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Die USA haben den Irak für immer verloren – so Gott will!

#1 von Yavuz Özoguz , 14.12.2016 19:54

Die USA haben den Irak für immer verloren – so Gott will!

Eine unerwartete Liebeserklärung an das irakische Volk

Zweifelsohne gehörte meine Wenigkeit zu den kritischsten Betrachtern des irakischen Volkes. Wenn Iraker damit prahlten, dass in ihrem Land die meisten Imame begraben seien, war meine Antwort, weil Eure Vorfahren sie umgebracht haben. Nie habe ich den alten dumpfen, geradezu fanatischen Nationalismus einiger Iraker verstanden. Wenn Meinesgleichen von sich gab: „Wir sind nicht das Volk von Kufa“, war damit gemeint, dass wir nicht unseren heutigen Imam im Stich lassen. Kufa stand für eine Ideologie des Verrats und der Heuchelei, unter der gleich mehrere der reinen Imame (a.) schwer zu leiden hatten und die zur Tragödie von Aschura in Kerbela geführt hat. Der Begriff „Kufa“ stand für eine geistige Haltung und nie für eine geographische Region. Jeder, der sich mit der Geschichte von Aschura befasst hat, weiß, dass auch Bürger aus Kufa unter Lebensgefahr die Stadtmauern verlassen haben, um an der Seite von Imam Husain (a.) Märtyrer zu werden. Dennoch: Die meisten Bürger Kufas haben den Imam im Stich gelassen wenn nicht gar verraten. Als um Imam Husain (a.) getrauert wurde, waren die Bürger Kufas und ihresgleichen an erster Stelle. Sie liefen am Kerker vorbei, in dem der legitime Nachkomme Imam Husains (a.) eingesperrt war, ließen ihn im Stich und wanderten nach Kerbela, um dort zu trauern. Trauern war so viel einfacher, als für die Wahrheit aufzustehen. Diese verheerende Geschichte pflanzte sich bis in die heutige Zeit fort. Kurze Episoden des Widerstandes sind Ausnahmen, welche die Regel bestätigen.

Als 1979 in der Islamischen Republik Iran die Islamische Revolution ausgerufen wurde, gab es auch großartige Gelehrte im Irak, die zur Unterstützung Imam Chomeinis aufgerufen haben. Sie wurden im Stich gelassen. Allen voran wurde einer der größten Gelehrten seiner Zeit Ay. Muhammad Baqir Sadr zusammen mit seiner Schwester Bint-ul-Huda massakriert, ohne dass es Aufstände im Land gab. Der Aufruf Muhammad Baqir Sadrs „verbindet euch mit Imam Chomeini, wie er mit dem Islam verschmolzen ist“ verhallte nahezu ungehört im Sumpf der irakischen Geschichte. Als wenn das nicht genug wäre, griff Saddam mit seiner Armee (darunter auch viele Schiiten) die noch junge und nahezu wehrlose Islamische Republik Iran an. Es gab keine ernsthafte Rebellion in der Armee. Erst als Jahre später George Bush Senior die Schiiten dazu aufforderte sich von Saddam zu befreien, gab es einige Aufstände, die im Blutbad Saddams endeten, weil Bush ihnen eine Falle gestellt hatte. Wer die Heiligkeiten seiner Zeit ignoriert und gleichzeitig auf den Satan seiner Zeit hört, wird hart getroffen.

Die Iraker wurden so hart getroffen, dass jeder Mensch, der noch ein schlagendes Herz in seiner Brust trägt, um dieses Volk getrauert hat. Allein die Uranmunition, die der große Satan im Land hinterlassen hat und die grausamen Folgen bei den unschuldigsten aller Menschen, den Kleinkindern, war kaum zu ertragen. Das Land wurde fürchterlich gebeutelt. Einstmals blühende Metropolen wurden von den vom Westen finanzierten und unterstützten Monstern des IS überfallen, die grausamste Massaker angerichtet haben. Teils korrupte Politiker sorgten dafür, dass von ausländischen Hilfsgeldern kaum etwas beim Volk ankam. Während in Bagdad eine klitzekleine Schicht von Superreichen nie satt wurde, musste der Großteil des Volkes leiden und verarmte zu einem der ärmsten Völker der Welt. Irakische Schiiten in Deutschland kauften alle möglichen schiitischen Bücher, nur nicht von Imam Chomeini, Imam Chamene’i und Muhammad Baqir Sadr bzw. seiner Schwester, obwohl es viele Bücher von ihnen in Deutsch gibt.

In genau diesem Umfeld geschah etwas, womit kaum jemand gerechnet hatte. Selbst die westlichen Medien, die sonst Explosionen revolutionärer Bewegungen kaum übersehen, scheinen die Entwicklung völlig verschlafen zu haben. Der so genannte Arba’in-Marsch, der seit Saddams Tod wieder regen Zulauf genoss, explodierte zu einer internationalen Massenveranstaltung, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Auch meine Wenigkeit wurde von den zumindest unter Schiiten bekannten Nachrichten angezogen. Was war das für ein Marsch, zu dem bis zu 20 Millionen Menschen aus der ganzen Welt kamen? Ich wollte es mit eigenen Augen sehen. Um nicht „indoktriniert“ zu werden, schloss ich mich einer afghanischen Gruppe an, die sicher nicht Gefahr lief, Propaganda für den Irak zu betreiben.

Demonstrativ hatte unsere deutschsprachige Gruppe ein Dutzend Deutschland-Flaggen mit einem Gemälde zu Imam Chamene’i dabei. Fast wie ein arroganter Westler, reiste meine Wenigkeit in den so rückschrittlichen Irak, um diesen Leuten endlich einmal Imam Chamene’i näher zu bringen, da das Leid, welche sie zu ertragen hatten, meines Erachtens genau darauf beruhte, dass sie sich von der aus meiner Sicht Heiligkeit unserer Zeit entfernt hatten.

Bei der Ankunft im Flughafen von Bagdad wurden meine schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Völlig gelangweilte Passbeamte hatten kein Stück vor, den in langen Schlangen wartenden Gästen Imam Husains (a.) irgendeine Erleichterung zu gewähren. Beide mit Saddam-Schnautzbart arbeitende Beamte traten vor allem dadurch hervor, dass sie nicht arbeiteten. Der eine musste zwischen jeden zwei Pässen irgendwelche Privatgespräche auf seinem Handy führen. Der andere war überfordert damit, dass überhaupt Leute in den Irak einreisen wollten und machte Fotos mit einem Computer und einer Kamera, bei der jedes Handy bessere Qualität liefert. Im Flughafen der Hauptstadt war ein einziger Flieger gelandet, und die Passagiere brauchten Stunden, bis sie zu ihren Koffern durften. Und – wie sollte es anders sein – ein Koffer fehlte. Alles lief wie erwartet, ich war bei genau dem irakischen Volk angekommen, das die aktuelle Misere bewirkt hatte. Unterwegs nach Nadschaf mussten wir unseren Busfahrer geradezu anflehen zum Morgengebet anzuhalten, denn die Sonne war kurz davor aufzugehen. Er sah von sich aus keine Notwendigkeit dazu anzuhalten. So war also der Glaube dieser Iraker! Nachdem wir nach langer Fahrt unsere Herberge in Nadschaf aufgesucht hatten, wollten wir zu Imam Ali (a.); der ist ja zumindest kein Iraker.

Bereits unterwegs zum heiligen Mausoleum gab es einige erste Überraschungen. Da war eine nagelneue Moschee Ay. Muhammad Baqir Sadr gewidmet. Wie konnte das sein? Und immer wieder stießen wir auf Plakate mit Ay. Sistani und Imam Chamene’i, oft zusammen mit anderen Gelehrten. Der Einfluss der Schirazis schien hingegen sehr überschaubar. Merkwürdig war auch das Verhalten dieses Volkes, als ich zusammen mit meiner Frau wieder zurück zur Herberge wollte. Alle 50 Meter wurde ich von einem Iraker geradezu festgehalten. In allen möglichen Sprachen versuchten sie mich dazu zu überreden, dass ich bei ihnen übernachten sollte. Manche warben mit warmer Mahlzeit, warmen Duschen und Internetanschluss; ein verlockendes Angebot angesichts unserer einfachen Herberge. So ein nahezu nötigendes Verhalten kannte ich nur von Istanbuler Bazar. Allerdings wollten diese „Verkäufer“ kein Geld von mir sondern mir unbedingt etwas schenken. Die massenweise Getränke und leckeren Speisen, die uns unterwegs gereicht wurden, übersah ich angesichts dieser „Merkwürdigkeiten“.

Als wir dann am nächsten Tag mit unseren zehn Flaggen aufgebrochen sind, wollte ich es den Leuten hier endlich einmal zeigen. Aber was geschah? Immer wieder zog jemand an meiner Flagge und ich musste den Mast schwer festhalten, drehte mich um, um zu sehen, wer mir die Flagge aus der Hand reißen wollte. Doch es waren Mitwanderer, die die Flagge nur küssen wollten! Was war da los? Fast alle sprachen mich daraufhin mit einer sehr rau klingenden Sprache an, die so gar nicht arabisch klang, wie mein Gehör es kannte. Ich antwortete „farsi balad nistam“ (ich spreche kein Persisch). Mein Gedanke war, dass es ein persischer Dialekt sein müsse. Wer sonst sollte die Flagge Deutschlands mit einem Bild Imam Chamene’is hier küssen wollen. Aber der Küssende verstand auch kein Persisch. Es waren immer wieder Iraker! Es dauerte lange, bis mein Gehör das irakische Arabisch als Solches erkannte. Doch was war hier los? Warum küssten diese Iraker das Bild Imam Chamene’is? Einige kamen auf mich zu um mich danach zu umarmen. Ich wollte ihnen als Dank ein Foto von Imam Chamene’i überreichen. Viele kamen mir zuvor und schenkten mir selbst ein Foto von ihm. Auf der Rückseite war ein zweites Foto: General Qasim Sulaymani. Mit einigen der Iraker konnte ich mich auch unterhalten. Sie bestätigten mein „altes“ Bild des Irak, wiesen aber darauf hin, dass General Qasim Sulaymani die jungen opferbereiten Soldaten des Irak ausgebildet und angeführt hätte gegen die westlichen Monster des IS und zu Siegen geführt hätte. In diesem Rahmen hätte sich das Volk mit der eigenen Geschichte beschäftigt und mit Ay. Muhammad Baqir Sadr, mit Imam Chamene’i, mit dem großen Satan usw… und in der jungen Bevölkerung würde ein großes Umdenken einsetzen. Als er das sagte, liefen wir an Plakaten mit Ay. Muhammad Baqir Sadr und Ay. Hakim vorbei! Später sollte ich noch an einem Freitagsgebet in Kufa teilnehmen, in dem die eigenen korrupten Politiker angeprangert und für die Seelen der beiden segenreichen Ayatollahs gebetet werden sollte.

Diese über 80 km Marsch waren eine Erfahrung, die ich jedem Menschen nur ans Herz legen kann, nicht nur den Schiiten oder Muslimen! Kerbela ist für alle Menschen da! Ein Volk lässt für zwei Wochen alles stehen und liegen und stellt sich 80 km lang am Straßenrand zwischen Straße und Wüste auf, um den marschierenden Gästen zu dienen; alles aus Liebe zu Imam Husain (a.). Essen, Trinken, Schlafstätten, alles wird den Pilgern angeboten, ja selbst Duschen gibt es unterwegs. Kein Cent des Staates fließt in diese Hilfsleistungen, alles ist Eigeninitiative des Volkes! Es gibt Menschen, die darauf warten, dich massieren zu dürfen. Ein greise Mann hatte ein Elektro-Massagegerät und war traurig, wenn man an ihm vorbei gegangen ist, ohne sich massieren zu lassen. Dabei sah er so aus, als wenn er selbst viel mehr die Massage nötig hätte. Niemand komme auf die Idee den Dienern für die Liebe Imam Husain irgendetwas geben zu wollen. Das wäre eine schwere Beleidigung, die sie extrem kränken würde. Als ich einmal einem kleinen Jungen, der unbedingt den Weg vor meinen Füßen fegen wollte, eine kleine Schokolade aus Deutschland überreichte, gab er sie mir zurück! So etwas habe ich in meinem Leben nicht erlebt! Erst auf Intervention des herbeieilenden Großvaters nahm er es doch an.

Unterwegs knien junge Mädchen erhaben und demütig zugleich auf der Straße mit einem großen Tablett auf dem Kopf, das voll mit Süßigkeiten, Gebäck oder leckeren Speisen ist. Wenn das Tablett leer ist, stehen sie auf, gehen in das Zelt der Eltern, in dem Nachschub hergestellt wird, und kommen zurück, um zu dienen! Wer diese Szenerie drei Tage lang von morgens bis Abends miterlebt und hilflos zusieht, wie er als reicher Westler von diesen oft armen Menschen bedient wird, dann zerreißt es die Arroganz im Herzen.

Der Höhepunkt der Hingabe war dann in Kerbela. Mehrere Millionen von Pilgern überfluteten eine Stadt von gerade einmal einer halbe Million Einwohnern. Keine Hotel-Kapazität reicht aus, um diesem Ansturm Herr zu werden, zumal Kerbela eine arme Gegend ist. Ganze Familien verließen ihre eigenen Häuser und übergaben sie viel zu großen Gruppen, die ihre Häuser verwüstet zurückließen. Sie taten es aus Liebe zu Imam Husain (a.). Für einen Tag fiel das Wassernetz teilweise aus wegen totaler Überlastung. Aber nicht die Einheimischen, die darunter leiden mussten, beschwerten sich, sondern höchstens wir überfütterte Gäste aus dem Westen. Das Handy-Netz konnte diese Überlast an Besuchern wenige Tage nicht verkraften. Aber nicht die Einheimischen, die ihr gesamtes Leben umstellen mussten, beschwerten sich, sondern die Pilger, die im Urlaub waren. Meine Wenigkeit kann nicht beschreiben, was ich in den 12 Tagen im Irak erlebt habe.

Vieles musste ich hinterher aufarbeiten. Das Volk im Irak, dieses arme Volk in Kerbela, war viel reicher als wir mit unseren Reichtümern im Westen. Wenn es im Heiligen Qur’an heißt, dass Allah die Lage eines Volkes nicht ändern, bevor es das ändert, was in ihren Seelen ist, dann hat in den letzten Jahren völlig unbemerkt von der Welt eine Änderung der Volksseele im Irak stattgefunden, die epochale Auswirkungen haben kann. An der Front kämpfen jetzt junge Iraker einer neuen Generation. Wir haben einige von Ihnen kennenlernen dürfen. Voller Stolz zeigen sie uns ihre Fotos von Fronteinsätzen. Ihre Körper sprechen eine andere Sprache, ihre Gesichter strahlen ein anderes Licht aus als ihre Vorväter.

Und was machen die Vorväter? Die alten Soldaten, die fast alle aussehen wie Saddam, stehen heutzutage an Checkpoints und machen den Pilgern das reisen schwer. Tagsüber muss der Reisende alle fünf bis zehn Kilometer einen Ausweis zeigen und sein Fahrzeug kontrollieren lassen. In der Nacht sind die gleichen Checkpoints verwaist (ein merkwürdig anmutendes Sicherheitskonzept). Tatsächlich sind diese „alten“ Soldaten offensichtlich abgeschoben an Stellen, an denen wie wenig Unheil anrichten können, während die junge Generation das Land verteidigt und neu aufbaut.

In keinem anderen Land zuvor habe ich so viel Liebe zu Imam Chamene’i gesehen außerhalb des Iran, wie im heutigen Irak. Kein anderes so armes Volk habe ich jemals zuvor gesehen, dass so großzügig und herzensreich war, wie das Volk von Kerbela und Umgebung. Einmal hat uns ein Busfahrer regelrecht entführt in sein Dorf in Hilla. Unbedingt sollten wir bei seinen Eltern Gast sein, da er noch nie Gäste aus Deutschland gehabt hat. Es waren einfache Bauern abseits normaler Wege. Sie wohnten in einfachen Bauten und haben uns ein vergleichsweise einfaches Essen aufgetischt. Es war sicherlich das Beste, was sie hatten, und es war das Beste, was wir im Irak gegessen haben, denn das Essen schmeckte nach Liebe!

Bei der Abreise aus dem Land standen sie wieder da, diese Passkontrolleure, die eher eine Schande für ihr Land sind. Aber ich habe sie nicht mehr wahrgenommen. Zu sehr strahlte das Licht für die Liebe Imam Husains durch diese Menschen durch. Und Imam Chamene’i hat die Herzen dieser Menschen durch Gottes Gnade erobern können. Das mag der eine oder andere Iraker in Deutschland noch nicht so recht wahrgenommen haben, aber es ist Tatsache! Die USA haben den Irak endgültig verloren. Es erscheint geradezu grotesk, dass ausgerechnet der Einsatz der teuflischen Macht mit ihren IS-Monstern das Volk dazu bringt, die Liebe zum Islam zu verstärken und die Zuneigung zur Islamischen Revolution aufzubauen, aber genau das bewirken teuflische Aktionen immer bei Überzeugten. Denn der Teufel hat keine Macht über gottesehrfürchtige Menschen. In großer Dankbarkeit wünsche ich dem irakischen Volk Gottes Segen auf seinem noch beschwerlichen Weg!

PS: Dieser Text soll ein Vorgeschmack sein auf den Film, an dem Muslim-TV arbeitet und der – so Gott will – in wenigen Wochen veröffentlicht wird.


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zuletzt bearbeitet 14.12.2016 | Top

RE: Die USA haben den Irak für immer verloren – so Gott will!

#2 von Cengiz Tuna , 19.12.2016 20:29

Dieses Ereignis ist wirklich unglaublich. Millionen von Menschen strömen aus aller Welt und allen Himmelsrichtungen zu Imam Hussain (a.). Laut offizieller Seite von Ayatollah Sistani wurden 44 Millionen Besucher registriert. Warum sollte man dieser offiziellen Seite nicht glauben. Aber lassen wir es doch nur 20 bis 30 Millionen gewesen sein, das ist immer noch unfassbar.

Als wir mit dem Bus von Bagdad nach Kerbela fuhren, konnte ich meinen Augen nicht glauben. Auf der ganzen Strecke, immerhin über 100 km, waren Stände und Zelte aufgebaut. Überall die Fahnen von Imam Hussain oder Fahnen mit der Beschriftung „Ya Hussain“. Und dies war nur eine Strecke, die meisten starten sogar vom Süden, von Nadschaf aus. Einige pilgern sogar zu Fuß über mehrere Wochen bis zu 500 km. Welche Liebe, welche Kraft ist es, die die Menschen dazu bewegt? Wie ist so eine Ansammlung nach 1400 Jahren immer noch möglich? Das trotz der Gefahren.

So viele Menschen, die friedlich zusammen pilgern, habe ich noch nie gesehen. Ein unendlicher Strom, der nicht zu enden scheint. Das jeden Tag aufs Neue. Und was machen unsere Medien, die berichten kaum davon, und wenn doch, dann ist meistens von Gewalt die Rede. Oder sie versuchen es als einen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten darzustellen.

Beispielsweise: Gewaltmarsch im Irak

Wenn ihr wissen wollt, wie so ein Gewaltmarsch aussieht, könnt ihr euch dieses Video ansehen.



Dabei sind es nicht nur Schiiten, die dienen, es ist fast der ganze Irak. Auch viele Sunniten sind mit bei. Selbst Christen und Jesiden laufen da mit.

Während wir hier in einer Ego-Gesellschaft leben, wo es darum geht, selbst am meisten zu haben und so wenig wie möglich zu geben, laufen die Menschen im Irak um die Wette, wer denn am meisten dienen bzw. spenden kann. Wo die Menschen ohnehin schon wenig haben. Manchmal habe ich mich geschämt. Uns fällt es schwer, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wenn wir mal spenden wollen/müssen. Es entsteht regelrecht eine Kultur des Dienens. Kinder wachsen damit auf und empfinden es als normal.

Viele haben uns gewarnt, in den Irak zu fahren, aber ich danke Gott, dass wir an Arbaeen teilhaben durften. Wir waren in Nadschaf bei Imam Ali (a.), in Bagdad bei Imam Kazhim (a.) und Imam Muhammad al-Dschawad (a.), in Kufa und natürlich bei Imam Hussain (a.) usw. Nach Samarra hat man uns wegen einem Anschlag nicht durchreisen lassen.

Aber eins steht fest, die USA hat nicht nur den Irak, sondern auch Syrien, den Libanon, den Jemen, Bahrain und viele andere Länder verloren. Selbst in Nigeria scheint das Licht der Befreiungstheologie Imam Hussains immer stärker.

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RE: Die USA haben den Irak für immer verloren – so Gott will!

#3 von Cengiz Tuna , 20.12.2016 19:35

Zitat
Bereits unterwegs zum heiligen Mausoleum gab es einige erste Überraschungen. Da war eine nagelneue Moschee Ay. Muhammad Baqir Sadr gewidmet. Wie konnte das sein? Und immer wieder stießen wir auf Plakate mit Ay. Sistani und Imam Chamene’i, oft zusammen mit anderen Gelehrten. Der Einfluss der Schirazis schien hingegen sehr überschaubar.


Die Plakate von Imam Khamenei zusammen mit Ayatollah Sistani sind mir auch aufgefallen. Ich hätte mir aber gewünscht, es wären mehr gewesen. Jedenfalls habe noch nie so viele „Imam-Khamenei-Schale“ gesehen, wie im Irak. Getragen von meistens einfachen, ärmeren Menschen.

Auch die großen Shirazi-Plakate entlang der Strecke sind mir aufgefallen. In regelmäßigen Abständen waren die Plakate aufgestellt. Kurz vor Imam Hussains (a.) Schrein haben sie sogar mehrere Gebäude gehabt, vor denen Sicherheitsleute standen. Dort hatten sie zudem ein hochhausgroßes Plakat mit einem Bild von Shirazi aufgespannt. Da muss jemand aus England richtig viel finanziert haben. Als eine Gruppe von Imam Khamenei-Anhängern an diesen Gebäuden vorbei ging, rief einer laut, „salawat für Rahbar Imam Khamenei“, natürlich in Farsi, die Reaktion darauf war groß, sehr viele erwiderten lautstark den Salawat. Diese Andeutung haben sicher viele verstanden. :)

Der Einfluss der Amerikaner schwindet immer mehr. Sogar die Al-Haschd asch-Schaʿbī, die Volkseinheit, die zur Verteidigung des Iraks zusammengerufen wurde, wurde von der irakischen Regierung als offizielle Verteidigungsarmee anerkannt. In den westlichen Medien hat das kaum ein Echo gefunden, aber es war eine riesengroße Backpfeife für die USA.

Weiß nicht, ob das schon immer so war, aber überall wo man etwas kaufen wollte, wurde man gefragt: „Iraki oder Irani“. Also mit welcher Währung man bezahlen möchte. Die iranische Währung ist dort schon fast offiziell Zahlungsmittel.

Einige Eindrücke habe ich auch mitgebracht:

Entlang der Strecken immer wieder Bilder von den Imamen. Solche Bilder sind eigentlich bei den Aleviten üblich, bei den türkischen Schiiten findet man das eher seltener.

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Iraker beim Brotbacken für Besucher.

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Diese beiden nähen Kleidung und flicken Schuhe.

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Diese Drei putzen die Schuhe der Pilger. Es gehört schon etwas Demut dazu, um so etwas zu machen.

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Hier im Mausoleum vor dem Eingang zum Schrein. Das ist noch vor Arbaeen, denn sonst kommt man hier nicht rein.

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Wunderschöne Architektur, vorne an einem der Eingänge. Bekannt für die schiitische Richtung.

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Hier ist das Mausoleum vom 7. Imam Mūsā al-Kāzim und seinem Enkel dem 9. Imam Muhammad al-Dschawād. Wunderschön zu sehen, wenn man dann noch betrachtet, wie es um den Schrein herum aussieht.

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Diese Bilder zeigen die Umgebung vom Schrein. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass in dieser Umgebung, so ein Schrein steht. Der wird sehr bewacht, da es hier oft zu Anschlägen gekommen ist.

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Und überall die Kontrollen. Wir haben von Bagdad nach Kerbela deswegen über sechs statt einer Stunde gebraucht.

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Zuletzt darf noch der Schrein von Imam Ali (a.s.), dem „Fürst der Gläubigen“, nicht fehlen.

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