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Die Perversität des Kapitalismus

#1 von Yavuz Özoguz , 01.01.2020 11:54

Die Perversität des Kapitalismus

Bekanntermaßen glauben die Vertreter eine freiheitlich-demokratischen Grundordnung, dass diese nur mit dem Kapitalismus zu erreichen sei. Sie verklausulieren den Kapitalismus in dem viel schöner klingenden Begriff „soziale Marktwirtschaft“, aber sie trauen sich niemals das Unsoziale des Kapitalismus anzuprangern, selbst dann nicht, wenn die selbst ermittelten Zahlen das Verbrechen deutlich belegen.



Nur sehr versteckt traut sich die Bundeskanzlerin in einer ihrer letzten Neujahrsansprachen an das Thema heran: „Das heißt, auch im digitalen Zeitalter hat die Technik dem Menschen zu dienen – und nicht umgekehrt“ [1]. Mit Technik hat das gar nichts zu tun. Erst wenn Sie den Begriff „Technik“ durch den Begriff „Wirtschaft“ ersetzen würde, wäre es eine wirklich revolutionäre und für Deutschland zukunftsweisende Aussage: „Das heißt, auch im digitalen Zeitalter hat die Wirtschaft dem Menschen zu dienen – und nicht umgekehrt.“ Vielleicht kann sie ja nächstes Jahr folgenden Satz dazu sagen: „In einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung darf die Wirtschaft lediglich ein Mittel sein, und von einem Mittel erwartet man nur, zweckmäßig für das Erreichen eines Zieles zu sein. Aus dieser Sicht besteht die soziale Marktwirtschaft darin, die geeigneten Grundlagen zur Entfaltung der unterschiedlichen menschlichen Kreativitäten zu bereiten. Die Bundesrepublik Deutschland hat infolgedessen die Aufgabe, für alle Bürger gleiche und angemessene Möglichkeiten zu sichern, Arbeit zu beschaffen und die notwendigen Bedürfnisse bei der Weiterführung des Entwicklungsprozesses zu befriedigen.“ Allerdings wird sie diesen Satz niemals sagen, weil ihr dann sofort die Presstituierten der Westlichen Welt darlegen würden, dass der Gedanke aus der Verfassung der Islamischen Republik Iran stammt [2].

Eine der letzten Wirtschaftsmeldungen des abgelaufenen Jahres 2019 war: „Die Superreichen sind nochmal 1.200.000.000.000 Dollar reicher.“ Für diejenigen, die so viele Nullen nicht zählen können, konkretisiert die Süddeutsche Zeitung ihre Titelangabe im Text: „… ist das Vermögen der reichsten Menschen der Welt in diesem Jahr enorm gewachsen. Die 500 Reichsten haben ungefähr 1,2 Billionen Dollar hinzubekommen seit dem 1. Januar 2019 ...“. Herausgefunden hat das kein von den Presstitiuerten als Verschwörungstheoretiker abgetaner Systemgegner, sondern der kapitalistischste Systemnachrichtendienst Bloomberg. Telepolis hat die Nachricht aufgegriffen und mit folgendem Titel bedacht: „1,2 Billionen Dollar für die reichsten 0,001 Prozent“ [4]. Hier lässt sich auch nachlesen, dass die mit Abstand überwiegende Mehrheit jener Superreichen aus der angeblich so freiheitlichen Westlichen Welt kommt, Deutschland an dritter Stelle!

Es sei erlaubt, einige Gedankenspiele mit diesen 1,2 Billionen Dollar durchzuführen, welche in nur einem Jahr „entstanden“ sind, um das Ausmaß des Verbrechens eines durch und durch verbrecherischen Systems zu verstehen. Würde man das Geld – es geht hier nur um das, was in einem Jahr dazu gekommen ist – unter der gesamten Menschheit aufteilen, so wären jene 500 immer noch die reichsten Menschen der Welt, und jeder Erdenbürger hätte 160 Dollar mehr in der Tasche. Gerechnet auf ein Jahr scheint das nicht viel. Aber es ist weniger als ein Kind ein ganzes Jahr lang braucht, um nicht zu verhungern [5]. Laut Unicef haben weltweit über 800 Millionen Menschen nicht genug zu essen [6]. Über 6 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Hunger [7]. Das ist ein Massenmord an unschuldigen Kindern, bei dem selbst die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg nicht mithalten können. Denn selbst wenn man von 80 Millionen Toten im Zweiten Weltkrieg ausgeht, so wurde jene Zahl durch die kapitalistische Weltordnung im Laufe der Jahre um ein Vielfaches übertroffen.

Zurück zu den 6 Millionen an Hunger gestorbenen Kindern im letzten Jahr. Würde man den „Überschuss“ der Superreichen von 1,2 Billionen Dollar (alle anderen Milliardäre und Millionäre wären nicht einmal betroffen) nur auf jene 6 Millionen Kinder aufteilen, so hätte jeder dieser Kinder 200.000 Dollar und würde zu den reichsten Menschen ihres Landes gehören. Ist es angesichts dieser Zahlen überhaupt noch erlaubt von „gestorbenen“ zu sprechen. Muss man nicht viel eher über „ermordete“ Kinder schreiben? Über 15.000 Kinder unter 15 Jahren, die jeden Tag an Hunger sterben, ist das kein Verbrechen? Es soll hier nicht unterdrückt werden, dass die Ursachen für Hunger zweifelsohne sehr komplex sind. Aber die Hauptursache ist und bleibt die ungleiche Verteilung der Ressourcen unter der Menschheit. Und wieder wird durch die Verwendung eines Begriffs deutlich, dass wir selbst das Ausmaß des Verbrechens nicht verstanden haben. Es handelt sich nicht um eine „ungleiche Verteilung“, sondern um einen durch und durch verbrecherischen Raubmord. Die Räuber rauben ihre Opfer aus, die daran verhungern.

Was also wäre zu tun? Die Welthungerhilfe rät dazu, dass wir spenden sollen. Zweifelsohne muss jeder Mensch abgeben, und die Spendenbereitschaft ist ein Mittel sein eigenes Herz wie auch seine eigenen Finanzen vom Dreck der Habgier zu reinigen. Aber das genügt nicht! Wir müssen auch deutlich machen, dass dieser unglaubliche Massenmord ihre Ursachen in einem System hat, das wir letztendlich mittragen, so lange wir uns nicht dagegen wehren. An den Massenmorden im Zweiten Weltkrieg sind heutige Generationen nicht schuld. Aber an jedem Kind, das heute an Hunger stirbt, sind wir alle mitschuldig, so lange wir das kapitalistische Verbrechersystem nicht im Rahmen unserer Möglichkeiten deutlich genug ablehnen.

Ein Deutscher hat bereits 1999 das „Schwarzbuch Kapitalismus“ geschrieben [8]. Andere haben 2012 das Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ verfasst [9]. Der Kampf gegen das Verbrechen ist sehr ungleich. Während diejenigen, die sich für Menschlichkeit einsetzen, im Rahmen der Gesetze und mit moralischen Schranken agieren, können diejenigen, die sich bereichern wollen, alle gesetzlichen und moralischen Grenzen mit Füßen treten und werden dafür vom System belohnt. Dennoch verfügen wir über eine „Waffe“, über die jene Verschwörer niemals verfügen können. Wir sind die absolute Mehrheit! Das wissen selbstverständlich auch die Weltverschwörer. Daher setzen sie alle Mittel ein, um Minderheiten und Mehrheiten gegeneinander aufzuhetzen, damit niemand auf die Idee kommt, sich gegen die wahre Ursache des Übels zu wenden [10].

Die Mehrheit hat ein moralisch wie rechtlich legitimes und äußerst freiheitlich-demokratisches Mittel zur Beeinflussung des Weltgeschehens, und das ist der Boykott. Wie sehr jener Boykott die Weltmeister im Boykottieren von nach Freiheit strebenden Staaten und Völkern schmerzt, ist an deren verzweifelten Gegenmaßnahmen gegen die BDS-Bewegung [11] zu erkennen. Die einzige Sprache, welche die Hauptverbrecher des Kapitalismus verstehen, ist die Sprache des Kapitals. Sobald hinreichend viele Menschen Coca-Cola, McDonalds, Nestle und andere Symbole des Kapitalismus boykottieren würden, würden jene Konzerne sich zumindest äußerlich einen menschlichen Anstrich geben.

Jeder Einzelne von uns glaubt, die Menschheit nicht ändern zu können. Aber wir können uns selbst ändern! Wäre das nicht ein schöner Vorsatz für das Jahr 2020? Ein Mensch, der nur einen einzigen Menschen rettet – und sei es seine eigene Seele – ist so, als wenn er die gesamte Menschheit gerettet hat. Und dafür lohnt es sich, sich zu ändern!

[1] https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/a...er-2019-1709612
[2] http://www.eslam.de/manuskripte/verfassu....htm#Wirtschaft
[3] https://www.faz.net/aktuell/finanzen/sup...r-16554773.html
[4] https://www.heise.de/tp/features/1-2-Bil...nt-4624883.html
[5] https://uni.de/redaktion/sharethemeal
[6] https://www.unicef.de/informieren/aktuel...-ist-das/135664
[7] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/s...k-16016230.html
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzbuch_Kapitalismus
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gr%C3%..._der_Geschichte
[10] Mehrheit, Minderheit, Uiguren, Iran und die Welt verstehen
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Boycott,_D...t_and_Sanctions


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zuletzt bearbeitet 01.01.2020 | Top

RE: Die Perversität des Kapitalismus

#2 von Dr.Josef Haas , 01.01.2020 16:38

Bei Ihrer wie immer hervorragenden Analyse von Gegebenheiten unserer Zeit, bleiben
mir vor allem diese Sätze auch künftig in guter Erinnerung:
"Jeder von uns glaubt, die Menschheit nicht ändern zu können. Aber wir können uns selbst
ändern! ... Ein Mensch, der nur einen einzigen Menschen rettet- und sei es nur seine eigene
Seele- ist so, als wenn er die gesamte Menschheit gerettet hat. Und dafür lohnt es sich, sich
zu ändern!"
Genau darum geht es.
Es bleibt allerdings stets dabei zu berücksichtigen: Dieses von Ihnen, lieber Herr Dr.Özoguz,
so treffend charakterisierte kapitalistische System kann und wird sich nicht ändern (können).
Denn selbst wenn es dies wollte, würde dies doch von vorneherein seinen Untergang bedeuten.
Das wissen natürlich dessen Nutznießer und Repräsentanten ganz genau, weshalb sie mit ihrer
teuflischen Lügenpropaganda jeden Versuch, ein System zu überwinden, dem sie ja selbst ihren
perversen Reichtum zulasten der Armen zu verdanken haben, erbittert bekämpfen.
Daher kann und darf es auch 2020 keinen Kompromiss mit diesen Ausbeutern der Menschheit
geben. Allein dadurch besteht ja- irgendwann einmal- eine Chance, auf Überwindung des
Kapitalismus, der mit seiner Ausbeutung des Menschen durch den Menschen Gott tagtäglich
unzählige Male ins Gesicht schlägt.
Möge man dies nie vergessen!

Dr.Josef Haas  
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