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Geht es wirklich um Syrien oder um den Monat Ramadan?

#1 von Yavuz Özoguz , 23.07.2012 11:04

Geht es wirklich um Syrien oder um den Monat Ramadan?

Die Fronten in Syrien könnten kaum verworrener sein und dennoch gibt es eine Systematik dahinter, wenn man genau hinschaut.

Auf der Seite derjenigen, die die aktuelle Zerstörung Syriens massiv mit Waffen, Propaganda, bezahlten Söldnern und eigenen Soldaten unterstützen stehen Israel, die USA, die gesamte den USA und Israel dienende Westliche Welt, selbst die Türkei, Saudi-Arabien sowie weitere Feudalhäuser der Region und alle Salafisten. Das ist wirklich eine Allianz, wie sie bei anderer Gelegenheit kaum vorstellbar gewesen wäre. Und dennoch ist es keine Überraschung. Auf der anderen Seite stehen weite Teile des syrischen Volkes, Anhänger der Hizbullah im Libanon (inklusive vieler Christen!), die Islamische Republik Iran, aber auch Russland und China; ebenfalls eine Allianz, die in dieser Konstellation in andere Zusammenhängen kaum vorstellbar wäre.

Der jede Woche neu ausgerufene “Endkampf“ (mal heißt er “Wendepunkt“, mal heißt er “Stunde Null“, mal heißt er “Anfang vom Ende des Regimes“ usw.) ist nunmehr in den heiligen Monat Ramadan eingetreten. Was sind das für Kräfte, die sich da eigentlich gegenüberstehen?

Auf der einen Seite steht das “Imperium“, dominiert von Israel und den USA, die der Welt glaubhaft machen wollen, dass sämtliche Weltpolitik von ihnen zu entscheiden sei und jeder sich ihnen zu unterwerfen habe. Saudi-Arabien dient jenem Imperium in jeder Hinsicht und darf daher seine menschenverachtende Politik im missbrauchten Namen des Islam ungehindert fortsetzen und sogar ausbauen. Deutschland will jene Politik offensichtlich mit massiven Waffenverkäufen unterstützen. Selbst die Türkei hat faktisch eine Art Guerillakrieg gegen den Nachbarn erklärt und lässt alle Terrorbanden problemlos Schutz in der Türkei finden. Die völlig uneingeschränkte Popularität des amtierenden Ministerpräsidenten macht es möglich. Dämmert es jetzt, warum Muslimas an türkischen Universitäten Kopftuch tragen dürfen?

Dem Imperium ging es nie um solche Dinge wie Kopftuch oder Fasten, sondern stets nur um Macht! Wenn Kopftuch und Fasten der Macht gefährlich werden, müssen sie verboten werden. Wenn aber die Verbote der Macht gefährlich werden, dann werden sie wieder aufgehoben. Jahrzehntelang war das Kopftuch und Fasten dem türkischen Militär ein Dorn im Auge. Daher hatten Soldaten, die fasteten oder deren Ehefrauen ein Kopftuch trugen, keine Chance zum Aufstieg. Gleichzeitig stellten das Kopftuch und Fasten keinerlei Problem in Europa dar, so lange die Muslime ein extreme Minderheit waren. Daher war es hier erlaubt. Nun hat sich das Blatt gewendet. In der Türkei stellte das Verbot eine Bedrohung der Macht des Imperiums dar, weil zu viele Menschen sich muslimisch orientiert haben und so das Militär genau so umorganisiert werden musste, wie die Wirtschaft. Also wurde umgedacht und eine Art kapitalistisches Kopftuch und Fasten entwickelt. Die Muslime dürfen ihre Riten zwar jetzt freier als je zuvor befolgen, aber sie haben sich einem in dieser Form nie zuvor dagewesenen extremen Zins- und Schuldenkapitalismus zu unterwerfen. Die Türkei war der Vorreiter. Das aus Sicht des Imperiums erfolgreiche Modell soll nunmehr auch in den nordafrikanischen Staaten implementiert werden. Wie erfolgreich die Implementierung sein wird, ist noch in der Schwebe.

Anders ist die Situation in Europa. In Europa wächst eine zunehmend gebildete und islamisch bewusste Jugend heran. Sie sind zwar nach wie vor in allen bestehenden Gesellschaften in der extremen Minderheit, aber sie stellen einen bedeutsamen Teil der Zukunft dar, da sie die Last der Kindererziehung und die Einheit der Familie noch nicht aufgegeben bzw. zerstört haben. Daher müssen diese Dinge hier ganz offen oder subtil verboten werden. Das Kopftuch ist bereits ganz offen verboten, wie in Frankreich für Schülerinnen und in Deutschland für diverse Berufe. Und das Fasten wird subtil bekämpft, indem die Medien inflationsartig überhäuft werden mit Fußballspielern, die nicht fasten können oder wollen. Wo waren eigentlich jene Fußballspieler all die Jahre zuvor? Warum ist das “Problem“ erst jetzt so akut? Liegt es daran, dass ein bewusstes Kopftuch und Fasten eine Kapfansage an den menschenverachtenden Kapitalismus sind?

Mittlerweise dämmert es dem Imperium (und dessen willfährigen Schergen), dass der Islam die weltweit größte Bedrohung für den Kapitalismus und den Imperialismus ist, den Säulen des Imperiums. In der Türkei ist das Bewusstsein für Kopftuch und andere Riten am wachsen, aber das Bewusstsein für Handel und wirtschaft erheblich geringer ausgeprägt als z.B. in Europa, dazu ein einfaches Beispiel: In Deutschland kaufen Muslime in der Regel keine Lebensmittel mit Gelatine, da es zum großen Teil aus Schweinebestandteilen hergestellt wird, während in der Türkei der Verkauf bis vor wenigen Jahren problemlos möglich war, obwohl die Gelatine zu 80% aus Deutschland kam.

In Syrien – aber auch in Afghanistan, Bahrain, Jemen, Irak, Libyen usw. – geht es nicht um eine “Änderung des Regimes“ oder gar um Menschenrechte? Es geht schlicht und einfach um das Überleben eines auf Plünderung der Welt basierenden Imperiums. Und so ist es kein Zufall, dass das “syrische Regime“ auf den Lippen westlicher Politiker keine Zukunft mehr hat, während die gleichen Lippen keinerlei Zukunftssorgen für das bahrainische Volk haben. Und daher kann man auch die gegnerische Allianz gut verstehen. Iran und große Teile Libanons (darunter auch die Hizbullah unterstützende Christen!) haben dieses Bewusstsein schon weit entwickelt und wissen, dass es hier um die Zukunft der Welt als Sklave des Imperiums oder in einer gerechten Freiheit geht. Russland und China verfolgen zwar ureigenste Imperialinteressen, stehen aber somit auf der gleichen Seite, da sie das bestehende Imperium in seinem Ausweitungswahn eindämmen wollen. Zudem haben beide Staaten hinreichend Probleme mit aus Saudi-Arabien finanzierten Salafisten, die die nicht unbeträchtlichen muslimischen Bevölkerungsanteile unterwandern. Russland hat – das wissen viele nicht – mit seinen rund 15% Muslimen einen erheblich größeren muslimischen Bevölkerungsanteil, als alle anderen europäischen Staaten.

Und so geht es in Syrien weder um Menschenrechte, noch um Freiheit oder gar Frieden. Es geht um die Imperialachse USA-Israel, die bei einem Zusammenbruch des Kapitalismus in ihren heutigen Formen kaum weiterexistieren könnten. Dabei frisst der Kapitalismus inzwischen auch die Rechte der westlichen Bevölkerungen. Wie ernst die Lage ist, spiegelt sich auch in der mittlerweise zweiten Selbstverbrennung eines Israelis innerhalb einer Woche wieder.

In Deutschland hat der amtierende SPD-Vorsitzende Gabriel den nächsten Bundestagswahlkampf frühzeitig eingeläutet mit einem zumindest verbalen Kampf gegen die Banken und damit gegen den Kapitalismus. Nach seinen Äußerungen in Hebron über die Lage der Palästinenser ist das sein zweiter Versuch, sich auf die Seite des eigenen Volkes und damit gegen das Imperium zu stellen. Mal sehen, wie lange das Imperium dem tatenlos zusehen wird.

Ja, in Syrien geht es um erheblich mehr als um das Land, den Staat oder die Staatsführung. Es geht um die Zukunft dieser Welt. Auch wenn die jahrhundertealten Prophezeiungen des Islam von einer Zerstörung Syriens ausgehen, so tun alle friedliebenden Menschen ihr Bestes, um das zu verhindern, denn das ist unsere Aufgabe als freie Menschen.

Der Kapitalismus, der US-Imperialismus, der Zinswahn, die USA, Israel und viele anderen Gebilde, die wir heute als “normal“ betrachten, werden eines Tages rückblickend als größte Unterdrückungsgebilde der Menschheit bis zur heutigen Zeit eingestuft werden. Und die Menschen werden sich in jener Zukunft darüber wundern, wie es möglich war, dass jene Unterdrückungsgebilde so lange unbehelligt wüten konnten. Sie werden sich fragen, warum Menschen, die vor Tribunale gehören, die mächtigsten Staaten der Welt anführen konnten, ohne jemals belangt zu werden. Die Menschheit besitzt aber heute das Potential dazu, diese Unterdrückungsmaschinerien zu überwinden. Doch es geht nicht durch Dekadenz, sondern nur durch Anstrengung.

Die Bevölkerung Deutschlands ist befähigt zur Anstrebung und auch geübt darin; nicht nur die einstmaligen Trümmerfrauen, sondern auch die heutigen Generationen. Noch immer werden die besten Autos der Welt in Deutschland und in dem ehemaligen Verbündeten Japan gebaut. Noch immer kommen die besten Waschmaschinen und Kühlschränke aus Deutschland. Noch immer ist Deutschland Vorreiter der Verfahrenstechnik und des Maschinenbaus. Das sind alles Leistungen eines Landes, indem die Bevölkerung vom Gesellen bis zum promovierten Ingenieur, vom Meister bis zum Arzt, sich anstrengen können. Aber neben dieser Anstrengungsfähigkeit bedarf es noch einer Tugend, die in Deutschland in den letzten Jahren etwas gelitten hat: Mut; Mut zur Wahrheit, Mut zur Aufrichtigkeit, Mut zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit, Mut sich für die Gerechtigkeit einzusetzen.

Diesen Mut haben auf allen Ebenen Menschen mit ihrem Leben bezahlt. Erst nachdem Petra Kelly und ihr Ehemann einen ungewöhnlichen Selbstmord praktizieren mussten, konnte die ehemalige Antikriegspartei der Grünen zu einer Kriegspartei werden. Erst nachdem in der FDP ein populärer Politiker mit dem Fallschirm abgestürzt ist, konnte die FDP sich derart uneingeschränkt auf die Seite des Imperiums und dessen neokonservativen Wahnsinn zuwenden. Und derartige Beispiele gibt es auch im Bankenwesen und anderen Ebenen, ja möglicherweise selbst bei Päpsten. Doch es ist der Mut, der mit der Hoffnung korrespondiert und die Hoffnung, die den Mut erzeugt. Die wahre Quelle der Hoffnung ist der Schöpfer aller Hoffnung, und der Mut, der auf jener Quelle gründet, ist unbesiegbar.

Es mag sein, dass Syrien – so oder so – besiegt werden wird. Es mag sein, dass die Hizbullah in eine schwere Lage gerät. Es mag auch sein, dass die Islamische Republik Iran noch viel schwereren Angriffen in der Zukunft ausgesetzt werden wird, als in den letzten 33 Jahren. Aber all das kann die wahre Hoffnung niemals zerstören. Sie gründet auf einer Quelle, die niemals versiegt und daher unbesiegbar ist. Das Imperium versucht ebenfall indirekt auf jene Quelle zuzugreifen, indem es Safalisten für die eigenen Belange kämpfen lässt (in Syrien wie in Deutschland). Aber jene Quelle kann nur der wirklich schöpfen, der über Liebe verfügt. Und die wahre Liebe ist den Salafisten genau so fremd, wie dem gesamten Imperium. Die wahre Liebe aber ist unbesiegbar. Und das Fasten im Monat Ramadan, das wahre Fasten von ganzem Herzen im Genuss des Durstes und des Hungers stärkt diese Liebe in den Herzen der Liebenden. Die Pforten des Fastenmonats sind für alle Menschen offen.

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RE: Geht es wirklich um Syrien oder um den Monat Ramadan?

#2 von Fatima Özoguz , 23.07.2012 14:14

Zitat
Diesen Mut haben auf allen Ebenen Menschen mit ihrem Leben bezahlt. Erst nachdem Petra Kelly und ihr Ehemann einen ungewöhnlichen Selbstmord praktizieren mussten, konnte die ehemalige Antikriegspartei der Grünen zu einer Kriegspartei werden. Erst nachdem in der FDP ein populärer Politiker mit dem Fallschirm abgestürzt ist, konnte die FDP sich derart uneingeschränkt auf die Seite des Imperiums und dessen neokonservativen Wahnsinn zuwenden.



noch ein Beispiel aus Österreich: Erst nach dem mysteriösen "Unfall" von Jörg Haider konnte sich die FPÖ uneingeschränkt zu Israel bzw. dem Zionismus bekennen und sich ihm andienen.


Fatima Özoguz  
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RE: Geht es wirklich um Syrien oder um den Monat Ramadan?

#3 von Cengiz Tuna , 23.07.2012 16:02

Lieber Bruder, wie kann man so viel Wahrheit in einen so kurzen Artikel unterbringen?
Bin immer wieder begeistert.

Es geht doch wirklich um den Ramadan. Es geht darum, die Menschen in das kapitalistische, imperialistische System zu integrieren.

Zitat
Auf der anderen Seite stehen weite Teile des syrischen Volkes, Anhänger der Hizbollah im Libanon (inklusive vieler Christen!), die Islamische Republik Iran, aber auch Russland und China;...


Du hast Recht, die Fronten werden immer ersichtlicher. Auf der einen Seite, wie du schon schriebst, Israel, die USA und die ihnen dienende Westliche Welt, und auf der anderen Seite, das syrische Volk, die libanesische Bevölkerung, voran die Hizbollah und natürlich der Iran. Russland und China legen zwar noch einige unbedeutende Vetos ein, aber einen echten Widerstand gegen das System kann ich noch lange nicht erkennen.

Zitat
Dem Imperium ging es nie um solche Dinge wie Kopftuch oder Fasten, sondern stets nur um Macht! Wenn Kopftuch und Fasten der Macht gefährlich werden, müssen sie verboten werden. Wenn aber die Verbote der Macht gefährlich werden, dann werden sie wieder aufgehoben.

Die Muslime dürfen ihre Riten zwar jetzt freier als je zuvor befolgen, aber sie haben sich einem in dieser Form nie zuvor dagewesenen extremen Zins- und Schuldenkapitalismus zu unterwerfen.


Genau! Weil die Mehrheit der Bevölkerung in der Türkei mit den damaligen Regierungen immer unzufriedener wurde, musste zur Beruhigung ein „muslimischer“ Präsident an die Macht. Das war der Grund, warum Erdogan an die Macht befördert wurde. Der, wie wir ja jetzt sehen, tatkräftig die Terroristen der USA-Israel-Achse unterstützt.

Und damit das Volk in der Türkei auch schön ruhig bleibt, wird massenhaft Geld in die Türkei gepumpt. Was dazu führt, dass die Menschen derzeit so sehr vom Konsum berauscht sind, dass sie die gefährliche Lage, in der die Türkei momentan steckt, nicht wahrnehmen. Wenn dieser Geldfluss unterbrochen wird, wird die Türkei finanziell zusammenbrechen und auf riesigen Schulden sitzen bleiben.

Zitat
Der Kapitalismus, der US-Imperialismus, der Zinswahn, die USA, Israel und viele anderen Gebilde, die wir heute als “normal“ betrachten, werden eines Tages rückblickend als größte Unterdrückungsgebilde der Menschheit bis zur heutigen Zeit eingestuft werden.


Das wird alles Dagewesene in den Schatten stellen. Zumal viele Verbrechen der Vergangenheit mit diesem System zusammenhängen.


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