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Todes-Richter in Hannover oder misslungene Verschwörung der Propagandaschreiber?

#1 von Yavuz Özoguz , 09.01.2018 15:05

Todes-Richter in Hannover oder misslungene Verschwörung der Propagandaschreiber?

Der ehemalige oberste Richter der Islamischen Republik Iran befindet sich in Hannover in einer Spezialklinik zur Behandlung, und die Zionismus-Lobby in Deutschland bläst – einmal mehr – zum propagandistischen Angriff auf den Islam und die Gelehrten. Das könnte – einmal mehr – zu einer großen Niederlage werden.



Zunächst einmal die Fakten: Ayatollah Sayid Mahmoud Haschemi Schahrudi ist ein Geistlicher der Islamischen Republik Iran, der in der Zeit 1999-2009 das Amt des obersten Richters bekleidet hat. In seinem Lebenslauf steht unter anderem, dass er bei seinem Studium in Nadschaf (Irak) von dem damals vom Westen gestützten Saddam verhaftet worden ist. Er war Student von Ayatollah Muhammad Baqir al-Sadr, einem der größten irakischen Gelehrten unserer Epoche, der damals zusammen mit seiner berühmten Schwester Bint-ul-Huda von Saddam ermordet worden ist. Ayatollah Schahrudi war damals der Kontaktmann zwischen dem irakischen Großgelehrten und Imam Chomeini, dem Gründer der Islamischen Republik Iran.

Ayatollah Schahrudi war Mitglied der dritten Wahlperiode der Expertenversammlung, hat aber nicht für die Wahlen der vierten Wahlperiode kandidiert. Im Jahr 2013 berief ihn Imam Chamenei unter anderem zum Mitglied des Schlichtungsrats und des Wächterrats. Zusätzlich dazu lehrt er an der Religions-Hochschule in Qum. Seit 2017 ist er Vorsitzender des Schlichtungsrats. In der Westlichen Welt könnte Ayatollah Schahrudi vor allem bekannt sein für das Aussetzen der Steinigung als Strafe im Jahr 2002 nach dem Beispiel Jesu, da die Bedingungen für solch eine Strafe nicht (mehr) erfüllt sind. Davon ist aber in der aktuellen Hetz-Berichterstattung kaum noch die Rede. Die pro-zionistische Springer-Presse hat mit ihren bekannten Anti-Iranschreibern zum Generalangriff auf diesen Ayatollah und den Iran geblasen.

Hintergrund ist der Aufenthalt des Ayatollah in einer Spezialklinik in Hannover zur Behandlung eines Gehirntumors, unter dem er bereits lange leidet. Leiter jener Luxusklinik ist der weltberühmte Hirnchirurg Prof. Madjid Samii, ein Spezialist mit mehr als zwei Dutzend Ehrendoktortiteln aus der ganzen Welt. Ungefähr drei Wochen nach seiner Einlieferung startete die Bild-Zeitung eine typische Kampagne, um den Islam und das „Mullah-Regime“ zu diskreditieren, die in Titelzeilen wie „Anzeige gegen Irans Todes-Richter“ mündeten [1]. Wer sonst sollte ihn angezeigt haben als der faktische Quasi-Pressesprecher der zionistischen Apartheidspolitik im Bundestag namens Volker Beck [2].

Der Patient liegt bereits mehrere Wochen in der Klinik. Warum kam erst jetzt die Meldung? Die ersten und einzigen Fotos erschienen bei der iranischen Nachrichtenagentur ABNA [3]. Bei absoluter Missachtung jeglicher Copyright-Bestimmungen haben westliche Medien, inklusive Bild-Zeitung, das Foto übernommen und verbreitet. Die möglichen Strafkosten für Rechtsverstöße werden bereits mitberücksichtigt und kratzen die selbsternannten Hüter über das westliche Rechtssystem nicht. Der Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg Ayatollah Ramezani hatte dem kranken Patienten einen im Islam nahezu verpflichtenden Krankenbesuch abgestattet. Die verbreiteten Fotos zeigen, wie er am Krankenbett des Patienten sitzt. Neben ihm sitzt Prof. Madjid Samii. Offen bleibt die Frage, wer die Fotos an ABNA weitergeleitet hat und warum.

Der Angriff auf den Iran und auch Islam schien dieses Mal besonders gelungen. Zum einen wird auf die Todesurteile abgehoben, die der ehemalige Richter angeblich auch gegen Kinder verhängt haben soll. Zum andern handelt es sich bei dem Krankenhaus um eine der teuersten Spezialkliniken Deutschlands. Die Behandlung eines Verantwortungsträgers des Iran in solch einer Spezialklinik in einer Zeit, in der es Demonstrationen im Iran aufgrund von sozialer Ungerechtigkeit gibt, war eine Steilvorlage für die Anti-Iran-Propaganda.

Die Faktenlage scheint zunächst einmal eindeutig, aber wenn man genauer hinschaut, könnte die aktuelle Propaganda schon mittelfristig zu einem weitern Sieg der Islamischen Revolution gegen Verschwörungen des Westens werden. Während das Leben des Patienten mehr als durchleuchtet wird, wird die Rolle des Institutsleiters Prof. Madjid Samii kaum hinterfragt. Nur ein Hannoveraner Regionalblatt hakt vorsichtig nach und die Antwort des Professors ist einleuchtend: „Wenn ein Arzt einem Patienten wegen dessen politischer Einstellung die Behandlung verweigert, müsste man ihm die Approbation entziehen“, außerdem hätte er selbst auch RAF-Terroristen behandelt [2]. Wie bitte? Vergleicht hier der Professor den aktuellen Patienten mit RAF-Terroristen? Allein dieser Hinweis macht ein genaueres Nachhaken notwendig.

Wer ist dieser Prof. Madjid Samii? In Deutschland hat er mit Mitteln des Siemens-Konzerns, der privaten Klinikkette Asklepios sowie einem Bankenkonsortium das weltberühmte International Neuroscience Institute gegründet. Was aber viele nicht wissen. Ein doppelt so großes und ähnlich gut ausgestattetes Institut hat er in Teheran mit iranischen staatlichen Mitteln aufgebaut. Sein Freund, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, hat ihn zur Gründung in den Iran begleitet. Dass dieser Mann offensichtlich nachweislich kein besonderer Freund der Islamischen Revolution ist, kann man allein an seinen Auszeichnungen erkennen:
Er war 1982 Gastprofessur an der Elite-Universität Harvard in (USA), seit 1988 hat er eine Gastprofessur auf Lebenszeit an der Medizinischen Fakultät der University of California (USA). Er ist Ehrenprofessor für Neurochirurgie der University of Florida (USA) und er erhielt die Goldene Ehrenmedaille der neurochirurgischen Gesellschaft von Amerika. Neben den USA ist er auch in vielen anderen Ländern der Welt ausgezeichnet worden, zumeist in der Westlichen Welt. Hätte er in den letzten fast vier Jahrzehnten auch nur ein einziges Mal andeutungsweise etwas Positives über die Islamische Revolution und das System der Islamischen Republik Iran von sich gegeben, hätte er keine einzige dieser Auszeichnungen erhalten. Viele Iraner sind zwar stolz auf solch eine weltweit großartige medizinische Kapazität, aber sie dürften jetzt etwas verwundert sein über den RAF-Vergleich. Das ist nicht alles. Die Hannoversche Allgemeine schreibt: „Er habe den Namen Schahrudi vor dem Bekanntwerden des Falls noch nie gehört, sagte Samii. „Wir können nicht jeden Patienten vor seiner Aufnahme auf seine politische Vergangenheit hin durchleuchten“.“ Der Mann, der mit iranischen staatlichen Geldern eine der größten Kliniken im Iran aufgebaut hat, will den Namen des zehn Jahre lang Obersten Richters des Landes nie zuvor gehört haben. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage, dürfte sie zu einigen Irritationen im Iran führen.

Die Springer-Presse lässt den hochdekorierten Professor in Ruhe, kein Wunder, war er doch Ehrengast zum Festakt zum 100. Geburtstag von Axel Springer [4]. Die Internationalen Stiftung Neurobionik, dessen Präsident er ist, erhielt Spendengelder vom Lions Club und vom Axel Springer Verlag AG [5]. Und in seinem Vorstand sitzt unter anderem Klaus Goehrmann, der Mitglied im Rotary Club ist. Prof. Samiis Institut in Hannover bietet zwar Kosher-Speise an, was sehr zu begrüßen ist, aber Hinweise zu Halal waren erstaunlicherweise nicht zu finden [6].

Zweifelsohne werden die iranischen Reporter sowohl auf Seiten der Anhänger als auch der Gegner der amtierenden Regierung im Iran jetzt penibel nachforschen, wie Ayatollah Schahrudi diesen Aufenthalt in einer der teuersten Kliniken Deutschlands finanziert hat. Aus den Mitteln, die er als Staatsbeamter erhält, kann er sich solch einen Aufenthalt nicht leisten. Sollte bei den Recherchen herauskommen, dass Prof. Samii ihm den Aufenthalt möglicherweise geschenkt hat, um ihn in den Westen zu locken, würde das sicher neue Fragen aufwerfen. Eine andere mögliche Finanzierungsquelle könnte ein im Iran übertrieben reich lebender Sohn sein, der das Ansehen seines Namens für Geschäfte missbraucht hat.

Sachkundige Experten aus dem Iran vermuten, dass dem Gelehrten eine Falle gestellt wurde und Ayatollah Schahrudi in der Not seiner schweren Krankheit in die Falle hineingeraten ist. Unklar bleibt, wer ihm die Falle gestellt hat. Das wird dem Ansehen dieses ehemaligen Hoffnungsträgers innerhalb der Islamischen Republik Iran nicht zuträglich sein. Völlig unabhängig davon wünschen die Anhänger der islamischen Befreiungstheologie ihm von ganzen Herzen gute Besserung und baldige gesunde Heimkehr.

Das Theater um sein Krankenbett wird in Deutschland in wenigen Wochen durch andere Angriffe auf die Islamische Republik Iran abgelöst werden. Aber genau jenes temporäre Theater könnte sich zum weiteren Sieg der Islamischen Revolution ausweiten. Zum einen wird in Zukunft kein einziger Verantwortungsträger mehr sich jemals im westlichen Ausland behandeln lassen. Und zum anderen könnten bisher geachtete Wissenschaftler mit westlichen Auszeichnungen immer skeptischer beäugt werden im Iran. Beides ist für die langfristige Entwicklung der Islamischen Republik Iran von großem Nutzen und ein weiterer Schritt zur Befreiung aus dem Klammergriff des schwankenden Imperiums. Dafür kann man – wie immer – mehr als nur dankbar sein.

[1] http://www.bild.de/politik/ausland/polit...04214.bild.html
[2] http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt...tient-Schahrudi
[3] http://fa.abna24.com/news/%D8%A7%D8%AE%D...%88_730626.html
[4] http://springer-verlag.de/dl/2037184/BZ_..._BZ-reduced.pdf
[5] http://www.neurobionik-stiftung.de/JAHRESBERICHT_2016.pdf
[6] http://ini-hannover.info/services.html


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zuletzt bearbeitet 10.01.2018 | Top

RE: Todes-Richter in Hannover oder misslungene Verschwörung der Propagandaschreiber?

#2 von Dr.Josef Haas , 09.01.2018 19:15

Herzlichen Dank Herr Dr.Özoguz für diese ebenso detaillierte wie in jeder Hinsicht nachvollziehbare Analyse.
Die schmierigen Methoden des Kampfes gegen die iranische islamische Revolution wurden darin sehr deutlich
aufgezeigt.
Erfreulich, dass Sie auch diverse plutokratische Hilfstruppen wie den sog."Lions-Club" nicht ausgespart haben.
Nach wie vor und mehr denn je geht es ja auch 2018 um den Versuch des Zionismus, mit Hilfe US-Amerikas,
seinen Wunschtraum von einem israelischen Großreich, das vom Jordan bis zu Euphrat und Nil reichen soll, zu
verwirklichen.
Eines der wichtigsten Hindernisse bei der Realisierung dieses verbrecherischen Zieles war und ist bekanntlich
die Islamische Republik Iran. Deshalb die permanente Hetze, beileibe nicht nur von "BILD", gegen sie!

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