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Sind im Islam „Ungläubige“ schlimmer als Tiere?

#1 von Yavuz Özoguz , 05.03.2017 15:07

Sind im Islam „Ungläubige“ schlimmer als Tiere?

Es gehört zu den Wesenszügen einer Zeit der Ignoranz, dass man einander nicht mehr zuhört, sondern nur noch gegenseitig beschimpft ohne jegliches Wissen zu haben. Volksverhetzende Angriffe auf Muslime gehören inzwischen zum Alltag des Bundesrepublik Deutschland und dazu die gerade wahnwitzige Anmaßung, dass jeder glaubt ein Islamexperte zu sein.



Jene Islamexperten fühlen sich zudem geradezu von einem inneren Missionseifer getragen, die gesamte Menschheit darüber aufklären zu wollen, wie unmenschlich der Heilige Quran sei, den sie weder verstehen noch verstehen wollen. Sie lesen einige wenige Verse in einer mittelmäßigen Übersetzung und glauben daher gleich, den gesamten Islam verurteilen und alle Muslime anklagen zu dürfen.

Einer dieser Verse, die als „Kronzeuge“ für die angebliche Unmenschlichkeit des Islam dient, ist der Vers 8:55. Der berühmte deutsche Koranübersetzer Rudi Paret übersetzt den Vers folgendermaßen:

„Als die schlimmsten Tiere gelten bei Allah diejenigen, die ungläubig sind und nicht glauben werden.“

Als eine der besten Übersetzungen ins Deutsche gilt diejenige des libanesischen Christen Adel Theodor Khoury:

„Die schlimmsten Tiere bei Gott sind die, die ungläubig sind und weiterhin nicht glauben“

Obwohl es sich bei beiden Übersetzungen sicherlich eher um die besseren der über 30 bestehenden Übersetzungen handelt, sind sie dennoch ungenau. Es gibt allerdings noch viel „schlimmere“!

Der Vers beginnt im Arabischen mit einer Art Betonung in dem Sinn „wahrlich“. Danach steht nicht das im Arabischen gebräuchliche Elativ (vgl. dem deutschen Superlativ), sondern die normale Steigerungsform von „schlimm“ oder „übel“. Und es geht in dem Vers auch nicht um „Ungläubige“, wie es in den übelsten Übersetzungen steht, sondern um Menschen, die etwas Bestimmtes tun! Ich kann belegen, dass der Begriff „Ungläubige“ für den arabischen Begriff „kafir“ unsinnig ist. Denn in Sure 109 würde dann stehen: „O ihr Ungläubigen, … euch Eure Religion und mir meine.“ Daher und aufgrund der Wortwurzel bevorzuge ich den Begriff „Abstreitende“. Unabhängig davon, ob man den Begriff „Ungläubige“ oder „Abstreitende“ verwendet, so sind beide hier nicht angebracht, denn dort steht, „diejenigen, die…“ und dann folgt ein Verb. Bezogen auf unsere beiden Begriffsmöglichkeiten hieße das: „die unglauben“ oder „die abstreiten“. Unglauben als Verb ist im Deutschen eher unüblich, daher retten sich Paret und Khoury mit „ungläubig sind“. Das aber führt zu dem Fehler, dass damit eine bestimmte Menschengruppe im Allgemeinen impliziert wird, wohingegen hier eine Menschengruppe betrachtet wird, die eine bestimmte Handlung ausübt. Sonst würde das Ende des Verses gar keinen Sinn ergeben. Am Ende steht nämlich: „so sind sie nicht gläubig“ bzw. wie ich es übersetze: „so sind sie nicht überzeugt“.

Unsere Übersetzung lautet dann insgesamt: „Wahrlich, übler als die Tiere sind bei Allah jene, die abgestritten haben, so sind sie nicht überzeugt.“

Der Vers betrifft jeden, ob Muslim oder nicht! In dem Moment, in dem er durch Abstreiten der Wahrheit etwas Übles tut, wird er „übler“ als jedes Tier. Aber warum ist das so? Und welchen Sinn haben die Tiere in der Schöpfung?

Als regelmäßiger Zuschauer der 20:15 Uhr Sendungen im Dritten, in denen alle möglichen Tiere vorgestellt werden und regelmäßiger Zoobesucher, bin ich fasziniert von den Tieren und ihren sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Der Mensch soll alle Tiere studieren und erkennen, wie er selbst wäre, wenn er bestimmte Aspekte seiner Menschlichkeit vernachlässigt. So kann ein Mensch Schwein sein, Kamel, Esel, Schaf und vieles andere mehr. Er kann ein Elefant im Porzellanladen sein und dabei einen Affentheater veranstalten. Er kann ein toller Hecht sein oder sich winden wie ein Aal. Er kann eine Eintagsfliege sein oder ein Floh im Ohr. Er kann ein Frosch im Hals sein oder wie der Geier auf etwas stürzen. Er kann ein Hai sein wie die Bänker oder Heuschrecke wie die Hedge-Fonds. Er kann ein alter Hase sein, wenn er nicht im Pfeffer liegt oder ein blindes Huhn, das ein Korn findet. Als Hahn im Korb ist er zuweilen ein bunter Hund, oder ein Kaninchen vor der Schlange. Als Katze kommt er aus dem Sack und beißt dann in seinen Schwanz. Wer krebsrot anläuft hat zumeist keine Kuhhaut. Manche haben Motten im Kopf und schlafen wie ein Murmeltier. Wer glaubt das beste Pferd im Stall zu sein, könnte genau vom Pferd getreten worden sein, falls das Pferd nicht gleich kotzt. Ein schwarzes Schaf will niemand sein, selbst wenn er die Sau rauslässt. Und spinnefeind zu sein ist unter aller Sau. Der frühe Vogel darf Würmer speisen und hat keinen Grund stolz wie ein Pfau zu sein oder schlau wie ein Fuchs. Würmer leben offensichtlich in Nasen und wollen herausgezogen werden. Kurz: Diese Art von Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Ja, der Mensch soll alle Tiere studieren um zu erkennen, wie er nicht sein soll. Denn als Träger des Geistes Gottes ist er zu mehr fähig. In zwei sich wiederholenden Versen im Heiligen Quran (15:29, 38:72) wird deutlich, dass jedem Menschen der Geist Gottes eingehaucht wird. Jeder Mensch hat im Islam diese Stufe und das Potential die höchste Stufe der Liebe zu erlangen. Merkwürdig nur, dass die Islamhasser jene Verse immer übersehen, denn selbst ihnen ist der Geist Gottes eingehaucht.

Warum aber stützt der Mensch noch tiefer in seiner Unmenschlichkeit als ein Tier? Die Antwort darauf ist sehr einfach: Kein Tier ist so, wie er ist, aus ungehorsam gegenüber dem Schöpfer. Er ist so erschaffen und folgt seinem Schöpfungsziel. Aber der Mensch widerspricht seinem Schöpfungsziel, wenn er sich seinen Trieben hingibt und wie ein Tier wird, weshalb er dann übler ist als ein Tier.

Bliebe abschließend noch die Frage, ob der Heilige Quran die einzige Schrift ist, in der Menschen als Tiere bezeichnet werden? Im Evangelium des Lukas 13:32 nennt Jesus einen Menschen „Fuchs“. In den Klageliedern 4:3 heißt es: „Selbst Schakale reichen die Brust, säugen ihre Jungen; die Tochter meines Volkes ist grausam geworden wie die Strauße in der Wüste.“ Hier sind also die Nachkommen schlimmer als Schakale! Die Vielfalt der Tiere in der Bibel ist so groß, dass der Heilige Quran da nicht mithalten kann.

Doch dieser Hass, der von immer mehr Menschen in diesem Land gegen die Muslime ausgeht, ist ein Zeichen dafür, wie unmenschlich sie geworden sind. Und was ist „unmenschlich“? Es ist die Aufgabe eines jeden, die Wahrheit liebenden Menschen, wieder Menschlichkeit in der Gesellschaft zu verbreiten, damit auch jenen, die sich als Tier gebärden, eine Chance gegeben wird, zurück zur Liebe zu finden, für die sie erschaffen worden sind.


Yavuz Özoguz  
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zuletzt bearbeitet 05.03.2017 | Top

   

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