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Religion und Kommunismus unvereinbar ? Wie man sieht, doch nicht !

#1 von Brigitte Queck , 19.06.2013 17:12

Religion und Kommunismus sind unvereinbar ?

Wie man sieht, doch nicht !!

Gott existiert. Und ist Kommunist !

Eine rote Dame wird zu Grabe getragen/Nachruf auf eine rote Dame

Franca Rame (* 18. Juli 1929 in Parabiagobei Mailand; † 29. Mai 2013 in Mailand) war die Tochter einer strenggläubig, katholischen Grundschullehrerin und eines Wanderschauspielers. Bereits mit acht Jahren stand sie auf der Bühne.

Mit Dario Fo, dem jungen Architekten, den sie zwei Jahre zuvor kennengelernt hatte, stand sieerstmals 1953 in Giorgio Strehlers Mailänder Piccolo Teatro gemeinsam auf der Bühne.1954 heirateten sie, kurz darauf kam der Sohn Jacopo zur Welt.

1973 wurde sie von faschistischen„Ordnungshütern“ entführt und vergewaltigt; angestiftet wurden die Täter von Carabinieri. Da die Deliquenten erst 25 Jahre nach der Tat zur Strecke gebracht wurden, kamen sie straflos davon, denn die Straftat war bereits verjährt. Ihr Trauma verarbeitete sie in einem Theaterstück („Die Vergewaltigung“). Dieses Theaterstück führte sie bereits 1988 in einer TV-Sendung, die Adriano Celentanomoderierte, auf.

Als Mitglied der Organisation „Rote Hilfe“ („Soccorso Rosso“), setzte sie sich ein für politische Gefangene, die in italienischen Gefängnissen mißhandelt wurden, sowie ihrer Familien. Wegen dieser Tätigkeit wurde sie unter enorm politischem Druck gesetzt und der Rechtsanwalt der Roten Hilfe, Sergio Spazzali,wurde sogar kriminalisiert.

Als Dario Fo im Jahre 1997 den Nobelpreis für Literatur „für sein volkstümlich-politisches Agitationstheater“erhielt, proklamierte er sogleich, dass sie, seine Frau Franca, ihn gleichfalls verdiene. Er sprach immer von „unserem Nobelpreis“. Dario Fo ist ohne Franca Rame nicht vorstellbar. Von einem großen Teil des Geldes für den Nobelpreis kaufte sie 36 Busse für den Transport von Behinderten. Sie war bekannt für ihr karikatives Handeln.

Mit ihren Theaterstücken bewegte sie weit mehr, als Italiens Politiker. Die Kapitalismuskritikerin wollte auf politischer Ebene für Veränderungen sorgen. 2006 ging sie als Senatorin selbst ins Parlament, allerdings verlies sie dieses enttäuscht wieder nach kurzer Zeit.

Am 13. Februar 2011 auf der Kundgebung „Wenn nicht jetzt, wann?“ (“Se non ora, quando?”) – auf welcher Tausende von Frauen in ganz Italien (und auch einige in Deutschland) demonstrierten – verteidigt Franca Rame die Würde der Frau, soschreibt sie: “Ich schäme mich für die jungen Arbeitslosen, für die Sozialhilfeempfänger, die verzweifelten Einwanderer, die ausgebeuteten, benutzten und erniedrigten Frauen… Genug jetzt! Den Kopf hoch! Die Frauen an erster Stelle. Männer und Frauen verteidigt Eure menschliche Würde! Ein Volk ohne Würde ist ein von allem beraubtes Volk – vom Bewußtsein, von Stolz, von der Solidarität – und es wird zu Recht unter einer Regierung mit leeren Hampelmännern regiert.
Nun nahmen Tausende Menschen in Mailand Abschied von Franca Rame. Wie ein roter Fluß, tausende Personen folgten der Bahre bis zur Trauerhalle, die die ganze Nacht für ihre trauernden Anhänger geöffnet blieb (so schreibt die Tageszeitung La Stampa).

Eine beieindruckendeAbschiedsredehältJacopo Fo, ihr Sohn – ergreifend, wie es nur ein geliebter und liebender Sohn tun kann –wobei er betonte, dass seine Mutter katholisch war und zugleich Kommunistin. Franca Rame sagte einst: Gott existiert. Und ist Kommunist, und sogarweiblich. Franca Rame war gemeinsam mit ihrem Mann oft verschmäht worden, wie einst Pier Paolo Pasolini. Auch er war Katholik und Kommunist und war einer der größten Kritiker der italienischen Gesellschaft.Jacopo Fo erinnert an die zahlreichen Prozesse, die seine Eltern über sich ergehen lassen mussten. Das Einreiseverbot in die Vereinigten Staaten von Amerika bis 1984 war sicherlich ein relativ geringes Opfer, das Franca Rame mit ihrem Mann brachte.Und doch, oder gerade deswegen wurden sie mit dem Nobelpreis für Literatur belohnt.

Auch in Bologna erinnerte man sich an Franca Rame. Bei einer von Studenten organisierten Kundgebung sprachder italiensiche Schriftsteller Stefano Benni; er hat ein Gedicht vorgetragen.

Ihr Sarg wurde im Piccolo Teatro in Mailand – dort, wo sie sechzig Jahre zuvor erstmals mit Dario Fo auf der Bühne stand – aufgebahrt.Tausende Anhänger nahmen Abschied von ihr.

In viele Sprachen wurden die Werke übersetzt. “Zufälliger Tod eines Anarchisten” ist die Aufarbeitung des Falles Pinelli. Der Eisenbahnarbeiter und Anarchist Giuseppe Pinelli war bei einem Verhör aus einem Fenster des Polizeigebäudes gestürzt und zu Tode gekommen. Angeblich Selbstmord. „Mistero Buffo“,"Sexaber mit Vergnügen", „Nur Kinder, Küche, Kirche“ und „Offene Zweierbeziehung“ sind nur wenige Beispiele dafür, wie man volkstümlich-theatralisch die Gesellschaft verändern kann. „Ein Leben aus dem Stegreif“ trifft am besten ihren Tatendrang.

Im April 2012 erlitt sie einen Schlaganfall, der sie zwar schwächte, doch weiterhin schrieb sie regelmäßig auf ihrem blog. Franca Rame starb am 29. Mai 1013 in ihrer Wohnung in Mailand; sie wurde 83 Jahre alt.

Mit Franca Rame hat nicht nur die italienische Gesellschaft eine große gesellschaftskritische und gesellschaftsaufrüttelnde Persönlichkeit verloren. Sie war europaweit künstlerisch und intellektuell wegweisend für die Bürgerrechte und insbesondere die Gleichberechtigung der Frau. Sie war einmalig.

Victoria Knopp/Giuseppe Zambon

Brigitte Queck  
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