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friedensnobelpreis für die Madonna vom Donbass

#1 von Brigitte Queck , 18.03.2019 00:08

Friedensnobelpreis für die Madonna vom Donbass
15. März 2019
Anna Tuv verlor ihren Mann und ihre Tochter im Donbass-Krieg, ihr linker Arm wurde abgerissen. Heute engagiert sie sich für den Frieden in ihrer Heimat. Das italienische Parlament hat sie für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Seit dem 26. Mai 2015 ist das Leben von Anna Tuv zweigeteilt. An jenem Tag wurde das Haus der Familie Tuv in der kleinen Stadt Gorlovka in der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk von der ukrainischen Armee beschossen. Ihre elfjährige Tochter Katja und ihr Ehemann Juri kamen ums Leben. Anna selbst verlor ihren linken Unterarm. Ihre zwei kleinen Kinder – der zweijährige Sachar und nur die zwei Wochen alte Milana wurden bei dem Beschuss schwer verletzt.
Anna kam in Gorlovka zur Welt. Hier ist sie aufgewachsen, hat später als Krankenschwester gearbeitet und geheiratet. „Mein Mann und ich haben uns nie für Politik interessiert“, erzählt sie. Auch zum Referendum über die Selbstbestimmung vom Donbass ist sie nicht gegangen. Ihre Familie, ihr großer Hof mit Schweinen, Hühnern und Gemüsegarten – das war ihr Leben. Bis die Bomben auf Gorlovka fielen. Damals waren sie auf die Krim geflohen. Doch Juri wollte ihre kleine Landwirtschaft nicht unbeaufsichtigt lassen. Und so kehrten sie zurück.
Für die ukrainische Regierung ist Anna eine „Propagandistin“. Ihr Name steht in der ukrainischen Datenbank „Mirotworez“ (zu Deutsch „Friedensstifter“), einer umstrittenen Internetseite, wo Separatisten und Terroristen namentlich genannt werden. In der Ukraine drohen ihr 12 Jahre Gefängnis wegen „Landesverrat“. Weil Anna von Anfang an nicht schweigen wollte. Nicht schweigen konnte. „Ich habe mein Land verraten, indem ich überlebte“, sagt sie. „Sobald ich im Stande war, habe ich Interviews gegeben und erzählt, dass die Zivilbevölkerung von der ukrainischen Armee beschossen worden ist. Sie wussten ganz genau, dass sich bei uns keine Separatisten befanden. Kurz vor dem Beschuss flog eine Aufklärungsdrohne über Gorlovka“.
Anna, eine schöne junge Frau, erzählt ihre tragische Geschichte ruhig und sachlich, als wäre ihr das alles nicht passiert. Wie sie den zweijährigen Sachar mit einem Arm aus den Trümmern ihres Hauses barg. Wie die neugeborene Milana schrie. Wie sie den zerrissenen Körper ihrer Katja fand. Daneben lag Jura. Ohne Arme und Beine.
Anna hat gelernt, öffentlich zu sprechen. Vor Parlamenten, bei Menschenrechtsorganisationen, auf Plätzen in Berlin und Italien. 2017 hielt sie eine Rede vor der UN-Menschenrechtskommission in Genf. „Ich erzählte einfach meine Geschichte. Und die Geschichten von anderen Familien, zeigte Fotos von toten Kindern. Ich sprach im Namen von 120 Müttern, die ihre Kinder beerdigt haben. Als ich fertig war, herrschte Totenstille, alle waren geschockt. Danach kamen Menschen auf mich zu und sagten, wir wussten das alles nicht“. Sogar die Vertreterin der Ukraine habe zu ihr gesagt, dass täte ihr alles sehr leid. Aber in diesem Oligarchenkrieg werden die Interessen der einfachen Menschen nicht berücksichtigt. „Unsere Kinder gehen unter Beschuss in die Schule, sie sollten aus diesen Gebieten evakuiert werden“, sagt Anna. Die Anteilnahme und die Bereitschaft zu helfen waren in Genf groß, man wollte humanitäre Aktionen starten…
2015 hat Anna Tuv eine Klage beim Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg eingereicht. Die Vertreter von OBSE, Amnesty International, unabhängige Journalisten aus Großbritannien und den USA haben die Verbrechen von Gorlovka festgehalten. Anna hat ihre Zeugenaussage auf Video aufgenommen. Der Anwalt Vitalij Galachow aus dem Donbass und der französische Rechtsanwalt Damien Vigier haben dabei geholfen, die 105 Seiten dicke Klage vorzubereiten. Der Menschenrechtsgerichtshof hat ihren Fall offiziell angenommen und ihm eine Nummer vergeben: 56288/15
Heute nennt man sie „die Stimme vom Donbass“. Ob die Welt sie gehört hat? „Ja, natürlich!“ sagt Anna überzeugt. Das italienische Parlament hat Annas Kandidatur für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Die Petition mit 6.774 Unterschriften ist dem Nobelkomitee übergeben worden. Die Idee dazu kam von der italienischen Vereinigung „Helft uns Kinder retten“ („Aiutateci a salvare i bambini“), die Anna von Anfang an unterstützt hatte. Durch ein TV-Interview erfuhr ganz Italien Annas Geschichte. Menschen haben Geld für die Prothese und die Behandlung in Italien gesammelt. „Während der medizinischen Behandlung lebte ich einen Monat lang in Italien und habe jeden Tag dafür genutzt, um über die Tragödie vom Donbass zu erzählen. Ich war in Mailand, Turin, Rom, San-Marino und habe Interviews gegeben. Nach meiner Rede bei einer Konferenz in Verona hat man dem ukrainischen Präsident Poroschenko die Ehrenbürgerschaft dieser Stadt aberkannt“. Jetzt ist sie für den Nobelpreis offiziell nominiert. Wie Donald Trump. Anna sagt, dass sie als Vertreterin von Müttern und Witwen vom Donbass für den Preis nominiert wurde. „Ich bin nicht zerstört. Und ich höre nicht auf zu reden, um Menschen in meiner Heimat zu retten“. Dafür muss man sehr viel Mut und Kraft haben. Denn jedes Mal, wenn Anna erzählt, kommen die grausamen Erinnerungen zurück.
Ihr ist es gelungen, die Aufmerksamkeit der europäischen Öffentlichkeit auf den Krieg im Donbass zu lenken. „Informationsdurchbruch“ nennt sie das selbst. Anna kennt Namen und Dienstgrade der ukrainischen Militärs, die den Befehl gegeben und ausgeführt haben, ihre Stadt, ihr Haus und ihre Familie zu zerstören. Werden sie eines Tages zu Rechenschaft gezogen? „Davon bin ich überzeugt!“, sagt Anna, und ihre Stimme erhebt sich. „Ich werde nicht aufhören, bis sie alle bestraft sind“.
Heute lebt Anna Tuv mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter in der Nähe von Moskau. Weil ihre Eltern aus Kursk stammten, konnte sie vor kurzem die russische Staatsangehörigkeit bekommen. Aber ihr Vater, ihr Bruder, ihre Schwiegermutter, ihre Neffen und Freunde – sie leben alle noch in Gorlovka. Annа arbeitet für die Stiftung „Schenk der Welt Liebe“, die sich für die Rehabilitierung von Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten einsetzt. An ihrem eigenen Beispiel will sie Menschen mit amputierten Gliedmaßen helfen, sozial und psychisch klar zu kommen. Ihren kleinen Kindern geht es gut. „Sachar leidet nicht mehr unter Autismus, den er nach seinem Schock bekommen hatte. Er kann wieder richtig sehen und stottert nicht mehr. Milana ist heute drei Jahre alt, sie malt und geht in eine Tanzschule“, erzählt die stolze Mutter. Neulich sah Sachar liegende Bäume, die von einem Sturm umgerissen wurden. „Mama, fielen hier auch Bomben?“ fragte er.
Ob Anna noch Träume hat? „Ja, dass es keinen Krieg mehr gibt!“, kommt die leidenschaftliche Antwort prompt. Dann denkt sie etwas nach und fügt hinzu: „Ich will, dass meine Kinder ans Meer fahren können. Und ich will ihnen Paris zeigen. Sie sollen eine schöne Zukunft haben. Deswegen lebe ich. Und dafür werde ich hart arbeiten“.
[Daria Boll-Palievskaya/russland.NEWS]
Anna Tuv war bei uns, den „Müttern gegen den Krieg Berlin-Brandenburg“, vor 1,5 Jahren zu Gast in Berlin. Siehe unter :www.muetter-gegen-den-krieg-berlin.de

Brigitte Queck  
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