sport/2022-11/fussba...sschank-stadien
[4] https://www.heise.de/tp/features/Katar-W...rd-7341195.html
[5] https://www.tagesschau.de/ausland/asien/...litaet-101.html
[6] https://www.deutschlandfunkkultur.de/ein...saudis-100.html
[7] https://parstoday.com/de/news/iran-i5553...u_iran_ausbauen
[8] https://abouttravel.ch/reisebranche/dest...kade-von-katar/
[9] https://www.nzz.ch/international/durchbr...nzen-ld.1594857
[10] http://www.eslam.de/begriffe/c/chamenei.htm
[11] Am 9.11. bekämpft der Bundestag eine große deutsche Moschee


Yavuz Özoguz  
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zuletzt bearbeitet 18.11.2022 | Top

   

Wer der Befreiungstheologie des Iran eine Grube gräbt, fällt selbst hinein
Dankbar für den Dritten Weltkrieg und Verfolgung der Schiiten in Deutschland

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