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Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

#1 von Yavuz Özoguz , 20.07.2015 14:44

Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

Sehr geehrter Herr Gabriel,

ich wünsche Ihnen und uns allen den Frieden Gottes im Herzen, in unserer Heimat Deutschland und in der ganzen Welt. Ich hoffe, Sie werden diese Zeilen zu Gesicht bekommen, nachdem Sie wohlbehalten in die Heimat zurückgekehrt sind mit vollen Auftragsbüchern für die deutsche Wirtschaft und zum Wohl der deutschen Bürger, was der Erfüllung Ihres Amtseides entsprechen würde. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob Sie sich wirklich der deutschen Bevölkerung verpflichtet fühlen, oder nicht auf Kosten Deutschlands andere Interessen vertreten.

Aus den Medien durfte ich entnehmen, dass Sie tatsächlich die Unverschämtheit besessen haben, die iranische Regierung im Namen des deutschen Volkes aufzufordern, das Existenzrecht des Apartheidsstaates Israels anzuerkennen. Aus Ihrer Biographie entnehme ich, dass Sie einstmals keine Scheu vor der Herrschaftsgewalt von Mächtigen hatten, wenn es um die Verteidigung der Gerechtigkeit ging, und sich sehr deutlich gegen Ungerechtigkeit geäußert haben. Sollte Ihnen diese Tugend inzwischen abhanden gekommen sein, da sie auf die Seite der Macht gewechselt sind? Kann Macht etwas, was Unrecht ist, zu Recht werden lassen?

Als gewählter Vertreter Deutschlands sind Sie verpflichtet sich an die Werte des Grundgesetzes zu halten. Das gilt in Deutschland selbst für einen Wirtschaftsminister. Im Grundgesetz heißt es unmissverständlich in Artikel 3 unter anderem: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ In Deutschland haben wir diesen Wert – Gott sei Dank – weitestgehend umgesetzt, selbst wenn es immer Optimierungspotential gibt. In Israel hingegen wird dieser Wert ganz offen mit Füßen getreten. Es ist etwas anderes, diese Dinge jemandem zu erklären, der es nicht weiß und nie gesehen hat, als jemandem, der es mit eigenen Augen nicht nur in Hebron gesehen und sich offen darüber beklagt hat, bis er von der zionistischen Lobby einen Maulkorb verpasst bekam.

Sie sollen gemäß Medien gegenüber Iran gesagt haben: „Für Deutschland muss klar sein: Wer immer mit uns nachhaltige Beziehungen hat, der kann nicht das Existenzrecht Israels politisch infrage stellen.“ War das der Grund dafür, dass Sie es so überaus eilig hatten als erster westlicher Vertreter in den Iran zu reisen? Diese Art von Getöse steht im diametralen Widerspruch zu den Interessen Deutschlands. Zum einen hat kein deutscher Wirtschaftsminister das Recht derart arrogant bei einem möglichen Handelspartner aufzutreten. Bei Iran handelt es sich nicht um einen Sklaven, Vasallen oder Bittsteller gegenüber Deutschland, dem man seine eigenen Bedingungen aufzwingen kann. Will man die Islamische Republik Iran und vor allem die Bevölkerung als zukünftigen Markt gewinnen, dann bedarf es einer gerechteren Haltung als diejenige, die das Herrenmenschendenken in neuem Gewand verkörpert. Zum anderen gehört es zu den ureigensten Grundprinzipien von Fairness, dass man sein Gegenüber mindestens so gut behandelt, wie man selbst behandelt werden wollte. Die Islamische Republik Iran lehnt den Apartheidsstaat Israel ab, weil es ein rassistisches Kolonialgebilde westlicher Prägung ist. Was aber werden Sie tun, wenn die iranischen Politiker eine gleichartige Forderung an Sie stellen: „Für den Iran muss klar sein: Wer immer mit uns nachhaltige Beziehungen hat, der kann nicht das Existenzrecht Palästinas politisch infrage stellen.“ 135 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben bereits den Staat Palästina als unabhängigen Staat anerkannt. Deutschland gehört nicht dazu. Gehört nicht ein immenses Maß an Heuchelei verbunden mit dem Wunsch der Macht willen auf Gerechtigkeit zu verzichten dazu, als Staat, der das Existenzrecht Palästinas bis heute nicht anerkannt hat, vom Iran das Existenzrecht eines Staates zu verlangen, der auch nach internationalem Recht nicht einmal die Minimalforderungen eines Staates erfüllt (keine festgelegten Staatsgrenzen, keine festgelegte gleichberechtigte Staatsbürgerschaft aller Bürger, keine Verfassung und Staatsbürger verschiedener Klassen).

Sind Sie in den Iran gereist als Vertreter der deutschen Wirtschaft, der das gute Ansehen, das Deutschland nach wie vor im Iran genießt, im Sinn der Bevölkerung Deutschlands zu nutzen, oder sind Sie in den Iran gereist, um im Auftrag der zionistischen Lobby Forderungen zu stellen, die einem deutschen Wirtschaftsminister nicht zustehen? Der einzige Grund, warum man Ihnen Ihren arroganten Auftritt nicht verübelt hat, hängt mit der aus meiner Sicht absurden Vorstellung bei iranischen Verantwortungsträgern zusammen, dass Sie als Deutscher selbst unterdrückt von der zionistischen Lobby seien und daher zu solchen Aussagen genötigt werden. Sollte das wirklich der Fall sein, dann entschuldige ich mich für diesen offenen Brief und wünsche Ihnen und uns, dass wir eines Tages allesamt befreit werden von Zwängen, die uns mehr schaden als nützen. Meine Wenigkeit bezweifelt es aber, dass sie diese Dinge aufgrund von Druck und nicht aus eigener Überzeugung von sich gegeben haben. Daher wende ich mich öffentlich an Sie und fordere Sie auf, die Werte unseres Grundgesetzes nicht mit Füßen zu treten, weder im Iran noch in Deutschland.

Eigentlich sollten Sie solch einen Brief nicht von einer unbedeutenden Person wie meiner Wenigkeit erhalten, denn es wäre die Aufgabe großer islamischer Verbände, die deutschen Interessen im Zusammenhang mit der islamischen Welt zu schützen, die Sie in meinen Augen gefährdet haben. Aber es ist den deutschen Politikern, Behörden in Kooperation mit den Medien gelungen, die muslimischen Verbände in Deutschland derart windelweich zu kochen, dass sie sich in kaum irgendeiner Angelegenheit mehr äußern, bei der die Bundesregierung die Interessen Deutschlands verrät. Daher tue ich es mit der Absicht, Sie eines Tages – zumindest im Jenseits – zu treffen, um dann mit erhobenen Haupt vor den palästinensischen Kindern, die seit sieben Jahrzehnten mit deutscher Hilfe unterdrückt werden und unter Besatzung leben, zumindest sagen zu können, dass meine Wenigkeit das, was mir möglich war, getan hat, um einen Herrscher auf das Unrecht hinzuweisen, das er verbreitet. Auf das, was sie den Palästinensern dann antworten werden, bin ich sehr gespannt.

Ein anständiger Mensch steht immer an der Seite der Unterdrückten und niemals an der Seite der Unterdrücker. Ich wünsche Ihrer Seele, dass Sie aufhören, sie weiterhin mit Arroganz und Herrschaftswahn zu unterdrücken, damit das Licht Gottes, das auch in Ihrem Herzen wohnt – selbst wenn es manche kaum glauben mögen – eines Tages zum Wohl unserer Heimat, der hiesigen Bevölkerung und der ganzen Welt scheinen mag.

Dr. Yavuz Özoguz
(Leiter der Enzyklopädie des Islam eslam.de)
Schilfweg 53
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RE: Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

#2 von Dr.Josef Haas , 20.07.2015 18:01

Ihren offenen Brief, über dessen Abfassung ich mich sehr gefreut habe, kann ich voll und ganz
unterschreiben.
Wie wir beide aber zur Genüge wissen, hat Israel hierzulande in jeder Hinsicht absoluten Vorrang
vor allem anderen. Infolgedessen war das von Ihnen zu recht als "arrogant" bezeichnete Verhalten
des Bundeswirtschaftsministers die Voraussetzung dafür, dass dieser seine Reise in den Iran überhaupt
politisch überleben wird. Die bei uns daran geübte Medienkritik spricht in diesem Zusammenhang ja
eine mehr als deutliche Sprache und belegt damit- einmal mehr- das bundesdeutsche Fronverhältnis
gegenüber dem zionistischen Gebilde.
Die von Ihnen vorgenommenen Hinweise auf das Grundgesetz sind daher sicherlich gut gemeint,
angesichts dieser Realität allerdings von vorneherein sinn- und erfolglos.
Angesichts dieses Vasallendaseins bleibt folglich nur noch die Hoffnung auf strikte Beibehaltung des
bisherigen antiimperialistischen Kurses der iranischen Staatsführung.
Er allein war und ist für das palästinensische Volk stets eine zuverlässige Hilfe in seiner so furchtbaren
Notlage.
Die Reaktion vieler Iraner auf das Atomabkommen mit den USA lassen aber auch hier, zumindest für
mich, ernsthafte Zweifel bezüglich seiner Fortsetzung aufkommen.
Aber jede hier unter Umständen von Teheran vorgenommene Abschwächung wäre dann in des Wortes
buchstäblichster Bedeutung katastrophal im weltweiten antizionistischen Befreiungskampf!

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RE: Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

#3 von Yavuz Özoguz , 21.07.2015 08:36

Lieber Dr. Haas,

machen Sie sich keine Sorgen um den Iran. Im Iran gab es seit der Revolution immer zwei Gegenpoole. Auf der einen Seite standen die Kapitalisten und westhörigen Reichen und auf der anderen Seite der aktive Teil des Volkes. Am Anfang der Revolution und nach dem Krieg waren die Kapitalisten viel mächtiger als heute. Aktuell profitieren die Kapitalisten lediglich davon, dass die aktiven Bürger bei den letzten Präsidentschaftswahlen zerstritten und verwirrt waren. Hintergrund war das vernichtende Erbe, das Ahmedinedschad hinterlassen hat. Zwar hat er wirtschaftspolitisch und auch in anderen Bereichen sehr nützliche Weichen gestellt, aber dadurch, dass er zum Ende hin größenwahnsinnig geworden ist und eine Konfrontation mit dem spirituellen Oberhaupt immer weniger versteckt hat, ist seine Anhängerschaft zusammengebrochen. Die Erholung von solch einem "Schlag" bedarf Zeit. Das Volk im Iran ist nach wie vor sehr wachsam, was man sicherlich bei den nächsten Prädientschaftswahlen sehen wird. Das ist auch der Grund dafür, warum Gabriel jetzt den Iran "belohnen" will, damit eben die Kapitalisten nicht sang- und klanglos untergehen. Die Unterstützung der Unterdrückten in der Welt hat im Iran Verfassungsrang, und das kann niemand ändern.

Wir sollten uns lieber gemeinsam Gedanken darüber machen, wie wir Deutschland von dieser Situation befreien können, dass die starke Wirtschaftsleistung des Volkes vor allem dem Wohl der USA, Israels und der Banken dienen und nicht der eigenen Bevölkerung. Deutschland wäre problemlos in der Lage Millionen von Flüchtlingen zu versorgen, wenn wir nicht den Weltimperialismus füttern müssten. Und Deutschland könnte mit seiner Diplomatie in vielen Ländern zum Frieden beitragen, wenn wir nicht im Auftrag des Impieralismus unsere Soldaten überall hin senden müssten. Das würde auch für weniger Flüchtlinge sorgen. Deutschland könnte ein ehrlicher Makler für Gerechtgkeit sein, wenn wir nicht Mörderdrohnen aus Deutschland kommandieren lassen müssten. Und Deutschland könnte Vorreiter für eine weltweite Problemlösung im Bereich Energie werden, wenn wir nicht eine kapitalistische Energiewirtschaft mitfinanzieren und deren Hinterlassenschaften alleine tragen müssten. Deutschland könnte ein Anker für Abrüstung werden, wenn wir nicht Atomwaffen gegen useren Willen auf eigeem Boden stationieren müssten usw. usf.. Das Potential Deutschlands ist rieisig. Und es ist nicht Gabriel, der den Iran belohnen kann, sondern die Islamische Republik Iran, die Detuschland beflügeln kann eines Tages souverän zu werden.

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RE: Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

#4 von Dörte Donker , 21.07.2015 10:33

Lieber Yavuz

Zitat
Zwar hat er wirtschaftspolitisch und auch in anderen Bereichen sehr nützliche Weichen gestellt, aber dadurch, dass er zum Ende hin größenwahnsinnig geworden ist und eine Konfrontation mit dem spirituellen Oberhaupt immer weniger versteckt hat, ist seine Anhängerschaft zusammengebrochen.


dass es zum angeblichen Bruch zwischen Ahmadinejad und Khamenei gekommen ist, wird in der Westpresse, bzw. wurde in der Westpresse immer gerne betont, um zu zeigen, wie labil die iranische Führung ist. Meine Frage, lieber Yavuz, gibt es dafür authentische Quellen. Auf der iranischen Seite wurde nämlich immer wieder betont, dass es nicht so gewesen ist. Und auch heute gibt es in der Sammlung seiner Reden keinen einzigen Hinweis darauf, dass er nicht voll hinter Khamenei und der iranischen Revolution stand und steht. https://plus.google.com/113474352407096252024/posts
Meine Nachforschungen diesbezüglich haben tatsächlich nichts dergleichen ergeben.
Der einzige Hinweis, den ich diesbezüglich aber quasi in der Mitte Ahmadinejads Amtszeit gefunden habe, war die angebliche Bemerkung Khameneis, dass die iranische Verfassung nicht vorschreibe einen Präsidenten zu haben.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich deinen Eingangsbeitrag ebenfall voll unterstütze. Nur sind wir mittlerweile in einer Situation in der man seinen Verstand ausschalten muss, um die BRD Politik noch verstehen zu können. Das Problem ist einfach, dass viele Feindkräfte sich für alles die Deutungshoheit angeeignet haben. Das geht sogar so weit, dass an deutschen Universitäten die Journalistikstudenten schon mit Notendruck dahingehend gedrillt werden, nichts politisch Kritisches zu schreiben, während die Dozenten vehement die angebliche Pressefreiheit hoch halten. Die Schlinge der Fremdherrschaft zieht sich an allen Ecken und Enden langsam zu. Und jene, die sich dessen nicht bewusst sind, scheinen sich tagtäglich einfach nur betäuben zu wollen, anstatt aufzuwachen.


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RE: Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

#5 von Yavuz Özoguz , 21.07.2015 11:36

Liebe Dörte,

es gibt keinen Zweifel, das Ahmedinedschad 150% hinter der Islamischen Revolution stand und steht. Und dass er auch Imam Chamene'i unterstützt hat und zu ihm stand, steht auch außer Frage. Das, was ich angedeutet habe, ist nicht auf den Niveau zu bewerten, auf dem in der Westlichen Welt solche Dinge geschehen. Wenn es hier zu einem "Bruch" zwischen zwei Führungspersonen kommt, dann muss einer gehen und es ist ein unheilbarer Bruch. In der Islamischen Republik Iran sind diese Dinge mit anderen Maßstäben zu bewerten. Dort gibt es z.B Anhänger Imam Chamene'is, die der Meinung sind, dass er der rechtmäßige Vertreter des erwarteten Erlösers ist, sie vermuten, dass er mit diesem in Kontakt steht und betrachten jede seiner Anweisungen wie eine Anweisung des Erlösers oder des Propheten oder gar Gottes! Daneben gibt es Anhänger, die Imam Chamene'i zwar für die Heiligkeit unserer Zeit halten, aber nicht so weit gehen würden, ihn als Vertreter des 12. Imams anzusehen. Daneben gibt es Anhänger, die ihn zwar für einen sehr weisen und großartigen Menschen halten, aber ihn nicht als Heiligkeit der Zeit bezeichnen würden. Im Iran gibt es Anhänger Imam Chamene'is, die ihn liebend gerne und immer wieder "Imam" nennen, andere, die das zuweilen tun und wiederum andere, die sich weigern, ihm diesen Titel zu geben, obwohl sie ihn lieben. Aus westlicher Sicht handelt sich bei allen genannten Gruppen um Anhänger Imam Chamene'is und viele können diese Dinge weder verstehen noch unterscheiden. Ahmedinedschat gehörte anfänglich zu der Gruppe, die in Imam Chamene'i die unanfechtbare religiöse Autorität sahen. Dafür ist er gewählt worden! Im Laufe seiner Amtszeit wurde er dermaßen gelobt und dermaßen "erhöht", dass sein Verhältnis zum Imam geschwächt wurde, weil er auf jenes Getöse gehört hat. Im Youtube gab es Videos, die ihn zum Kommadanten des Erlösers dargestellt haben. Die Videos waren so professionell, dass zu vermuten ist, dass bestimmte Kreise dahinter stecken, die den Imam schächen wollten. Spätestens bei einer Personalfrage, bei der sich Ahmedinedschad nicht durchsetzen konnte gegen den Imam, und sich daraufhin eine Woche zurückgezogen hat, war klar, dass hier etwas nicht stimmt.

Das Problem der darauffolgenden Wahlen bestand nicht in Ruhani! Der wurde ganz normal gepuscht vom kapitalistisch angehauchten Rafsandschani, wie zuvor andere gepuscht wurden. Das Problem bestand darin, dass sich die Imam-Anhänger nicht auf einen einzigen Kandidaten einigen konnten und "gespalten" auftraten. Zudem hatte kein Kandidat das Charisma, den Imam so zu folgen, wie es Ahmedinedschad zu Beginn seiner Amtszeit getan hat. Daher mussten die Anhänger verlieren, und das war auch gut so als Reinigungsprozess. Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, dass Ruhani gegen den Imam wäre. Er versteht nur das "Imamat" Imam Chamene'is nicht in dem Maß, wie es sich andere wünschen würden.

Aus Sicht des Westens spielen diese Nuancen nur insofern eine Rolle, dass man die Hoffnung hat, mit Kräften um Ruhani in 20-30 Jahren die Islamische Republik schwächen und beseitigen zu können. Mit den anderne Kräften glaubt man das nicht einmal in solch einem Zeitraum. Der Antiimperialismus ist im Iran Staatsdoktrin, wie der Imperialismus und Kolonialismus (in Form von Israel) in Deutschland Staatsdoktrin geworden ist ist. In Deutschland wurde die Staatsdokrin von der Kanzlerin festgelegt, hat aber keinen Verfassungsrang. Sie widerspricht nach meiner Ansicht sogar dem Grundgesetz. Im Iran hat der Anitiimperialismus Verfassungsrang.

Doch um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ich denke dass diese Art von Betrachtung zu hoch für Gabriel wäre. Der kennt nur das Scheckbuch und sein arrogantes Überlegenheitsgefühl, der den Iranern etwas schenken wolle. Wie lächerlich er sich und Deutschland damit bei den politisch sehr gebildeten Iranern macht, merkt er nicht einmal.

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RE: Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

#6 von Dörte Donker , 21.07.2015 12:16

Lieber Yavuz
viele Dank für deine Ausführung. Solche Nuancen bekomme ich natürlich nicht mit, da ich kein persisch verstehe und auf schlechte Übersetzungen angewiesen bin.

Zitat
Doch um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ich denke dass diese Art von Betrachtung zu hoch für Gabriel wäre. Der kennt nur das Scheckbuch und sein arrogantes Überlegenheitsgefühl, der den Iranern etwas schenken wolle. Wie lächerlich er sich und Deutschland damit bei den politisch sehr gebildeten Iranern macht, merkt er nicht einmal.


Bescheidenes Auftreten ist meist die beste Zierde und wäre im Iran eine Geste, die angebrachter gewesen wäre.
An der Stelle muss man bedenken, wie großzügig es ist, ihm das nicht übel zu nehmen und davon auszugehen, dass er nicht anders kann und darf. Dumme Menschen verwechseln Güte dann auch noch mit Schwäche.

Aber anscheinend weiß er bescheid:
https://www.youtube.com/watch?v=-SjJBRlq4z8


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zuletzt bearbeitet 21.07.2015 | Top

RE: Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

#7 von Cengiz Tuna , 21.07.2015 13:45

Zitat
Das Problem der darauffolgenden Wahlen bestand nicht in Ruhani! Der wurde ganz normal gepuscht vom kapitalistisch angehauchten Rafsandschani, wie zuvor andere gepuscht wurden. Das Problem bestand darin, dass sich die Imam-Anhänger nicht auf einen einzigen Kandidaten einigen konnten und "gespalten" auftraten.


Vielen Dank für die Erklärung. Jetzt verstehe ich was so „vernichtend“ war am „Fehler“ Ahmedinejads. Er hätte auf den Imam hören sollen. Habe es gar nicht mitbekommen, dass das so ein grober Fehler war und dass Imam Khamenei Ahmadinejad deswegen damals keine Beachtung mehr schenkte. So betrachtet, ist ein großer Rückschritt entstanden, der erst wieder aufgeholt werden muss.

Wenn Präsident Hassan Rohani also nicht hinter dem Imam steht, so wie es ihm gebührt und wie ich es schon immer annahm, dann macht Imam Khamenei bei der Atom-Einigung eine gute Miene zum bösen Spiel. Wie es aussieht, muss das Volk auch noch durch diesen Prozess und daran wachsen. Wie weise, gerecht und drucklos Imam Khamenei doch handelt, um Konflikte zu vermeiden.

Ich denke dazu passt dieses Video. Imam Khamenei kritisiert kapitalistisch orientierte Politiker:

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