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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#16 von Tobias Martin Schneider , 02.10.2021 05:32

Ottweiler/St.Wendel Hans-Jürgen Schneider ist seit einem Jahr Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler.

Zwölf Türen und Gitter muss Hans-Jürgen Schneider jeden Morgen auf- und wieder abschließen, bis er in seinem Büro angekommen ist. Sein Arbeitsplatz im Gefängnis in Ottweiler ist kein Ort wie jeder andere: Es ist ein Ort des Misstrauens, in dem die Insassen eine Zwangsgemeinschaft bilden, in der sie keine echten Freunde finden. Gerade deswegen ist es dem Pastoralreferenten wichtig, als vertrauensvoller Gesprächspartner für die Menschen und ihre Nöte da zu sein.

Am 1. Dezember vergangenen Jahres hat Schneider die Nachfolge des langjährigen Gefängnisseelsorgers Peter Jank in der Justizvollzugsanstalt (JVA) angetreten. Das teilt die Pressestelle des Bistums mit. Hier gibt es neben dem Erwachsenenstrafvollzug auch das Jugendgefängnis des Saarlandes. Gemeinsam mit einem evangelischen Kollegen ist der 52-Jährige zuständig für rund 150 Gefangene – die jüngsten sind 14 Jahre alt, die ältesten über 70. Aber auch für ihre Angehörigen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JVA sind sie Ansprechpartner.

Schon während seiner Ausbildung zum Pastoralreferent merkte der Theologe aus dem St. Wendeler Land, dass ihn die Arbeit mit Menschen reizt, die mit Kirche nichts zu tun haben. Im Dekanat St. Wendel arbeitete er in der Schulseelsorge, gab Religionsunterricht. Den Wechsel in die Gefängnisseelsorge bereut er nach einem Jahr im Amt nicht, im Gegenteil: „Der Knast ist einer der wichtigsten Orte, an denen Kirche vor Ort sein muss. Auch die Bistumssynode ruft dazu auf, Kirche an Andersorten erfahrbar zu machen.“ Schneider merkt, wie sehr die Gefangenen die Seelsorge brauchen: „Sie kommen mit allen Problemen zu uns und wissen, dass wir alles verschwiegen behandeln.“ Mal sind es kleine Sorgen im Gefängnis­alltag wie Langeweile und Einsamkeit, mal existenzielle Sorgen, wenn Beziehungen in die Brüche gehen, die Kinder sich abwenden oder die große Frage, wie die Zukunft nach der Entlassung gelingen kann.

In den Gesprächen steht für ihn die Biographie des Menschen im Zentrum: „Wo kommt er her? Was hat er erlebt? Wie ist es dazu gekommen, dass er eine oder mehrere Straftaten begangen hat?“, sagt Schneider. Was er da zu hören bekomme – von suchtkranken Eltern, die teils selbst straffällig wurden, problematischen Familienverhältnissen, Armut und Vernachlässigung – mache ihn demütig.

Die Taten blendet der Seelsorger nicht aus, auch sie können Thema der Gespräche sein. Der Umgang mit der eigenen Schuld falle bei den Gefangenen unterschiedlich aus. „Manche begreifen, was sie ihren Opfern angetan haben und dass diese mitunter ihr Leben lang unter der begangenen Tat leiden. Andere blenden die Tat aus oder reden sie klein.“ Das sei jedoch eine Eigenschaft, die typisch für die Gesellschaft sei: Eine Trennung zwischen „denen im Gefängnis“ und „der Gesellschaft“ lehnt er daher ab und stellt klar: „Es ist wichtig, klar die Taten zu benennen, aber nicht mit dem Finger auf die Täter zu zeigen."

Auch wenn Schneider im Umgang mit Problemen ein Profi ist, kann er nicht jedes Gespräch an der Gefängnispforte hinter sich lassen: „Ich bin ja keine Maschine.“ Besonders mitgenommen haben ihn im ersten Jahr gleich mehrere Suizidversuche unter den Häftlingen. Auch die Beamten, die die Gefangenen im letzten Moment retteten, betreut Schneider. „Das Ereignis steckt tief in den Knochen“, sagt er.

Regelmäßig bietet Schneider an Samstagen Wortgottesdienste an – je einen für Jugendliche und einen für Erwachsene. Vor Corona studierte er mit interessierten Jugendlichen freitags die Lieder ein. Das ist jetzt nicht mehr möglich. „Manche sind nur gekommen, damit sie singen können und bleiben jetzt fern“, sagt Schneider. Die Hygienevorschriften erlaubten nur eine begrenzte Teilnehmerzahl, nicht immer könnten alle Interessierten kommen.

Hans-Jürgen Schneider verleiht Bibeln in verschiedenen Sprache, Korane und Gebetsteppiche. „Wir haben auch sechs Gitarren, die geliehen werden können“, berichtet Schneider. Einige Gefangene fragten ihn auch nach einem Rosenkranz. „Mir ist klar, dass nur die wenigsten ihn zum Gebet nutzen. Viele tragen ihn gerne als Schmuck um den Hals oder als Deko an der Zellenwand.“ Im Frühjahr hat Schneider zudem die Insassenzeitung wiederbelebt.

Gefangen zu sein ist eine Ausnahmesituation. Viele Stunden am Tag sind die Häftlinge alleine in ihrer Zelle. „Es gibt im Knast viel Stille. In der Zelle sind sie sich selbst und ihren Gedanken überlassen“, sagt Schneider. Zeit zum Nachdenken über das Leben. „Immer wieder kommen Insassen und fragen mich nach einem Gebet, das sie dann sprechen können.“ Er leistet Trauerarbeit, wenn während der Haftzeit ein Angehöriger stirbt und der Besuch der Beerdigung nicht möglich ist.

Die fehlende Kommunikation belastet Gefangene, aber auch die Angehörigen. „Jugendliche dürfen in der Woche 15 Minuten telefonieren – da fragen sie sich, mit wem: Freundin, Mutter, Anwalt?“, sagt Schneider. Die Corona-Pandemie habe die Situation verschärft. Besuche sind nur noch eingeschränkt möglich, seit März trennt eine Scheibe Inhaftierte und Besucher. Handschütteln oder Umarmungen sind nicht mehr möglich. „Zwar wurden Skype-Telefonate als zusätzliches Angebot eingeführt, doch gerade in den sozial schwächeren Familien gibt es daheim keinen Internetanschluss“, weiß der Seelsorger. Die notwendigen Einschränkungen machten viele hilflos und verstärken die Einsamkeit.

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saar...er_aid-55372753


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#17 von Tobias Martin Schneider , 02.10.2021 10:17


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#18 von Tobias Martin Schneider , 02.10.2021 22:33

Brieffreundschaften/Briefkontakte mit Gefängnisinsassen

Wer schon einmal daran gedacht hat, eine Brieffreundschaft mit einem Strafgefangenen einzugehen, sollte sich bewusst werden, dass dies für die viele Inhaftiere der einzige Kontakt zur Außenwelt ist. Kontakt zu Gefangen aufzunehmen, erfreut sich trotzdem immer größerer Beliebtheit. Den Gefängnisinsassen bietet der Briefwechsel einen Ausgleich zum tristen Gefängnisalltag. Allerdings haben die Gefangen in der Regel keinen Zugang zum Internet, daher ist eine Brieffreundschaft oft nur auf traditionellem Wege möglich. Zudem sollte man sich bewusst machen, dass beim Kontakt mit einem Gefängnisinsassen -möglicherweise- auch seine Vorgeschichte zur Sprache kommt. Das entgegengebrachte Vertrauen kann also auch eine große Verantwortung gegenüber dem Inhaftieren bedeuten. Am besten ist es, vorurteilsfrei an die Sache heranzugehen und zudem in der Lage zu sein, sich mit den Problemen der Gefangenen auseinandersetzten zu können
https://www.brieffreunde.de/topic/archiv/275/


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#19 von Tobias Martin Schneider , 02.10.2021 22:39

Brieffreundschaft/Briefkontakt mit einem Gefangenen?
PROJEKT Wie Sie Inhaftierten eine Perspektive schenken können

WriteAPrisoner.com - Eine Website, die echten Gefangenen hilft, echte Brieffreunde zu finden. Einsame Männer und Frauen wollen Freunde außerhalb der Gefängnismauern finden. Das Alter der Personen, die Sie auf dieser Website treffen, der Wohnort und vor allem die Gründe für die Inhaftierung variieren. Eines haben alle gemeinsam: ein unerträgliches Gefühl der Einsamkeit und ein tiefes Verlangen nach Freundschaft. Tausende vergessener Männer und Frauen in den Bundes- / Landesgefängnissen, Staatsgefängnissen, Justizvollzugsanstalten und Gefängnissen in Übersee sind bestrebt, Korrespondenz zu führen, um Freundschaft aufzubauen, Beziehungen oder rechtliche Hilfe zu suchen. Die Klassifizierung von Gefangenen ist eine persönliche Beschreibung, die Fotos enthält.

In dieser abgeschotteten Gefängniswelt können Gefangene nicht auf Computer zugreifen und daher keinen Online-Chat und keine E-Mail verwenden. Wenn Sie an einen Brieffreund im Gefängnis schreiben, wird Ihre Post zu einem wertvollen Souvenir für die Förderung der Menschenrechte und die Rehabilitation. Darüber hinaus bietet Ihnen diese Website die Möglichkeit, die erste E-Mail mit einer Absenderadresse zu senden. Die Organisatoren drucken sie direkt aus und senden sie an die Gefangenen, wodurch Ihre Versandkosten gespart werden. Männer und Frauen in Gefängnissen erhalten selten Briefe und verbringen täglich bis zu 23 Stunden in der Zelle. Einige Leute erwarten die Todesstrafe.

Andere kämpften in Einzelhaft. An diesem Ort finden Sie auch politische Gefangene und Kriegsgefangene. Brieffreunde können die einzige Beziehung für Gefangenen sein, und es ist für die Gesellschaft der Gefangenen, insbesondere für Todeskandidaten, fast unmöglich, weil sie sogar isoliert von anderen Gefangenen sind. Sich einen Brieffreund im Gefängnis zu suchen, könnte die selbstloseste Handlung in ihres Lebens sein.

https://www.blick.de/sachsen/brieffreund...artikel11407058


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#20 von Tobias Martin Schneider , 03.10.2021 05:16

Brieffreundschaft/Briefkontakt aus dem Gefängnis

Häftlinge schreiben E-Mails – das gab es in Deutschland bisher nicht. Noch machen die meisten Gefängniswärter einen großen Bogen um das Internet. Die Gefahr des Missbrauchs ist ihnen zu groß. Aber nach langem Tüfteln haben es die beiden Masterstudenten Tim Krenzel und Peter Kalmbach geschafft, die Risiken zu minimieren. „Im Computerraum ist alles safe, da kann man nur auf unsere Seite kommen. Die Häftlinge können nicht noch irgendwelche anderen Seiten öffnen“, erklärt Tim. Unter strengen Auflagen konnten sie ihr Projekt in der JVA Wolfenbüttel realisieren. Drei Monate haben sich Polizeistudenten und Häftlinge geschrieben, nun geht es an die Auswertung. Schon jetzt ist klar: Das Projekt lief super.

„Wir haben nicht viel Abwechslung - es macht daher viel Freude.“
„Ich bin stolz, dabei sein zu dürfen.“ *

Tim und Peter planen nichts Geringeres als eine Revolution: Das Ehrenamt im Strafvollzug soll online gehen. „Natürlich gibt es schon Menschen, die Inhaftierte besuchen. Da gibt es ganze Bastelgruppen. Aber: Man muss die Zeit haben dafür. Ein junger Mensch, der arbeiten geht oder studiert, ist knapp mit der Zeit. Da ist es natürlich eine schöne Sache, wenn man zu Hause schnell eine Mail schreiben kann“, meint Peter.

Damit das Projekt bundesweit laufen könnte, müsste sich noch einiges ändern. In vielen Gefängnissen gibt es noch keine Computer. Und selbst wenn es einen Computerraum wie in der JVA Wolfenbüttel gibt: Immer muss erst ein Wärter Zeit haben, den Häftling dorthin zu begleiten. „Wer in einer JVA auch nur hundert Meter zurücklegen will, der muss durch viele Türen. Und jede Tür muss von jemandem aufgesperrt werden. Das kostet menschliche Ressourcen“, erklärt Peter. Die beiden Masterstudenten wollen ihre Plattform deshalb direkt in die Zellen bringen. Im Laufe des Jahres sind die ersten Gespräche mit Gefängnisleitern.

Lena und Flo müssen sich in diesen Tagen voneinander verabschieden. Nach drei Monaten ist das Projekt jetzt vorbei. Das wird schwer – vor allem für Flo. „Er hat mir schon geschrieben, dass es ihn bedrückt, dass es jetzt zu Ende geht. Es ist für ihn ein Kontakt zur Außenwelt und auch eine Ablenkung zum Alltag“, erzählt Lena. Auch sie würde gerne weiter machen. Vielleicht ist das Ende des Jahres schon möglich.
https://www.jetzt.de/freundschaft/brieff...-gefaengnis!amp


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#21 von Tobias Martin Schneider , 03.10.2021 15:58

Brieffreundschaft mit Todeskandidaten
https://www.santegidio.org/pageID/30212/...kandidaten.html

Es gibt viele gute Gründe, eine Brieffreundschaft mit einem Todeskandidaten zu beginnen.

Der Brief ist das Zeichen dafür, dass dein Leben für jemanden wichtig ist. Er ist eine Verbindung zur Außenwelt und die Hoffnung, dass sich jemand an dich erinnert. Häufig ist er auch eine Gelegenheit, um eine dauerhafte und ehrlich Freundschaft zu finden, was sonst unmöglich ist.

Ein Brief ist immer von großer Bedeutung; für einen Gefangenen ist es die Verbindung zur Welt draußen. Denn trotz der häufig vorhandenen Zensur bieten Briefe einen Freiraum im Leben der Frauen und Männer in den Todestrakten. Eine Post bedeutet, dass sich das Gitter auftut. Wenn man regelmäßig schreibt, wird die Zeit angefüllt und bekommt einen Rhythmus, dann ist nicht mehr alles gleich. Zudem steht der Kontakt für eine treue Zuneigung und hilft, das Vertrauen nicht zu verlieren.

Mehrere Tausend Todeskandidaten korrespondieren durch die Gemeinschaft Sant’Egidio weltweit mit Brieffreunden. Sie leben nicht nur in den Gefängnissen der USA, sondern auch in anderen Ländern wie Trinidad und Tobago, Kamerun, Sambia und andere.

Ist eine Brieffreundschaft mit einem Todeskandidaten erwünscht?

Schreiben Sie mir und geben die gewünschte Sprache an. Dann wird ein Vorschlag für eine Brieffreundschaft mit einem Todeskandidaten gemacht, der sich gern eine solche wünscht. Auch bei anderen Fragen stehe ich gern zur Verfügung. Bis bald

Stefania Tallei

Auszüge aus Briefen...

"...Seit fünf unendlich langen Jahren bin ich nun im Todestrakt eingeschlossen, als ich ankam, war ich ein Junge, jetzt bin ich erwachsen und habe viele Dinge verstanden, aber ich kann nichts mehr für mein Leben tun... Auch wenn ihr mir nicht helfen könnt, hier herauszukommen, könnt ihr mir schreiben und meine Freunde werden..."
(Dominique, Texas)

"Ich bin ein junger Gefangener, 29 Jahre alt und seit drei Jahren im Todestrakt. Ich suche einen Brieffreund, um weniger allein zu sein."
(Michael, Florida)

"... Ihr Brief hat mich überrascht. Ich war fest davon überzeugt, dass niemand mit einem wie mir Briefe schreiben will, über schöne, ehrliche, freundschaftliche Dinge reden will..."
(Aleksej, Russland)


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#22 von Tobias Martin Schneider , 04.10.2021 15:09

Nach der Hinrichtung ist Schluß
https://taz.de/Nach-der-Hinrichtung-ist-Schluss/!1453004/
■ Die Brieffreundschaft einer Hamburgerin mit einem Todeskandidaten in USA Von Hakeem Jimo
Die vielen Briefe stapeln sich mittlerweile auf Maren Kruskopfs Schreibtisch. Kein Wunder, mehrmals pro Woche erhält die Hamburgerin Post aus Amerika. Der Absender ist stets derselbe: Farley C. Matchett, Huntsville, Ellis One Unit, Texas, USA. Eine gewöhnliche Brieffreundschaft quer über den Atlantik ist es dennoch nicht: Matchett sitzt im Todestrakt und wartet seit fünf Jahren auf seine Hinrichtung.
Über das Urgent Project von amnesty international (ai) entstand der Kontakt zwischen der 31jährigen und dem Todeskandidaten. „Vor zehn Jahren habe ich an einem Infostand von amnesty davon erfahren“, erzählt die Taxifahrerin, „seitdem arbeite ich ehrenamtlich mit.“ Die Menschenrechtsorganisation kämpft weltweit für die Ächtung der Todesstrafe, eine direkten Verbindung zu den Verurteilten unterhält sie jedoch nicht: „Das könnte zu unerfüllbaren Hoffnungen bei den Gefangenen führen“,
Die Hamburgerin kennt den 33jährigen Schwarzen und seine Lebensgeschichte nur aus dessen Briefen. Laut Urteilsbegründung soll Matchett einen Mann erstochen haben. „Ich glaube an seine Unschuld“, sagt Kruskopf und beklagt, daß einige Indizien während des Prozesses falsch ausgelegt oder sogar ignoriert worden seien. Sobald es Maren Kruskopf möglich ist, möchte sie ihren Schützling persönlich kennenlernen oder ihn „wenigstens einmal durch das dicke Panzerglas anschauen“.
Die Insassen im Todestrakt müssen sich über das Urgent Project um einen Briefkontakt bewerben. Für einen Gefangenen sei dies oftmals die einzige Verbindung zur Außenwelt. „Man kann sie doch nicht alleine lassen“, sagt die engagierte Hamburgerin, die anfänglich verwundert über Matchett war. „Farley hatte von mir verlangt, daß er mein einziger Brieffreund im Gefängnis ist.“ Rivalitäten könnten aufkommen, sollten Mitgefangene über Umwege von den Ängsten und Schwächen der anderen Delinquenten erfahren, zeigte sich Matchett auch gegenüber Kruskopf als sehr mißtrauisch.
Wann Matchett mit einer Giftinjektion getötet wird, steht noch nicht fest. Manch Gefangener sitzt bis zu 20 Jahre im Todestrakt, Matchett seit 1991. „Gerade diese Ungewißheit ist so quälend“, offenbart Kruskopf, „ich versuche aber, diesen Teil des Lebens von meinem zu trennen, sonst würde ich mich zu sehr vereinnahmen lassen.“
Dennoch ist sie häufiger mit ihren Gedanken bei Matchett, als sie sich selber zugestehen will. „All dies belastet mich doch sehr, und es ist von vorneherein klar, daß der Kontakt irgendwann zu Ende sein wird.“ Nach der Hinrichtung ist Schluß, eine andere Zukunft gibt es nicht, es sei denn Matchetts Verfahren würde wieder aufgerollt.
Jeden Mittwoch entscheidet ein Ausschuß, welche Fälle noch einmal vor Gericht kommen. An diesem Tag sind alle im Gefängnis besonders angespannt, berichtet Matchett. Enttäuschungen spiegeln sich auch in den Briefen wider, sagt Kruskopf. Sie leidet immer mit und oft auch darunter, daß die Briefeschreiber außerhalb der Gefängnisse häufig mit ihren Problemen unverstanden sind.
Eine Selbsthilfegruppe wünscht sich Kruskopf, um mit Mißverständnissen und psychischen Konflikten besser umgehen zu können. Sie würde gerne in Hamburg eine solche Gruppe gründen – damit sie nicht alleine bleibt.
Wie die im Todestrakt.


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#23 von Tobias Martin Schneider , 05.10.2021 04:21

Bielefeld
Einsatz für schwere Jungs

Gundula Wyrobisch kündigt Business-Job, um Straffälligen zu helfen

am 20.05.2013
von VON JENS REICHENBACH

Bielefeld. Es ist die Geschichte einer mutigen Frau, die eine erfolgreiche Karriere in der freien Wirtschaft aufgab, um Straffälligen zu helfen. Mit 31 Jahren erkannte Gundula Wyrobisch, dass sie im Job zwar erfolgreich war, aber nicht glücklich. Im Gegensatz zu vielen anderen in solch einer Situation, handelte sie. Die Bielefelderin kündigte und studierte soziale Arbeit. Heute hilft sie Strafentlassenen in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. Obwohl diese Arbeit mitunter auch frustrierend ist, ist sie zufrieden.

Seit sechs Monaten ist Wyrobisch inzwischen angestellte Sozialarbeiterin in einem "Wohnprojekt für Männer in besonderen, sozialen Schwierigkeiten". Tatsächlich sind die zwölf Bewohner meistens Ex-Häftlinge, die nach ihrer Entlassung zunächst in Zweier-Wohngemeinschaften des Kreises 74 unterkommen.

Als "Sales-Assistant" eines großen Automobiltechnik-Unternehmens hatte die Bielefelderin zuvor regelmäßig mit den größten Autofirmen Deutschlands zu tun. Die gelernte Industrie- und Fremdsprachenkauffrau jettete von einem Meeting zum nächsten. "Ich habe viel erreicht und viel verdient, aber nach neun Jahren wollte ich einfach nicht mehr so weiter machen", sagte sie sich 2006.

Noch während ihrer Zeit als Verkaufs-Managerin war der Bielefelderin 2002 eine Kleinanzeige in der NW aufgefallen: Die Straffälligenhilfe "Kreis 74" hatte Ehrenamtliche gesucht, die Briefkontakt mit Inhaftierten pflegen wollen. Wyrobisch zeigte Interesse ("Ich wollte einfach etwas machen") und korrespondierte trotz ihres 60-Stunden-Jobs nebenbei noch mit mehreren Inhaftierten in Bielefeld, Bochum, Werl, Hövelhof und Aachen.

"Die Gefangenen freuten sich über jeden Brief und gaben in ihren Antworten sehr viel von sich preis", berichtet die 37-Jährige. "Das waren zum Teil sehr lange Briefe. Dabei habe auch ich viel gelernt." Gefängnisse hatte sie vorher bereits nicht als bedrohlich wahrgenommen : "Für mich ist das keine andere Welt. Gefängnis ist weder spektakulär noch geheimnisvoll oder besonders gefährlich. Auch dort leben Menschen."

Als der Bielefelderin in einem längeren Denkprozess 2006 klar wurde, dass sie ein Job-Wechsel innerhalb der Branche nicht glücklicher machen würde, rang sie sich zur Vollbremsung durch: Sie kehrte ihrer bisherigen Businesswelt den Rücken und studierte an der Fachhochschule Soziale Arbeit – mit Schwerpunkt Straffälligenhilfe. "Plötzlich verdiente ich nur noch ein Zehntel von meinem vorigen Gehalt. Ohne meine Rücklagen wäre dieser Schritt nicht möglich gewesen."

Seit sechs Monaten ist Gundula Wyrobisch inzwischen Sozialarbeiterin beim Kreis 74. Nebenbei arbeitet sie noch an ihrem Master-Abschluss in Angewandten Sozialwissenschaften.

Im Wohnprojekt betreut sie mit zwei anderen Sozialarbeitern je vier Klienten. "Wir helfen ihnen, eine eigene Wohnung zu finden, Arbeit zu finden oder ganz einfach gesundheitlich wieder in Ordnung zu kommen", berichtet Wyrobisch.

Das hört sich nach viel Papierkram (Jobcenter, Sozialamt, Arztbesuche, Schuldnerberatung) und dem Kampf gegen Vorurteile an, die Strafgefangenen nach der Entlassung entgegenschlagen. "Das ist das eine, aber wir bieten den Bewohnern auch eine Struktur und helfen Ihnen aus dem Loch herauszukommen, in das die meisten nach ihrer Entlassung fallen." Manche begehen vorsätzlich Straftaten, um wieder zurückkehren zu können. "Die kommen mit der Welt hier draußen nicht klar."

Deshalb gehe es um Motivation und Förderung. Der Betreuungsschlüssel von 1 zu 4 sei dafür "super". Ist erst ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, könne die tiefer gehende Arbeit beginnen. "Wer sich helfen lassen will, bei dem können wir einiges erreichen, auch aufarbeiten. Manche Probleme sitzen tief." Nicht zuletzt deshalb sei der Einfluss, den die Sozialarbeiter auf die Entlassenen haben, manchmal niederschmetternd, sagen Wyrobischs Kollegen.

"Natürlich gibt es Klienten, mit denen auch ich nicht kann", bestätigt die 37-Jährige. Trotzdem ist sich die ehemalige Business-Frau sicher, "an der richtigen Stelle zu sein. Ich finde meinen Weg nicht so besonders, ich bin so einfach glücklicher als vorher".

https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/...-Jungs.amp.html


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RE: Brief-Kontakte für Inhaftierte gesucht

#24 von Tobias Martin Schneider , 05.10.2021 04:27

Ehrenamtliches Engagement im Strafvollzug
https://www.cjd-berlin-brandenburg.de/an...m-strafvollzug/
Ehrenamtliches Engagement in der Straffälligenhilfe

Straffällige Menschen benötigen Hilfe.
Individuelle Probleme

Die meisten Menschen sind in der Lage, ihre Lebensprobleme zu bewältigen, ohne mit der Justiz in Konflikt zu geraten. Dafür, dass Jugendliche, Frauen und Männer dennoch scheitern und straffällig werden, gibt es vielfältige Gründe. Dazu gehören vor allem finanzielle und berufliche Probleme, belastete familiäre Beziehungen, ein schwieriges soziales Umfeld, Sucht, fehlende persönliche Lebensperspektiven oder kulturelle Entwurzelung. Die individuellen Probleme, die zur Straffälligkeit geführt haben und durch eine Inhaftierung entstehen, können den Start in ein Leben ohne Straftaten erschweren.

Straffällig gewordene Menschen befinden sich in einer Konfliktsituation und bedürfen einer besonderen Unterstützung. Durch ehrenamtliche Betreuer/innen ist diese für viele Gefangene im Justizvollzug eine wertvolle Hilfe, um die Probleme während der Haft zu bewältigen und das Gefühl des Isoliert sein zu vermindern. Diese Möglichkeiten der Unterstützung von Strafgefangenen im Justizvollzug ist ohne gesellschaftliche Akzeptanz und Mithilfe engagierter Bürgerinnen und Bürger nicht möglich.

Sinnvolle Hilfe

Straffällig gewordene Menschen brauchen Begleitung und Unterstützung durch eine verlässliche und konstruktiv-kritische Beziehung zu Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren; z.B.:

beim Erlernen von Fähigkeiten und Fertigkeiten;
bei Aufbau und Stabilisierung von sozialen Beziehungen;
beim Umgang mit Geld und Schulden;
bei einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung;
beim Umgang mit Ämtern und Behörden;
bei der Suche nach Wohnung und Arbeit;
bei der Vorbereitung der Haftentlassung;
bei der Eingliederung in das Leben in Freiheit;


Sie können helfen ...
... und Ihr Leben bereichern.

Der Strafvollzug ist in besonderem Maße auf die Mitwirkung von Ehrenamtlichen angewiesen. Resozialisierung kann nicht allein die Aufgabe professioneller Fachkräfte sein. Ehrenamtliche bringen Zeit und zusätzliche Kompetenzen ein, die Professionellen nur begrenzt zur Verfügung stehen

Gute Voraussetzungen

Sie müssen keine Expertin/kein Experte sein. Folgende Fragen können Ihnen bei Ihrer Entscheidung helfen:

Haben Sie Zeit und suchen nach einer sinnvollen Tätigkeit in der Freizeit?
Sind Sie kontaktfreudig?
Hören Sie anderen Menschen gerne zu?
Möchten Sie sich auf Menschen in schwierigen Lebenssituationen einlassen?
Können Sie auch einmal „nein“ sagen?
Haben Sie Interesse an Bildungsarbeit und Erfahrungen im sozialen Bereich?
Haben Sie handwerkliche, sprachliche, sportliche oder kreative Fähigkeiten?
Haben Sie Interesse an religiösen und ethischen Fragen?
Sind Sie bereit, an einem Einführungskurs und regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen?


Bestimmt verfügen auch Sie über Interessen und Kenntnisse, die inhaftierten Menschen zugutekommen können.

Ehrenamtliche im Strafvollzug müssen bestimmte Voraussetzungen mitbringen:

Neugier und Freude an einer interessanten Aufgabe
Interesse an Menschen
Einfühlungsvermögen
Konfliktfähigkeit
Zuverlässigkeit
Frustrationstoleranz
ein Führungszeugnis ohne Eintragungen
Bereitschaft
zur Zusammenarbeit mit professionellen Fachkräften
zur Auseinandersetzung mit der Straftat des Klienten
zur Reflexion der eigenen Motive und Handlungen
zur Teilnahme an Fortbildungen und Fallbesprechungsgruppe
Vielfältige Möglichkeiten

Mit Ihrem bürgerschaftlichem Engagement im Justizvollzug unterstützen Sie die Arbeit der hauptamtlichen Bediensteten. Sie haben viele Möglichkeiten sich einzubringen:

Sie können zu Inhaftierten Briefkontakt aufbauen;
Sie können einen Menschen besuchen und während seiner Haft begleiten;
Sie können Ihre Fähigkeiten in eine Gruppe mit Gefangenen einbringen.


Nachhaltige Unterstützung

Bürgerschaftliches Engagement im Justizvollzug ist eine anspruchsvolle, manchmal auch schwierige Aufgabe. Sie entscheiden, wie viel Zeit Sie sich dafür nehmen. Sie können mit Unterstützung rechnen durch:

ausführliche Information und Beratung vor Ort (jede Anstalt hat eine/n Ansprechpartner/in für bürgerschaftlich Engagierte);
Einführungsseminare und Weiterbildungsangebote;
regelmäßige Veranstaltungen zur Begleitung Ihrer Tätigkeit.
Kontakt

Ansprechpartnerinnen

Andrea Lind-Wetzlmair
Projektleiterin
andrea.lind-wetzlmair@cjd.de

Simone Miksch
Ehrenamtskoordinatorin
simone.miksch@cjd.de

Kontaktdaten

CJD Berlin-Brandenburg
Ehrenamt in der Straffälligenhilfe
Reetzer Straße 73
19348 Perleberg

fon: 03876 78 34 38
mobil: 0173 74 58 26 2

Bürozeiten:

montags bis freitags, 08.00-16.00 Uhr
Außerhalb der Bürozeiten telefonische Bereitschaft über die Mobilfunknummer


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