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Die Taliban, der gescheiterte Westen und General Sulaimani

#1 von Yavuz Özoguz , 21.08.2021 13:17

Die Taliban, der gescheiterte Westen und General Sulaimani

Die Ereignisse in Afghanistan sind für große Teile der Westlichen Welt derart schockierend, dass in den unterschiedlichen Analysen nicht nur Schuldige gesucht werden, wobei mehr oder weniger alle schuldig sind, sondern auch Ursachenforschung betrieben wird. Der eingeschränkte westlich-kapitalistische Blick gepaart mit den neoliberalen Scheuklappen der freiwilligen Selbstunterwerfung in ein USraelisches Imperium verhindern aber eine vernünftige und vor allem konstruktiv zukunftsorientierte Analyse [1].



Ganz anders fallen die Analysen in der direkt betroffenen muslimischen Welt aus: Seyed Mohammad Marandi ist Professor für Englische Literatur und Orientalismus an der der Universität Teheran und Leiter des Fachbereichs Amerikanistik. In der libanesischen Publikation Al-Mayadeen Media Network, einem unabhängiger arabischen Satellitennachrichtensender mit Sitz in der libanesischen Hauptstadt Beirut, veröffentlich er unter dem Titel „The Flight from Kabul and the Legacy of General Soleimani“ (Die Flucht aus Kabul und das Erbe von General Soleimani) eine sachliche Analyse [2], in welcher er auch historische und gegenwärtige Tatsachen und Aspekte berücksichtigt, die allein schon aus politischen Gründen in der Westlichen Welt unterdrückt werden. Seine Analyse ist Grundlage für folgenden Text, der mit Zusatzinformationen Quellenangaben ergänzt wird.

In der Islamischen Republik Iran wird davon ausgegangen, dass der in jeder Hinsicht chaotisch wirkende Rückzug der US-Besatzer bewusst herbeigeführt worden ist. So sagt der Präsident der Besatzungsmacht USA Joe Biden: „Das Chaos war unvermeidbar“ [3]. Sicher war es unvermeidbar, wenn man ein bestimmtes Ziel verfolgt, nämlich genau jenes Chaos im Land zu hinterlassen. Das Motto des arroganten Imperiums, das im Iran als „Großer Satan“ [4] betitelt wird, lautet: Wenn wir schon das Land nicht beherrschen können und rausgeworfen werden, dann soll niemand das Land beherrschen und es soll im Chaos enden. Tatsächlich aber gerieten nur die Truppen der Westlichen Welt, ihre eigenen im Stich gelassenen Staatsbürger und Verbündete des Westens ins Chaos. Für die meisten Afghanen verlief der Übergang vergleichsweise geordnet und friedlich ab.

Vor etwa 20 Jahren, nach der vernichtenden Niederlage der Taliban in Afghanistan und dem vollständigen Entzug der Unterstützung aus Pakistan und Saudi-Arabien auf Druck der USA, begannen die iranischen Quds-Brigaden einen ersten Versuch eines Dialogs mit den Taliban. Die Quds-Brigaden sind im Westen erst mit der fast zwei Jahrzehnte später erfolgten völkerrechtswidrigen Ermordung ihres Generals Qasim Sulaimani [5] berühmt geworden. Der damals geheime Dialog erfolgte mit einer scheinbar geschrumpften Taliban-Organisation. Zu jener Zeit hielten viele im Iran solch ein Gespräch für ein bedeutungsloses Unterfangen, da sich die politische Landschaft in der Region mit der Besatzung durch die USA dramatisch verändert hatte. Zudem hatten die Taliban am 8. August 1998 im iranischen Konsulat in Masar-i-Sharif elf iranische Diplomaten und einen Journalisten ermordet [6]. Am 8. August wird noch heute im Iran an den „Tag der Journalisten“ gedacht. Bei solche einer Ausgangslage wären jegliche Gespräche mit den Taliban aus Sicht vieler Iraner unverständlich gewesen. Nicht so für General Sulaimani, dessen Blickwinkel schon damals weit über seine eigene Lebenszeit hinaus reichte. Klar war, dass die USA nicht ewig in der Region bleiben werden. Und klar war auch, dass Afghanistan und Iran nicht nur Nachbarn sind und ein gemeinsames historisches Erbe teilen, sondern beides muslimische Brüdervölker sind.
Klar war zudem bereits damals, dass den US-geführten Besatzungstruppen eine kohärente langfristige Strategie fehlte. Sie hatten auch keine Verbündeten mit maßgeblichen Einfluss Vorort. Hingegen waren wichtige Widerstandsgruppen gegen die Besatzung sowie zahlreiche politische Organisationen Afghanistans in Teheran stationiert. Doch auch das konnte oder durfte die Westliche Welt nicht ernst nehmen, da eine katastrophale Feindschaft gegen die Islamische Republik Iran, die in Teilen historisch einmalig ist, den eigenen Blick versperrt hat. Die Lage in Afghanistan war allerdings mehr als verworren: Die USA und ihre völlig kritiklosen Verbündeten mussten sich einer Koalition politischer Parteien oder der sogenannten Nordallianz zuwenden, die unter enormem Druck im Widerstand gegen die vom Ausland unterstützten, brutalen und rücksichtslosen Taliban kämpfte. Die Taliban wurden zerschlagen und verjagt. Dennoch glaubte General Sulaimani, dass die Taliban weiterhin von einem bedeutenden Teil der paschtunischen Stämme und Bevölkerungen im Süden Afghanistans und in Teilen Pakistans unterstützt werden, da dieser General sich nie in die „Höhen“ arroganter Befehlsbrücken verkrochen hat, sondern immer mit dem Volk lebte. Er war der Ansicht, dass der einzige Weg zu langfristiger regionaler Stabilität für alle Parteien der Weg des Dialogs sei.

General Sulaimani glaubte auch, dass unter solchen Umständen die Taliban die einzige Kraft waren, die opferbereit war, die Kosten der von den USA geführten Besatzung deutlich in die Höhe zu treiben. Eine Besatzung eines Nachbarn Irans durch den Erzfeind USA lag nicht im Interesse des Iran. General Sulaimani wusste, dass nur durch den Widerstand der jeweils einheimischen Bevölkerung die Besetzung sowohl des Irak als auch Afghanistans in den westlichen Ländern nach und nach äußerst problematisch und unpopulär werden würde und dass eine so große Belastung letztendlich die westlichen Volkswirtschaften hart treffen und sie zwingen würde, ihre Truppen aus beiden Ländern abzuziehen. Allein die USA haben in Afghanistan 2 Billionen US-Dollar im wahrsten Sinn des Wortes verbrannt und damit auch gleichzeitig hunderttausende Zivilisten [7]. Hätten sie das Geld den Afghanen nur geschenkt, wäre Afghanistan zu den reichsten Völkern der Region aufgestiegen mit Sympathien für die Schenker.

Das damalige Ziel der Quds-Brigaden war es, gegenseitiges Verständnis zu schaffen und die gemäßigteren Fraktionen innerhalb der zersplitterten Taliban zu ermutigen, die Oberhand zu gewinnen. General Sulaimani hielt es für unausweichlich, dass ausländische Truppen irgendwann gezwungen sein würden, das Land zu verlassen, und dass es nach der Befreiung des Landes wichtig sei, dass Afghanistan nicht von den sich zurückziehenden Besatzungstruppen in einen weiteren verheerenden Bürgerkrieg und ins Chaos gedrängt werde.

2011 war ein bedeutender Wendepunkt in den Beziehungen, und hochrangige Delegationen begannen, Teheran zu besuchen. Im Laufe der Zeit wurden die Beziehungen persönlicher, so dass, als General Sulaimani, Abu Mahdi al-Muhandis [8] und ihre Gefährten auf dem internationalen Flughafen von Bagdad vom Trump-Regime ermordet wurden, eine hochrangige Taliban-Delegation nach Teheran reiste und sein Haus besuchte, um seiner Familie ihr Beileid auszusprechen.

Während die andauernden westlichen Anschuldigungen einer angeblich iranischen Militärunterstützung für die Taliban gegen afghanische Regierungstruppen völlig haltlos waren und sind, gab es einen bedeutenden und aufschlussreichen Fall, in dem die Taliban tatsächlich um iranische Unterstützung baten. Sowohl der iranische Geheimdienst als auch die Taliban wussten, dass mit den USA verbundene Fraktionen innerhalb des schnell zusammenbrechenden IS aus Syrien vertrieben und in Afghanistan eingesetzt wurden. Die Taliban baten die Quds-Brigaden um Hilfe bei der Bekämpfung der existenziellen Bedrohung. Der Iran informierte die afghanische Regierung, die mit einer solchen Zusammenarbeit nicht besonders glücklich war, aber sie hatte letztendlich keine Einwände. So wurden die von den USA unterstützen IS-Söldner ein zweites Mal vertrieben, dieses Mal aus Afghanistan.

Letztendlich gingen die Taliban vier Verpflichtungen gegenüber den Quds-Brigaden ein. Sie würden die Stabilität an der Grenze zum Iran aufrechterhalten. Sie würden keine Kompromisse bei seiner Ablehnung der Präsenz ausländischer Kräfte akzeptieren. Sie würden keine anderen ethnischen Gruppen oder Rechtsschulen unterdrücken. Und Brüder würden keine Brüder töten. Während es innerhalb der Taliban unterschiedliche Fraktionen mit sehr unterschiedlichen Ansichten gibt, sind die Analysten im Iran derzeit zu dem Schluss gekommen, dass die amtierende Taliban-Führung ihren Versprechen verpflichtet geblieben ist, wie man es auch nach der Machtübernahme in den ersten Tagen sehr deutlich beobachten konnte, zumal gerade die für Schiiten bedeutsamen Trauerprozessionen stattfanden. Die Prozessionen wurden von den Taliban sogar geschützt [9].

Diese Beziehung hat der Islamischen Republik Iran in den letzten Wochen und Monaten geholfen, ein effektiver Vermittler zu werden, um sicherzustellen, dass der Rückzug der Besatzungstruppen nicht zu einem Bürgerkrieg führt, und die neue Regierung dazu zu bewegen, alle Afghanen einzubeziehen. Der Iran hat guten Grund zu der Annahme, dass der plötzliche Rückzug der westlichen Streitkräfte darauf abzielte, Instabilität und Chaos in Afghanistan zu schaffen. Die USA beabsichtigen, wenn sie Afghanistan schon nicht beherrschen können, dass das Land zu einer Quelle anhaltender Probleme werden sollte für Iran, China, Russland und sogar Indien. Inzwischen werden erhebliche Geldsummen von Saudi-Arabien und zwei anderen regionalen US-Vasallen zur Unterstützung extremistischer Fraktionen innerhalb der Taliban überwiesen. Der Iran versucht auf dem Weg des Dialogs und des friedlichen Verständnisses alles zu tun, um Tragödien zu verhindern, was derzeit offensichtlich funktioniert. Falls das aber eines Tages aufgrund anhaltender direkter oder indirekter US-Unterstützung für Extremisten nicht mehr funktionieren sollte, so hat der Iran schon deutlich signalisiert, dass dann die Quds-Brigaden diejenigen vehement unterstützen werden, die sich dem Extremismus und Terrorismus widersetzen. Ein erneutes militärisches Eingreifen des Westens nach diesem chaotischen Rückzug ist faktisch ausgeschlossen.

Der Iran arbeitet und verhandelt ständig mit den verschiedenen Parteien in Afghanistan sowie mit Nachbarländern sowie mit China und Russland, um die Bemühungen derer zu blockieren, die auf eine Rückkehr in die dunkle Vergangenheit drängen. Die bevorstehende Mitgliedschaft des Iran in der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit wird seine Fähigkeit verbessern, die diesbezüglichen internationalen Bemühungen zu koordinieren. Und China ist gewillt Milliarden im Land zu investieren, um die Lebensumstände in Afghanistan zu verbessern.

Deutschland muss sich entscheiden, ob es weiterhin jedes Verbrechen des USraelischen Imperiums mittragen und im Untergang des Imperiums mit untergehen, oder sich endlich befreien will. Denn die Flucht aus Afghanistan war sicherlich nicht die letzte Flucht des untergehenden Imperiums. Syrien und Irak werden schon bald folgen, und nach dem Fall Jemens kann die USA auch alle ihre Könige und Prinzen einsammeln und bei sich aufnehmen. Nicht zuletzt wird auch das besetzte Palästina befreit werden, denn keine Besatzung währt ewig.

Obwohl es in der westlichen Welt nur von Historikern wimmelt, die den historischen Ablauf eines untergehenden Imperiums hinreichend erforscht haben, und obwohl es keinen Zweifel mehr daran gibt, dass das USraelische Imperium nicht mehr zu halten ist, hängt die deutsche Politelite immer noch am Zipfel der brennenden US-Flagge. Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass Deutschland sich dabei nicht die Finger und noch viel mehr verbrennt.

General Sulaimani ist nicht mehr unter uns, aber sein Vermächtnis fügt dem sterbenden US-Imperium weiterhin Schläge zu. Und die wahren Kommandanten Imam Chameneis leben und sterben mit der Weitsicht eines al-Hussaini!

[1] Afghanistan-Desaster oder Islam-Ahnungslosigkeit?
[2] https://english.almayadeen.net/articles/...neral-soleimani
[3] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausl...r-17492402.html
[4] http://www.eslam.de/begriffe/g/grosser_satan.htm
[5] http://www.eslam.de/begriffe/s/sulaimani_qassim.htm
[6] https://www.dw.com/de/prek%C3%A4re-lage-...enze/a-58830024
[7] https://www.youtube.com/watch?v=xqWveOoSLXM&t=40s
[8] http://www.eslam.de/begriffe/a/aa/abu_mahdi_muhandis.htm
[9] https://www.aljazeera.com/news/2021/8/19...of-taliban-rule


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zuletzt bearbeitet 21.08.2021 | Top

RE: Die Taliban, der gescheiterte Westen und General Sulaimani

#2 von Dr.Josef Haas , 21.08.2021 13:35

Eine ungemein beeindruckende Darstellung, die insbesondere durch den Hinweis auf die
hierzulande weitestgehend unbekannten Gespräche von General Sulaimani mit den Taliban,
ihren besonderen Wert bekommt. Es wäre wünschenswert, wenn seine seinerzeitigen Gedankengänge
bei möglicherweise bald stattfindenden Gesprächen zwischen Teheran und Kabul zum Durchbruch
gelangen würden. Jedenfalls sollte es, trotz allem was hier an Negativem in der Vergangenheit
geschehen sein mag, zu einer Normalisierung der bilateralen Beziehungen kommen. Dies wäre zugleich ein
Faustschlag in die brutale Visage des USA-Imperialismus, von dem sich Deutschland, so wünschenswert
wie dies auch wäre, zumindest in nächster Zukunft nicht befreien wird. Denn anders als im Afghanistan
von heute, fehlt hierzulande eine Volksopposition, die bereit und in der Lage ist, den Kampf um die Freiheit
Deutschlands so zu führen, dass er die Massen mitzureißen vermag.

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RE: Die Taliban, der gescheiterte Westen und General Sulaimani

#3 von Dörte Donker , 24.08.2021 12:49

Bei mir hinterläßt das Thema Afghanistan einfach nur Fragen über Fragen. Ich bin in der Sache absolut kein Kenner, aber selbst mir war schon vor Wochen klar, dass auch Kabul ziemlich schnell eingenommen wird. Wie gesagt, ich bin Laie und wieso habe ich als Laie dahingehend eine Vermutung gehabt, die sich schließlich bestätigte. Wieso, wenn unsere Regierung ja nunmal auch alle hätten davon wissen können, ist der Anzug nicht strategisch vernünftig gelaufen? Sie waren gewarnt, das ist Fakt. Man kann nur darauf kommen, dass es eben so gewollt war und ist. Die andere Annahme, nämlich die totale Unfähigkeit der deutschen Politisekte, ist genauso erschütternd für mich. Diese beiden Annahmen, nämlich Chaos gewollt oder totale geistige Unfähigkeit beschäftigt mich zutiefst, auch in der ganzen Coronakrise.
Die nächste Frage, woher haben die Taliban, die ja angeblich am Boden waren, ihre Ausrüstung? Da gibt es zumindest eine gute Erklärung hier:

Zitat
Washington (ParsToday/PressTV) - Die frühere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, sagte, dass die Regierung von Präsident Joe Biden den Luftwaffenstützpunkt Bagram sowie Ausrüstung und Waffen im Wert von 85 Milliarden US-Dollar an die Taliban abgegeben habe.

In einem Interview mit CBS News am Sonntag kritisierte Haley die Biden-Regierung für den Ablauf des Abzugs von Truppen aus Afghanistan und sagte, sie habe sich „vollständig den Taliban ergeben“.

Auf die Frage, wie die US-Regierung mit den Taliban verhandelt, sagte sie: „Sie verhandeln nicht mit den Taliban. Sie haben sich den Taliban vollständig ergeben. Sie gaben die Bagram Luftwaffenbasis auf, die ein wichtiges Nato-Zentrum war. Sie haben ihnen Ausrüstung und Waffen im Wert von 85 Milliarden Dollar ausgehändigt, die wir dort hätten rausholen sollen.“

„Sie haben das amerikanische Volk aufgegeben und tatsächlich unsere Truppen abgezogen, bevor sie das amerikanische Volk abgezogen hatten. Und sie haben unsere afghanischen Verbündeten im Stich gelassen, die die Sicherheit von Menschen wie meinem Mann gewährleistet haben", fügte Haley hinzu.

Die Taliban haben US-Waffen in Milliardenhöhe beschlagnahmt. Black-Hawk-Hubschrauber und A-29 Super Tucano-Kampfflugzeuge gehören nach den in dieser Woche veröffentlichten Berichten zu den von den Taliban erbeuteten Gegenständen.

Auf Fotos, die in den Medien kursierten, waren Taliban-Kämpfer zu sehen, die in den USA hergestellte M4-Karabiner und M16-Gewehre anstelle ihrer ikonischen AK-47 hielten. Und die Militanten wurden mit amerikanischen Humvees und geschützten Fahrzeugen gesichtet.

Die Vereinigten Staaten geben an, in den letzten zwanzig Jahren bis zu 89 Milliarden Dollar für die Ausbildung und Ausrüstung afghanischer Sicherheitskräfte ausgegeben zu haben, die jedoch den Angriff der Taliban auf Kabul nicht stoppen konnten. Berichten zufolge hat sich vielmehr ein erheblicher Prozentsatz der in den USA ausgebildeten afghanischen Kräfte der Taliban-Truppe angeschlossen.

Laut einem Bericht des Government Accountability Office (GAO) aus dem Jahr 2017 haben die Vereinigten Staaten zwischen 2003 und 2016 75.898 Fahrzeuge, 599.690 Waffen, 162.643 Kommunikationsgeräte, 208 Flugzeuge und 16.191 Nachrichten-, Überwachungs- und Aufklärungsausrüstung an die afghanischen Streitkräfte übergeben.

Washington stellte den afghanischen Streitkräften von 2017 bis 2019 unter anderem 7.035 Maschinengewehre, 4.702 Humvees, 20.040 Handgranaten, 2.520 Bomben und 1.394 Granatwerfer zur Verfügung, so ein Bericht des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau in Afghanistan (SIGAR) aus dem letzten Jahr.

Etwa 46 dieser Flugzeuge befinden sich jetzt in Usbekistan, nachdem mehr als 500 afghanische Regierungstruppen sie nach dem Zusammenbruch der Regierung letzte Woche zur Flucht aus Afghanistan eingesetzt hatten. Den Rest haben die Taliban übernommen.


Die Biden-Regierung hat eingeräumt, dass eine „angemessene Menge“ an Waffen in die Hände der Taliban gefallen ist.

Am Samstag nannte Trump Bidens Vorgehen beim Rückzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan "die größte außenpolitische Demütigung" in der amerikanischen Geschichte.

Trump, ein Republikaner, der erwägt, 2024 erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren, hat Biden wiederholt für den Sturz Afghanistans an die Taliban verantwortlich gemacht.

"Bidens verpatzter Ausstieg aus Afghanistan ist die erstaunlichste Demonstration der groben Inkompetenz eines Staatschefs", sagte Trump bei einer Kundgebung mit seinen Anhängern in der Nähe von Cullman, Alabama.

„Das ist kein Rückzug. Das war eine totale Kapitulation“, sagte er.

Die Taliban sind bereit, Afghanistan wieder zu regieren, 20 Jahre nachdem sie von den amerikanischen Streitkräften nach den Angriffen auf die Vereinigten Staaten vom 11. September 2001 entmachtet wurden.

Die USA marschierten im Oktober 2001 in Afghanistan ein und entmachten die Taliban. Rund 20 Jahre lang besetzten amerikanische Truppen das Land unter dem Vorwand, gegen die Taliban zu kämpfen. Aber als die US-Streitkräfte Afghanistan verließen, stürmten die Taliban in Kabul, das durch die ausländische Besatzung geschwächt worden war



https://parstoday.com/de/news/world-i611...llar_an_taliban

Das, was mir in dieser Zeit hilft, in der auch bei mir die Emotionen hoch und runter gehen, auch weil ich selbst den Druck und Repressalien erlebe, den kritische Menschen, wie ich ausgesetzt werden, ist das Gebet.
Auch bei diesen seltsamen Dingen, die in meinen Leben passieren, ist immer wieder die Frage: Ist es gewollt, mich so zu behandeln oder ist es Unfähigkeit der entsprechenden Behörden, die völlig den Blick für die Realität, Angemessenheit, Gerechtigkeit und Logik verloren haben. Beide möglichen Antworten sind für mich gleichsam schwer erträglich. Die Möglichkeit, dass alles Zufall ist, passt logischerweise nicht.
Aber...das Traurige ist, dass ich weiß, dass auch Menschen von solchen Machenschaften und Problemen betroffen sind, die sich nicht kritisch öffentlich äußern, absolut keine Lobby haben und sich nicht wehren können. Ich frage mich, wie lange das noch gut gehen soll,wenn man so mit seinem eigenen Volk umgeht. Wir kommen zunehmend in einen Zustand hinein, in der jeder die Macht, die er innehat, auslegt und mißbraucht, wie es ihn gefällt. Und in dem Klima,dass ich erlebe, ist es kein Wunder, wenn ein Nachbar ganz klar und eindeutig versucht hat, mich bewußt anzufahren und mir mal wieder absolut die Erklärung fehlt, was bei diesen Menschen im Leben und im Kopf passiert ist.


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RE: Die Taliban, der gescheiterte Westen und General Sulaimani

#4 von Dörte Donker , 26.08.2021 11:03

Zitat
Steingart widersprach dieser steilen These des verlorenen Krieges: „Die NATO hat nicht gekämpft. Ich habe keine Kampfhandlungen gesehen.“ Vielmehr hätte die Taliban schon Anfang letzten Jahres mit dem damals amtierenden US-Präsidenten Donald Trump diese „friedliche Machtübergabe“ ausgehandelt. Nichts sei überraschend gekommen, was Angela Merkels Regierungserklärung so unglaubhaft mache. „Das war politischer Karneval. Sie ist in eine Opferrolle geschlüpft, sie ist aber eine Mittäterin dieses Rückzugs.“

„Das Imperium Merkel ist in dieser Krise zerbrochen“
In Sachen drastischer Formulierungen wollte Hans-Ulrich Jörges seinen Vorrednern offenbar in nichts zurückstehen und sattelte noch einen drauf. In Merkels Versagen beim Abzug aus Afghanistan sah Jörges eine tiefe Symbolik und Parallelität zu anderen Krisen in der jüngeren Vergangenheit. „2015 hat Angela Merkel auf einer Pressekonferenz inmitten der Flüchtlingskrise verkündet ‚wir schaffen das‘. Heute heißt es bei einem viel kleineren Problem ‚wir schaffen das nicht‘.“

Man könne sehen, so Jörges weiter, wie die deutsche Politik in der Zwischenzeit zerfallen sei. „Wir können enormes Staatsversagen beobachten, eins nach dem anderen“, sagte er und sprach neben Afghanistan das Corona-Management, den unzureichenden Katastrophenschutz während der Flutkatastrophe und den Cum-Ex-Skandal an. „Am Ende der Ära Merkel ist das Modell Deutschland nicht mehr vorhanden. Hier funktioniert nichts mehr. Das Imperium Merkel ist in dieser Krise zerbrochen.“


https://www.welt.de/politik/deutschland/...mehr-ernst.html
Ob nur das Imperium Merkel am Ende ist, oder die ganze Politkaste, denn ich sehe keinen, der es hätte anders machen wollen, denn wir befinden uns anscheinend in der totalen Anhängigkeit des Ditats der USA. Es ist jetzt sicher leicht, das Merkel in die Schuhe zu schieben, denn sie geht ja bald, dennoch kann ich das Gesagte in weiten Teilen sehr wohl unterstützen.

Ob es da Zusammenhänge gibt bezüglich der Verhandlungen der Taliban mit den USA wird sich zeigen:
Bodenschätze in Afghanistan
Die Taliban und der Billionen-Schatz in der Erde


https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal...0d13392e19.html


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zuletzt bearbeitet 26.08.2021 | Top

RE: Die Taliban, der gescheiterte Westen und General Sulaimani

#5 von Dr.Josef Haas , 26.08.2021 12:54

Leider steht die hiesige Politikkaste, die gestrige Bundestagsabstimmung über die sogenannte "Bundeswehr-Hilfsmission"
für Afghanistan, hat es ja wieder einmal sehr deutlich bewiesen, in einer selbst gewählten Abhängigkeit von den USA, die
wohl nur noch mit der gegenüber Israel Bestehenden verglichen werden kann. Diese Einschätzung trifft im übrigen auch
auf große Teile der sogenannten "Linken" zu, von der ja gestern einige Abgeordnete im Bundestag der deutschen Militärmission
in diesem asiatischen Land zustimmten, welche nun, nachdem für sie bislang mindestens zwölf Milliarden Euro verschwendet
wurden, im Chaos endet.
Warum es so weit gekommen ist, kann dabei, ohne groß darüber nachdenken zu müssen, gesagt werden: Es ist der Geist
des rücksichtslosen Universalismus, welcher seit jeher die Vereinigten Staaten von Amerika beherrscht. Zu deutsch:
Das, was dort als gut und daher wichtig erscheint, also beispielsweise der hemmungslose Kapitalismus und die Propagierung
einer totalen moralischen Verkommenheit, soll, ja muss, überall die Welt beherrschen. Wenn sich ein Volk allerdings dagegen
wehren sollte, wird es im Namen von "Demokratie, Freiheit und Menschenrechten" bekämpft.
Daran hat sich in den letzten mehr als hundert Jahren nicht das geringste geändert- es war, ist und bleibt stets die Grundlinie
jeder amerikanischen Politik. Umso erfreulicher, dass die Taliban, scheinbar oder hoffentlich tatsächlich, dieser menschen-
verachtenden Washingtoner Strategie entgegenzutreten vermochten. Und wenn es auch dem einen oder anderen schrill in den
Ohren klingen sollte- ihr Erfolg war ein Sieg der Freiheit über die amerikanische Tyrannei!
Es liegt nun an den Taliban, diesen ihren Sieg abzusichern und zu verteidigen. Sie könnten damit gerade für die Muslime, überall
auf der Welt, welche förmlich am Glaubensverrat vieler führender Religionsrepräsentanten verzweifeln, zum Vorbild werden.
Man kann ihnen also nur zurufen: Diese Chance besteht, nutzt sie also!

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