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Die Zeit der Whistleblower ist gekommen...

#1 von Kurt Nickel , 18.09.2012 19:00

Häufig begleiten wir das Gehörte oftmals mit fassungslosem Kopfschütteln, wenn in den Medien von ungeheuerlichen Enthüllungen die Rede ist. Es hatte mal wieder jemand ausgepackt. Ausgepackt über Zustände, die mit unserer Auffassung von Anstand und Moral nicht vereinbar sind und trotzdem zur Normalität gehören, obwohl wir sie lieber verdrängen würden.

Begriffsbestimmung nach Wikipedia: Ein Whistleblower auf Deutsch wörtlich: „die Pfeife blasen“ ist ein Hinweisgeber oder ein Informant, der Missstände wie illegales Handeln (z. B. Korruption, Insiderhandel und Menschenrechtsverletzungen) oder allgemeine Gefahren, von denen er an seinem Arbeitsplatz oder in anderen Zusammenhängen erfährt, wie beispielsweise als Patient bei einer medizinischen Behandlung, an die Öffentlichkeit bringt.

Natürlich wird es immer Geheimnisse geben, die nicht alle wissen müssen. Sei es betriebsinterne Informationen, die nicht jeder erfahren muss, Projekte und Produkte, die Arbeitsplätze sichern und deren Entwicklung den Konzernen einen Haufen Geld gekostet hatten.

Doch man sollte hier grundsätzlich unterscheiden zwischen:
- Vertraulichen Betriebsgeheimnissen
- Kriminellen Machenschaften
- Unmoralischem und betrügerischen Vorgehen

Auch im politischen Bereich, insbesondere in der Verteidigung eines Landes gibt es Strategien und Vorrichtungen, die dem potenziellen Gegner Vorteile bescheren würde, wenn er davon Bescheid wüsste. Insofern werden Unsummen für Spionage und dessen Verhinderung ausgegeben, riesige Nachrichtenvernetzungen werden erschaffen, deren Unterhaltung und Organisation oftmals das Leben jener kosten, die darin verstrickt sind.

Doch auf diese Ebene sollte man sich besser nicht begeben, wenn man von dem Preisgeben von Geheimnissen rezitiert. Wikileaks ist ein klassisches Beispiel dafür, wie gefährlich das Wistleblowing für den Einzelnen werden kann, wenn eine gewisse Grenze überschritten wird, die für einige Länder, neben der ungeheuren Peinlichkeit, auch Vertrauen und Glaubwürdigkeit schwindet. Hier zeigt sich dann oftmals, dass einige Staaten, die andere Länder als „Schurkenstaaten“ titulieren häufig selbst mehr Dreck am Stecken haben, als ihnen lieb ist. Wasser predigen und selbst Wein saufen nennt diese Vorgänge der Volksmund, was einzig umschreiben will, dass sie sich selbst nicht an die Regeln halten, die sie anderen abverlangen.

Für den Wistleblower wird es dann lebensgefährlich und ich möchte nicht in der Haut von Julian Assange stecken, dessen Leben sich praktisch schon jetzt dahin kanalisiert hat, dass ihm ein unbeschwertes Bestehen und friedliches Altern wohl nicht mehr möglich sein wird.

Doch in unserem alltäglichen Leben werden wir von Dingen, die nicht richtig sind, geradezu erdrückt. Sei es im kommunal- landes- und bundespolitischen Bereich, wo Genehmigungen von Projekten erteilt werden, wobei die einzige Erklärung nur dadurch zu finden ist, inwieweit hier Schmiergelde geflossen sein müssen. Zumeist rollen dann die Köpfe von Bauernopfern, doch selten die derjenigen, die das Ganze eigentlich verbockt haben. Nürburgring und Berliner Flughafen sind nur zwei Beispiele hierfür, inwieweit sich Verantwortliche winden können, ohne dass es für sie persönliche Konsequenzen hat. Dass sie dem Ansehen ihrer politischen Zugehörigkeit damit im Grunde sehr schaden, scheint hier sekundär zu sein.

Noch eine Nummer größer zeigt sich hier der organisierte und staatlich gelenkte Steuerbetrug den diverse Staaten und ihre Banken betreiben. Das ungeheuerliche daran ist, dass zugespielte Daten, die zur Aufdeckung jener schmarotzenden Steuerflüchtlinge, die im Grunde einfach nur Kriminelle sind, von jenen Ländern noch gedeckt werden und sie sich empören, wenn CD-s mit entsprechenden Daten angekauft werden, die diese Verbrechen aufdecken!!

Verrückte und heuchlerische Welt!!!

Doch auch in unserer „kleinen und relativ heilen Welt“ werden wir fortlaufend mit Informationen konfrontiert, die einem die Haare zu Berege stehen lassen, wenn die Sachen herauskommen. Unglaubliche Zustände in der Pflege kranker Menschen, insbesondere in der Altenpflege, hören wir fast tagtäglich von irgendwo her. Auch im Behindertenbereich ist mehr Schein als Sein der Fall und wird durch irrsinnige Mechanismen, wie Dokumentationswahn und der Vorgaukelung von heilen Welten überdeckt. Kontraproduktives Kostenaufkommen wird schöngeredet und als Notwendig verkauft, obwohl jeder, der dort vor Ort bei den Menschen tätig ist, um die Unsinnigkeit dieser Strukturen weiß.

Nur selten traute sich bisher jemand, auf jene gravierenden Missstände aufmerksam zu machen. Doch warum nur...?

Die Elemente Angst und Einschüchterungen werden von den Einrichtungen genutzt. Der Betroffene hält schlichtweg den Mund, weil:

- Er Angst vor Nachteilen hat, wenn er betriebsinterne Dinge preisgibt. Zumeist schon bei seiner Einstellung hat er zumeist ein Papier unterschrieben, das auf die Konsequenzen der Preisgabe hinweist.
- Er hat eine Scheu davor, sich stellen zu müssen und Angst davor, in einem „Verhör“ von der Führungsebene „fertig“ gemacht zu werden.
- Insofern besteht auch eine Furcht vor dem sozialen Abstieg mit allen seinen Konsequenzen und der Androhung, auch in anderen Betrieben nie mehr ein Bein auf den Boden zu bekommen.
- Dies schließt auch die Sorge vor Nachteilen bei den eigenen Familienangehörigen mit ein.
- Zudem besteht eine Angst vor der Aufdeckung eigenen Fehlverhaltens und möglicherweise der eigenen Vergangenheit.
- Und in extremen Fällen könnte auch Angst um Leib und Leben bestehen.

Zu Zeiten der fortschreitenden, globalen Vernetzung scheint es jedoch für die Einrichtungen immer schwieriger, ihre Angestellten derart unter Druck zu setzen, dass sie sich nicht mehr trauen, über unrechtem Verhalten in ihren Einrichtungen zu unterrichten. Konnte man früher so manche Anschuldigung und Vorwurf unter den Teppich kehren, bevor er sich verbreitete, so ist das zu Facebook-Zeiten nun nicht mehr möglich.

Insofern traut sich der Betroffene zusehends, auf Unrecht aufmerksam zu machen. Zumal die Aussicht besteht, durch das Wistleblowing bekannt oder geradezu berühmt zu werden. Trotzdem wollte ich mit Leuten, wie Julian Assange, nicht tauschen...

Doch eines steht fest: Die Zeit der Wistleblower ist gekommen...

Kurt Nickel  
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