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Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

#1 von Yavuz Özoguz , 15.07.2020 10:31

Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

Die Tatsache, dass jemand, der niemals in der Hagia Sophia ein rituelles islamisches Gebet beten würde, dennoch das Verhalten der Westlichen Welt zutiefst verabscheut, legt die niemals aufhörende Herrenmenschenpolitik des „Weißen Mannes“ offen.



Bevor ich auf die Hagia Sophia und das bevorstehende Freitagsgebet in jener Moschee eingehe, sind einige Vorworte notwendig, um den Text besser einstufen zu können.

Vorwort 1: Für seine Anhänger ist das Staatsoberhaupt der Türkei Erdogan ein großer Heiliger, der den Islam rettet. Für seine Feinde ist er schlimmer als der Satan. Beides sind Übertreibungen, die der aktuellen Weltlage nicht gerecht werden. Erdogan ist Präsident der Türkischen Republik. Und es sollte nicht als zu ungewöhnlich eingestuft werden, dass der Präsident der Türkei die Interessen der Türkei höher wertet als die Interessen des tagtäglich brutaler werdenden westlichen Imperialismus.

Vorwort 2: Im Islam gibt es eine Rechtsschule, die besagt, dass ein rituelles Gebet in einem gewaltsam seinem Eigentümer entrissenen Gebäude (insbesondere, wenn es sich um ein Gotteshaus handelt), ungültig ist. Selbst in einem Privathaus darf man nur dann ein rituelles Gebet verrichten, wenn der Eigentümer es erlaubt. Der Autor dieses Textes gehört jener Rechtsschule an, so dass meine Wenigkeit in der Hagia Sophia kein rituelles Gebet verrichten wird, unabhängig davon, ob es das Gebäude als Moschee oder Museum betrachtet wird.

Vorwort 3: Die Umwidmung einer Kirche in eine Moschee oder einer Moschee in eine Kirche ist kein singuläres Ereignis in Istanbul. Zypern ist auf beiden Seiten voll mit Kirchen und Moscheen, die einstmals der anderen Religion gehört haben. In ganz Spanien wimmelt es nur von Kirchen, die einstmals Moscheen waren, darunter auch sehr berühmte, wie die Kathedralmoschee von Córdoba. Allein der Name deutet darauf hin, dass die größte Moschee der Region seit der Reconquista die römisch-katholische Kathedrale in Córdoba ist [1]. Die Agios Titos auf Kreta ist eine ehemalige Moschee, die in eine orthodoxe Kirche umgebaut worden ist, nachdem Anfang des 20 Jh. die Muslime von der Insel vertrieben wurden. Ähnliche Bauten gibt es in Ungarn, Rumänien und Portugal. Es gibt aber auch jüngere „Umwidmungen“, die niemanden in der Westlichen Welt gestört haben. So ist im Jahr 2018 die historische Moschee in der Stadt Majdal von Israel in ein Museum und einen Schnapsladen umgebaut worden [2]. In Israel wimmelt es nur von solchen „Umwidmungen“.

Vorwort 4: Braucht Istanbul neue Moscheekapazitäten? Die Antwort lautet klipp und klar: Nein! Unmittelbar gegenüber der Hagia Sophia steht eine der größten Moscheen der islamischen Welt in Form der sogenannten Blauen Moschee. Istanbul ist die Stadt mit den meisten Moscheen weltweit und erst jüngst sind mehrere Großbauprojekte fertig gestellt worden [3] oder stehen kurz vor der Fertigstellung [4]. Die Umwidmung der Hagia Sophia trägt daher einen symbolischen Charakter sowohl nach Außen als auch nach Innen.

Nun zur Hagia Sophia: Die „Heilige Weisheit“ hat nichts mit der frühen Märtyrerin des Christentums gleichen Namens zu tun, wie es zuweilen vermutet wird, sondern soll auf den Heiligen Geist verweisen, der sich in der Weisheit der Menschen wiederspiegeln soll. Offensichtlich ist davon nicht mehr viel übriggeblieben. Die Hagia Sofia war die mit Abstand größte Kirche der Welt und zentrale Kirche Konstantinopels, der einstmaligen Hauptstadt der östlichen Christenheit. Es sei darauf verwiesen, dass die Eroberung der Stadt durch die Osmanen im 15. Jh. auch deshalb möglich geworden ist, weil die Westliche Welt, alle voran der Papst Roms, ihre Glaubensbrüder im Osten kläglich im Stich gelassen haben. Danach war das Gebäude fast fünf Jahrhunderte lang eine Moschee. Erst mit Atatürk wurde beim totalen Umbau der Türkei in einen westlichen Staat die Moschee in ein Museum umgewandelt. Fast ein Jahrhundert später sollen also wieder muslimische Gebete in jenem Gebäude stattfinden. Große Umbauten sind nicht nötig, da die historische Gebetsnische und die Kanzel genauso vorhanden sind, wie andere Elemente. Die in einer Moschee eher unüblichen bildlichen Darstellungen in Form von Fresken sind derart hoch angebracht, dass sie das muslimische Gebet nicht beeinträchtigen.

Eigentlich müsste die Westliche Welt sich ja freuen. Der Schachzug Erdogans könnte in großen Schachspiel des „Clash of Cultures“ [5] ein Baustein gegen die Muslimische Welt sein, denn so wird die in letzter Zeit zunehmend in die Arme der Muslime getriebene russisch-orthodoxe Kirche wieder in den westlichen Herrenmenschenverbund zurückbeordert. Zudem könnten sich westliche Touristen freuen. Mussten wie bisher rund 15 Euro Eintritt berappen und teilweise stundelang Schlange stehen, bis sie endlich in das Museum eintreten konnten, wird es jetzt kostenfrei und ohne Warteschlange möglich sein, wie bei allen Moscheen in Istanbul. Nicht zuletzt dürfte die kalte und dunkle Atmosphäre der Hagia Sophia im Winter sich durch Teppiche und Lampen aufwärmen.

Die EU reagierte auf die Entscheidung in alter Herrenmenschenmanier: EU-Chefdiplomat Josep Borrell hat erklärt, dass die EU-Außenminister diese Entscheidung Ankaras verurteilen und die türkischen Behörden aufrufen, sie dringend zu prüfen und rückgängig zu machen [6]. Doch was geht es die EU an, was die Türkei mit ihren Museen macht? Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn ist zwar nicht unbedingt ein mächtiger Politiker, aber er sah seine Chance auch mal wieder in den Medien erwähnt zu werden, indem er die geplante Umwandlung der Hagia Sophia als einen "Schlag gegen die Allianz der Zivilisationen" bezeichnet hat [7]. Die deutsche Bundesregierung bedauert die Umwandlung [8]. Und der Papst empfindet „großen Schmerz“, dass ein Museum in ein Gotteshaus umgewandelt wird [9].

Wie immer bei derartigen Konflikten besteht – trotz Internet und weltweiter Vernetzung – ein enormer Wahrnehmungsunterschied. Während der westliche Otto-Normal-Bürger, dessen Welt aus der Blase besteht, in die ihn die von ihm mitfinanzierten Presstituierten stecken, glaubt, dass es mal wieder Zeit wird, das Christentum zu verteidigen, übersieht er, dass die meisten Protestierenden gar nichts mit Gott zu tun haben wollen. Diejenigen, die sich jetzt als Retter der Hagia Sophia aufspielen wollen, beliefern die Saudis und ihre Verbündeten in Syrien mit Waffen, um die christlichen Kirchen in Syrien zu zerstören. Sie unterstützen Israel bei jedem Verbrechen gegen die Christen im Land Jesu!

Auch aus rein christlicher Sicht sollte doch die Möglichkeit, in einem Haus beten zu können – und das können auch Christen in einer Moschee besser als in einem Museum – Anlass zur Freude sein. Genau das ist einem hochrangigen Katholiken aufgefallen: Ausgerechnet ein Jesuit verweist darauf, dass eine Moschee als Gotteshaus eine nähere Beziehung zu Gott darstellt als ein Museum, welches ein laizistischer Staatschef eingerichtet hat. Prof. Dr. Dr. Felix Körner sagt: „Ich weiß nicht, ob Sie schon mal - ich jedenfalls sehr gerne - in einer Moschee gebetet haben. Das ist dann auch wirklich eine Gelegenheit für uns zu sagen: Gut, wir als gläubige Menschen können diesen Ort dann auch wieder nicht nur als tollen Kunstgegenstand, sondern auch als geistlichen Ort wahrnehmen und annehmen.“ [10]

Die Wahrnehmung in der muslimischen Welt ist – einmal mehr – dass die Herrenmenschen der Westlichen Welt sich in die inneren Angelegenheiten eines muslimischen Staates einmischen und denken, dass alle ihren Vorgaben bezüglich Werten, Wertevorstellungen und Freiheitsgötzenanbetung folgen müssen, bei völliger Missachtung jeglicher Gerechtigkeit. Die Reaktionen der Westlichen Welt waren leicht abschätzbar, denn Herrenmenschen reagieren immer wie Herrenmenschen. Genau das hat Erdogan für seine Zwecke genutzt. Nach Innen hat er das Signal gegeben, dass die Türkei wieder zu seinen muslimischen Wurzeln zurückkehren möchte. Der Westen hat bis heute den Schmerz nicht verstanden, dass viele Türken die Grabsteine ihrer Großeltern nicht lesen können, weil die Türken nach dem Zusammenbruch eine maroden Systems zwangsentislamisiert wurde. Nach Außen hat er das Signal gegeben, dass die Türkei sich immer mehr der muslimischen Welt annähert. Der Westen mag sich darüber gefreut haben, als die Türkei sich zusammen mit der imperialistischen Welt gegen den benachbarten Staatschef Assad gewandt hat. Aber inzwischen hat jeder in der Türkei verstanden, dass die Interessen der Westlichen Welt in Syrien nichts mit Menschenrechten zu tun haben, sondern übelste grausame Machtpolitik für die USA und Israel ist. Daher war die Türkei auch bei der letzten Auseinandersetzung in der UN bezüglich Grenzübergänge zu Syrien sehr zurückhaltend [11].

Eine sachlich vernünftige Einstellung zu dem Geschehen hat die Islamische Republik Iran eingenommen: Das iranische Außenministerium begrüßte die Entscheidung zwar aber: „Die Entscheidung über den Status der Hagia Sophia ist eine interne Angelegenheit der Türkei“, sagte der Sprecher des Ministeriums, Sayed Abbas Mousavi, gegenüber der Agentur Anadolu. „Dies ist ein Thema, das als Teil der nationalen Souveränität der Türkei betrachtet werden sollte“, fügte Mousevi hinzu [12].

Meine Wenigkeit freut sich schon auf den nächsten Türkei-Flug, sobald es die Rahmenbedingungen ermöglichen. Dann werde ich – so Gott will – sicherlich auch die Hagia Sophia besuchen. Ich werde in dem Gebäude kein rituelles Gebet verrichten. Aber ich werde mich dankbar auf den Teppich setzen und ein Bittgebet sprechen, dass die Heilige Sophia – die Heilige Weisheit – die Herzen der Menschen erfüllen möge und die erwarteten Erlöser des Islam und des Christentums Imam Mahdi und Jesus bald erscheinen mögen – so Gott will.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Mezquita-C...de_C%C3%B3rdoba
[2] https://islamicnews.de/2018/10/15/israel...in-eine-bar-um/
[3] http://www.eslam.de/begriffe/t/tschamlidscha_moschee.htm
[4] http://www.eslam.de/begriffe/t/taksim_moschee.htm
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_der_Kulturen
[6] https://de.sputniknews.com/politik/20200...-hagia-sophia-/
[7] https://www.t-online.de/nachrichten/ausl...rt-tuerkei.html
[8] https://www.br.de/nachrichten/meldung/bu...schee,3002ebd15
[9] https://www.dioezese-linz.at/news/2020/0...grossen-schmerz
[10] https://www.domradio.de/themen/islam-und...er-hagia-sophia
[11] https://deutsch.rt.com/meinung/104423-wa...Sbg3Abtb9SHm3yc
[12] https://www.aa.com.tr/en/middle-east/-ir...-mosque/1909036


Yavuz Özoguz  
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RE: Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

#2 von Tobias Martin Schneider , 15.07.2020 12:22

Zitat:

,,Die Wahrnehmung in der muslimischen Welt ist – einmal mehr – dass die Herrenmenschen der Westlichen Welt sich in die inneren Angelegenheiten eines muslimischen Staates einmischen und denken, dass alle ihren Vorgaben bezüglich Werten, Wertevorstellungen und Freiheitsgötzenanbetung folgen müssen, bei völliger Missachtung jeglicher Gerechtigkeit. Die Reaktionen der Westlichen Welt waren leicht abschätzbar, denn Herrenmenschen reagieren immer wie Herrenmenschen." - Zitatende

Sie, Herr Dr. Özoguz hatten in einem Ihrer älteren Artikel als weiteres Beispiel die Homosexualität in Indien & die Rolle der britischen Kolonialisten erwähnt (unabhängig davon, dass Indien im Gegensatz zu obigen Beispiel kein mehrheitlich ,,islamisch" geprägtes Land ist)...als die Briten Indien kolonialisierten, war man in Großbritannien gegen Homosexualität eingestellt, also hatte die Homosexualität gefälligst auch in Indien (auch gesetzlich) verboten zu sein & die Inder hatten gefälligst gegen Homosexualität eingestellt zu sein! Als sich in Großbritannien (sowie in der gesamten westlichen Welt) schließlich der Wind drehte & die Briten der Meinung waren, dass Homosexualität ganz natürlich sei, hatten sich die Inder dieser Meinungsänderung der Briten & des Westens gefälligst anzuschließen & die Homosexualität in Indien gefälligst gesetzlich zu erlauben, da Europäer wie Nordamerika gefälligst der Maßstab & Mittelpunkt der ganzen Welt zu sein haben! So hat sich die ganze Welt jeder Meinung wie auch jeder Meinungsänderung des Westens gefälligst anzuschließen!
Leider habe ich den Link zu Ihrem damaligen Beitrag nicht mehr gefunden...

Bezüglich Herrn Erdogan offenbart die westliche Welt einmal mehr ihre scheinheilige Doppelmoral!
Ständig scharfe Worte & Kritik für Herrn Erdogan, aber Waffen & Panzer für Saudi-Arabien. U-Boote, Steuerabgaben der deutschen Steuerzahler & absolute, uneingeschränkte ,,Narrenfreiheit" für Israel, um nur wenige Beispiele westlicher Doppelmoral & skrupeloser Unterstützung menschenverachtender Diktaturen zu nennen (mal vom Sturz demokatrischer Systeme durch den Westen ganz zu schweigen)

Siehe auch:
Offener Brief an die selbsternannten Vertreter der Menschenrechte in der westlichen Welt:
http://muslim-markt.de/demokratie/menschenrechte.htm

PS: Vor Jahren sah ich eine Doku (im deutschen Fernsehen) über ,,böse", chinesische Mütter die ihre Neugeborenen (angeblich) umbringen. Da dachte ich mir sofort: ,,Aha die Babyklappen wurden also in Deutschland eingeführt, weil es in Deutschland so viele ,,böse", chinesische Mütter gibt, die ansonsten ihre Neugeborenen umbringen! Wenn also tote Säuglinge in Deutschlands Mülltonnen gefunden werden, kann man davon ausgehen, dass es sich um die Neugeborenen ,,böser", chinesischer Mütter handelt! Jesus (GOTTes Segen & Frieden auf ihm) soll sinngemäß gesagt haben: ,,Sie sehen den Dorn im Auge des anderen, aber nicht den Balken im eigenen Auge!"
ABER: Die ganze Welt soll am westlichen Wesen des ,,weißen Mannes" genesen!


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RE: Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

#3 von Meriton Salihi , 16.07.2020 13:21

Es selamu alejkum wa rahmetullah

Ich bin auch der Meinung, dass die Umwandlung der grössten christl. Orthodoxen Kirche in eine Moschee eine Schande für uns Muslime ist und eine sehr grosse Sünde darstellt.

Hagia Sophia hat für uns Muslime keine grosse Bedeutung, aber für die orthodoxen Christen ist sie verhältnismässig gleichzusetzten mit der Moschee in Mekka.

Das war ein rein politischer Akt. Ein böswilliger Akt. Ein sehr gutdurchdachter Akt. Nach dem Motto, Brot und Spiele.
Denn es handelt sich hier nicht um irgendeine Kathedrale, sondern um die Hauptkathedrale der christlich orthodoxen Welt.
Es ist eine Demütigung, respektlos und dekadent!

Wie kann man nur daran denken, dass man durch so eine niederträchtige Tat, Allahs Wohlgefallen erlangen kann.

Zwei Ziele werden hier politisch verfolgt, die ich hier sehe.

Eine Allianz zw. Muslime und orthodoxen Christen zu sabotieren
Ein Kirche in eine Moschee zu verwandeln zeugt von keiner Stärke. Das ist Öl ins Feuer giessen.
Salz in die Wunde streuen. Den Keil der Spaltung und Feindschaft weiter tiefer hineintreiben.

Die jüngsten versöhnlichen und freundschaftlichen Entwicklungen zwischen den orthodoxen Christen, allen voran Russland, und den Muslimen, sind der NATO ein Dorn im Auge.
Allen voran Israel! Für eine psychopatische Clique in der NATO sind Versöhnung, Frieden und Freundschaft die reine Pest. Denn der Frieden macht die NATO obsolet.
Daher muss die Lunte im Nahen-Osten am Brennen gehalten werden.

Die Apartheidpolitik Israels wird dadurch befeuert
Auf der Ebene der Geo-Politik wird durch diesen Akt der Schande der Boden für die finale Eroberung und Enteignung der Al-Aqsa Moschee vorbereitet.
Darum bin ich davon überzeugt, das war bei design. Morgen dürfen sich die Muslime nicht mehr beschweren, wenn Israel die Al-Aqsa Moschee als Kriegsbeute erklärt,
diese zerstört und ihren Tempel aufbaut. Und das ohne eine weltweite Empörung.

Ich hätte von der türkischen Regierung das Gegenteil gewünscht.
Klug und weise wäre es gewesen, die Hagia Sophia den orthodoxen Christen feierlich zu überreichen.
Als ein Zeichen des Friedens, der Freundschaft und der Versöhnung. Ein historischer Moment, der wirkliche Grösse gezeigt hätte.
Es hätte in der ganzen Region eine Welle des Versöhnung geschlagen.

Das wäre eine Friedensoffensive gewesen und diese würde alle Kriegstreiber im Nahen Osten in eine schwierige Lage bringen.

Selaam


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zuletzt bearbeitet 16.07.2020 | Top

RE: Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

#4 von Daniel Hader , 19.07.2020 11:43

ZITAT !
Vorwort 2: Im Islam gibt es eine Rechtsschule, die besagt, dass ein rituelles Gebet in einem gewaltsam seinem Eigentümer entrissenen Gebäude (insbesondere, wenn es sich um ein Gotteshaus handelt), ungültig ist.
ZITAT ENDE !



Die ganze Stadt Istanbul ist bei Ihrer Eroberung gewaltsam seinen Vorbesitzern entrissen worden. Ergo, müsste es in der ganzen Stadt oder in zumindest großen Teilen der Stadt religionsrechtlich problematisch sein, das Ritualgebet durchzuführen.


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zuletzt bearbeitet 19.07.2020 | Top

RE: Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

#5 von Yavuz Özoguz , 20.07.2020 15:39

Zitat
Die ganze Stadt Istanbul ist bei Ihrer Eroberung gewaltsam seinen Vorbesitzern entrissen worden. Ergo, müsste es in der ganzen Stadt oder in zumindest großen Teilen der Stadt religionsrechtlich problematisch sein, das Ritualgebet durchzuführen.



Die Aussage ist nicht korrekt. Es gibt kein Stück Land dieser Erde, das nicht irgendwann von irgendwem "geraubt" worden ist. Aber die gewaltsäme Änderung der politischen Verhältnisse bedeutet nicht, das Gebetsverbot. Die allermeisten Grundstücksbesitzer der damaligen Zeit haben ihr Grundstück behalten. Das Land drumherum gehörte niemandem. 90% des heutigen Istanbul steht auf Land, dass damals nicht besiedelt war. Insofern kann der obige Maßstab gar nicht angewandt werden, bsi auf sehr wenige Grundstücke wie die Hagia Sophia oder Hagia Irene. Viele alte Kirchen sind weiterhin im Kirchenbesitz.

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RE: Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

#6 von Werner Arndt , 20.07.2020 16:52

Zitat von Yavuz Özoguz im Beitrag #1
Im Islam gibt es eine Rechtsschule, die besagt, dass ein rituelles Gebet in einem gewaltsam seinem Eigentümer entrissenen Gebäude (insbesondere, wenn es sich um ein Gotteshaus handelt), ungültig ist.


Ohne dies jetzt auf Konstantinopel und die Hagia Sophia übertragen zu wollen – aber sind nicht Konstellationen denkbar, in denen die gewaltsame Übernahme eines Territoriums legitim ist? Wäre die Nutzung vorhandener Gebetsstätten für rituelle Gebete dann regulär?

Zitat

5.14 Wie Moses sein Volk vergeblich auffordert, das von Gott versprochene Land durch Dschihad einzunehmen [5:20-26]

Und (damals) als Moses zu seinem Volke sagte: "O mein Volk, besinnt euch auf Allahs Huld gegen euch, als Er aus eurer Mitte Propheten erweckte und euch zu Königen machte und euch gab, was Er keinem anderen auf der Welt gegeben hat. [5:20]
O mein Volk, betretet das heilige Land, das Allah für euch bestimmt hat, und kehret (Ihm) nicht den Rücken; denn dann werdet ihr als Verlierer umkehren." [5:21]
Sie sagten: "O Moses, siehe, dort lebt ein tyrannisches Volk, und wir werden es (das Land) nicht betreten, ehe jene es nicht verlassen haben. Doch wenn sie es verlassen, dann wollen wir dort einziehen." [5:22]
Es sagten zwei Männer von denen, die gottesfürchtig waren, und denen Allah Seine Gnade erwiesen hatte: "Zieht durch das Tor ein und wendet euch gegen sie; seid ihr eingezogen, dann werdet ihr siegreich sein. Und vertraut auf Allah, wenn ihr Iman habt." [5:23]
Sie sagten: "O Moses, nimmermehr werden wir es betreten, solange jene dort sind. Gehe denn du mit deinem Herrn und kämpft; wir bleiben hier sitzen." [5:24]
Er sagte: "Ich habe nur Macht über mich selbst und meinen Bruder; darum scheide Du uns von dem aufrührerischen Volk." [5:25]
Er sprach: "Wahrlich, es (das Land) soll ihnen vierzig Jahre lang verwehrt sein; sie sollen auf der Erde umherirren. Und betrübe dich nicht wegen des aufrührerischen Volkes." [5:26]


5.14.1 Tafsir
Aus [IbnKathir]: Ibn Kathir: “Als Moses, Friede sei mit ihm, aus Ägypten ausgezogen war und mit dem Volk Israel gen Jerusalem zog, fand er dort ein tyrannisches Volk vor: Hethiter (arab. hithanijjin), Pharisäer (arab. phizarijjin) und Kanaaner. Da befahl Moses seinem Volk das Land zu betreten, einen Dschihad gegen das dortige Volk zu führen und sie aus Jerusalem zu vertreiben. Denn Allah hatte ihnen dieses Land zugesprochen – Er hatte es ihnen durch Abraham und Moses versprochen. Da weigerte sich das Volk Israel und wollte keinen Dschihad führen. Allah ließ daraufhin Furcht ihre Herzen erfüllen und ließ sie 40 Jahre lang umherirren. Dies ist der Inhalt der Koranverse [5:20-26]." [61]

Abdullah ibn Mas'ud sagte, dass al-Miqdad am Tag der Schlacht von Badr zum Gesandten Allahs (s.a.s.) sagte: “O Gesandter Allahs, wir sagen dir nicht wie die Kinder Israels zu Moses: “Gehe denn du mit deinem Herrn und kämpft; wir bleiben hier sitzen." [62]. Sondern wir sagen: 'Ziehe los und wir sind mit dir'....” [63]


____________________________
[61] Ibn Kathir führt in [IbnKathir] im Unterkapitel "Beginn des Umherirrens des Volkes Israel" zunächst diesen Text an und zitiert dann die entsprechenden Koranverse.
[62] 5:24
[63] Dies berichteten Buchari (3952, 4609), Ahmad u.a. Der hiesige Wortlaut ist der von Buchari (4609).


Quelle:
Erläuterung des Koran (Tafsīr)
Band 3, S. 86 ff.
http://islamicbulletin.org/de/ebooks/kor...ura_5_und_6.pdf



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zuletzt bearbeitet 20.07.2020 | Top

RE: Die Heilige Weisheit ist bei der Hagia Sophia verloren gegangen

#7 von Werner Arndt , 22.07.2020 15:42

Zitat
Die kleinen Schwestern der Hagia Sophia

Mal geht es um Machtpolitik, mal schlicht darum, ein Gebäude vor dem Verfall zu retten: Europa ist voll mit religiösen Gebäuden, die eigentlich zu anderen Zwecken gebaut wurden.

Die Aufregung über die Umwidmung der Hagia Sophia scheint keine Grenzen zu kennen: Als „Schlag gegen die Allianz der Zivilisationen“ bezeichnete Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn die Pläne der türkischen Regierung. Von einem „zutiefst provokanten Akt gegen die internationale Gemeinschaft“ sprach Griechenlands Präsidentin Katerina Sakellaropoulou. Und in Deutschland deutete der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland Ali Ertan Toprak das Vorhaben sogar als „Kriegserklärung an den Westen“.

Um die Frage, ob die Empörung über die Umwidmung des Gebäudes, in dem seit seiner Eröffnung im Jahr 537 schon nach römischen (bis 1054), orthodoxen (bis 1204), katholischem (bis 1261), wieder orthodoxen (bis 1453) und islamischen Ritus (bis 1935) gebetet wurde und das seitdem ein Museum beheimatet, angemessen ist, soll es in diesem Text allerdings nicht gehen.

Stattdessen handelt er von einigen der vielen anderen religiösen Gebäuden, in denen einmal Gläubige anderer Konfessionen beteten. Denn auch wenn die Empörung im Fall der Hagia Sophia wohl einmalig ist, die Umwidmung von Gotteshäusern ist es nicht...

http://www.schantall-und-scharia.de/hagiasophia/

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