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Warum dürfen wir unser Land nicht an der echten Front gegen IS verteidigen?

#1 von Yavuz Özoguz , 27.07.2016 10:00

Warum dürfen wir unser Land nicht an der echten Front gegen IS verteidigen?

Oder was hat Ernst Jakob Christoffel mit dem Krieg gegen Terror zu tun?

Offiziell ist ein Krieg des Westens gegen den Terror ausgerufen worden. Aber merkwürdigerweise dürfen weder die Franzosen Frankreich, noch die Deutschen Deutschland an der echten Kriegsfront verteidigen. Sämtliche Maßnahmen, die in diesem Krieg beschlossen werden, führen zu noch mehr Krieg. Und merkwürdigerweise werden nebenbei Arbeitnehmerrechte ausgehebelt, demokratische Freiheiten eingeschränkt und weltweit Angst verbreitet und nicht vermindert. Keine einzige Maßname hat in den letzten 15 Jahren den Kriegsverlauf in Richtung Frieden umgelenkt. Alle Maßnahmen haben nur noch mehr Terror und damit noch mehr Angst unter den Menschen in Europa verbreitet. Was sind das für Maßnahmen, die nur dem Feind helfen?

Wer die heutige Welt sieht und ein Alter erreicht hat, dass er die Asterix-Hefte auswendig rückwärts aufsagen kann, fühlt sich an die Ausgabe „Streit um Asterix“ erinnert. In dem Heft tauchte immer wieder eine Art personifizierter Zwiespalt auf. Überall, wo er erschien, fingen die engsten Freunde an miteinander zu streiten, selbst wenn er noch gar nichts gesagt hatte. Wir leben in einer Welt, in der die ganze Welt gespalten ist wie nie zuvor; selbst die imperiale Supermacht USA: Schwarz und Weiß sind genau so gespalten wie reich und arm. Demokraten hassen Republikaner wie nie zuvor. Und selbst innerhalb beider Parteien gibt es einen Riss, wie er zuvor so nicht bekannt war. Der Riss spaltet die USA von Europa und die Europäer untereinander. Polen und Deutsche waren sich selbst zu Zeiten des Warschauer Paktes näher als heute. In Deutschland sind sich selbst die Unionsparteien fremd und neue Splitterparteien spalten die Menschen immer mehr. In Frankreich warten die Streithähne nicht einmal mehr die Trauer nach einem Terroranschlag ab, bevor sie verbal aufeinander eindreschen. Im Internet hat sich eine Hasskultur ausgebreitet, in der kaum noch eine sachliche Auseinandersetzung möglich ist. Der Terror spaltet alle Gesellschaften mehr denn je zuvor und niemand scheint ein ernsthaftes Rezept dagegen zu haben. Angst regiert die Welt. Aber warum?

Die so viel Angst verbreitenden Terroristen sind sehr oft „Islamisten“ mit dubioser Vergangenheit: Sie sind verwickelt gewesen in Drogengeschäfte, waren Kleinkriminelle, waren in Diskos und bei Prostituierten und hatten auch sonst mit islamischen Riten wie Beten und Fasten kaum etwas zu tun. Einer der jüngsten „Selbstmordattentäter“ hatte zuvor bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich, allerdings ganz ohne Attentat; eine der schwersten Sünden im Islam überhaupt (ob mit oder ohne Attentat!). Sämtliche Anschläge können als schwere Sünden im Islam eingestuft werden. Der Anschlag gegen eine Kirche in Frankreich mit der Ermordung eines Geistlichen kann nur von Menschen ausgeführt werden, die nicht einmal die einfachsten Verse des Heiligen Qur’an jemals zu Gesicht bekommen haben: „Und du wirst ganz gewiss finden, dass diejenigen, die den Gläubigen in Freundschaft am nächsten stehen, die sind, die sagen: „Wir sind Christen.“ Dies, weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie sich nicht hochmütig verhalten“ (5:82).

Eigentlich bräuchten unsere „Offiziere“ und „Feldmarschälle“ in diesem neuen Weltkrieg doch nur den „Feind“ genaustens zu analysieren, um uns geeignete Mittel in die Hand zu geben, diesen Spuck zu beenden. Aber alles Mögliche geschieht, nur das nicht!

Um zu verstehen, warum so dubiose Gestalten im Gewand von Muslimen die Rekruten der Gegenseite sind, muss man die Struktur des Feindes, seine Strategie und seine Ziele genau analysieren. Man muss nicht nur die Rekruten und Söldner abwehren, sondern die Offiziere der Gegenseite und deren Befehlsstruktur lahm legen. Hierzu kann man auch aus der Geschichte lernen. Der Anführer des Feindes heißt Abu Bakr al-Baghdadi. Ihm sind in seiner Vergangenheit gute Beziehungen zum CIA nachgewiesen. Heute fällt er vor allem dadurch auf, dass er nichts in der Öffentlichkeit sagt, wohl vor allem deshalb, damit niemand feststellen kann, dass er keine Ahnung vom Islam hat. Überhaupt verfügt die Front der „Islamisten“ über sehr moderne Waffen, Fahrzeuge und Munition ohne Ende, aber über keine Intellektuellen. Kein einziger halbwegs vernünftiger gebildeter Muslim steht an der Seite dieser Terroristen. Entsprechend gibt es auch keine Denkschriften oder ideologische Manifeste, keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder gar Bücher von Vordenkern. Wie sollte es sie auch jemals geben, würden sie doch sofort von Millionen von Muslimen leicht widerlegt werden. Allein die beiden Briefe Imam Chamene’is an die Jugend im Westen [1,2] sind eine Widerlegung der Argumente von Terroristen, noch bevor diese sie jemals publik gemacht haben.

Schreiben können diese Terroristen und ihre Hintermänner nicht. Und ihre Anhänger können wohl auch nicht lesen. Stattdessen gibt es nur Kopfabschneidervideos, davon aber reichlich! Nur, warum sollten ausgerechnet lauter Muslime, die keine Ahnung vom Islam haben, keinerlei islamische Riten praktizieren, keine Moschee besuchen und keine islamische Ehe führen, zu Frontsoldaten des „Islamismus“ werden? Wenn es Einzelfälle wären, könnte man über Ausnahmen spekulieren, welche die Regel bestätigen. Wenn es aber zur Regel wird, ist die Frage erlaubt, wer da eigentlich gegen wen kämpft.

Um den merkwürdigen Charakter der gegnerischen Rekruten zu verstehen, kann man in die Geschichte zurückblicken und das Leben von Ernst Jakob Christoffel studieren. Der Name sagt Ihnen nichts? Er galt als „Vater der Blinden“ im Orient. Er war um 1900 herum deutscher Pastor, der viele Jahre im Iran missioniert hat. Nach seinem Theologiestudium an der Predigerschule Basel fuhr er 1904 als Missionar in die Türkei. In der türkischen Stadt Sivas übernahm er mit seiner Schwester Hedwig die Leitung zweier Waisenhäuser des Schweizer Hilfskomitees für Armenien. Dort blieben und leiteten sie drei Jahre lang diese Einrichtungen für Opfer der Kriege zwischen Türken und Armeniern 1894 und 1896. Ihr Augenmerk aber lag auf den Muslimen, die sie missionieren wollten. Da beide frühzeitig festgestellt haben, dass die Versorgung der Behinderten in den armen Ländern extrem unzureichend und die Mission bei gesunden Muslimen nicht sehr Erfolg versprechend war, konzentrierten sie sich auf Behinderte. In der Stadt Malatya gründete er schließlich die Blindenmissionsstation Bethesda für blinde, gehörlose und andere schwerstbehinderte Menschen. Es war von Anfang an klar, dass er Muslime zum Christentum, zum Westen „bekehren“ wollte. Aber schon nach kurzer Zeit hat er festgestellt, dass Muslime unter halbwegs normalen Bedingungen der Mission für den Westen nicht zugänglich waren. Er musste sich eine Klientel suchen, die von Muslimen vernachlässigt worden war. Und das waren Behinderte! Es ist zweifelsohne ein Vorwurf an unsere Vorfahren, dass sie Behinderte vernachlässigt haben und Blinden nicht die Hälfte von Angeboten machen konnten, wie jener Missionar. Jene Angebote kamen eben vom Christentum, vom gelobten Westen. Als Christoffel es nicht geschafft hat in der Türkei seine missionarischen Tätigkeiten auszuweiten, ist er weitergereist in den Iran. Dort errichtete er 1925 in Täbriz und 1928 in Isfahan Missionen, die sich vor allem um Blinde, Taubstumme, Menschen mit anderen Behinderungen und Waisenkinder bemüht haben. Nach einer Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg fuhr er 1951 wieder in den Iran. In Isfahan gründete er eine neue Schule für blinde und andere schwerstbehinderte Männer. Christoffel starb am 23. April 1955 in Isfahan und wurde auf dem armenischen Friedhof beigesetzt. Er erhielt posthum das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Auf seinem Grabstein auf dem armenischen Friedhof bei Isfahan steht in Deutsch, Armenisch und Persisch: „Hier ruht im Frieden Gottes Pastor Ernst J. Christoffel, der Vater der Blinden, der Niemandskinder, der Krüppel und Taubstummen nach über fünfzigjähriger Pionierarbeit.“ Seine Missionsarbeit für Blinde wurde fortgesetzt. Seine Missionseinrichtungen wurden erst nach dem Sieg der Islamischen Revolution geschlossen. Seither kümmern sich eigene Einrichtungen der Märtyrerstiftungen intensiv um die Bedürftigen.

Doch was hat das mit dem aktuellen Krieg gegen Terror zu tun? Dem Normalbürger in der Westlichen Welt muss erklärt werden, dass die westliche Art des Denkens im Neoliberalismus mit der Zerstörung aller menschlicher Werte und der Familie keine Anziehungskraft für praktizierende Muslime hat. Der kapitalistisch-imperialistische Westen ist finanziell wie ideologisch am Ende und kann nicht einmal mehr die eigenen Bürger anziehen. Die Dreieinigkeit der Kirche wird nicht einmal von den eigenen Geistlichen geglaubt. Gleichzeitig hat der neue revolutionäre Islam seit der Islamischen Revolution im Iran 1979 sehr viel Zulauf bekommen. Sunniten und Schiiten haben voneinander erfahren und deren Intellektuelle haben sich auf Konferenzen getroffen, was zuvor kaum denkbar war. Die Anziehungskraft eines vernünftigen, friedfertigen, aber auch gegen den Kolonialismus, Imperialismus und Kapitalismus widerstandsfähigen Islam breitete sich im historischen Maßstab mit Windeseile aus. Die unaufhörlichen Massaker der Zionisten in Palästina sowie die Völkerrechtsverbrechen bis hin zu Massenmorden der sogenannten „Internationale Wertegemeinschaft“ (ein Codebegriff für westlichen Imperialismus) beschleunigten die Rückkehr der Muslime zum Islam weltweit. Dieser wiedererwachte Islam war wirklich gefährlich für die Imperialisten. Er bekämpfte die westliche Welt nicht mit Waffen, die er zuvor dem Westen abkaufen musste, sondern bekämpfte die verkommene Ideologie des westlichen Hegemonialstrebens mit einer viel stärkeren, gerechteren und attraktiveren Ideologie des Islamischen Erwachens. Jenes Erwachen richtete sich an erster Stelle nicht „gegen“ etwas sondern setzte sich „für“ etwas ein, unter anderem für die Selbstbestimmung der Völker und Befreiung vom Diktat des Kapitalismus.

Es war klar, dass die Herrscher der Welt dieser neuen Gefahr mit aller Macht entgegen treten mussten. Der reichste Mann der Welt, Warren Buffett, hat bereits vor einem Jahrzehnt 99,99% der Weltbevölkerung den Krieg erklärt [3]. Sein markanter Satz dazu lautete: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“. Das stand nicht etwa in irgendeinem skurrilen Verschwörungsblatt, sondern am 26.11.2006 in dem wichtigsten Organ der kapitalistischen Weltherrschaft, der New York Times [4]. Doch wie soll man eine Ideologie aufhalten, die zu echtem Frieden, echter Freiheit und vor allem Gerechtigkeit einlädt? Wie soll man eine Ideologie aufhalten, die offen legt, dass der so genannte Frieden und die so genannte Freiheit des Westens nur die Freiheit für die größten Verbrecher der Welt ist, die Welt zu plündern und die Menschen auszubeuten? Wie soll man vor allem gegen das sich ausbreitende Gerechtigkeitsgefühl der Menschen weltweit vorgehen, die nicht mehr verstehen wollen, warum eine Handvoll nimmersatter Menschen so viel Vermögen verschwenden dürfen, über die der Rest der Menschheit nicht verfügt und viele deshalb hungern?

Die Antwort war sehr einfach: Man musste Menschen im Namen des Islam auftreten lassen, die genau das Gegenteil von dem praktizieren, was der Islam möchte. Mit Hilfe der kontrollierten Massenmedien würde dann schon den Völkern der Welt eingetrichtert werden, dass sie sich von solch einer mörderischen Ideologie abwenden und damit auch die Reichen in Ruhe lassen. Doch das Problem war: Wo findet man solche Menschen, die zumindest halbwegs glaubwürdig als „Islamisten“ durchgehen? Da man sie weder in den Moscheen noch unter praktizierenden Muslimen finden konnte, musste man unter denjenigen suchen, die zu den Versagern der Gesellschaft gehören, unter den Kriminellen, unter den Drogensüchtigen, den Alkoholikern, kurz unter denjenigen, zu denen Geheimdienste den besten Zugang haben und Muslime kaum eine Chance, sie aufzuhalten, weil sie keinen Kontakt zu ihnen haben. Jene konnte man dann „missionieren“ und als „islamistische Terroristen“ einsetzen. Wer den Terror beenden will, muss die Hintermänner ergreifen. Und so lange den Fahndern die wahren Motive der verbrecherischen Hintermänner nicht bekannt sind, so lange werden sie im Dunklen herumstochern. Möglicherweise hat in Frankreich und Deutschland ein gewisses Umdenken stattgefunden, was der Grund für die neue „Offensive“ der Terroristen sein könnte.

Die westlichen Regierungen können sich bisher kaum auf ihre eigenen Bevölkerungen verlassen, denn dazu haben sie zu sehr die Reichen begünstigt und die Armen vernachlässigt. Die Schere zwischen reich und arm ist auseinander gedriftet. Aber sollten wir in solch einer Zeit des Terrors nicht alle zusammenhalten? Ich bin der festen Überzeugung, dass eine deutsche Regierung auf das Volk zählen kann, wenn sie uns die Wahrheit sagt! Dann würde jeder deutsche Bürger unser Land an der echten Front gegen IS verteidigen. Wenn wir den Terror zurückgedrängt haben, werden wir vielleicht gemeinsam – Volk und Regierung – feststellen, dass auch der Kapitalismus und eine imperialistische Hegemonialpolitik eine Form des Terrorismus ist und uns von allen Formen des Terrorismus befreien. Deutschland hat das Format, die Kraft und das Volk dazu. Das haben alle bisherigen Terroranschläge gezeigt! Den weltweit agierenden Terroristen ist es – bis auf Ausnahmen – nicht gelungen, das Volk in Deutschland gegeneinander aufzuhetzen und so zu spalten, wie sie es versucht haben. Auch die Aufhetzer und Besorgten bei AFD und PEGIDA konnte das Volk nicht spalten. Vielleicht kommen ja eines Tages auch einige der Besorgten zur Vernunft, zumindest die unbezahlten unter ihnen. Alle gemeinsam können wir dann Deutschland aus den Klauen des Terrors befreien, aus den Klauen allen Terrors!

[1] http://www.offenkundiges.de/wp-content/u...mamchamenei.pdf
[2] http://www.schia-blog.de/wp-content/uplo...hirmversion.pdf
[3] https://www.youtube.com/watch?v=U46bbmFaq74
[4] http://www.nytimes.com/2006/11/26/busine...every.html?_r=0


Yavuz Özoguz  
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zuletzt bearbeitet 27.07.2016 | Top

RE: Warum dürfen wir unser Land nicht an der echten Front gegen IS verteidigen?

#2 von Kendra Ahrens , 29.07.2016 09:48

„Wir leben in einer Welt, in der die ganze Welt gespalten ist wie nie zuvor;“

Die Aussage „... wie nie zuvor“ umfasst im Grunde nur einen Zeitraum von gerade einmal 70 Jahren. Wir leben doch vielmehr in einer Welt, die uns (in Europa) nur eine kurze „Verschnaufpause“ von Krieg und Gewalt geschenkt hat – ein vergleichsweise winziges Zeitfenster der Geschichte. Erleben wir nicht vielmehr eine Wiederholung dessen, was schon immer diese Welt bestimmt hat: das Streben des Individuums nach Herrschaft, wirtschaftlich oder ideologisch, in jeder Kultur und in jeder Religion.

Vor rund 2000 Jahren war das Römische Reich die imperiale Macht (gefolgt von vielen anderen imperialen Expansionen über die folgenden Jahrhunderte). Und es bedarf nicht viel Recherche, um einen antiken oder auch altertümlichen Text zu finden, der mit dem Ihren inhaltlich fast identisch wäre – man tausche nur Ort, Zeit und Protagonisten aus.

Wir wiederholen die Geschichte immer und immer wieder, sozusagen in einer Endlosschleife. Und je mehr wir an (geschichtlicher) Erfahrung sammeln, umso mehr müssen wir doch erkennen, dass all das Unrecht auf irgendeine Art und Weise zusammenhängt und oft einen sehr weit zurückliegenden Ursprung hat. Es ist so viel komplexer, als dass wir es mit vereinfacht gezeichneten Bildern über einen imperialistischen Westen und einen erwachenden Islam erklären könnten. Nur eines ist sicher: Im Wesen des Menschen – und wieder möchte ich betonen: gleich welcher kulturellen oder religiösen Zugehörigkeit – ist die gewaltsame Auseinandersetzung tief verwurzelt. Von je her wird ein Schuldiger ausgemacht, den es zu bekämpfen gilt. Das ist die Welt, die wir uns gemeinsam so geschaffen haben.

Ernst J. Christoffel? Ein Beispiel für einen Menschen, der friedlich seinem Glauben gefolgt ist und anderen geholfen hat. Und ja, er hat wahrscheinlich seinen Glauben teilen wollen. Wie enorm groß muss allerdings der Graben sein, wenn bereits solch ein vergleichsweise harmloser Mensch als Blaupause für einen dummen, fundamentalistischen Missionseifer steht. Jeder von uns könnte im Gegenzug eine ganze Reihe von Namen und Beispielen für eine weit verachtenswertere Missionierung durch die christliche Kirche benennen. So wie wir ebenso viele Beispiele für großes Unrecht im Namen des Islam benennen können. Und immer so weiter ...

Wieder einmal stehen wir vor der Wahl, welche Richtung wir einschlagen wollen – 2500 Jahre nach Siddhartha Gautama, 2000 Jahre nach Jesus von Nazareth und 1500 Jahre nach Mohammed.

In dem Wissen, dass der Mensch fehlbar ist, gleich welcher kulturellen, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit, möchte ich mich in erster Linie und immer wieder für die Liebe (ebenso wie Sie und danke für die schönen Worte darüber an anderer Stelle) und die Toleranz entscheiden. Ich möchte mich dafür entscheiden, Brücken zu schlagen, statt Gräben auszuheben – ungeachtet der anhaltenden Flut von Hass oder immer lauter schreiender Demagogen.

Donald Trump ist ein Übel. Aber ich freue mich darüber, dass in Amerika so viele Menschen für Bernie Sanders votieren – obwohl gerade in den USA der Sozialismus nicht unbedingt ein erfolgversprechendes Wahlkampfthema ist.

Der Nahost-Konflikt hat so viel Elend über so viele unschuldige Menschen gebracht. Aber ich freue mich über jede Friedensdemonstration in Israel, die ein Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern fordert – dies regelmäßig zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin, bei der sich viele tausend Israelis versammeln.

Ich freue mich über jeden noch so kleinen Schritt des Dialogs, der nicht die Unterschiede hervor hebt und Schuldige sucht, sondern der die Gemeinsamkeiten feiert. Denn davon gibt es unendlich viel mehr.

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RE: Warum dürfen wir unser Land nicht an der echten Front gegen IS verteidigen?

#3 von Yavuz Özoguz , 29.07.2016 12:50

Zitat
Die Aussage „... wie nie zuvor“ umfasst im Grunde nur einen Zeitraum von gerade einmal 70 Jahren. ..


Das sehr kurze Leben eines Menschen im historischen Kontext lässt ihn auf seine eigene Zeit fixieren. Aber ich stimme Ihnen zu, dass die gleiche Geschichte sich seit Kain und Abel widerholt. So gesehen war Kain der erste Kapitalist mit Wachstumswahn, der über Leichen ging.

Zitat
Vor rund 2000 Jahren war das Römische Reich die imperiale Macht (gefolgt von vielen anderen imperialen Expansionen über die folgenden Jahrhunderte). Und es bedarf nicht viel Recherche, um einen antiken oder auch altertümlichen Text zu finden, der mit dem Ihren inhaltlich fast identisch wäre – man tausche nur Ort, Zeit und Protagonisten aus.


Zweifelsohne! Zu allen Zeiten gab es die imperialistische Macht und die Heiligkeit der jeweiligen Zeit: Nimrod und Abraham, Pharao und Moses, Römer und Jesus, Quraysch und Muhammad usw.. Wenn man also Moses finden wollte, baurachte man nur zu schauen, wen der Pharao om meistne bekämpft hat. Anders ist es auch heute nicht.

Zitat
Im Wesen des Menschen – und wieder möchte ich betonen: gleich welcher kulturellen oder religiösen Zugehörigkeit – ist die gewaltsame Auseinandersetzung tief verwurzelt. Von je her wird ein Schuldiger ausgemacht, den es zu bekämpfen gilt. Das ist die Welt, die wir uns gemeinsam so geschaffen haben.


Der Islam lehrt aber auch, dass in jedem Menschen - gleich welcher kulturellen oder religiösen Zugehörigkeit - Geist Gottes wohnt. Geligt es dem Menschen sein Ich im Herzen im Gleichklang mit Geist Gottes schlagen zu lassen, dann hat er ein gesundes Herz. er kann aber auch Herzrhytmusstörungen" haben und - Gott bewahre - schlimmstenfalls auch einen Infarkt, wenn das Ich partout nicht mit dem Geist Gottes zusammen schlagen will. Tatsächlich laufen derzeit viel zu viele solche "Toten" herum. Die Anstrengung des Ich im Gleichklang mit dem Geist Gottes zu schlagen, ist der größte Dschihad, weil sich selbst zu ändern, sich selbst weiterzuentwickeln, die schwierigste Anstrengung ist. Die Westliche Welt steht aber definit gegen den Islam - unabhängog von der Komplexizität der politischen Verwicklungen - denn der Islam lehr "Wirbestimmung" und der "Westen" lehr "Selbstbestimmung". Das bedeutet aber nicht, dass nicht viele "Westler" ideologisch gar keine Westler sind! Islam steht für Hinwendig zu Gott. Westen steht für reinen Materialismus und damit Hinwendung zum Goldenen Kalb (auch das ist nicht neu).

Zitat
Ernst J. Christoffel? Ein Beispiel für einen Menschen, der friedlich seinem Glauben gefolgt ist und anderen geholfen hat. Und ja, er hat wahrscheinlich seinen Glauben teilen wollen. Wie enorm groß muss allerdings der Graben sein, wenn bereits solch ein vergleichsweise harmloser Mensch als Blaupause für einen dummen, fundamentalistischen Missionseifer steht.


Es ging bei dem Beispiel nicht darum, die Person Ernst J. Christoffel anzugreifen, sondern zum Nachdenken in vielerlei Hinsicht anzuregen. Da ist z.B. das Nachdenken über die Mission. Es ist für den Westler selbstverständlich, dass Missionare friedlich in der ganzen Welt missionieren. Es gehört zu ihrem Selbstverständnis von Freiheit und Demokratie usw... Der gleiche Westler aber geht auf die Barrikaden, wenn ganu so friedlich Muslime auf den Straßen Korane verteilen (wobei ich selbst jene Aktion für ungeeignet erachte) und in seiner Nachbarschaft eine friedliche Moschee gebaut werden soll. Noch entscheidender aber ist es, zu verstehen, dass der "normale" praktizierende Muslim eben gar nicht erreicht werden kann von jeglicher westlicher Idelogie. Also muss man darüber nachdenken, warum fast alle Attentäter psychisch gestört waren und wer sie lenkt. Bei einem der letzten Selbstmordattentäter wurden Unsummen Gelder gefunden. Ist das nicht merwürdig, dass solch ein Mensch zu seinem eigenen Tod so viel Geld mitnimmt um es dann dem Staat zu vermachen? Wenn abe rnicht weiß, wer sie lenkt, wird man nie die eigentlichen Ursachen bekämpfen können.

Zitat
In dem Wissen, dass der Mensch fehlbar ist, gleich welcher kulturellen, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit, möchte ich mich in erster Linie und immer wieder für die Liebe (ebenso wie Sie und danke für die schönen Worte darüber an anderer Stelle) und die Toleranz entscheiden. Ich möchte mich dafür entscheiden, Brücken zu schlagen, statt Gräben auszuheben – ungeachtet der anhaltenden Flut von Hass oder immer lauter schreiender Demagogen.


Der Hass wird geschürt. Und es gehört zur Liebe, die Urheber des Hasses offen zu legen, damit die Liebe ungestört wirken kann - so Gott will.

Zitat
Der Nahost-Konflikt hat so viel Elend über so viele unschuldige Menschen gebracht. Aber ich freue mich über jede Friedensdemonstration in Israel, die ein Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern fordert – dies regelmäßig zum Jahrestag der Ermordung von Jitzchak Rabin, bei der sich viele tausend Israelis versammeln.


Sicherlich kann man sich über jeden Tropfen Wasser freuen, während der Brand immer größer wird und alles vernichtet. Doch wenn jener Tropfen mit ein Grund dafür wird, dass die eigentliche Ursache übersehen wird, dann kann jener Tropfen auch Schaden anrichten. Ursache für die besetzung Palästinas ist ja nicht das Judentum oder Zionisten allein, sondern der westliche Herrenmenschenwahn. Es waren die Briten, die ein Land, das ihnen gar nicht gehörte, anderen verschenkt haben! Eigentlich müsste man die Briten heute noch vor ein Tribunal stellen, damit sie für die Balfour-Deklaration Schadenersatz zahlen. Doch in einer Welt der Siegerjustiz, geschieht das nicht. Daher müssen wir immer wieder auf das Unrecht hinweisen.

Zitat
Ich freue mich über jeden noch so kleinen Schritt des Dialogs, der nicht die Unterschiede hervor hebt und Schuldige sucht, sondern der die Gemeinsamkeiten feiert. Denn davon gibt es unendlich viel mehr.


Sicherlich haben Sie auch in diesem Forum diesbezüglich schon viel lesen können. Aber in einer Zeit, in der mit aller Macht versucht wird Hass zu verbreiten, ist es auch notwendig, auf die Ursachen des Übels hinzuweisen, selbst wenn man bei Kain und Abel anfangen muss.

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