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Darf man „Imam“ zu Imam Chamene’i sagen?

#1 von Yavuz Özoguz , 03.04.2014 11:04

Darf man „Imam“ zu Imam Chamene’i sagen?

Die sehr feinen und zersetzerischen Methoden der Imam-Gegner haben nur zum Ziel die Autorität Imam Chamene’is zu untergraben. Denn er ist das Oberhaupt der islamischen Befreiungstheologie und Kern des Widerstandes gegen die weltweite Unterdrückung.

Eine der zahlreichen Methoden, mit der die islamische Autorität Imam Chamene’is untergraben werden soll, besteht darin, dass man vielen seiner Anhänger vorwirft, sie würden ihn „Imam“ nennen. Zum einen würde Imam Chamene’i das gar nicht wollen und zum anderen wäre es islamisch nicht angebracht oder sogar verboten, da jener Titel den reinen und fehlerfreien zwölf Imamen vorbehalten sei! Beide Scheinargumente bedürfen der genauen Analyse, um sie zu widerlegen.

Einfach zu widerlegen ist das Argument, dass Imam Chamene’i es gar nicht wünschen würde, „Imam“ genannt zu werden, und daher die Anhänger ihn nicht so nennen sollten. Die Antwort darauf ist: Jemand, der es wünschen würde, „Imam“ genannt zu werden, könnte unmöglich der Imam der Muslime oder einer kleineren Gruppe sein, denn eine Voraussetzung dafür, Imam zu sein, besteht darin, dass man selbst keinen Hochmut in sich trägt.

Etwas komplexer ist das Argument der islamischen Legitimation. Bevor wir auf die islamische Antwort eingehen, sei zunächst einmal die Ungeheuerlichkeit des Arguments entlarvt. Jemand, der behauptet, dass man Imam Chamene’i gar nicht „Imam“ nennen dürfe, behauptet nichts Geringeres, als dass eine so hohe islamische Persönlichkeit wie z.B. Sayyid Hasan Nasrullah in fast jeder seiner Reden etwas islamisch Verbotenes tun würde. Denn Sayyid Hasan würdigt seinen geliebten Imam Chamene’i in fast jeder Rede auch mit dem Titel „Imam“. Allein dieses sollte jeden Verbotsfanatiker dazu bewegen in sich zu gehen und einmal darüber nachzudenken, woher jener unglaubliche Widerstand gegen diesen Titel herrührt.

Kommen wir nun zu dem Argument, dass der Titel „Imam“ den reinen und fehlerfreien zwölf Imamen vorbehalten sei. Zunächst einmal ist festzustellen, dass die zwölf Imame zu ihren Lebzeiten in den seltensten Fällen „Imam“ genannt wurden. Sie wurden zuweilen mit dem Titel „Amir-ul-Muminin“ (Befehlshaber der Überzeugten) oder einfach nur mit dem Arabischen Beinamen oder Abstammungsnahmen (Sohn des Gesandten, Vater von soundso) angesprochen. Die religionsrechtliche Definition, dass sie „Imame“ sind, kann allerdings aus Überlieferungen des Propheten (s.) oder z.B. Fatimas (a.) zweifelsfrei herausgelesen werden. Doch ist der Begriff „exklusiv“ für sie?

Im allgemeinen Sprachgebrauch der muslimischen Welt wurde und wird der Begriff Imam sehr unterschiedlich verwendet. Bei Sunniten wird z.B. der Begründer einer Rechtsschule Imam genannt, wie z.B. Imam Abu Hanifa. Sowohl bei Sunniten als auch bei Schiiten wird der Leiter des Freitagsgebets „Imam-ul-Dschuma“ (Imam des Freitags(-gebets)) genannt. Ja, sogar jeder Vorbeter bei einem Gemeinschaftsgebet wird als Imam bezeichnet, der diese Funktion als Leiter des Gemeinschaftsgebetes temporär übernimmt. Bei Schiiten gibt es diesbezüglich etwas striktere Voraussetzungen als bei Sunniten, aber bei keiner Rechtschule ist es Voraussetzung, dass der Vorbeter ein fehlerfreier Mensch ist.

Was aber sagt der Heilige Qur’an zu dem Begriff „Imam“? Der Begriff „Imam“ hat im Arabischen den gleichen Wortstamm wie Mutter (umm) und Muttergemeinde (Ummah). Der Begriff „Imam“ kommt im Heiligen Qur’an zwölfmal vor in vier unterschiedlichen Formen. 2 x imaamin (15:79, 36:12), 4 x imaaman (2:124, 11:17, 25:74, 46:12), 1 x imamihim (17:71) und 5 x in der Pluralform aimmah (9:12, 21:73, 28:5, 28:41, 32:24). Eine dreizehnte Form ist kein Derivat von „Imam“, stammt aber von der gleichen Wortwurzel ab: ammiyn (5:2), was so viel bedeutet wir „Vorangehende“.

Stellt sich jetzt die Frage, ob der Heilige Qur’an den Begriff ausschließlich für fehlerfreie Menschen verwendet. Sehr berühmt ist der Vers, in dem Abraham (a.) zum Imam erhoben wird (2:124) oder Moses (a.) in dem Zusammenhang erwähnt wird (z.B. 46:12). Das von Allah den Imamen vermachte umfangreiche Wissen ist in 36:12 dokumentiert.

Etwas feiner wird die Betrachtung bei einem Bittgebet des Heiligen Qur’an (25:74): „Unser Herr, gewähre uns an unseren Partnerinnen und Sprösslingen Augentrost und errichte uns zum Imam für die Gottesfürchtigen.“ Wenn der Begriff „Imam“ nur für bestimmte auserwählte Personen gelten würde, dann dürfte kein heutiger Muslim dieses Bittgebet sprechen. Ein solches Verbot ist aber bei keinem Rechtsgelehrten bekannt.

Der Heilige Qur’an lässt aber keinen Zweifel daran, dass der Begriff „Imam“ in einem allgemeinen Sinn als „Oberhaupt“ verwendet wird, denn in 17:71 heißt es: „An jenem Tage rufen wir jede Menschengruppe mit ihrem Imam.“ Aus dem Kontext heraus wird deutlich, dass nicht nur die Anhänger der zwölf Imame (a.) oder der Propheten (a.) gemeint sind, sondern wirklich jede Menschengruppe, auch diejenigen, die einem „Imam“ aufgesessen sind, der sie in die Irre geleitet hat. Noch klarer wird es in 9:12, wo die Überzeugten dazu aufgerufen werden unter ganz bestimmten Umständen die „Imame des Unglaubens“ (aimmat-al-kufr) zu bekämpfen.

Kein gebildeter Muslim darf angesichts dieser klaren Stellungnahme des Heiligen Qur’an auf die Idee kommen, dass der Begriff „Imam“ nur für die auserwählten zwölf Imame reserviert sei, wenn jede Menschengruppe einen Imam hat. Kein einfacher Muslim ist verpflichtet „Imam“ Chamene’i „Imam“ zu nennen, aber den Anhängern vorzuwerfen, sie würden es zu unrecht tun, ist absurd.

Es bleibt allerdings die Frage, warum man Imam Chamene’i überhaupt „Imam“ nennen sollte. Hierzu gibt es eine inneriranische und eine übergreifende Antwort. Die inneriranische Antwort ist ganz einfach. Gemäß der Verfassung der Islamischen Republik Iran soll einer Person das Amt des „Wali-ul-Amr“ anvertraut werden, der „Imam-ul-Ummah“ ist. Daher ist die Person auch der einzige Amtsträger, der keine iranische Staatsbürgerschaft haben muss, im Gegensatz z.B. zum Präsidenten. Mann „muss“ einen Amtsträger nicht mit seinem Amtstitel rufen, aber es gehört zum Respekt gegenüber der Person, dass man es tut.

Bei der übergreifenden Antwort sei darauf verwiesen, dass alle Schiiten voller Hoffnung auf die baldige Rückkehr des zwölften Imam warten – möge er bald erscheinen. Es ist jedem Schiiten eine Ehre, den Zwölften Imam „Imam“ zu rufen. Zur Vorbereitung seiner Rückkehr ist es von einiger Bedeutung, dass die Wartenden sich bestmöglich darauf vorbereiten. Das können sie unter anderem dadurch, dass sie einer Person, die sie für geeignet erachten die Rolle des zwölften Imams während seiner Abwesenheit zu vertreten, mit dem gleichen Respekt behandeln und ihm genau so treu sind. Für die Anhänger Imam Chamene’is gibt es keinen Zweifel, dass er der Vertreter Imam Mahdis (a.) ist.

An dieser Stelle haken einige Gegner ein und behaupten, man dürfe Imam Chamene’i gar nicht den gleichen Respekt bzw. die gleiche Treue entgegenbringen, wie dem zwölften Imam, da Imam Chamene’i kein fehlerfreier (masum) sei. Damit einher geht meist die Vorstellung, dass die Ahl-ul-Bait (a.) „unfehlbar“ waren und Imam Chamene’i diese Stufe gar nicht erreichen kann. Hierbei wird ein völlig verqueres Verständnis von „fehlerfrei“ deutlich, das durch die falsche deutsche Übersetzung „unfehlbar“ noch verstärkt wird. Die Ahl-ul-Bait (a.) waren nicht „unfehlbar“! Sie waren fehlerfrei aber sie hatten – wie jeder andere Mensch auch – die Fähigkeit zu Fehlern. Wäre das nicht so, wären sie eine Art „Roboter“, der gar nicht die Fähigkeit hätte zu sündigen. Dann wäre jeder einzelne gottesehrfürchtige Mensch besser als sie, denn sie haben die Fähigkeit und halten sich dennoch in vielen Fällen vor Sünde fern.

Nein, die Reinen, die Fehlerfreien hatten ebenfalls die Fähigkeit zum Sündigen, aber sie haben nie gesündigt! Das genau zeichnet sie aus und das ist ihre Vorbildfunktion, die jeder ihrer Anhänger anstreben soll. Dafür hat Gott sie (a.) auserwählt und zusätzlich gereinigt. Wie aber ist es möglich, dass Gott Menschen auszeichnet, die zwar die Fähigkeit haben zu sündigen, das aber nicht tun, noch bevor sie es vorgelebt haben? Bei dieser Art von Denkweise wird immer wieder vergessen, dass es für Gott keine Zeitgrenze gibt.

Imam Chamene’i hat – wie jeder andere große Gelehrte des Islam im Laufe der Geschichte die Fähigkeit, seinen Vorbildern sehr nahe zu kommen. Wir alle haben diese Möglichkeit von unserer Schöpfung her. Manch einer wählt sehr früh diesen Weg, andere erst später. Wenn wir also heute den gleichen Respekt gegenüber Imam Chamene’i aufzubringen versuchen, wie wir ihn gegenüber dem erwarteten zwölften Imam (a.) aufbringen müssten, dann ist das kein Selbstbetrug, sondern der Respekt gegenüber einer Person, dem wir eine sehr hohe Stufe der Selbsterziehung zutrauen. Schließlich sollen wir ja auch dem zwölften Imam den gleichen Respekt entgegen bringen, wie dem Propheten (s.), obwohl Letzterer zweifelsohne größer ist. Der Respekt dient nicht dem Respektierten, sondern uns, damit wir uns mit ihm verbinden, ihn zum direkten Vorbild haben und durch ihn lernen. Imam Chamene’i ist es, der uns zum zwölften Imam (a.) führt.

Hier greifen einige Gegner Imam Chamene’is ein und behaupten, dass wir heute keinen „weiteren“ Imam bräuchten, denn schließlich hätten wir ja Imam Mahdi (a.) als Imam der Zeit. Dieses Argument kann ausschließlich für jene gelten, die einen direkten Kontakt zum zwölften Imam (a.) haben. Alle anderen werden sich einen ihnen zugänglichen Imam suchen müssen. Ansonsten wäre auch das Argument mit dem zwölften Imam haltlos, denn dann könnte man behaupten, dass wir auch den zwölften Imam nicht benötigen, haben wir doch den Propheten (s.). Gemäß klaren Überlieferungen befindet er (s.) sich unter uns, sobald wir über ihn sprechen oder an ihn denken. Wir grüßen ihn (s.) sogar persönlich in der „Du-Form“ am Ende des rituellen Gebets.

Jeder Mensch hat einen Imam, ein Vorbild, dem er direkt folgt. Die Menschen werden im Laufe ihres Lebens ihren Vorbilden ähnlicher als ihren eigenen Eltern. Für die Anhänger Imam Chamene’is ist er ihr höchstes Vorbild. Niemand ist verpflichtet, diesem Weg der Imam-Anhänger zu folgen. Jeder, der einen anderen Imam wählt, muss das nach eigenem besten Wissen und Gewissen und nach diversen islamischen Maßstäben tun. Wenn aber jemand keinen Imam für sich wählt, der läuft Gefahr, seine eigene Seele zum Imam zu haben, und das ist der schlechteste Imam. Gott schütze uns davor.

Allah unser, bewahre uns Imam Chamene’i bis zur Rückkehr Imam Mahdis – möge er bald erscheinen.

Yavuz Özoguz  
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RE: Darf man „Imam“ zu Imam Chamene’i sagen?

#2 von Cengiz Tuna , 05.04.2014 12:16

Das ist wieder sehr logisch und überzeugend erklärt. Da bedarf es keiner weiteren Fragen mehr.

Was mir aber aufgefallen ist, den Kritikern geht es in Wirklichkeit gar nicht so sehr um den Begriff Imam, sondern eher darum, warum gerade Imam Khamenei diese hohe Stellung inne haben soll. Denn bei Imam Khomenei (qs) hinterfragt keiner, warum er denn mit Imam betitelt wurde. Da sind sich die meisten nämlich einig. Und das macht deutlich, dass es gar nicht um den Titel geht.

Zitat
Allah unser, bewahre uns Imam Chamene’i bis zur Rückkehr Imam Mahdis – möge er bald erscheinen.


AMIN!

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RE: Darf man „Imam“ zu Imam Chamene’i sagen?

#3 von Fatima Özoguz , 08.04.2014 17:15

Ehrlich gesagt habe ich nie verstanden, was diese ganzen Leute nun gegen Imam Khamenei haben und ihn ständig kleinmachen wollen.


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