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Bericht unserer Hadsch-Reise, Umra tamattu

#1 von Fatima Özoguz , 25.11.2012 22:40

Hadschreise

Leider komme ich jetzt erst dazu, das eine oder andere zu berichten, denn wir haben relativ lange gebraucht, um in Deutschland wieder „anzukommen“, und danach schlossen sich unmittelbar die Gedenktage zu Muharram an.

Am Samstag, den 20. Oktober ging es vom Flughafen Düsseldorf los, dort lernten wir auch einige unserer Mit-Hadschis kennen. Noch immer hatte ich nicht ganz realisiert, wohin ich eigentlich ging....Nach einem Zwischenstop in Istanbul landeten wir dann in Medina. Es war schon ein ganz besonderes Gefühl, das Bewusstsein, bald die Stadt des Propheten zu sehen! Die Landschaft ist karg, lauter Wüste, aber kein weicher Sand, wie es der Film über Muhammad (s.a.s) suggeriert, sondern in erster Linie schroffe Felsformationen und kaum Vegetation. Der Film wurde ja auch in Marokko gedreht, wo die Sandwüste dominiert.
Nach einer etwas chaotischen Gepäckausgabe, wie man sie in einem wohlhabenden Land wie Saudi-Arabien kaum erwarten würde. Es dauerte ewig, bis wir unsere Koffer hatten, und wir mussten sehr lange in einer ziemlich ungemütlichen, aber immerhin gekühlter Wartehalle warten. Dann endlich wurden wir mit Bussen ins Hotel gebracht.

Es war in Medina zwar recht warm, aber es war (noch) angenehm. Wir wurden in eine kleine Pension gebracht, die den Vorteil hatte, dass man zu Fuß die Masjid an-Nabawi (Prophetenmoschee) erreichen konnte.
Wir sind abends natürlich gleich hingegangen. Leider ist der Frauenbereich so gestaltet, dass man nur von weitem das Grab sehen kann. Lange dort stehenbleiben und beten darf man dort auch nicht, man wird gleich von den total schwarz vermummten Wächterinnen weggescheucht. Überall stehen Tafeln, auf denen in verschiedenen Sprachen geschrieben steht, dass man keine Fürbitte von Toten erbitten soll und das auch nicht zu den Hadsch-Handlungen zählen würde. Dabei hat der Prophet gesagt: „Wer zur Ka´aba kommt und mich nicht besucht, der hat mich beleidigt.“ Außerdem ist der Prophet nicht tot :

Und wisset, dass der Gesandte Allahs unter euch ist“ (49 : 7) , aber vermutlich lesen die Saudis nicht den Qur´an. Da bekamen wir erstmals einen Vorgeschmack darauf, was sie von Spiritualität halten.

Der Friedhof Baqi´liegt neben dem Prophetengrab, und wir hatten sogar einen Blick aus unserem Hotelzimmer darauf. Auch dort dürfen Frauen leider nicht hin, und Männer nur in gewissem Abstand. Kommt eigentlich kein Muslim ins Grübeln, wenn er sieht, dass Abu Bakr und Omar direkt neben dem Propheten begraben wurden, sein Enkel Imam Hassan (a.s) aber nicht? Die vielen Menschen, die ihn gerne besuchen würden, werden ausgesperrt.
Überall wird Literatur verteilt, dass jeder, der ans Grab geht, unbedingt auch Omar und Abu Bakr grüßen muss. Von Imam Hassan (a.s.) kein Wort.
Von den Brüdern weiß ich, dass bei Baqi´ wahhabitische Wächter ihren monotonen Sermon herunterleiern, dass es Bid´a , Kufr und sonstwas ist, wenn man an den Gräbern Dua machen möchte.
Darauffolgenden Montag (22. 10) machten wir uns dann nachts auf den Weg nach Mekka für die Umra Tamattu´, die man erst gemacht haben muss, bevor die eigentlichen Hadsch-Riten beginnen. Nachts muss es deswegen sein, weil man im Ihram-Zustand nicht tagsüber mit einer Abdeckung über dem Kopf während des Fahrens tagsüber bleiben darf, das gilt aber nur für Männer.

Wir fuhren mit dem Bus zum Miqat (Weihestelle) Masjid Schadschara, wo wir den Ihram-Zustand annahmen.

Zur Info, das ist der Weihezustand:

http://www.eslam.de/begriffe/w/weihezustand.htm

Die Männer trugen ihre Ihram-Kleidung, die meisten Frauen hatten auch weiße Gewänder an, auch wenn das für sie nicht vorgeschrieben ist, aber es ist schon was anderes, wenn man für diesen heiligen Zustand auch besondere Kleidung trägt.

http://www.eslam.de/begriffe/m/moschee_von_schadschara.htm

Nach der Absichts- und Bereitschaftsbekundung (Talbiyya) , die wir unter der fachkundigen Anleitung des Gelehrten aussprachen, der uns betreute, und anschließendem Gebet ging es dann
per Bus nach Mekka. Wir hatten ein chinesisches, offenbar älteres Fabrikat, das offensichtlich für Passagiere von allerhöchstens Pygmäengröße gebaut wurde. Leute mit längeren bzw. normal langen Beinen oder Ältere sind da echt gefährdet, an einer Thrombose zu erkranken. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich geschwollene Füße. Auf dem Weg nach Mekka gab es ein gewaltiges Gewitter, mit so starkem Regen, dass der Bus nicht weiterfahren konnte, denn die Straßen wurden kurzerhand gesperrt, für solche Wolkenbrüche sind sie wohl nicht ausgelegt. Viele Koffer, die auf dem Dach des Busses transportiert wurden, hielten leider nicht dicht, und der Inhalt wurde nass. Da zeigt sich doch, was ein guter Hartschalenkoffer wert ist, bei mir blieb nämlich alles trocken, Gott sei Dank.
Morgens kamen wir dann in Mekka an und verrichteten das Morgengebet in einer kleinen Moschee, gleich in der Nähe befand sich auch unsere Pension. Männer und Frauen werden getrennt untergebracht, da man im Weihezustand sozusagen „geschieden“ ist, also die Eheleute einander nicht mit Lust ansehen dürfen oder dergleichen, ganz zu schweigen von Verkehr. Ich war mit drei Frauen in einem Zimmer, und wir haben uns die ganze Zeit über sehr gut verstanden. Die Unterbringung wurde auch nach Austritt aus dem Weihezustand beibehalten, aus organisatorischen Gründen war das nicht anders möglich.
Wir ließen unsere Sachen in der Pension und fuhren sofort los zur Ka´ba, um das Tawwaf (Umkreisen) durchzuführen.

http://www.eslam.de/begriffe/w/wallfahrt.htm

Leider lag unsere Pension so weit weg, dass wir jedes Mal ein Taxi brauchten, um zum Haram (Heiliger Bezirk der Ka´ba) zu gelangen.
Wir fuhren also auf die Ka´ba zu und die Spannung stieg zusehens. Wir alle hatten auf Bildern den Haram mit Ka´ba gesehen, aber live dort zu sein, ist schon etwas ganz anderes!

Es war schon ein überwältigender Anblick, nach dem Durchqueren der vorgelagerten Moschee die Ka´ba zu sehen. Es heißt, dass das erste Bittgebet, das man beim ersten Erblicken der Ka´ba sagt, erfüllt wird.
Leider wird die Ka´ba vom gewaltigen Uhren-Turm (wohl nach Vorbild des Big Ben) überragt, fast schon drohend. Durch Lichtanimationen, die noch mit Quranversen „garniert“ werden, sollen die Pilger von der Ka´ba abgelenkt werden, oder warum hat man den ausgerechnet dorthin gebaut? Oben drauf soll wohl ein Halbmond sein, mich erinnert es an das Symbol des Bösen aus „Herr der Ringe“ auf Saurons Turm...Der Bauherr ist interessanterweise ein Bruder von Bin Laden.
Dort vollführten wir dann den Tawwaf, die Umkreisung. Es war schon wunderschön...wie der Schmetterling, der ums Licht von Allahs Liebe kreist. So viele verschiedene Menschen, die alle eines verbindet: Die Liebe zu Allah, zum Propheten, zum allerersten Haus Gottes, das von Adam (a.s.) erbaut wurde, das Wahrzeichen des Monotheismus. Im Anschluss daran wird das Gebet des Umkreisens verrichtet, das Salat al Tawwaf.
Danach vollführten wir den Sa´i, das Eilen zwischen S afa und Marwa. Dort ist aber alles überdacht und mit Marmorfliesen, dass man sich kaum an zwei Hügel erinnert fühlt. Trotzdem versuchte ich mich trotz des allzu modernen Flairs daran zu erinnern, dass Sa´i Anstrengung und Einsatz symbolisiert, worunter auch die Arbeit für den eigentlichen Lebensunterhalt fällt. Oder eben, woran der Sa´i erinnern soll, das Hin- und Hereilen von Hadschar, um für ihr durstiges Kind Ismail Wasser zu finden. Zu den Füßen Ismails sprudelte dann schließlich die Quelle, nachdem Hadschar sieben Mal zwischen Safa und Marwa hin – und hergelaufen war. Hätte sie dann nicht warten können, das Wasser wäre doch von allein gekommen, möchte man da einwenden. Aber das Beispiel zeigt, dass wir uns bemühen müssen, statt einfach nur dazu sitzen und zu erwarten, dass Allah uns sofort hilft. Tawwaf hat einen rein jensetigen Bezug, Sa´i dagegen einen diesseitigen, wie Ali Shariati es in seinem Buch über Hadsch anschaulich darlegt.
Anschließend machten wir Taqsir, also das Kürzen der Haare. Hier mussten die Männer noch nicht ihre gesamte „Haarpracht“ lassen, sondern nur eine Strähne, wie die Frauen auch. Ich war gerade dabei , einigen Schwestern aus der Gruppe je eine Haarlocke abzuschneiden, als auch völlig fremde Frauen das von mir wünschten, darunter eine ältere Inderin. Gerade das habe ich aber sehr gerne gemacht. Alle dort sind gleich, alle sind Geschwister, egal ob reich, arm, schwarz, braun oder weiß.
Damit war die Umra tamattu zu Ende.
Fortsetzung folgt....


Fatima Özoguz  
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zuletzt bearbeitet 27.11.2012 | Top

   

Hadsch-Reise: Zwischen Umra und Hadsch
Fatima und Yavuz verabschieden sich!

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