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Wurde im Iran eine Tote gehängt?

#1 von Yavuz Özoguz , 23.02.2021 19:35

Wurde im Iran eine Tote gehängt?

Die Nachricht scheint so unglaublich und absurd, dass eine extreme Art der Volksverhetzung vorliegen könnte. Die deutsche Quelle für die Propaganda der zioinismusnahen Massenmedien gegen die Islamische Republik Iran ist – wie sollte es anders sein – die Bild-Zeitung. So schreibt die Bild-Zeitung am 23.2.2021: „Im Iran ist eine tote Frau gehängt worden, nachdem sie vor dem Galgen mit einem Schlaganfall zusammengebrochen war. Nach Angaben ihres Anwalts hatte Zahra Esmaili zuvor zusehen müssen, wie 16 Männer vor ihr gehängt wurden.“ Als Beweis wird unter anderem ein völlig verpixeltes Foto angeblich der betroffenen Frau gezeigt, die ihren Ehemann ermordet haben soll. Da aber der Ehemann angeblich für den Geheimdienst gearbeitet habe, ist der Artikel so geschrieben, dass der Leser Mitleid mit der Mörderin haben soll: „Obwohl sie bereits tot war, zeigten die Henker keine Gnade ...“ [1]. Man fragt sich, über was für eine museumsreife Kamera der Fotograf verfügt haben muss, dass dabei ein Foto entstanden ist, dass jede dritte Frau im Iran sein könnte.



Als Quelle gibt die Bildzeitung einen Twitteraccount an, der „Iran HRM“ gehört [2] und die Nachricht bereits am 19. Februar gebracht hat. Iran HRM gehört zum sogenannten Nationales Widerstandsrat des Iran an [3], die im Iran als Volksheuchler bekannt und eine Terrororganisation sind, die sich massenhaft mit Anschlägen und Morden gerühmt haben. Bis heute geben sie ihr Ziel des gewaltsamen Umsturzes im Iran offen zu [4]. Die vollständige „Nachricht“ wurde tags darauf im deutschsprachigen Teil von L’union Sarda aus Italien gebracht [5]. Darin heißt es, dass die Geschichte jener Frau im Iran bereits während der Gerichtsverhandlung großen Aufruhr ausgelöst habe. Das Problem bei allen diesen Nachrichten ist, dass es solch einen Aufruhr im Iran gar nicht gegeben hat und daher auch nicht nachprüfbar ist.

Versucht man die Quelle jener Nachricht weiter zu erkunden, so landet man am 17.2. bei Iran Human Rights, einer weiteren Terrorismus-nahen Quelle [6]. Dabei stößt man auf ein ernsthaftes Problem. Denn dort stirbt jene Zahra Esmaili mit sechs anderen zum Tode verurteilten Männern im Gefängnis Rajai Shahr. Das war der Name zur Schahzeit für Gohardasht . Um die Nähe zu jener Schah-Zeit nahen Nachrichtenquelle nicht zu implizieren, wird in den späteren Nachrichten der neue Name verwendet. Und die Zahl von sechs gehängten Mithäftlingen wird auf 16 erhöht. Offensichtlich war für die späteren Quellen die Zahl von sechs weiteren hingerichteten Mördern zu wenig. Die ursprüngliche Quelle gibt an, dass alles geheim war, so dass die iranischen Nachrichten nicht davon berichtet haben. Warum aber sollte jemand nach seinem Tod noch aufgehängt werden, wenn ohnehin nicht darüber berichtet wird. Das Ganze soll sich am 15.2. ereignet haben. Der 15.2. war aber im Iran der Tag des Martyriums von Imam Hadi, und an solchen Tagen wird traditionell nicht hingerichtet. Das wiederum können religionsfeindliche Terroristen und zionismusnahe Schreiber der Bildzeitung kaum wissen.

Bliebe noch der Anwalt Omid Moradi. Den gibt es wirklich! Und er ist offen regierungskritisch, schreibt fleißig – bis heute – in Facebook, obwohl Facebook im Iran nur bei Umgehung der Sperren erreicht werden kann. Der Anwalt, der in Teheran lebt, distanziert sich bereits am 16. August 2020 (!) von der politischen Ausschlachtung irgendwelcher Fälle, indem er deutlich verärgert schreibt: „Und ich liebe von ganzem Herzen alle Menschen, die versuchen, die rechtlichen Bedingungen dieses Landes zu verbessern … aber dies ist keine politische Hinrichtung! Ein Mädchen hat ihren Vater getötet und eine Mutter hat einen Mord begangen ...“ Hier findet sich auch das Original jenes verpixelten Fotos der Bildzeitung [6]. In einer wohlkalkulierten Art scheibt der Anwalt die Schuld der noch nicht schuldfähigen jungen Tochter zu, die ihren Vater in den Kopf geschossen haben soll. Das Gericht kam aber offensichtlich zu dem Urteil, dass es doch die Mutter und damit Ehefrau des ermordeten war. Auch erfahren wir hier, dass jener ermordete Ehemann und angeblicher Geheimdienstmitarbeiter schon lange kein Geheimdienstmitarbeiter mehr war, weil er wegen Korruption unehrenhaft entlassen wurde und Verfahren gegen ihn laufen. Dieser Zustand war wohl auch Ursache für den Stress zuhause, der zu dem Familiendrama führte. All das darf aber der deutsche Leser natürlich nicht erfahren.

Zur Ehrenrettung deutscher Journalisten ist allerdings festzustellen, dass kaum eine andere Zeitung auf den Lügenzug der Bildzeitung aufspringt außer die österreichische „heute“ [7].

Immer wieder wird meine Wenigkeit im Anschluss an solch einen Artikel gefragt, warum ich es denn mit der Bild-Zeitung und ähnlichen Großkonzernen aufnehmen würde. Sie haben eine Millionenleserschaft und ich wenige hundert. Das sei doch ein ungleicher Kampf, den selbst offizielle iranische Stelle in Deutschland nicht führen würden und die Machtverhältnisse wären doch chancenlos. Zuweilen antworte ich mit dem Gleichnis des mystischen Spatzes, der die Heiligkeit seiner Zeit gegen den mächtigen Nimrod zu verteidigen sucht [8]. Aber eigentlich könnte ich auch antworten, dass es wirklich ein ungleicher Kampf der Worte ist, bei dem die Bild-Zeitung und Ihresgleichen chancenlos sind. Denn sie können Hunderttausende irreleiten, es wird ihnen nur Schaden zufügen. Meinesgleichen braucht unter den wenigen Lesern nur eine einzige zuvor irregeleitete Seele zu retten, und schon ist es gemäß den islamischen Wertevorstellungen so, als wenn die gesamte Menschheit gerettet wurde.

Bliebe noch eine Frage offen: Warum kommt diese extreme Form der Lügen-Propaganda gerade jetzt? Das erklärt ausgerechnet die „junge Welt“ unter dem Titel: „Opfer auf Anklagebank - Zum Streit über das Iran-Atomabkommen“ sehr verständlich [9]. Das Verbrechersystem USA muss mit allen Mitteln geschützt werden. Aber der Untergang des USraelischen Imperiums ist nicht mehr aufzuhalten.

[1] https://www.bild.de/politik/ausland/poli...07702.bild.html
[2] https://twitter.com/IranHrm/status/13628...07702.bild.html
[3] https://iran-hrm.com/index.php/about-us-...rights-monitor/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Nationaler...ndsrat_des_Iran
[5] https://www.unionesarda.it/de/articolo/n...37-1117856.html
[6] https://www.facebook.com/photo?fbid=1573...397133103801593
[7] https://www.heute.at/s/zahra-esmaili-tot...aengt-100129437
[8] http://www.eslam.de/begriffe/n/nimrod.htm
[9] https://www.jungewelt.de/artikel/397074....nklagebank.html


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zuletzt bearbeitet 23.02.2021 | Top

RE: Wurde im Iran eine Tote gehängt?

#2 von Dr.Josef Haas , 24.02.2021 10:52

Es ist immer wieder beeindruckend, wie Sie, lieber Herr Dr. Özoguz, an Informationen gelangen, welche imstande sind,
das verbrecherische Wirken des USA-Imperialismus und seiner zionistischen Hilfstruppen offenzulegen.
So auch im Zusammenhang "Wurde im Iran eine Tote gehängt?"
Ein weiterer Beweis, mit welch perversen Mitteln gegen die Islamische Republik Iran gekämpft wird.
Sie sieht sich- mehr denn je- den Attacken von Feinden gegenüber, welche man nur, um bei einer christlichen Bezeichnung
zu verbleiben, als "Teufel" bezeichnen kann.
Um so wichtiger wäre daher die uneingeschränkte Solidarität mit dem revolutionären Iran, an der es allerdings fühl- und
spürbar mangelt. Genau diese traurige Tatsache bereitet dann aber wiederum den infamen Hetzern den Boden für ihren
hemmungslosen Hass.
Darauf aufmerksam zu machen, heißt allerdings, gegen diese Feinde Gottes endlich in einer Art und Weise offensiv zu werden,
dass selbst diese es verstehen, wie menschenfeindlich ihr Tun war und ist!

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