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Störfaktor Sarif

#1 von Dr.Josef Haas , 05.05.2021 09:13

Störfaktor Sarif

Etwas sehr ungewöhnliches ist im Iran geschehen. Dort hat sich nämlich nach
Angaben der Berliner Tageszeitung "junge Welt" der dortige Außenminister
Mohammed Dschaward Sarif bei Imam Chamenei für die Beleidigung des im
Januar 2020 von den USA ermordeten Freiheitshelden Qassem Sulaimani
entschuldigt.
Zuvor hatte der Revolutionsführer die Amtsführung des allerdings nach wie
vor seine Tätigkeit wahrnehmenden Sarif kritisiert. Vor allem deshalb, weil
das extrem staatsfeindliche, von Saudi-Arabien finanzierte Propagandamedium,
"Iran International" drei Stunden Tonmaterial eines am 25.April dieses Jahres
geführten Gespräches zwischen Außenminister Sarif und dem Wirtschaftsberater
von Präsident Hassan Rohani Said Laibas veröffentlicht hatte.
Darin hatte Sarif die politische Linie des revolutionären Iran grundsätzlich in Frage
gestellt.
Wenn er auch mittlerweile, natürlich vor allem aus opportunistischen Gründen,
zurückgerudert ist, indem er seine seinerzeitigen Äußerungen relativierte, macht
all das doch eines deutlich: Eine wirklich diesen Namen verdienende Einheitlichkeit
der iranischen Politik scheint nicht gegeben zu sein, sie scheitert allein schon deshalb
an der Wirklichkeit, weil Imam Chamenei diesen komischen Außenminister noch immer
nicht seines Amtes enthoben hat.
Dabei sollte in diesem Zusammenhang doch eines klar sein: Der amerikanisch-israelische
Feind profitiert in jeder Weise von dieser offensichtlichen Führungsschwäche der
Teheraner Staatsführung, wobei er- mehr denn je- an deren Beseitigung, also einem
vollkommenen Regimewechsel, arbeitet.
Dessen ist man sich vielleicht dort gar nicht (mehr) bewusst- es ist und bleibt aber dennoch
eine traurig zu nennende Realität.
Ich weiß natürlich, dass hier Kritik am Verhalten von Imam Chamenei weiß Gott nicht gerne
gesehen wird. Trotz aller seiner herausragenden Verdienste, welche er sich im Lauf seines
Lebens erworben hat, ist er aber dennoch kein "Heiliger", muss sich also, wenn auch äußerst
selten, mit kritischen Fragen konfrontieren lassen. Sein Verhalten, also die bislang nicht
vorgenommene Entlassung des Außenministers Mohammed Sarif, gehört mit Sicherheit dazu.
Genauso wie ein Liter Altöl eine unvorstellbar große Menge Wasser verseucht, schädigt dieser
Mann die Islamische Republik Iran. Seine sofortige Entlassung aus der so wichtigen Funktion
des Außenministers wäre daher ebenso notwendig wie auch selbstverständlich!

Dr.Josef Haas  
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RE: Störfaktor Sarif

#2 von Yavuz Özoguz , 05.05.2021 09:43

Um Imam Chamenei verstehen zu können, bedarf es der Kenntnis von Imam Hussain (a.). Jener hat bis zum letzten Moment in Kerbela versucht die Seele seines Mörders zu retten. Als dessen Mörder sich angeschlichen hat, um ihn zu köpfen, sagte Imam Hussain (a.) zu ihm, dass er ohnehin am Verbluten ist und in wenigen Minuten ohnehin sterben werde und dass jene Seele sich nicht unnötig durch eine derartig große Sünde zerstören solle. Selbst im Sterben versucht Imam Hussain (a.) das Leben seines Mörders zu retten. Der Angesprochene aber hat nicht auf ihn gehört.

Imam Chamenei betrachtet nicht einen Clown im Gewand eines Außenministers allein. Hier geht es auch darum, dass ein Volk, dass eine bestimmte Wahl getroffen hat, die Konsequenzen jener Wahl auch selbst ausbanden muss. Hier geht es darum zu zeigen, dass die islamischen Politik sich von der westlichen unterscheidet. Hier geht es darum, eine ganzes Volk (und viele andere Völker) zu erziehen. Es macht aber wenig Sinn so wenige Tage vor den nächsten Wahlen irgendjemanden abzusetzen. Doch was Imam Chamenei bei seiner letzten Rede vor zwei Tagen sehr klar und deutlich über Zarif gesagt hat, hat ihm jegliche Ambitionen als Kandidat aufzutreten genommen und er wird sich schon bald zurückziehen müssen.

Ein Heiliger zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er unsere Wünsche erfüllt und unseren politischen Vorstellungen entspricht, sondern dadurch, dass er durch sein vorbildhaftes Verhalten uns neue Wege aufzeigt, wie wir sogar die Würde des Gegners zu wahren versuchen und ihm so eine Chance geben, zurück auf den Pfad Gottes zu finden, denn jeder ist Träger Geist Gottes und nur Wenige sind so verloren, dass keine Chance mehr für sie besteht.

Es gibt in diesem Forum keine Beschränkungen, irgendjemanden zu kritisieren, so lange das würdevoll erfolgt, wie in diesem Fall. Aber derjenige, der die Heiligkeit seiner eigenen Zeit nicht erkennt, verliert für sich selbst sehr viel, denn er könnte von der Heiligkeit lernen. Dazu eine wahre Geschichte von Imam Chamenei: Einstmals kamen viele seiner nahen Offiziere und Mitarbeiter zu ihm und beklagten sich über einen wirklich unfähigen Verantwortungsträger und warum Imam Chamenei jenen nicht endlich absetzen würde. Es gab keinen Zweifel an der Unfähigkeit des Mannes. Aber Imam Chamenei antwortet mit einem wahren Gleichnis. Er erzählte, als er damals nach dem Bombenanschlag die Funktionsfähigkeit seines Armes verloren hatte, sprachen ihn die Ärzte an und boten ihm an, ihn zu Spezialisten ins Ausland zu bringen, damit diese retten, was zu retten war. Imam Chamenei entgegenete, dass er erst dann ins Ausland fliegen würde, wenn alle verwundeten, die es benötigen, auch dorthin geflogen wreden konnte. Damit fiel diese Option aus. Damit blieben den Ärzten nur zwei Optionen, die sie Imam Chamenei erklärten. Die erste Option war, dass sie den Arm amputieren. Dann hätte Imam Chamenei bald keine Scherzen mehr und könnte ansonsten befreit weiterleben. Die zweite Option wäre den Arm dran zu lassen ohne jeglichen Nutzen mit der Aussicht auf sehr große Schmerzen über einen sehr langen Zeitraum ohne Wissen darüber, ob die Schmerzen jemals aufhören würden. Imam Chamenei antwortete: "Lasst den Arm dran, denn er ist mein Arm". Diese Geschichte erzählte er als Antwort darauf, warum er einen unfähigen Mitarbeiter (noch) ncht entlassen hat. Auch das war eine Erziehung für das Volk, für jeden Chef, für die Denkweise der Menschen usw.

Wenn jemand beruteilt, dass Imam Chamenei etwas falsch gemacht hat, dann ist das sein gutes Recht, aber er beahuptet damit auch, dass er selbst die Dinge besser beurteilen kann als Imam Chamenei. Und das ist eine Gefahr. Denn wäre es tatsächlich so, würde er es möglicherweise gar nicht veröffentlichen, um den größten Imam der aktuellen Befreiungstheologie zu schützen. Und wenn es nicht so ist, dann hat er falsch geurteilt.

Ich hoffe, das hilft weiter.

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RE: Störfaktor Sarif

#3 von Dr.Josef Haas , 05.05.2021 10:55

Vielen Dank für Ihre verständnisvolle und damit weiterführende Antwort.
Mir ging und geht es in diesem Zusammenhang- und dies nicht erst seit
heute- allein um die Stärkung des revolutionären Iran und um dessen
Verteidigung gegenüber den Attacken seiner böswilligen Feinde USA und
Israel. Allein dies war und ist Sinn und Zweck meines Beitrages gewesen,
denn auch deren iranische Helfershelfer müssen dabei stets beim Namen
genannt werden.

Dr.Josef Haas  
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RE: Störfaktor Sarif

#4 von Yavuz Özoguz , 06.05.2021 11:46

Grundsätzlich stimme ich dem zwar zu, warte aber lieber etwas, bis die Typen sich selbst entlarven und eine Selbstkorrektur nicht mehr möglich ist, wie hier geschehen, damit auch Allah immer wieder bei meinen Verfehlungen "wartet", damit ich mich korrigieren kann.

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