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Hat Iran einen unschuldigen Ringer-Champion hingerichtet?

#1 von Yavuz Özoguz , 14.09.2020 10:36

Hat Iran einen unschuldigen Ringer-Champion hingerichtet?

Seit einigen Wochen wurde die Westliche Welt von einer Propaganda überschwemmt, die so viele Nebelkerzen gezündet hat, dass es nicht leicht fällt aus dem Wirrwarr heraus ein halbwegs faires Bild der Geschehnisse zu zeichnen. Der Fall ist aber ein Paradebeispiel für den Softwar [1] gegen die Islamische Republik Iran.



Zunächst einmal die nackten Fakten, die in der „Internationalen Staatengemeinschaft“ verbreitet worden sind. Mit „Internationalen Staatengemeinschaft“ ist – wie immer – die westliche Propaganda gemeint, denn weder in China noch in Russland, weder in Afrika noch großen Teilen Asiens oder Südamerikas hat sich jemand für den Fall interessiert. Ein Ringer-Champion namens Navid Afkari sei zum Tode verurteilt worden, weil ihm durch Folter ein Geständnis abgerungen worden sei zu einem Mord während einiger regierungsfeindlicher Proteste vor zwei Jahren. Bis zur Vollstreckung des Todesurteils war das die gesamte Information, die im Westen vorlag und mit der mehrere Seiten der bedeutendsten Blätter der westlichen Welt gefüllt worden sind. Dazu gab es noch die verwirrende Meldung, dass er erst einige Jahre im Gefängnis absitzen müsse, bevor die Hinrichtung vollstreckt würde. Allein dieser letzte Teil der Meldung hat mich aufhorchen lassen, denn warum sollte der Iran einen Gefangenen mehrere Jahre mit Geldern des Staates durchfüttern, wenn er am Ende ohnehin hingerichtet wird. Das machte für den Iran irgendwie keinen Sinn. Allerdings machen es die USA oft so, so dass die Journalisten hier wohl Ähnlichkeiten zur US-Praxis vermutet haben könnten.

Ausgehend von dieser dürftigen Nachrichtenlage habe ich mich zuerst bei meinen iranischen Freunden nach jenem Champion erkundigt. Denn er müsste schon eine berühmte Persönlichkeit gewesen sein als Champion. Schließlich ist Ringen im Iran Volkssport und Ring-Champions sind im Iran genau so bekannt, wie Fußball-Champions in Deutschland. Und immerhin haben berühmte Presstituiertenanstalten wie z.B. The Intependent [2], CNN [3], Deutsche Welle [4] und die Bild-Zeitung [5] ihn zum „Champion“ erkoren. Auch das englische Wikipedia erklärt ihn zum Champion [6] und gibt als Quelle CNN an. Das deutsche Wikipedia ist da schon vorsichtiger. Dort heißt es: „Er gewann einige Wettbewerbe im Freistil-Ringen sowie im griechisch-römischen Stil und nahm auch an internationalen Wettbewerben teil.“ [7] Als Quelle wird eine westliche Menschenrechtsorganisation angegeben. Meine iranischen Freunde kannten den Namen überhaupt nicht und schon gar nicht als Ringer-Champion. Weder war der Fall des Todesurteils eine große Schlagzeile im Iran wert noch der angebliche Champion-Ringer.

Bevor ich weiterrecherchiere, musste folgende Frage beantwortet werden. Warum machen westliche Presstituierte einen Kreisklasse-Ringer zu einem Champion, wenn es doch gar nichts mit dem Fall des Todesurteils zu tun hat? Schließlich erfolgte der Mord mit einem Messer in den Hals eines Familienvaters und nicht durch irgendwelche Ringereinlagen. Das Problem ist: Die gesamte westliche Propaganda würde in sich zusammenbrechen, wenn der wegen Mordes Beschuldigte nicht eine berühmte Führungspersönlichkeit des „Widerstandes“ wäre. Wenn er nur ein Krimineller wäre, der zusammen mit seinen Brüdern an Verbrechen während der Unruhen beteiligt gewesen ist und dabei einen Mord begangen hat, warum hätte dann das „Regime“ durch Folter ein Geständnis erpressen sollen? Warum hätte solch ein „Regime“, das ja gemäß westlicher Propaganda alle führenden „Regimegegner“ ermordet, einen solch unbekannten Fall mit Anwalt durch alle Instanzen begleiten sollen, so dass das rechtsgültige Urteil erst zwei Jahre nach der Festnahme erfolgt? Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn der Beschuldigte Afkari eine besondere Persönlichkeit wäre. Die Propaganda, man wolle an ihm ein Exempel statuieren, um den Widerstand einzuschüchtern, macht auch nur Sinn, wenn Afkari eine Führungspersönlichkeit des Widerstandes wäre. Die Hinrichtung eines kleinen unbedeutenden Mitläufers, noch dazu, wenn er gar nicht beteiligt gewesen sein will, schüchtert doch niemanden ein. Also steigt der Kreisklasse-Ringer kurzerhand zu einem Champion auf. Meine Recherchen über den eigentlichen Fall haben noch gar nicht begonnen, aber die Westliche Propaganda ist bereits entlarvt.

Aber woher stammt das eigentlich mit dem „Champion“, und wann hat die Propaganda begonnen? Wird jener „Champion“ durch alle Instanzen von Menschenrechtsorganisationen begleitet und jetzt kurz vor Rechtskräftigkeit kommt es zum propagandistischen Showdown? Das ist nicht der Fall. Für den ehemaligen Kleinkriminellen Afkari hat sich selbst die westliche Propaganda nicht interessiert, bis es die Gelegenheit gab, einmal mehr über den Iran herzuziehen. Auslöser dürfte die von der CIA unterstützte Terrororganisation Volksmudschahedin [8] gewesen sein. Denn vor allen anderen „Nachrichtenquellen“ schreiben sie am 31.8.2020 über den Fall [9]. Alles, was später von westlichen Presstituierten berichtet wird, findet sich bereits in jenem Artikel.

Was sich in keinem einzigen Artikel finden lässt, sind die Angaben aus dem Iran über Afkari. Demnach war er bereits aktenkundig für Messerstechereien und Diebstähle, lange vor dem Mord während der Proteste. Ich habe wirklich lange gesucht, aber alles, was ich finden konnte, war folgende Aussage in sehr vielen englischsprachigen Medien z.B. in der Daily Mail: Eine den Brüdern nahe stehende Quelle behauptet, dass Afkari keinerlei Vorstrafen habe [10]. Nur warum sollte das einen Einfluss auf einen Mordfall haben und warum wird das überhaupt erwähnt, wenn in der westlichen Propaganda gar nicht angekommen ist, dass er vorbestraft war?

Überführt wurde er durch Überwachungskameras, die in der Umgebung des Tatortes die zu- und abfahrenden Fahrzeuge aufgezeichnet haben und durch mehrere Augenzeugen des Mordes, die den Beschuldigten eindeutig erkannt haben. In den westlichen Medien wird immer berichtet, dass Afkari beschuldigt wäre, einen Sicherheitsbeamten des Staates ermordet zu haben (denn nur das passt in die Propaganda). Tatsächlich war es aber ein Sicherheitsbeamter der Wasserwerke, für das auch Afkari beruflich tätig war. Über das Opfer wird im Westen überhaupt nicht berichtet. Er war Familienvater und hatte zwei noch sehr junge Töchter und einen Sohn. Er wurde ermordet, indem sein Hals mit einem Messer schwer verletzt worden ist.

Am 12. September wurde Afkari hingerichtet. Hier bliebe noch folgende Frage offen: Warum hat man ihn nicht – wie seine Brüder, die an der Tat beteiligt waren – einfach ins Gefängnis gesteckt? Oder warum hat man ihn nicht zumindest begnadigt? Dazu muss man das iranische Rechtssystem kennen. Tatsächlich ist es im Iran – anders als z.B. in Deutschland oder vielen anderen Ländern der Welt – möglich, dass ein Mörder begnadigt wird und ohne Strafe davonkommt. Allerdings entscheidet das nicht der Staat, sondern die direkt vom Mord betroffenen Angehörigen. Hat der Ermordete keine Angehörigen, dann tritt das Religionsoberhaupt an die Stelle der Angehörigen. In diesem Fall gibt es eine Ehefrau und drei Kinder, die aufgrund ihrer Minderjährigkeit von der Mutter vertreten werden. Und die haben darauf bestanden, dass das Todesurteil vollstreckt wird. Das oberste Gericht im Iran hat dem Ersuchen stattgegeben. Diese rechtliche Möglichkeit war wohl auch der Grund für das umfassende Geständnis des Beschuldigten mit gleichzeitiger Reue ohne jegliche Folter! Da er auch ohne Geständnis überführt war, hatte er sich wohl durch das Geständnis und die öffentliche Reue die Begnadigung durch die Familie erhofft, was aber nicht eingetroffen ist.

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf verwiesen, dass der Autor dieses Artikels vollstes Verständnis dafür hat, wenn ein Leser grundsätzlich gegen die Todesstrafe ist (wie übrigens auch der Anwalt des Verurteilten im Iran es frei und ohne Konsequenzen für sich geäußert hat) oder die Praxis der Begnadigung durch Angehörige ablehnt. Doch das ist eine innere Angelegenheit des Iran und der Iraner, und das müssen die für sich und ihr Rechtssystem klären. In diesem Fall aber stand nicht die Todesstrafe auf der Anklagebank, denn dann müsste man zuerst in den USA beginnen. Hier ging es um eine Propagandaschlacht gegen die Islamische Republik Iran und damit gegen die Heiligkeit unserer Zeit Imam Chamenei. In diese Propagandaschlacht auf Seiten der Pharaonen unserer Zeit haben sich nicht nur die Presstituierten des Pharaos eingereiht, sondern auch völlig ahnungslose Sportler, Menschrechtsaktivisten, Politiker bis hin zu dem Islam gegenüber feindlich gesonnenen Mönchen.

Afkari wurde hingerichtet. Der Fall wird in wenigen Tage aus den Schlagzeilen verschwinden. Aber der nächste Afkari dürfte schon vorbereitet werden in den Think Tanks des Pharaos. Dabei ist das einzige Ziel, die Heiligkeit der Zeit zu diskreditieren, um ein durch und durch verbrecherisches Weltsystem des Pharaos zu legitimieren. Das Ganze erinnert ein wenig an die Regierungszeit Imam Alis nach dem Propheten des Islam. Als Imam Ali während der Niederwerfung beim Gebet von einem völlig verirrten selbsternannten Muslim im Auftrag der damaligen Pharaonen umgebracht wurde, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in der gesamten islamischen Welt, die schon erheblich angewachsen war. Doch viele Nachrichtenkonsumenten waren überrascht zu hören, dass Imam Ali bei der Niederwerfung umgebracht worden war, denn sie hatten durch die tagtägliche Propaganda geglaubt, dass Imam Ali gar nicht beten würde. Und so geht es bei Afkari und allen früheren und bevorstehenden „Champions“, welche die Westliche Welt angeblich retten will, nur und nur darum, die Heiligkeit unserer Zeit Imam Chamenei zu diskreditieren. Wer aber die Vorhänge der Lüge durchreißt, wird einen Heiligen kennenlernen, für den es sich lohnt, solche Zeilen zu schreiben, in der Hoffnung, das er eines Tages Fürspreche in einem Gericht einlegen wird, in dem es absolut kein Entrinnen gibt.

[1] http://www.eslam.de/begriffe/s/softwar.htm
[2] https://www.theguardian.com/world/2020/s...e-global-outcry
[3] https://edition.cnn.com/2020/09/12/sport...intl/index.html
[4] https://www.dw.com/en/iran-executes-cham...kari/a-54903900
[5] https://www.bild.de/politik/2020/politik...71190.bild.html
[6] https://en.wikipedia.org/wiki/Navid_Afkari
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Navid_Afkari
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Volksmudsc...ktivit%C3%A4ten
[9] https://english.mojahedin.org/i/iran-nav...rights-20200831
[10] https://www.dailymail.co.uk/news/article...h-sentence.html


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zuletzt bearbeitet 15.09.2020 | Top

RE: Hat Iran einen unschuldigen Ringer-Champion hingerichtet?

#2 von Dr.Josef Haas , 14.09.2020 15:30

Wie immer, eine ungemein tiefschürfende Analyse!
Man stelle sich aber nur einmal vor, die hingerichtete Person hätte einen israelischen Soldaten
oder gar Politiker getötet. Die "Westliche Wertegemeinschaft" würde dazu schweigen oder- mehr
noch- es sogar begrüßen, wenn er deswegen hingerichtet worden wäre.
Bei einem oppositionellen Iraner stellt sich dies selbstverständlich gänzlich anders dar- schließlich
kann man ihn ja gut gegen das politische System seines Heimatlandes instrumentalisieren.
So stellt sich die Wirklichkeit unserer heutigen Zeit dar.
Israel darf a l l e s, sogar die widerlichsten Verbrechen begehen, dies wird zumindest stillschweigend
hingenommen oder sogar begrüßt- demgegenüber wurden und werden Vorgänge, welche der iranischen
Gesetzlichkeit entsprechen, gnadenlos gegen die dortige Staatlichkeit verwendet, der man es seit 1979
nicht vergessen hat, einen blutrünstigen, dafür aber Israel-treuen, Tyrannen gestürzt zu haben.
An dieser widerlichen Unausgewogenheit wird sich leider auch in Zukunft nicht ändern, denn Israel
war und ist ja für viele, insbesondere die hiesige Bundesregierung, das Maß aller Dinge.
Traurig, aber wahr!

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