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Kein "Tag der Befreiung"

#1 von Dr.Josef Haas , 07.05.2020 11:16

Kein "Tag der Befreiung"

Der 8.Mai 2020, an dem vor 75 Jahren der zweite Weltkrieg, zumindest in Europa,
sein Ende fand, veranschaulicht wieder einmal die erschreckende geistige Uni-
formität, welche hierzulande bei der Betrachtung eines solchen Datums zu verzeichnen
ist. Selbst ein Alexander Gauland, Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, der ja
beispielsweise das "Lebensrecht Israels" durch die Bundeswehr verteidigt sehen möchte,
hat diese Realität mittlerweile nahegebracht bekommen.
Seine Äußerung, dass der 8.Mai "ein Tag der absoluten Niederlage für Deutschland" gewesen
sei, löste nämlich umgehend eine vernichtende Kritik aus, bei der sich- selbstverständlich-
Joseph Schuster, der Präsident des "Zentralrats der Juden in Deutschland", in besonderer
Weise hervortat.
Dem missfiel nämlich, dass Gauland "die Deutschen vor allem als Opfer dargestellt" habe.
Ich, so der lange nach dem zweiten Weltkrieg Geborene, "empfinde das als geschichtlich
verzerrende Relativierung der NS-Verbrechen und verantwortungslos".
Womit wieder einmal deutlich gemacht wurde, dass hierzulande zwischen der Beurteilung
menschlichen Leides ein gnadenloser Unterschied gemacht wird, denn scheinbar oder
tatsächlich gebührt nur noch den seinerzeit ermordeten Juden der moralische Respekt,
während er den oft genug unter ähnlich grausamen Umständen umgebrachten Deutschen
konsequent verweigert wird.
Inzwischen ist diese unmenschliche Einstellung in unseren Breiten zur Mehrheitsmeinung
geworden, was aber doch nur den moralischen Bankrott der sie Vertretenden dokumentiert.
Mit dieser ihrer perversen Verhaltensweise gehen sie zugleich mit geschlossenen Augen an
dem Leid und Unrecht vorbei, das durch die deutsche Kapitulation 1945 weltweit seinen
Lauf nahm.
Hunderttausende Menschen verloren seitdem durch die von den USA, Großbritannien, Frankreich
oder die seinerzeitige Sowjetunion herbeigeführten Kriege und sonstigen militärischen Auseinan-
dersetzungen ihr Leben, und dies oft genug auf grausamste Art und Weise.
Keiner der dafür Verantwortlichen wurde, im Gegensatz zum Nürnberger Siegertribunal 1945/46,
jemals dafür belangt und zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen.
Auch wenn es in dieser BRD einem immer schwerer gemacht wird, eine derartige Meinung noch
zu äußern, so steht für mich jedenfalls eines unverrückbar fest: Dieser 8.Mai war für die Mehrheit
der damaligen Deutschen kein "Tag der Befreiung", sondern stattdessen oft genug der Zeitpunkt
neuen Leides und vieler persönlicher Härten.
Gerade außerhalb Europas wurde dadurch die Ausbeutung der in Kolonien zu leben gezwungenen
Menschen durch die westlichen Siegermächte verfestigt und verstärkt.
Und vor allem und nicht zuletzt: Im Nahen Osten begann für die Menschen Palästinas und deren
Nachbarschaft durch die Gründung des Staates Israel eine Leidenszeit, welche bis zum heutigen
Tag nichts von ihrem Schrecken eingebüßt hat.
Gerade sie sind dadurch als weitere Opfer dieses 8.Mai 1945 anzusehen.
Möge man auch diese Tatsache nicht vergessen!

Dr.Josef Haas  
Dr.Josef Haas
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