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Die Verramschung einer heiligen Schrift

#1 von Kurt Nickel , 14.04.2012 12:24

Es ist anerkennenswert, die Worte Gottes und die, die seine Worte verkünden, jedermann zugänglich zu machen. Wenn es sich um des Wortes Gottes Willen handelt, mag das in Ordnung sein. Doch sie einzig aus Eigeninteresse einer kleinen Gruppe, die auf sich aufmerksam machen will, wahllos zu verteilen, sollte bedenklich stimmen.

Die neuerliche Aktion der Salafisten, in 30 Städten Deutschlands den Koran an jedermann wie Kramellen auszugeben, ohne dass man nachvollziehen kann, was der Beschenkte damit anfängt, hat für mich den Anschein von Entwürdigung.

In meinem Leben bekam ich zweimal eine Bibel geschenkt. Das erste Mal war zu meiner Konfirmation und das zweite Mal zu meiner kirchlichen Hochzeit. Jedes Mal war der Anlass ein festlicher und der Empfang der heiligen Schrift etwas Besonderes. Meiner Mutter schenkte ich einmal eine kunstvoll gestaltete, recht wertvolle Bibel zu Weihnachten. Es war ein teures Geschenk, was es mir wert war.

Ich bin zwar kein Moslem, aber trotzdem interessieren mich die Worte aller Religionen, da die Inhalte immer auf sinnvolle Grundlagen geprägt und sehr weise sind. Aus diesem Grund kaufte ich mir vor längerer Zeit den Koran. Es ist die Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Da dieses Buch wertvollen Inhalts ist, hatte es auch seinen Preis, den ich gern bezahlte. Es ist für mich schlicht ein Unding, dass diese Worte nun als Ramschware jedermann in die Hand gedrückt werden ohne zu wissen, ob derjenige damit etwas anfangen kann oder das Buch zu Hause irgendwo verstaubt.

Ich bin selbst als Roman-Autor tätig. Ein wichtiger Bestandteil in den Verträgen mit den Verlagen war für mich die Tatsache, dass bei dem Vertrieb meiner Bücher eine Verramschung vertraglich ausgeschlossen ist. Als Ramsch wollte ich mein geistiges Eigentum nicht verkauft wissen. Es wäre für mich entwürdigend, wenn ich mit anschauen müsste, dass jene Bücher für billigstes oder gar kein Geld verscherbelt würden.

Ich möchte hier nicht auf irgendwelche Gruppen eingehen, die andere politische und religiöse Ansichten haben, als ich. Es sollte jedermanns Recht sein, frei entscheiden zu können, inwieweit er sich orientieren möchte. Auch die Methoden, die er anwendet, anderen über seine Anschauung zu erzählen, sollten ihm selbst überlassen sein. Doch einzig aus Eigennutz heilige Schriften zu verschleudern, ist wahrlich nicht anerkennenswert.

Der Stellenwert jedweder heiligen Schrift, egal, welcher religiösen Strömung sie entspricht, verdient immer Achtung und Respekt.

Lehren, die in Jahrtausenden gewachsen sind, mögen hier und da nicht mehr zeitgemäß oder gar unpraktisch sein. Dann sollte man sie den neuen Umständen anpassen und sie der Masse interessant machen. Aber die Ursprünglichen Lehren nie als Massenware verteilen!

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RE: Die Verramschung einer heiligen Schrift

#2 von Normen Peters ( gelöscht ) , 14.04.2012 13:51

Ich finde es interessant, dass ausgerechnet diese spezielle Gruppe mit einer Aktion im Mittelpunkt steht, die am Ende vielleicht wieder die Meinung der typischen Deutschen über den Islam als Ganzes verschlechtert, denn schon meldet sich Verfassungsschutz und negative Presse.

Ich frage mich, was passiert wenn Deutsche, die keine Ahnung von dem Wert eines jeden Exemplares des heiligen Korans haben optisch unachtsam mit diesen umgehen?

Man stelle sich nur so manche Jugendliche vor, welche damit wer weiss was anstellen, vielleicht sogar vor den Augen von Muslimen.
Was passiert wenn in deutschen Straßen heilige Korane auf dem Asphalt liegen? Schlimme gesellschaftliche Konflikte wären wohl vorprogrammiert.
Ich frage mich, berücksichtigen die Distributoren diese Probleme?

Am Ende würden solche Konflikte mit Hilfe der westlichen Presse nämlich wieder jenen in die Hände spielen, welche den Islam insgesamt diskreditieren wollen (Rechtspopulisten, fundamentale Christen, Zionisten).

Der typische Deutsche, welcher nicht den Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten kennt würde dann auch wieder beeinflusst werden in seinen negativen Stereotypen über die islamische Gesellschaft im Iran, obgleich diese nichts mit den Ansichten dieser speziellen Gruppe zu tun hat.

Da wird dann aber wieder über einen Kamm geschehrt.
Ich habe hier große Sorge.

Normen Peters

RE: Die Verramschung einer heiligen Schrift

#3 von Daniel Hader , 15.04.2012 14:43

Zitat
Lehren, die in Jahrtausenden gewachsen sind, mögen hier und da nicht mehr zeitgemäß oder gar unpraktisch sein. Dann sollte man sie den neuen Umständen anpassen und sie der Masse interessant machen. Aber die Ursprünglichen Lehren nie als Massenware verteilen!



Im Islam zählt bei einer Handlung auch die Absicht! Und diese ist -so weit ich das überschauen konnte- durchweg positiv, nämlich dem deutschen Volk die Quelle des islamischen Glaubens kostenfrei anzubieten, um sich ein eigenes Bild vom Islam zu machen. Als "Ramsch" sehe ich eher die vielen Zeitungen, Zeitschriften, Romane, Magazine, die jeden Tag für Geld und auch millionenfach kostenfrei als Propagandabomben des westlichen Barbarismus aufs Volk geworfen werden. Wenn ich die Wahl habe von umstrittenen "Salafisten" mit einem wahrhaft edelen Buch beschenkt zu werden oder von radikal-westlichen Menschenjägern mit Propaganda-Blättern, die den Wert und den "Gestank" von Exkrementen haben, überhäuft zu werden, dann fällt mir diese Wahl leicht.

Was dringender zu diskutieren wäre, ist der internationale westliche Terrorismus der Halbwilden gegenüber die gerechtigkeitsliebenden Völker in der Welt, einschließlich der westlichen Bevölkerung!


- Ein aufgeklärtes Christentum mündet in den Islam -


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RE: Die Verramschung einer heiligen Schrift

#4 von Christoph Sanders , 15.04.2012 15:54

Zitat
- Ein aufgeklärtes Christentum mündet in den Islam -



Lieber Herr Hader,
das stimmt nicht. Ein aufgeklärtes Christentum kann zwar Teile einer islamischen Gesellschaftsordnung problemlos unterstützen (genau wie selbst Atheisten das können) aber eben nicht alles.
Das Christentum kann deshalb nicht in den Islam münden, weil es Jesuzentrisch ist (Joh 14,6: Jesus sprach zu ihm: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich").
Echte Christen können keinen Propheten -egal ob anerkannt oder nicht- über oder neben Jesus stellen.

Ein Beispiel: Abkehr von der Religion. Bei Muslimen ist das so weit ich weiß ein Verstoß gegen den Islam. Ob es immer und überall unter Strafe steht, weiß ich nicht aber es wird bestraft. Im echten Christentum gibt es so etwas nicht - gemäß dem Vorbild Jesu. Jeder konnte Jesu Ruf folgen, aber niemand wurde von Jesus dazu genötigt oder überredet. Und wer ihn verlassen wollte, konnte auch das tun, ohne das Jesus ihn zurückgehalten hat. Selbst wenn die Abkehr vom Islam mit nur 5€ Geldbuße bestraft würde, könnte man das als Christ nicht unterstützen. Es widerspricht dem Vorbild Jesu.

Davon abgesehen geht es hier um Religion, die nicht aus dem Menschen kommt und deshalb auch nicht wie Ideologien oder Philosophien dem jeweiligen Zeitgeist (neuen Umständen) angepasst werden kann, lieber Herr Nickel. Wer die Religion der Masse interessant macht, zerstört die Religion. Es geht hier um Gott.


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RE: Die Verramschung einer heiligen Schrift

#5 von Daniel Hader , 15.04.2012 16:43

Sehr geehrter Herr Sanders,

Ihre subjektive Wahrheit respektiere ich durchaus. Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich es anders sehe. Es muss ja nichts Schlimmes sein, wenn wir in diesem Punkt unterschiedlicher Auffassung sind.

Mit freundlichen Grüssen

Hader


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RE: Die Verramschung einer heiligen Schrift

#6 von Christoph Sanders , 15.04.2012 18:00

Lieber Herr Hader,
Ihre andere Ansicht nehme ich Ihnen selbstverständlich nicht übel. Das ist schlicht und ergreifend ein Glaubensunterschied. Wenn auch ein entscheidender.


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