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"Jeder Tag ist Aschura, jeder Ort ist Kerbala"

#1 von Fatima Özoguz , 05.11.2014 19:25

Jeder Tag ist Aschura, jeder Ort ist Kerbala

Die zehn ersten Tage des gesegneten Monats Moharram liegen nun hinter uns, Aschura wurde gestern begangen. In diesen Tagen wird gewöhnlich intensivst getrauert, es finden Sitzungen statt etc. Die Trauerzeit zieht sich bis in den Safar, da dort auch dem Ableben des Propheten (s.a.s) und Imam Hassans (a.s.) gedacht wird,

Von Imam Sadiq (a.s.) ist der Ausspruch überliefert „Jeder Tag ist Aschura, jeder Ort ist Kerbala“.
Gleichzeitig ist aber auch u.a. von Imam Hassan (a.s.) überliefert„Kein Tag ist wie dein Tag, oh Abu Abdillah (Imam Hussain, as.). Es wurde sogar schon in Foren heiß darüber diskutiert, welcher der Aussagen nun autenthisch sei und welcher nicht.
Aber ist das denn eigentlich ein Widerspruch? Wie wir wissen, sind alle Imame bis auf den zwölften, auf den wir sehnsüchtig warten, ermordet worden. Aber Imam Hussains (a.s.) Martyrium ist in vielerlei Hinsicht einmalig.
Imam Hussain (a.s) nahm Frauen und Kinder auf eine Reise mit, von der er wusste, dass es eine Reise ohne Wiederkehr sein würde. Er wusste, dass seine geliebte Schwester Zainab al – Kubra und seine kleine Tochter Sukaina verschleppt werden würden, und auch, dass Sukaina diese Härten nicht überleben würde. Viele stellen sich die Frage, warum er das wohl getan hat.
Dafür gibt es mehrere Gründe, von denen hier nur enige genannt werden sollen:
Wenn jemand in kriegerischer Absicht aufbricht, dann nimmt er normalerweise nicht Frauen, Kinder und alte Leute mit. Imam Hussain (A.s.) wollte damit zeigen, dass er immer friedliche Absichten hegte, und er wollte auch dem Feind damit eine Chance lassen, dennoch von seinem grausamen Vorhaben Abstand zu nehmen. Einige von Yazids Soldaten haben es ja auch getan, wie etwa ein Kommandant aus Yazids (la) Armee, Hurr ibn Yazid al – Riyahi. Er hat seine Chance genutzt hat sich gerade noch rechtzeitig auf die Seite des Rechts und der Wahrheit gestellt.

Die überwiegende Mehrheit aber hat versagt!
Ein zweites überragendes Merkmal dieses Tages war die Tatsache, dass eine weithin bekannte Persönlichkeit wie Imam Hussain, der Enkel des Propheten, von der Armee des amtierenden Kalifen getötet wurde, im Namen des Islam. Als Imam Hussain (a.s.) öffentlich fragte, was man ihm vorwerfe, ob er jemandem etwas gestohlen oder sonstwie Unrecht getan habe, bekam er keine Antwort , da er für seine seine Frömmigkeit, Freigiebigkeit und Nächstenliebe im gesamten Volk berühmt war. Man konnte ihm nichts vorwerfen.
Sein einziges „Verbrechen“ bestand darin, dass er sich dem damaligen Gewaltherrscher Yazid (la) nicht unterwarf. Deswegen wurde er und seine Getreuen nicht nur getötet, sondern ihre Körper wurden auch geschändet , in dem sie enthauptet und ihre Köpfe auf Lanzen aufgespießt wurden!

Drittens war einmalig, dass man die Frauen, Töchter, Nichten und sonstige weiblichen Familienangehörigen von Imam Hussain (a.s.) gefangennahm und öffentlich zur Schau stellte. Sie wurden von Stadt zu Stadt verschleppt auf dem Weg nach Damaskus und wie Trophäen herumgezeigt, ihre Schleier waren ihnen abgerissen worden. Das war für viele Menschen, die die Freundlichkeit und Nächstenliebe Zainabs und Umm Kulthums kannten, zuviel, und sie fingen an zu weinen.
Daraufihn hielt Sayyeda Zainab eine ihrer berühmten Reden. Obwohl ihr die Tücher vom Kopf gerissen worden waren, verzog sie sich nicht ängstlich in eine Ecke, sondern hielt ihre Reden, zunächst vor dem Gouverneur von Kufa, Ubaidullah ibn Ziyad, später dann auch in Damaskus vor Yazid. Sie hielt den weinenden Kufiten einen Spiegel vor und machte ihnen bittere Vorwürfe, dass sie jetzt weinten, wo sie doch den Abgesandten Imam Hussains (as), Muslim ibn Aqil (ra), und nachher auch Imam Hussain (as.) selbst schmählich im Stich gelassen hatten.

http://www.eslam.de/manuskripte/reden/re...abs_in_kufa.htm

In ihrem gefangenen Zustand hielt sie diese flammenden Reden vor Tyrannen, vor denen die allermeisten Männer zitterten!
Die Tragödie von Kerbala war also in vielerlei Hinsicht einmalig, auch was die Rolle der Frau angeht.

Dennoch ist hat Ausspruch „Jeder Tag ist Aschura, jeder Ort ist Kerbala“ bis heute seine Berechtigung und stellt keineswegs eine Relativierung dieser Tragödie dar. Auch heute wird vielen Zainabs und Sukainas der Schleier abgerissen, in dem man sie ausgrenzt und praktisch Berufsverbote erlässt.
Auch heute werden Frauen und Kinder von den Nachahmern Yazids (la), der sogenannten „ISIS“, oder Da3esh oder wie man diese Terrorgruppen immer nennen will, gefangengenommen und versklavt, vergewaltigt und / oder getötet.
Auch heute gibt es sogenannte „Muslime“, die im Namen eines pervertierten Islam Menschen köpfen und ihnen die Organe herausreißen.
Kerbala ist überall, wo Unrecht geschieht. Kerbala ist nicht nur in Syrien und im Irak, wo die ISIS-Terroristen wüten, die ihrerseits von der Nordatlantischen Terror-Organisantion NATO unterstützt werden.
Kerbala ist auch im Mittelmeer, wo Tausende von Flüchtlingen aus Kriegs- und Armutsgebieten ertrinken, kürzlich sogar im Bosporus.
Kerbala ist überall, wo Kinder verhungern oder an leicht behandelbaren Krankheiten sterben.
„Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wurde ermordet“ (Jean Ziegler, Schweizer Soziologe und Mitglied des „Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats der UN“).
Kerbala ist in Pakistan, wo von der Westlichen Welt unbeachtet, ein Genozid an den Schiiten stattfindet.
Kerbala ist in Gaza, das in Vergessenheit zu geraten droht, weil wir uns so leicht ablenken lassen.

Imam Hussain (a.s.) hatte für den Fortbestand des Islam und für die Freiheit des Menschen alles gegeben. Imam Hussain (a.s.) hat seinen Aufstand nicht allein für die Schiiten gemacht, oder für die Araber oder die Muslime.
Imam Hussain (a.s.) hat mit Kerbala ein Zeichen gesetzt für alle Unterdrückten, dass sie befreit werden. Er sagte zu seinen Feinden: „Wenn ihr schon keinen Glauben habt, so seid wenigstens freie Menschen.“
Vom farbigen amerikanischen Bürgerrechtler Malcolm X, der zum Islam konvertiert war und für die Rechte der Afroamerikaner kämpfte, ist der Spruch überliefert : „Wenn du nicht bereit bist, dafür zu sterben, streiche das Wort „Freiheit“ aus deinem Wortschatz.“
Imam Hussain (a.s.) aber beließ es nicht dabei. Er opferte nicht nur sich selbst, sondern zuvor seine ganze Familie und Gefährten, sogar seinen kleinen Säugling Abdullah.

Das Wichtigste aber: Imam Hussain (a.s.) rettete damit den Islam. In den vergangenen Moharram-Tagen sagte ein Gelehrter:
„Der Islam hatte bis jetzt drei große Kämpfe hinter sich. Der Prophet (s.a.) verteidigte den Islam gegen die Glaubensverweigerer , Imam Ali (a.s.) kämpfte gegen die Verfälschung des Islams an, und Imam Hussain hielt den Islam am Leben“. Wäre Imam Hussain (a.s.) nicht gewesen, dann gäbe es den Islam nicht mehr.

Aber eine vierte große Schlacht steht dem Islam und allen wahrheitsliebenden Menschen noch bevor. Wir warten auf unseren letzten Imam, der die Welt befreien wird. Oder eher wartet er auf uns, dass wir bereit sind.
Wenn er gekommen ist, wird nicht im Handumdrehen Frieden und Wohlstand für alle herrschen, viele, insbesondere die herrschenden Kapitalisten und nimmersatten Reichen, werden sich ihm entgegenstellen, leider werden auch Muslime unter seinen Gegnern sein, wenn man die Überlieferungen dazu verfolgt.
Imam Hussain (a.s.) hatte seinen Abgesandten Muslim ibn Aqil (r.a.) vorausgeschickt, aber er wurde von den Muslimen verraten und infolgedessen getötet, ebenfalls seine beiden Söhne, die noch im Kindesalter waren. Nicht weil die Leute in Kufa alle böse Menschen waren, sondern weil sie durch den Gouverneur Ubaidullah ibn Ziyad entweder eingeschüchtert , bedroht oder gekauft wurden. In diesem Zusamenhang stellt sich die Frage, wie wir mit dem heutigen Muslim ibn Aqil umgehen, der ebenfalls ein Nachkomme Imam Hussains (a.s.) ist. Stehen wir an seiner Seite, oder lassen wir ihn auch im Stich? Heute haben viele von uns nicht mal den Mut, einmal im Jahr zur Quds-Demo zu gehen, zu der er uns auffordert, und dort ist nicht unser Leben bedroht. Wir haben aber Angst, es könnte uns jemand fotografieren, unser Name könnte irgendwo erscheinen, jemand könnte dem Arbeitgeber einen Tip geben, irgendwer könnte uns „antisemitisch“ nennen usw usf.
Wenn wir aber wirklich die Befreiungstheologie Imam Hussains (a.s.) weitertragen und leben wollen, dann brauchen wir mehr Mut! Deswegen sollten wir nicht mehr auf Anerkennung durch die Politik abzielen, sondern wir sollten uns lieber an die Seite derer stellen, die sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, egal welcher Religion diese formal angehören mögen. Den Moscheegemeinden sollten wir vorschagen, zum Iftar im Monat Ramadan nicht Politiker einzuladen, sondern Arme und Obdachlose.
Unterwerfen wir uns nicht den Ausbeutern, den Kapitalisten und den Bankern, auch wenn sie uns eine gewisse „Anerkennung“ versprechen sollten.
HAYHAT MINNA ZILLA- Niemals akzeptieren wir Unterdrückung!


Fatima Özoguz  
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zuletzt bearbeitet 05.11.2014 | Top

   

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