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Warum interessiert sich der Westen so extrem für eine einzige Frau im Iran?

#1 von Yavuz Özoguz , 27.10.2014 14:23

Warum interessiert sich der Westen so extrem für eine einzige Frau im Iran?

Spätestens nachdem die radikal-zionistische Bild-Zeitung alle Leser offenbar dazu aufgehetzt hat die Botschaft der Islamischen Republik Iran anzurufen, wird klar, dass mit der Propaganda im Fall zum Todesurteil gegen die Iranerin Reyhaneh Jabbari etwas nicht stimmen kann.

Das hat es wohl kaum zuvor in Deutschland gegeben. Deutschlands größte Zeitung ruft alle seine Leser auf die iranischen Botschaften anzurufen (oder alternativ die Konsulate), schreibt alle Telefonnummern in großen Ziffern auf, verbreitet das im Internet und schreibt dazu: „Sagen sie dem Iran Ihre Meinung“. Gemeint ist natürlich die Meinung der radikal-zionistischen Springer-Presse, die der offensichtlich geistig minderbemittelte Leser weiter geben soll, denn würde er sonst die Bild-Zeitung lesen?

Eigentlich wollte ich nicht über diesen Fall schreiben, denn es schien sich das zu wiederholen, was wir seit der Islamischen Revolution im Iran schon hunderte Mal erlebt haben. Immer wenn das Bild des Iran in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland zu gut zu werden drohte, gab es irgendeinen Todesurteilsfall, mit dem in extrem propagandistischer Art und Weise das Ansehen der Islamischen Republik Iran geschädigt werden sollte. Das ist nicht weiter verwunderlich, da die Islamische Republik Iran mit der wahren Befreiungstheologie des Islam (und nicht der US-Version der IS) zu einer echten ideologischen Gefahr für das Verbrecherregime der Zionisten geworden ist. Insofern ist es auch ganz natürlich, dass die Diener jenes Regimes unter der westlichen Presse besonders hervorpreschen, wenn es darum geht, den Iran zu verunglimpfen. Und so konnte jener aktuelle Fall in diesen Rahmen passen.

Doch die aktuelle Reaktion der Bild-Zeitung verdeutlicht, dass in diesem Fall erheblich mehr dahinter stecken muss. Grundsätzlich kann man aus einer deutschen Sicht auch gegen die Todesstrafe sein. Dann würde es zwar verwundern, dass gegen Todesurteilsvollstreckungen in den USA nicht halb so viel gehetzt wird, obwohl dort sehr viele Menschen hingerichtet werden, aber auch das könnte man mit den irrwitzigen Treueschurverträgen erklären, die jeder Journalistenprostituierte unterzeichnen muss, wenn er für eine bestimmte Gruppe von Medien arbeitet. Sicher hat es noch nie einen Aufruf gegeben, die US-Botschaften anzurufen, aber beim Großen Bruder war auch die ehemalige DDR schon immer nachsichtig. Der aktuelle Aufruf in der Bild-Zeitung kratzt nicht nur an der Straftat einer Volksverhetzung, sondern wirft die Frage auf, warum ausgerechnet jene Frau so vehement thematisiert wird, denn schließlich ist sie nicht die einzige Frau im Iran, die hingerichtet wurde. Allein in diesem Jahr sind bereits einige Frauen z.B. wegen mehrfachen exzessiven Drogenhandels hingerichtet worden. Wären jene Fälle nicht viel besser zu „verkaufen“ gewesen?

Was weiß man denn schon über diesen Fall der Reyhaneh Jabbari im Westen? Alles, was eine urteilwütige Leserschaft zu lesen bekommen hat, war die Behauptung, dass sie in Notwehr ihren mutmaßlichen Vergewaltiger abgestochen hat. Aber benötigt man dafür sieben Jahre Verhandlungen durch mehrere Instanzen, die allesamt das Urteil der ersten Instanzen bestätigt haben? Als Grund für das Todesurteil wird dann auch noch angegeben, dass ein iranischer Geheimdienstmitarbeiter es war, den sie abgestochen hat. Einmal abgesehen davon, dass hier eine sehr ungewöhnliche Konstellation in vielerlei Hinsicht vorliegt, plädiert also die Bild-Zeitung ganz augenscheinlich und unterstützt von ihrer Leserschaft dafür, dass Iranerinnen ihre möglichen Peiniger abstechen dürfen. Gilt das auch für ein Deutschland, dessen Gewaltpotential von solcherlei Hetzmedien jeden Tag aus Neue angeheizt wird?

Kurz gesagt: Eigentlich weiß der deutsche Leser absolut nichts über den Fall, außer dass die Frau die Gute ist, bzw. war, und der Iran der Bösewicht, wie immer in den letzten 36 Jahren seit dem Sieg der Islamischen Revolution über den Westlichen Kaiser. Damit hätte man es sicherlich bewenden lassen können. Die Wirkung wäre einmal mehr erzielt und Leute wie meine Wenigkeit hätten noch nicht einmal reagiert, weil diese Art der Hetze schon zur „Normalität“ geworden ist. Zugegebenermaßen hat mich der Fall bis heute auch nicht sonderlich interessiert. Erst die übertriebene Reaktion der radikal-zionistischen Presse, die parallel dazu auch die Speerspitze im Kampf von Kabarettisten gegen die Muslime im eigenen Land übernommen hat, hat mich dann doch neugierig gemacht.

Ohnehin gab es bereits im Vorfeld einige Ungereimtheiten bei der Berichterstattung der deutschen Presse. Warum sollte sich jene Frau mit einem Geheimdienstmitarbeiter treffen? Nur weil sie sein Büro als Architektin bearbeiten sollte? Vergeben i Iran neuerdings die Geheimdienstmitarbeiter selbst die Aufträge zur Innenausstattung und nicht die Behörde? Warum hat sie sich überhaupt in geschlossenen Räumlichkeiten allein mit ihm getroffen, was für eine iranische Frau äußerst ungewöhnlich ist. Warum ist sie nach der Tat geflohen (wurde hier kaum berichtet) und kurz darauf gefasst. Warum hat der Iran sie überhaupt hingerichtet, wo sie doch hätten nachgeben können, um das Ansehen im Ausland zu verbessern?

Also machte ich mich auf den Weg der Suche im Internet nach belastbaren Informationen zum Fall. Erstaunlich dabei war, dass ich gar nicht lange suchen musste. Allein im englischsprachigen Raum wimmelt es nur von Informationen zum Fall, die allesamt dem deutschen Leser vorenthalten werden!

An der Tatsache, dass die Frau den Mord begangen hat, gab es wenig Zweifel, nicht einmal bei den Gegnern der Todesstrafe. Zudem wurde Jabbari nachgewiesen, dass sie eine Textnachricht (SMS) an einen Freund gesandt hatte, drei Tage vor dem Vorfall, worin stand: „Ich denke, ich werde ihn heute Abend zu töten.“ In keiner Meldung wurde die Echtheit dieser SMS angezweifelt. Insofern waren Täter und Opfer miteinander bekannt. Warum das so war, ist nur zwischen den Zeilen herauszulesen. Möglicherweise wurde Jabbari observiert und in diesem Zusammenhang hat der iranische Geheimdienstler versucht, sie als Doppelagentin zu gewinnen. Das sind zwar nur Spekulationen, sie wurden allerdings viele „Merkwürdigkeiten“ des Falles erklären. Nicht zuletzt würden sie erklären, dass die Westliche Welt solch ein übertriebenes Theater um diese eine Person veranstaltet. Das dient dann nur zum einen der Aufhetzung des eigenen Volkes gegen die Befreiungstheologie, die von der Führung der Islamischen Republik Iran ausstrahlt, eine Befreiungstheologie, die auch Deutschland von den Fesseln der Geschichte befreien könnte. Zum anderen könnte das Theater ein Signal sein an andere Agenten des Westens im Iran, die nach dieser Hinrichtung auf die Idee kommen könnten, ihren Job an den Nagel zu hängen. Wer will schon sein eigenes Leben für das Goldene Kalb der Westlichen Welt riskieren? Das Signal lautet, dass man die eigenen Diener eben nicht im Stich lässt, selbst über die Hinrichtung hinaus.

Wohlgemerkt: In diesem Artikel soll keine Diskussion über das für und wider der Todesstrafe aufgeworfen werden. Diejenigen, die die Todesstrafe ablehnen, haben gute Gründe dafür, die auch ein überzeugter Muslim zumindest teilweise nachvollziehen kann. Aber wenn eine einzige Todesstrafe so übertrieben herausgepickt wird, muss unabhängig von der Ablehnung der Todesstrafe über den Fall nachgedacht werden. In Syrien bringen die von den USA gemästeten Terroristen jeden Tag Dutzende unschuldiger Frauen und Kinder um. Israel bringt jedes Jahr im Schnitt ca. 1000 unschuldiger Menschen um, darunter viele Frauen und Kinder. Im Irak wurden eine Million Menschen umgebracht durch die USA und noch heute sterben Dutzende täglich an den Folgen der Uran-Munition. In Saudi-Arabien werden viele Menschen mit voller Unterstützung der gesamten Westlichen Welt der Todesstrafe zugeführt. Die Todesstrafe gibt es außer in den USA auch in China und vielen anderen Ländern der Welt. Und selbst im Iran gibt es sicherlich Fälle der Todesstrafe, die aus meiner subjektiven Sicht eher dafür geeignet wären Kritik zu äußern als dieser Fall. Wenn also dennoch in diesem einen Fall solch ein Medien-Zirkus veranstaltet wird, dann muss man genauer hinschauen.


Nach dem iranischen Recht hätte die betroffene Familie des Opfers die Hinrichtung der Verurteilten verhindern können. Sehr viele Organisationen aus dem In- und Ausland haben versucht, die Familie zu besänftigen. Extrem viel Geld wurde angeboten, zumal die Familie nicht zu den Wohlhabenden im Land gehört. Selbst die Staatsanwaltschaft hat sich an die Familie gewandt, aber die Familie war von ihrem Recht nicht abzubringen. Sie empfand den Mord an ihrem Sohn als extremes Verbrechen, das gesühnt werden musste.

Einige weitere Fragen wurden auch in der nichtdeutschsprachigen westlichen Presse durchaus diskutiert. Z.B. stellte sich die Frage, woher die Innenarchitektin das Taschenmesser gefunden hat, mit dem sie ihr Opfer abgestochen hat und warum es so scharf war? Wie gelang es einer vergleichsweise zierlichen Frau einen ausgebildeten und durchtrainierten Geheimdienstmitarbeiter abzustechen, nachdem dieser sie zur Vergewaltigung überwältigt haben soll? Warum hat sie nach der Tat nicht die Polizei gerufen und das Opfer verbluten lassen? Er lebte noch nach der Tat. Wusste sie, dass ihr Gegenüber ein Geheimdienstmitarbeiter war und wenn ja warum, und wenn nein, warum hatte sie Angst und wollte weglaufen, wenn sie doch in Notwehr gehandelt habe? Warum hat Jabbari zwei Tage vor dem Mord das ultrascharfe Messer gekauft? Nach der Überführung behauptete Jabbari dass sie zwar zugestochen hätte, aber jemand anderes den Mann dann umgebracht hätte. Jene angebliche dritte Person konnte zunächst aber nicht gefunden werden, biss Jabbari eingestand, jene Person erfunden zu haben.

Neben Amnesty International (was normal in solchen Fällen ist) setzten sich auch die Vereinten Nationen und die Europäische Union für die Frau ein (was eher ungewöhnlich ist). Die Vereinten Nationen fungieren ohnehin nur noch als verlängerter Arm der US-Hegemonialinteressen, ab und zu gebremst durch Russland und China. Im Iran selbst war die Aufmerksamkeit nicht halb so groß.

Die Reaktion einer ganz bestimmten Presse in Deutschland liefert sehr deutliche Indizien dafür, dass Jabbari im Dienste von Kräften stand, die sie jetzt in solch übertriebenem Maß vergelten wollen. Offensichtlich hat einmal mehr die Westliche Welt eine Niederlage in der Islamischen Republik Iran erlitten und die Todesstrafe ist eines der Gründe, warum es dem Westen so schwer fällt, noch mehr Terrorakte im Iran verüben zu lassen, als sie es ohnehin schon tut. Der US-Etat zur Destabilisierung der Islamischen Republik Iran ist kein Geheimnis und gilt als demokratisches Element im Kampf für „Freiheit und Demokratie“. Jenem Kampf sind in den letzten Jahrzehnten so viele Muslime zum Opfer gefallen, dass sie von jenem Märchen nicht mehr zu überzeugen sind. Inzwischen mehren sich aber auch in Deutschland die Stimmen, die Zweifel am Großen Bruder USrael hegen. Immer mehr Deutsche lesen in sozialen Netzwerken die Nachrichten aus der Islamischen Republik Iran. Was heute noch wie eine extreme Minderheit wirkt, ist aber dennoch nicht zu missachten, denn im Gegensatz zu jener leicht aufhetzbaren Leserschaft einer „Meinungsbildungszeitung“, sind jene Leser die kritischen Intellektuellen im Land, die auch zum Wohl Deutschlands neue Wege suchen.

Die Diskussion um die Todesstrafe ist eine berechtigte Diskussion. Sie wird eines Tages auch religionsübergreifend geführt werden müssen. Die sogenannte Steinigung ist im Iran seit Jahrzehnten ausgesetzt und wird nicht praktiziert. Im Gegensatz dazu erfolgt sie in Saudi-Arabien nach wie vor einschließlich der Kreuzigung, zu der gerade ein großer islamischer Geistlicher verurteilt wurde. Das aber stört die radikal-zionistische Presse nicht weiter, denn Saudi-Arabien vollstreckt die Urteile mit Unterstützung der Westlichen Welt.

Ein friedliches Miteinander der Völker ist nur möglich, wenn Freiheit und Demokratie auf Gerechtigkeit aufbauen. Das hätte in Deutschland unter anderem zur Voraussetzung, dass die Springer Presse enteignet werden müsste. Entsprechend weit ist Deutschland von Gerechtigkeit entfernt. Doch im Gegensatz zu den Deutschen beim Iran, werden sich die Iraner nicht in innerdeutsche Angelegenheiten einmischen. So manch ein Deutscher aber wünschte sich das, damit Deutschland eines Tages frei wird.

Yavuz Özoguz  
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