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Der schwerkranke westliche Patient sollte den Arzt wechseln

#1 von Yavuz Özoguz , 17.04.2024 09:55

Der schwerkranke westliche Patient sollte den Arzt wechseln

Stellen sie sich vor, ein Patient ist schwer krank und geht zum berühmtesten Arzt seiner Stadt. Der verschreibt ihm ein Medikament mit vielen Nebenwirkungen. Der Patient nimmt es und wird immer kränker. Daher geht er zum Arzt und bittet um eine höhere Dosis. Der Arzt erhöht die Dosis und der Patient wird teilweise unheilbar krank und die Abwärtsspirale setzt sich stetig fort. Was würden Sie über solch einen Arzt und solch einen Patienten sagen? Müsste man den Arzt nicht anzeigen und den Patienten zu seinem eigenen Schutz einweisen?

Ein Arzt einer Nachbarstadt erfährt von den Symptomen, erklärt die Krankheit und empfiehlt eine Heilungsmethode, die sicherlich Aussicht auf Erfolg hätte. Was würden man dann über solch einen Patienten sagen, wenn er jene Empfehlung ablehnt, nur weil der andere Arzt nicht aus seiner Stadt kommt? Genau so verhält sich der schwer kranke Patient „Westliche Welt“ aktuell in der Weltpolitik sowohl global als auch lokal, scheinbar ohne Aussicht auf Besserung, da man von den eigenen verblendeten Diagnosen fanatisiert ist und glaubt, lediglich die Dosis aller gescheiterten Maßnahmen erhöhen zu müssen, um endlich zum Erfolg zu gelangen. Das Ergebnis ist nicht nur der Zerfall der Westlichen Welt, sondern auch die Gefahr der völligen Auslöschung im Zuge eines weiteren Weltkrieges.



Paradebeispiel für dieses wahnsinnige Verhalten der Politik in der Westlichen Welt ist ihr Verhalten im Kernkonflikt der Welt um Palästina. Seit acht Jahrzehnten (!) besteht die westliche Politik darin, jedes Verbrechen Israels zu stützen und Israel mit so vielen Waffen vollzustopfen, wie sie danach ruft. Israel darf alles! Und alles erfolgt zum Selbstschutz. 30.000 ermordete Zivilisten, hauptsächlich Frauen und Kinder, zum angeblichen Selbstschutz. Israel darf besetzten und das Westjordanland „besiedeln“. Der Westen trägt es mit. Palästinenser dürfen gar nichts, außer ihr Sklavendasein zu akzeptieren. Sie dürfen sich nicht wehren, sie dürfen nicht zum Boykott aufrufen, sie dürfen gar nichts. Das war und ist westliche Politik. Aber ist Israel dadurch sicherer geworden? Leben Juden heute in Israels sicherer als im Rest der Welt? Konnte der westliche Imperialismus dadurch seine ehemaligen Kolonien, die er aktuell durch tyrannische Despoten stellvertretend kolonialisieren lässt, besser schützen und das islamische Wiederwachen aufhalten? Wurde wenigstens im Westen die Demokratie dadurch gestärkt?

Israel hat die iranische Botschaft in Syrien bombardiert. Die Westliche Welt trägt eine erhebliche Mitschuld an jenem Bombardement, dem Bruch sämtlicher Schranken des diplomatischen Miteinander in der Welt und sogar am iranischen Gegenschlag. Hat die westliche Welt auf Israel eingewirkt, irgendwo eine Grenze zu setzen, oder hat das westliche Verhalten zu Gaza Israel erst dazu motiviert, weitere Grenzen zu überschreiten? Haben die westlichen Staaten zumindest nach dem Bombardement und dem Verbrechen der daran gekoppelten Morde Israel für diesen Regelbruch verurteilt, oder hat westliches Verhalten Israel dazu motiviert noch unverschämter zu werden, so dass Iran gar keine andere Wahl blieb als eigene Zeichen zu setzen? Hätte der Westen nicht diese Eskalation verhindern können, indem sie den israelischen Bruch aller Regeln verurteilt hätte? Was ist das für ein Verhalten, dass Israel jedes Gesetz, jede Regel, jede Vereinbarung brechen darf, besetzen, „besiedeln“ und ethnisch säubern darf, unbegrenzt Frauen und Kinder morden darf, und niemals von der westlichen Welt dafür verurteilt wird? Hat diese Verhalten das Leben der Juden in Israel sicherer gemacht? Hat das Verhalten den Antisemitismus in der Welt reduziert? Hat das Verhalten die Abschreckungsfähigkeit Israels erhöht? Hat das zumindest die Westliche Welt sicherer gemacht oder westliche Handelsinteressen geschützt?

Sehr laut wird einmal mehr der Ruf nach noch größeren Sanktionen gegen die Islamische Republik Iran herausposaunt. Wird die Islamische Republik Iran nicht seit vier Jahrzehnten mit allen nur denkbaren und undenkbaren Mitteln durch die Westliche Welt bekämpft? Ist Iran nicht (neuerdings zusammen mit Russland) das am heftigsten sanktionierte Land der Welt? Verstoßen einseitige westliche Sanktionen ohne die Zustimmung des UN-Sicherheitsrats nicht gegen den Geist der internationalen Zusammenarbeit und gegen die Charta der Vereinten Nationen, oder sind Maßnahmen des Westens von sich aus so heilig wie alle Maßnahmen Israels? Haben die Sanktionen Iran mittelfristig wirklich geschadet oder den Iran nur noch stärken und unabhängiger gemacht? Gehört Iran nicht mit den BRICS-Staaten und dem gesamten sogenannten „Globalen Süden“ inzwischen formellen und nichtformellen Bündnissen an, die viel stärker sind als die Westliche Welt? Oder kann sich die Westliche Welt in ihrem nihilistischen Wahn nicht vorstellen, dass sie eines Tages abgelöst wird? Schwächelt seit den letzten Konfrontationen die iranische Wirtschaft oder die deutsche?

Der Zentralrat der Juden in Deutschland verlang als Reaktion der iranischen Reaktion auf die Bombardierung des Botschaftsgebäudes die Schließung einer der ältesten und berühmtesten Moscheen Deutschlands. Das ist historisch so bedeutsam, dass es betont werden muss: Die größte Vertretung der Juden in Deutschland, deren Gotteshäuer zur Zeit der Judenverfolgung verbotenn wurden, verlangt die Schließung eines berühmten Gotteshauses in Deutschland. Auch diesbezüglich hat Deutschland bereits Erfahrungen gesammelt. Gleich mehrere Moscheen von Anhängern der islamischen Befreiungstheologie wurden geschlossen und Millionenwerte konfisziert. Ist die Arbeit der Sicherheitsdienste dadurch leichter geworden? Hat man dadurch Tausende von Jugendlichen, die in den Moscheen vor den Augen der Sicherheitsbehörden zu anständigen Staatsbürgern erzogen worden sind, demokratisiert oder jetzt zu Feinden des Staates erzogen? Sind die Sympathien unter den Muslimen in Deutschland deshalb weniger auf der Seite der unterdrückten Palästinenser oder hatten jene Schließungen genau einen gegenteiligen Effekt? Waren die Moscheen nicht ein bedeutsames Gegengewicht gegen einige kriminelle Clans? Oder hat man die Jugendlichen, die jene Moscheen besucht haben, wenigstens zu loyalen Staatsbürgern erziehen können? Ist mit den Moscheeschließungen nicht genau das Gegenteil eingetreten?

Jede Maßnahme, die die Westliche Welt – allen voran Deutschland – zum Schutz Israels durchgeführt hat, hat den Westen immer weiter geschwächt und Israel dazu. Das hatte am Ende so kuriose Auswirkungen, dass ein einstmals in der Welt so angesehe deutsche Kanzler bei seiner jüngsten Landung in China vom Küchenpersonal begrüßt worden ist. Und die „moralischste Armee der Welt“, wie sie sich selbst genannt hat, wird inzwischen als die blutrünstigste Armee der Welt wahrgenommen, selbst in den Ländern wie Deutschland, in denen jegliche kritische Haltung gegen den Zionismus unterdrückt wird.

Wenn die Westliche Welt – allen voran Deutschland – noch die Kurve kratzen möchte, muss sie zurückkehren zur Menschlichkeit, einer Menschlichkeit, die für alle Menschen gilt. Erst wenn Juden, Christen und Muslime gleichberechtigt im historischen Palästina leben können, wird es Frieden in der Region geben. Erst wenn Deutschland nicht glaubt selbsternannte Weltpolizei spielen zu dürfen, der Ankläger, Richter und Vollstrecker zugleich sei, wird Deutschland wieder ernst genommen werden können. Deutschland muss nicht „kriegstüchtig“, sondern „friedenstüchtig“ werden, was die Diplomaten des Landes offensichtlich verlernt haben.

Deutschland braucht einen neuen Arzt. Jener Arzt kommt nicht aus einer anderen Stadt, sondern wohnt im Herzen eines jeden friedliebenden Menschen. Es ist der Arzt der Menschlichkeit. Und das Medikament, das jener Arzt verschreiben kann, ist nichts als Menschlichkeit. Deutschland ist vergreist und Greise sterben. Aber noch gibt es junge Leute im Land. Viele haben zwar kein deutsches Blut aber würden gerne eine deutsche Heimat haben. Sie wird ihnen aktuell genommen, ausgerechnet von selbsternannten Vertretern und Nachkommen der Menschen, denen einstmals ihre deutsche Heimat brutal geraubt worden ist. Viele Analysten in der muslimischen Welt, insbesondere in der Islamischen Republik Iran glauben, dass Deutschland nicht mehr zu retten sei und auch im Dritten Weltkrieg – einmal mehr – im Faschismuswahn mit untergehen werde. Derartige Tendenzen sehen wir nicht nur in Palästina, sondern auch in der Ukraine und im arroganten Verhalten Deutschlands in der Weltpolitik auch gegenüber Großmächten wie Russland und China.

Meine Wenigkeit glaubt hingegen, dass Deutschland noch nicht verloren ist. Noch gibt es junge Menschen in diesem Land, die für eine friedliche Zukunft aller Völker eintreten und den verbrecherischen Kapitalismus ablehnen. Noch gibt es Menschen in diesem Land, die sich gegen ein selbsternanntes Weltimperium wehren und Frieden und Freiheit nicht als Freiheit zur Ausbeutung anderer Völker verstehen. Noch gibt es Menschen, die nicht alles verdinglichen und Dinge vergöttern. Noch gibt es junge Menschen in diesem Land, die sich für gesunde Familien einsetzen, in denen Kinder gedeihen können, die sich gegen Unrecht und Unterdrückung auflehnen. Noch gibt es diese Menschen, die sich für eine wahre Gerechtigkeit einsetzen. Es gibt sie unter Juden, Christen, Muslimen und anderen in Deutschland. Zugegeben, es sind nicht viele, aber es gibt sie! So lange es sie gibt, wird die Weiße Rose Deutschlands nicht verblühen – so Gott will.

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RE: Der schwerkranke westliche Patient sollte den Arzt wechseln

#2 von Dr.Josef Haas , 17.04.2024 18:41

Ich stimme Ihnen natürlich in jeder Hinsicht, was die Grundtendenz Ihres Beitrages angeht, zu.
Allerdings sollte man dabei denn doch nicht übersehen, dass nicht wenige Muslime Israel
militärisch noch immer unterstützen. Also das, was Sie vollkommen zu Recht der Bundesrepublik
Deutschland vorwerfen, deren Israel-Hörigkeit schon nicht mehr zu übertreffen ist, müsste leider
auch Staaten wie Jordanien oder auch Saudi-Arabien zur Last gelegt werden. Sie haben ja sicherlich
auch von den Karikaturen Kenntnis, mit denen der Iran für seinen Angriff auf Israel in Teilen der
islamischen Welt verspottet wurde. Nach wie vor und mehr denn je kann ich Teheran den Vorwurf des
absoluten Dilettantismus nicht ersparen. Daran vermögen auch jüngste Äußerungen des Präsidenten
Raisi nichts zu ändern, der darin ausführte, "wenn der Iran einen härteren Schlag hätte führen wollen,
wäre vom zionistischen Regime nichts mehr übrig."
Eine vollkommen der Illusion ergebene Großsprecherei, die weiß Gott nicht mehr das geringste mit
der Realität zu tun hat. Dabei liegt es doch vollkommen auf der Hand: ein Großangriff der Hisbollah
würde Israel einen Mehrfrontenkrieg bescheren und damit überfordern. Aber darauf wird wohl weiter
gewartet werden müssen. Auch dieses Faktum gehört damit in die endlose Reihe wortreicher Erklärungen,
hinter denen nicht die geringste Aktion steht.
Der Opfer ist und bleibt dabei das Volk von Palästina, das weiter seinem Genozid durch Israel entgegengeht.
Eine auch für den gesamten Islam beschämende Erkenntnis, welche auch der dort übliche Nebel pompöser
Worthülsen nicht zu verdecken vermag!

Dr.Josef Haas  
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