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Identität Identitätslosigkeit

#1 von Yavuz Özoguz , 03.11.2022 11:23

Identität Identitätslosigkeit

Offensichtlich gibt es Kräfte in dieser Welt, die den Menschen seine Identität rauben wollen. Aktuell scheinen sie darin sehr erfolgreich, doch warum tun sie das?



Die Identität eines Menschen ist eines seiner wesentlichen Merkmale in seiner Entwicklung, unabhängig davon, ob er sich bewusst oder unbewusst eine Identität zulegt. Während sich die physische Identität auf Geschlecht, farbliche Merkmale und das äußere Erscheinungsbild beschränkt und teilweise unveränderlich ist (wie z.B. die Augenfarbe), ist die psychische Identität erheblich komplexer und stark veränderlich. In der Psychologie wird angenommen, dass Menschen die Merkmale einer bestehenden Gruppenidentität als eigene Wesensmerkmale annehmen und zugleich eigene persönliche Merkmale auszubilden. Manche dieser Merkmale liegen nicht in der Hand der Person. So sind ihm z.B. seine Eltern, seine Muttersprache, seine erste Heimat, gewisse Bereiche seiner Begabung und Intelligenz sowie einige andere Aspekte vorgegeben. Andere Aspekte kann eine Person – selbst, wenn sie ursprünglich vorgegeben waren – verändern, wie z.B. seine Religion, seine politische Ausrichtung, sein Wertegerüst usw. Hierbei schließt er sich oft eine Gruppenidentität an. Das wird sogar als notwendiger Prozess verstanden zur Heranbildung einer eigenen Persönlichkeit, selbst wenn durch unbestreitbare äußere Einflüsse auch Elemente der Fremdbestimmung eine Rolle spielen.

Ein religiöser Mensch hat – wenn er seine Religion ernst nimmt – eine klare Identität als Mensch, der von Gott geschaffen worden ist und eines Tages zu ihm zurückkehrt. Sein kurzer irdischer Aufenthalt dient seiner Vervollkommnung, da er im Rahmen der hiesigen Freiheit Gott verleugnen kann. Dadurch erhält er eine göttliche Identität der Freiheit, um bei der Rückkehr einen höheren Bewusstseins- und Genusszustand zu erlangen als vor der Geburt auf Erden. Diese sehr abstrakte Beschreibung gilt nicht nur für Juden, Christen und Muslime. Selbst nichtmonotheistische Religionen streben ähnliche Ziele der Vervollkommnung als Mensch an. Und nicht nur bewusst religiöse Menschen tun das. Auch manche Menschen, die von sich selbst glauben Atheist zu sein, streben göttliche Werte wie Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit usw. für sich selbst und andere an, so dass sie in einer Art unbewussten Religiosität Gott und damit die Vervollkommnung anstreben [1].

Zu den – bis auf Ausnahmen – unveränderlichen Identitätsmerkmalen gehört das Geschlecht eines Menschen. Ab 18 bis 24 Monaten beginnt ein Kleinkind Geschlechtsunterschiede zu erkennen und zur Herausbildung seiner sexuellen Identität orientiert es sich primär am gleichgeschlechtlichen Elternteil [2]. Das sind nicht etwa die Aussagen von irgendwelchen evangelikalen Christen, Erzkatholiken oder gar praktizierenden Muslimen, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse der Westlichen Welt, die zu äußern und zu erforschen noch bis vor wenigen Jahren unproblematisch waren. „Das Mädchen lernt bei der Mutter wie es Frau, der Junge vom Vater wie er Mann wird. Unsicherheit in der Geschlechtsrollenentwicklung, weil einer der beiden Eltern fehlte, kann später zu Problemen im Umgang mit dem eigenen und mit dem anderen Geschlecht führen.“ Diese Aussage ist nachzulesen im Dokumentenband renommierten internationalen Konferenz „Parental Alienation Syndrome“ [3]. Obwohl die Aussage erst wenige Jahre alt ist und von angesehen Wissenschaftlern geteilt wird, darf sie heutzutage kaum noch wiederholt werden, ohne ins politische Abseits zu geraten.

Auch ist bekannt, dass Menschen, die einen ungewollten Identitätsverlust erleiden, psychisch ein großes Problem bekommen, wenn wichtige Gruppenzugehörigkeiten (z. B. Familie, Volk bzw. Nation, Region, Religion, Freunde, Partei) verloren gehen. Wenn ein solcher Mensch sich nicht mehr mit diesen Gruppen identifiziert oder identifizieren kann, wird er physisch und psychisch isoliert. So sind z.B. katastrophale Entwicklungen von Menschen bekannt, die sehr spät erfahren haben, dass sie adoptiert wurden. Daher ist es im Islam absolut verboten dem Kind vorzugaukeln, man sei leibliches Elternteil, wenn das nicht stimmt, obgleich es zu den segenreichsten Handlungen gehört Waisenkinder großzuziehen.

Die Notwendigkeit einer gemeinschaftlichen Identität ist zum Widerstand gegen große Mächte des Unrechts von großer Bedeutung. Wenn sich z.B. ein Prophet oder Heiliger gegen das Unrecht gestellt hat, wenn Moses gegen Pharao stand und Jesus gegen die Pharisäer und Römer zugleich, dann bestand die Identität ihrer Anhänger darin, ihre Anhänger zu sein. Die heutigen Anhänger der islamischen Befreiungstheologie sehen z.B. die religiöse Führung durch Imam Chamenei – den sie sogar als Heiligkeit unserer Zeit bezeichnen – als Teil ihrer Identität an. Dabei ist es unerheblich, ob der Anhänger Muslim ist oder nicht. Es war kein geringerer als der vom damaligen Papst suspendierte katholische Priester Ernesto Cardenal, der den Vorgänger von Imam Chamenei, also Imam Chomeini, als Heiligkeit unserer Zeit bezeichnet hat [4]. Und kein geringere als Nelson Mandela hat Imam Chamenei vor laufenden Kameras als „my Leader“ (mein Führer) bezeichnet [5]. Alle derartigen Informationen werden den Bürgern in der Westlichen Welt aus nachvollziehbaren Gründen weitestgehend vorenthalten. Stattdessen wird selbst der Begriff „Identität“ in den Dreck unmenschlich rassistischer Anwandlungen gezogen unter anderem durch Schaffung von z.B. der inzwischen wieder verblassten sogenannten Identitären Bewegung.

Wer ein starkes wiederstandfähiges und vor allem zusammenhaltendes Volk wünscht, stärkt die Gruppenidentität. So halten aktuell z.B. Russen oder Chinesen vor allem im Rahmen ihrer Nationalidentität zusammen. In der westlichen Welt sind jegliche die Menschen stärkende Identitäten schon seit langem nicht gewünscht. Das hat sehr stark mit der Ideologie das westlich-kapitalistischen Imperialismus zu tun. Die Ideologie ist rein materialistisch orientiert. Das Volk ist nur ein Werkzeug, damit die Elite der superreichen Minderheit immer reicher und mächtiger werden kann, während das eigene Volk teils unterdrückt und ferne Völker ausgeblutet werden, ohne dass das eigene Volk erfährt, dass es daran wesentliche Mitschuld trägt. Der Kapitalismus verdinglicht den Menschen und vergöttert Dinge. So wird z.B. nicht etwa die wahre Freiheit der Menschen angestrebt, sondern die Freiheitsstatue. Alles und jeder in der Welt hat sich dem abstrakten Götzen Westliche Welt, Internationale Staatengemeinschaft, USA, Transatlantische Vorherrschaft usw. unterzuordnen. Wer das nicht tut, der wird mit allen Mitteln des transatlantischen „Bündnisses“ bekämpft. An Spitzenpositionen der Politik werden nur Menschen zugelassen, die diesem transatlantischen Unterdrückungsgötzen gehuldigt haben, selbst wenn sie eigentlich zur Politik gar nicht befähigt sind.

Das Problem einer solchen unterdrückerischen Vorgehensweise ist, dass man mit der Zeit immer intensiver und heftiger unterdrücken muss, da vorherige Unterdrückungsmechanismen sich abnutzen. Und jene immer heftiger werdenden Unterdrückungsmechanismen stoßen auf immer mehr Widerstand in der Bevölkerung. Die uralte Methode „teile und herrsche“ wird in der Neuzeit weiterentwickelt in „beraube die Menschen jeglicher Identität und herrsche, und bei den Menschen, die sich ihre Identität nicht rauben lassen, unterteile sie in sich bekämpfende Identitäten und herrsche.“

Der erste Teil dieser neuen Anwendungsmethode ist in Deutschland inzwischen weit vorangeschritten. Die Menschen sind gerade dabei eine der wichtigsten Elemente der deutschen Identität, nämlich ihre Muttersprache von oben aufgezwungen zu verlieren. Das funktioniert ganz ohne Ausländer, indem die Sprache von Goethe, Schiller, Rückert und vielen anderen zu einer grammatikalisch wie inhaltlichen Lachnummer degradiert wird. Ein „Studierender“ ist nicht das Gleiche wie ein „Student“ und Student*Innen hat es nie gegeben. Neben dieser totalen Verhunzung erscheinen die katastrophalen Anglizismen nahezu harmlos. Doch wenn man die Menschen nicht einmal mehr mit „Meine sehr geehrten Damen und Herren“ ansprechen darf, weil sich dann jemand diskriminiert fühlt, der nicht Dame oder Herr sein will, wird es geradezu grotesk! Es könnte zur Ironie der Geschichte werden, wenn ausgerechnet die dritte Generation der deutschen Muslime, deren Großeltern aus dem Orient eingewandert sind, die deutsche Sprache schützen und bewahren werden.

Der medial brutale Raub der Geschlechteridentität ist ein weiterer Raubzug gegen die menschliche Identität. Wo kommen plötzlich die 70 weiteren Geschlechter her? Und warum dürfen Biologen, die nach wie vor von zwei Geschlechtern sprechen, nicht mehr öffentlich auftreten? Bald wird es als „normal“ gelten, sich als Fuchs fühlen zu dürfen. In diesem Zug werden auch klare eindeutige Begriffe lächerlich gemacht. „Familie“ ist irgendetwas Beliebiges geworden. Mutter und Vater gibt es kaum noch und bald wird man in der Kirche auch nicht mehr von Adam und Eva sprechen dürfen.

Natürlich hat jeder Deutsche auch eine Identität als Deutscher. Doch merkwürdigerweise kommt in jener Identität weder Otto Hahn noch Carl von Ossietzky, Albert Schweizer, Hermann Hesse, Carl Bosch, Wilhelm Conrad Röntgen, Ferdinand Braun, Max Planck, Werner Heisenberg, Robert Koch, Sophie und Hans Scholl, Johann Sebastian Bach, Johann Wolfgang von Goethe, Johannes Gutenberg oder Albert Einstein vor. Nicht einmal Karl Marx gibt es noch, den selbst seine Anhänger vergessen haben. Die deutsche Identität besteht nur noch aus dem Holocaust, der heutzutage instrumentalisiert wird, um das Apartheidsystem Israel zu schützen. Karl der Große ist genau so wenig bekannt wie die Tatsache, dass Deutsche einstmals Kaiser gestellt haben. Welcher deutsche könnte irgendwelche bedeutsame Schlachten der deutschen Geschichte aufzählen außerhalb der Weltkriege? Welcher Deutsche weiß um die religiöse Entwicklung des Landes?

Alle Deutschen mussten von dieser geschichtlichen Identität abgekoppelt werden. Idealerweise haben sie danach keine neue Identität und sind beliebige Einzelwesen, die einzeln leicht kalt zu stellen sind. Der sogenannte Verfassungsschutz eines Staates, das noch gar keine Verfassung hat, kennt sich da gut aus. Da es aber Menschen gibt, die ihre Identität selbst bestimmen und in der Gemeinschaft stark sind, müssen die Gemeinschaften gegeneinander gejagt werden. Auch darin sind staatliche Stellen gut geübt: Links gegen Rechts, Coronamaßnahmenbefürworter gegen -gegner, Geimpfte gegen Ungeimpft, Putin-Versteher gegen Putin-Gegner, Einheimische gegen Einwanderer, früher Eingewanderte gegen Ukrainer, Alt gegen Jung, Karrierefrau gegen Mütter, (fast) alle gegen Muslime usw.

Warum bei allen diesen künstlich erzeugten Identitätsreibereien praktizierende Muslime das Hauptfeindbild darstellen, ist leicht zu verstehen. Deutsche Muslime sind die einzigen verbliebene Personen einer Gemeinschaftsidentität, die alle traditionellen Identitäten Deutschlands, wie Mann und Frau, deutsche Sprache und deutsche Innovationsstärke sowie die deutsche Nachbarschaft und Freundschaft zu Russland bewahren wollen. Alle anderen Gruppen haben diesen Einsatz schon längst aufgegeben oder sind an Altersschwäche gestorben.

Daher sollte abschließend ein Blick in die quranische Interpretation von Identität geworfen werden, die von den Anhängern der islamischen Befreiungsideologie gelebt wird: „O ihr die Menschheit, wahrlich wir, wir haben euch erschaffen aus Männlichem und Weiblichem und euch errichtet zu Völkern und Sippen, damit ihr einander erkennt. Wahrlich euer Ehrwürdigster bei Gott ist euer Gottesehrfürchtigster.“ (49:13)

Interessanterweise ist der Vers an die gesamte Menschheit gerichtet. Daher erlaube ich mir hier eine Erläuterung für Menschen, die mit dem Begriff „Gott“ weniger anfangen können: Die Basis Mann und Frau ist die Basis aller Menschheit. Erkennt sie, erkennt die Unterschiede und ergänzt einander mit den jeweiligen Stärken! Sicher gibt es Unterschiede zwischen Völkern und kleineren Zusammenschlüssen. Sie dienen dazu, die jeweilige eigene und die Identität des anderen zu erkennen und davon zu profitieren. Sollten nicht das Gedenken an Jesus und Maria Identität aller Menschen sein, obwohl sie keine Deutschen waren? Aber der Beste ist nicht derjenige, die die Unterschiede herausstreicht, sondern der Beste ist derjenige, der sich auf dem Weg wahrhaftiger menschlicher Werte vervollkommnet. Solch ein Mensch sollte Teil Eurer wahren Identität sein, unabhängig davon, woher er stammt und welcher Nation er angehört!

Meine Wenigkeit hat unter anderem die Identität Deutscher zu sein, selbst wenn das viele Deutsche, insbesondere die „Rechten“, die überhaupt nicht mehr wissen, was „deutsch“ ist und ihre islamhassende Seele dem US-Imperialismus verkauft haben, akzeptieren. Dieser Deutsche hat aber kein Problem einen Iraner, nämlich Imam Chamenei, als Heiligkeit unserer Zeit anzuerkennen. Das tun auch viele Iraner. Kinderspiel werden jetzt einige denken, aber dem ist nicht so. Denn Imam Chamenei ist ein Sayyid, also ein direkter Nachfahre von Prophet Muhammad und damit arabischer Herkunft. Die meisten Deutschen haben keine gemeinsamen Werte mit den USA, außer sie sind Wähler der Grünen. Zwar müssen auch alle anderen Parteien den USA huldigen, aber etwas mehr deutsche Interessen verteidigen selbst die inzwischen angepassten und weichgekochten Linken. Wenn also unser aller Werte die göttlichen Werte wie z.B. Gerechtigkeit und Gnade wären, dann könnte niemand den USA huldigen. Daher sollten wir uns alle gegenseitig einladen auf Basis der Werte unsere gemeinsame Identität zu stärken – so Gott will.

[1] https://muslim-tv.de/2018-11-18-in-geden...haeri-schirazi/
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_I...A4t#cite_note-3
[3] http://www.pas-konferenz.de/d/start.html
[4] http://www.eslam.de/begriffe/h/heiligkeit_unserer_zeit.htm
[5] https://www.youtube.com/watch?v=AOdGRSOCxXM


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