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Wer die Welt verändern will, darf nicht in Syrien beginnen

#1 von Yavuz Özoguz , 21.01.2014 09:37

Wer die Welt verändern will, darf nicht in Syrien beginnen

Während die Verbrechen der Westlichen Welt in Syrien, im Irak, in verschiedenen Ländern Afrikas und anderenorts tagtäglich schlimmere Ausmaße annehmen und Besatzungssoldaten wie Schachfiguren auf dem Weltbrett hin- und hergesetzt werden geschickt und von gekauften Söldnern unterstützt werden, wissen viele Muslime nicht mehr, was sie dagegen tun können. Sie wissen oft nicht einmal mehr, wo sie stehen sollen.

Es gab einmal eine Zeit, da lebte der heiligste Mensch seiner Zeit in Kufa im heutigen Irak. Ein machtbesessener Gewaltherrscher wollte diesen heiligen Menschen als Staatsoberhaupt nicht akzeptieren und eröffnete gewaltige Kriege gegen ihn. Die Anhänger des Heiligen erkannten nicht seine Größe und Heiligkeit und ließen ihn größtenteils im Stich, manche eigene Möchtegernanhänger wandten sich sogar gegen ihn. Es endete damit, dass der Heilige ermordet wurde! Der Sohn jenes Heiligen, der heiligste Mensch seiner Zeit, wollte die Muslime dazu mobilisieren, gegen den machtbesessenen Gewaltherrscher Widerstand zu leisten. Aber die Intrigen des Gewaltherrschers waren enorm! Er sandte „Geldeintreiber“, die im missbrauchten Namen des Heiligen Plündern und Rauben sollten. Er ließ Leute bezahlen, damit sie im Namen des Heiligen vergewaltigen, so dass die Anhänger des Heiligen an ihm zweifelten. Einzelne „müde“ und nicht mehr opferbereite Kommandeure des Heiligen konnten dem Reiz des Geldes nicht widerstehen und liefen über zum Gewaltherrscher. Am Ende war jener zweite Heilige so allein, dass er einen Friedensvertrag mit dem Gewaltherrscher unterzeichnen musste. Zumindest aber der Inhalt des Friedensvertrages sollte den Muslimen im Irak und anderenorts das wahre Gesicht des Gewaltherrschers verdeutlichen. Unter Anderem verpflichtet sich der Gewaltherrscher dazu, seinen eigenen Sohn in keinem Fall als seinen Nachfolger zu nominieren. Der Gewaltherrscher hielt sich an keine der Vereinbarungen, ließ den zweiten Heiligen ermorden und setzte seinen Sohn auf den Thron als Nachfolger. In der Folge wurde in Kerbela (auch im heutigen Irak) der dritte Heilige, der heiligste Mensch seiner Zeit, mit fast allen seiner Getreuen massakriert! Eine Katastrophe führte zur nächsten Katastrophe und jede nicht verhinderte Katastrophe bedingte schlimmeres Unheil in der Zukunft!

Für den im Islam nicht so geschichtsfesten Leser sei gesagt, dass der obige Gewaltherrscher und sein Sohn nicht Bush Senior und sein Sohn oder gar Obama waren, sondern Muawiya und Yazid. Und die Heiligsten ihrer Zeit waren nach dem Ableben des Propheten des Islam: Imam Ali, Imam Hasan und Imam Husain.

Aber das Prinzip, dass ein katastrophaler innerislamischer Fehler noch schlimmere Katastrophen nach sich zieht, ist eine Art „Naturgesetz“, das sich durch die gesamte Geschichte zieht. Die Tatsache, dass Muslime bei obigen Katastrophen zugesehen haben, führte zur Gewaltherrschaft der Umayyaden. Die Tatsache, dass die Aufständischen gegen die Umayyaden nicht die Heiligsten ihrer Zeit an die Macht gebracht haben, führte zur Gewaltherrschaft der Abbasiden. Die Tatsache, dass die Muslime Haremspaläste ihrer so genannten Kalifen zugelassen haben, führte zum Untergang des Osmanischen Reichs. Die Tatsache, dass sich Muslime spalten ließen, führte zu Linealstrichgrenzen zwischen ihnen. Die Tatsache, dass sie dem Zionismus nicht frühzeitig einen hinreichenden Widerstand geleistet haben, führte zu Jahrzehnten voller Leid! Die Tatsache, dass viele Geistliche mit dem einstmaligen Schah paktiert haben, führte zur Unterdrückung so vieler Iraner. Die Tatsache, dass Muslime gegenüber Königen und Prinzen schweigen führt zur Ausbeutung muslimischer Reichtümer und zur Verbreitung von einem brutalen „Steinzeitislam“ im missbrauchten Namen des Islam und unter dem Schutz der USA.

Und die etwas Älteren werden sich erinnern: Einstmals hatte die heilige Persönlichkeit des Islam seiner Zeit die Bevölkerung des Irak aufgefordert, gegen den Verbrecher Saddam aufzustehen! Der heiligste Gelehrte im Irak selbst hatte ebenfalls dazu aufgerufen! Er wurde zusammen mit seiner Schwester von Saddam persönlich ermordet und der Irak überfiel die Armeen jener Heiligkeit. Später rief Bush Senior dazu auf, dass sich Schiiten gegen Saddam richten, als jener schwach erschien. Schiiten tappten in die Falle und wurden von Saddam unter dem Schutz der USA massakriert!

Und was ist heute im Irak oder in Syrien? Im Namen von Sunniten werden schiitische Heiligtümer in die Luft gesprengt. Im Namen von Schiiten werden Racheakte verübt: Entführung, Raub, Mord, Vergewaltigung, Erpressung. Ziel ist es, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen! Nicht mehr ein vergammelter Saddam, sondern hunderte Saddams „regieren“ im Irak, in Syrien und vielen anderen Orten der islamischen Welt, allen voran in Saudi-Arabien, alle machthungrig, alle geldhungrig und viele gekauft von den USA. Das Unheil, das sie anrichten, ist nicht zu übersehen! Die USA wollen den Irak, Syrien und viele andere Länder teilen und dafür bedarf es jener Verbrecher. Da die das alleine nicht schaffen und die USA immer noch nicht die Kontrolle hat, die sie haben will, werden immer neue Söldner geschickt. Die westliche Welt schweigt größtenteils wie immer oder stellt sich an die Seite der Imperialisten! Aber dieser Text ist nicht über die Westliche Welt.

Wie ist dieser Blutkreislauf, diese Gewaltspirale, die jeden Tag schlimmer wird, zu durchbrechen? Wie ist das Erbe der Muslime, die auf so vielen Fehlern ihrer Vorväter aufbauen, zu durchbrechen? Wie kann die Lage der muslimischen Weltgemeinschaft verändert werden? Was können Muslime tun?

Der Fehler bei all den Betrachtungen aus muslimischer Seite besteht darin, dass man ein teilweise falsches Gottesbild hat! Gott braucht den Menschen nicht! Er braucht weder den Westler, noch den Iraker, noch den Syrer, noch den Israeli noch den Muslim! Gott ist frei von jeglichen Bedürfnissen und Erhaben! Der Mensch ist es, der Gott braucht! Auch braucht Gott niemanden, um einen Einzelnen oder ein Volk zu retten oder ein anderes Volk oder Einzelne zu bestrafen! Er hat aber „Gesetzmäßigkeiten“ festgelegt, die jeder Muslim kennt oder zumindest kennen sollte: „Gott verändert die Lage eines Volkes nicht, bevor es nicht die eigenen Seele ändert! Das gilt für eine Familie, einen Nachbarschaftskreis, eine größere Bevölkerung oder gar die gesamte islamische Weltgemeinschaft (Umma), aber auch die westliche Welt.

In jener Aussage aus dem Heiligen Qur´an stecken viele Weisheiten. Wir konzentrieren uns heute nur auf eine Einzige daraus: „Jeder bekommt die Führung, die er verdient!“. So lange die Bevölkerungen der westlichen Welt nur nach dem materiellen Leben streben, so lange werden sie auch entsprechend regiert werden! So lange Muslime nicht bereit sind, der wahren islamischen Führung zu folgen, bekommen sie eine „unwahre“ Führung. So lange Muslime „national“ denken, bekommen sie Linealstrichgrenzen. So lange sich Muslime nicht Besatzern mit der nötigen Einheit widersetzen, bekommen sie Spaltung. So lange sie zusehen, wie die meisten ihrer Länder von westhörigen Gewaltherrschern regiert werden, bauen sie eine noch schlimmere Situation für ihre Kinder auf.

Aber wir leben in einer Zeit, in der ein Volk bewiesen hat, dass es auch anders geht. Das unter einer einheitlichen Führung vereinigte Volk des Iran, Schiiten und Sunniten, Muslime und Christen haben den einstmals so mächtigen Schah vertrieben und die USA dazu. Welcher heutige Herrscher über Muslime hatte die Machtfülle und Brutalität des Schahregimes? Aber er konnte nicht bestehen, da das Volk sich geeinigt hat unter einer Führung. Ansätze dieses Einigungsprozesses sind auch im Libanon nicht zu übersehen. Und die Erfolge gegen die jeweiligen Besatzer sind unübersehbar. Muslime und Christen haben im Libanon zusammen Hand in Hand die zionistischen Besatzer vertrieben.

Aber noch einmal: Gott braucht uns nicht, um irgendwen zu befreien! Daher ist es die wichtigste und ehrenvollste Aufgabe sich in der Hingabe zu Gott selbst zu läutern und seine eigene Seele zu erziehen! Es ist bedeutungsvoll, dass der sich selbst reinigende Mensch in der Hingabe zu Gott sieht, was seine Aufgabe ist; und Gott ist nicht missverständlich, wenn man Ihm nur zuhört. Nicht jeder hat die gleiche Aufgabe. Von dem einen verlangt Gott, dass er Fensterputzer ist, um seine Familie mit halal-Geld zu versorgen und anständig zu entwickeln, und vom anderen seine Sprachfähigkeiten einzusetzen gegen das Unrecht. Von dem einen verlangt er, sich um seine Kinder zu kümmern und vom anderen, sich auch um die Kinder anderer zu kümmern. Der eine soll als Arzt wirken und der andere als Geistlicher. Jeder bekommt seine Aufgabe. Aber er bekommt seine Aufgabe nicht, weil Gott einen Schreiber, einen Arzt, einen Fensterputzer oder Familienvater oder -mutter braucht. Er bekommt die Aufgabe, um sich weiter zu entwickeln auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe.

NIEMAND aber bekommt die Aufgabe Unheil zu stiften. Das Problem von potentiellen Bombenbauern liegt darin, dass sie Gott spielen wollen! Im missbrauchten Namen Gottes übernehmen sie „Aufgaben“, die ihnen von teuflischen Gefühlen (aber auch realen Mächten) zugeführt werden! Sie werden zu den Schergen Muawiyas, der auch im Namen des Islam behauptete, nur Gutes bewirken zu wollen. Viele seiner Anhänger waren überzeugte Muslime, aber sie kannten den Islam nicht!

Die Befreiung der Welt beginnt in der Läuterung des eigenen Herzens! Das genau ist unsere Aufgabe! Diese Läuterung ist ein Weg ohne Ende! Der Weg ist das Ziel! Es geht immer weiter, so lange wir leben. Und wer sich selbst läutert, wer sein eigenes Ich versucht zu kontrollieren, wer versucht der Liebe der Wahrheit in seinem Herzen Einzug zu gewähren, der wird sehr schnell merken, was Gott von ihm wünscht und wie er sich weiterentwickeln kann. Diese Selbsterziehung wird ihn von jeglichen rassistischen Gedanken befreien, er wird jeglichen nationalistische Hemmschuhe ausziehen und niemanden Unterdrücken: „Unterdrücke nicht und lass Dich nicht unterdrücken.“ Die größte Unterdrückung droht jedem durch sein eigenes „Ich“.

Wer aber diesen Kampf nicht intensiv führt und glaubt, als Weltverbesserer auftreten zu müssen, der kennt die Gefahren nicht, die auf seinem Weg lauern! Er wird zum Spielball von brutalsten Herrschern werden, ohne es zu merken!

Wer die Welt verändern will, darf heute nicht in Syrien, Irak oder Afghanistan beginnen. Er muss bei sich selbst beginnen! Wer aber bei sich selbst beginnt, der wird sehr schnell merken, dass die Heiligkeiten unserer Zeit nicht zuerst Iraker, keine Araber, keine Türken oder keine Perser sind sondern vor allem Gelehrte des Islam, die den wahren Islam vertreten. Wer bei sich selbst beginnt, der wird sehr schnell merken, dass Gott hinreichend Kräfte hat, die ganze Welt zu verändern, auch ohne ihn, und er daher danach streben muss, die Aufgaben zu erkennen, die reinen, anständigen und halal-Aufgaben, die ihm Gott anvertraut! Und hat er das erkannt, dann muss er versuchen, diese Aufgabe – je nach Fähigkeit – bestmöglich zu absolvieren.

Gott braucht uns nicht, aber wir brauchen ihn. Wer sich in jedem Moment seines Daseins daran erinnert, der wird nicht übertreiben, nicht fanatisch sein, nicht extremistisch und kein Unheil stiften. Aber sein gesamtes Wirken wird für die schlimmsten Verbrecher dieser Welt übertrieben, fanatisch und extremistisch wirken und ein Unheil für sie sein, da sie ihn nicht unterdrücken können. Syrien, Irak oder Palästina zu befreien ist nicht die Aufgabe, auf der unser Dasein aufbaut! Alle Länder haben schon so viele Herrscher kommen und gehen sehen, so viel Unheil, so viel Brutalität. Aber auch das heutige Unheil wird eines Tages vergehen.

Wenn wir unser eigenes Ich läutern und die Seele reinigen, dann wird jede Befreiung der Welt darauf aufbauen, auf dem Thron, den der Allmächtige im Herzen eines Gläubigen baut. Der Gläubige, in dessen Herzen dieser Thron existiert, wartet nur darauf, uns alle befreien zu dürfen, aber er darf es noch nicht, denn wir sind noch nicht dazu bereit. Also bereiten wir uns vor!

Das alles entscheidende Wort in dieser Vorbereitung heißt „Liebe“. Wir erleben dieser Tage, wie so viele Muslime in der Welt von diesem Wort entfernt, entfremdet werden! Aber das dürfen wir nicht zulassen! Die Liebe ist das Haus und die Hoffnung das Fundament. Und jenes Haus müssen wir immer wieder reinigen, damit wir die Leute des reinen Hauses begrüßen dürfen.

Yavuz Özoguz  
Yavuz Özoguz
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