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Sind Muslime wirklich judenfeindlich?

#1 von Yavuz Özoguz , 01.02.2018 10:52

Sind Muslime wirklich judenfeindlich?

Die westliche Propaganda zum Schutz von Israel wird inzwischen derart übertrieben, dass nicht nur die Muslime in der Westlichen Welt darunter leiden müssen, sondern auch die Geschichte Europas auf den Kopf gestellt wird.



Im Jahr 2017 hat einer der Kronzeugen westlicher Islamhasspropagandisten namens Ourghi in der Frankfurter Rundschau behauptet, dass Muslime dazu erzogen werden würden, Juden zu hassen [1]. Im gleichen Jahr behauptete ein anderer Kronzeuge namens Toprak in der Zeit, dass Judenfeindlichkeit zum guten Ton unter Muslimen gehöre [2]. Immerhin wusste der renommierte ehemalige Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, dass die verbreitete Judenfeindschaft historisch in Europa und im arabischen Nationalismus wurzelt, nicht aber im Islam selbst [3]. Solche differenzierten Betrachtungen gehen aber unter im Getöse der allgemeinen Propaganda, dass Antisemitismus ein Bestandteil des Islam sei. Selbst die öffentlich-rechtlichen Sender verbreiten neuerdings die These, dass Antisemitismus zunehmend von muslimischer Seite herstamme [4]. Angeheizt wird die Situation durch fragwürdige Apostel der Moral, die ihre Berühmtheit in die Waagschale werfen, um Hass gegen den Islam und die Muslime zu verbreiten. So behauptete der Modebaron Lagerfeld, dass Muslime die „schlimmsten Feinde“ der Juden seien [5]. Und der Zentralrat der Juden fordert von allen Verbänden der Muslime einen stärkeren Einsatz gegen Antisemitismus [6]. Das ist der gleiche Zentralrat, der so ziemlich jedes Verbrechen Israels rechtfertigt und sich bis heute von der Besatzung Palästinas nicht distanziert hat.

Wie aber ist die historische und die aktuelle Faktenlage, die jeder selbst überprüfen kann?

Während der Kreuzzüge waren es die Muslime, die die Juden vor den Massakern der Kreuzritter geschützt haben. Dort, wo sie nicht in der Lage dazu waren, wurden die Muslime selbst abgeschlachtet. Selbst erz-zionistische Blätter geben offen zu, dass Muslime und Juden in völliger Eintracht in Jerusalem gelebt haben [7]. Im muslimischen Spanien lebten mehr als 50.000 sephardische Juden in Frieden mit den Muslimen. Erst bei der so genannten Reconquista, der Eroberung durch christliche Herrscher, mussten die Juden zusammen mit den Muslimen fliehen oder zum Christentum konvertieren, etwas, was die Muslime nie verlangt hatten.

In Deutschland zur Zeit der Nazis, als es kaum Muslime gab, haben die vorhandenen wenigen Muslime die Juden geschützt [8]. Juden, die ihr Leben retten wollten, sind in ferne Länder geflohen, darunter die muslimische Türkei und der Iran. Viele jüdische Wissenschaftler, die von deutschen Universitäten verbannt worden sind, erhielten eine Anstellung an türkischen oder iranischen Universitäten. Das Jüdische Museum München präsentiert das Exilland Türkei in einer Sonderausstellung aus dem Jahr 2008 [9]. Solche Fakten finden genauso wenig Eingang in die tagtägliche islamfeindliche Propaganda, wie nackte Zahlen, die jeder selbst prüfen kann: So gibt es allein in Istanbul mindestens 12 historische Synagogen, die zudem fast alle noch in Betrieb sind. Selbst das heutige Berlin hat nicht mehr Synagogen, trotz vieler Neubauten. Im Iran lebt heute noch die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Nahen Osten [10] und verfügt über verfassungsmäßige Sonderrechte wie in keinem anderen Land der Erde. In Artikel 13 der Verfassung der Islamischen Republik Iran heißt es dazu: „Iranische Bürger des zaroastrischen, jüdischen und christlichen Glaubens sind als offizielle religiöse Minderheiten anerkannt, die vollständig frei ihre religiösen Pflichten im Rahmen des Gesetzes ausüben können. Die Personenstandsangelegenheiten und die religiöse Erziehung erfolgen nach der entsprechenden eigenen Religion.“ [11] Über derartige Sonderrechte verfügen selbst religiöse Minderheiten in Deutschland nicht.

Bliebe noch die Frage nach dem Heiligen Quran. Die differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Thema würde einen ausführlichen Artikel notwendig machen, denn im Quran wird unterschieden zwischen Judentum als religiöse Gemeinde und rassistisch begründeter Bund, zudem gibt es noch die Differenzierung zwischen praktizierenden Gläubigen und Menschen, die sich hinter einem Etikett verstecken. Aber folgender Vers sollte hinreichend sein, um den außergewöhnlichen Respekt zu dokumentieren, den der Islam auch dem Judentum zukommen lässt: „Gewiss, diejenigen, die glauben, und diejenigen, die dem Judentum angehören, und die Christen und die Sabäer – wer immer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und rechtschaffen handelt, – die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, und keine Furcht soll sie überkommen, noch werden sie traurig sein.“ (2:62) Es gibt keine andere Religion, die Angehörigen früherer Religionen eine derartige Verheißung in ihrem Hauptwerk gewähren.

Die Behauptung, dass Muslime antisemitisch seien ist eine der Propagandamythen, die einem einzigen Ziel dient: dem Machterhalt der Herrschenden über die zersplitterten Völker der Unterdrückten. Einzelfälle antisemitischen Fehlverhaltens unter Muslimen wird als Beleg herangezogen, um den gesamten Islam und die Muslime zu diskreditieren, wobei selbst das inzwischen maßlos übertrieben wird. Denn jeder Hinweis auf die Völkerrechtsverbrechen Israels und die menschenverachtende Politik des Apartheidsstaats wird als Antisemitismus diffamiert. Das Kolonialprojekt Israel, das inmitten der muslimischen Welt für sehr viel Leid mitverantwortlich ist, gehört zu den Maßnahmen einer entfesselten Westlichen Welt, die jede nur erdenklich und teilweise absurde Legende über ihre Massenmedien verbreitet, um die Unterdrückung der Menschen aufrecht zu erhalten. Erst wenn die die Menschen erkennen, dass weder eine Judenfreundlichkeit noch eine Judenfeindlichkeit das eigentliche Ziel sind, sondern die Spaltung der Menschen, um sie zu beherrschen, besteht die Chance, dass sich die Menschen gegen das weltweit mörderische Hegemonialstreben einer kapitalistisch-imperialistischen Welt zur wehr setzen. Das Potential ist dazu bei Muslimen am größten. Das ist eines der Gründe für die Verteufelung der Muslime. Doch eine wahre Befreiung Deutschlands wird es niemals gegen den Islam geben, sondern nur mit den Muslimen zusammen.

[1] http://www.fr.de/kultur/antisemitismus-m...assen-a-1408164
[2] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc...ael-integration
[3] http://www.tagesspiegel.de/wissen/judenh...t/20845898.html
[4] https://www.br.de/nachrichten/anfeindung...-seite-100.html
[5] https://www.derstandard.de/story/2000067...einde-der-juden
[6] http://www.rp-online.de/politik/deutschl...e-aid-1.7270479
[7] http://www.hagalil.com/archiv/99/07/kreuzzug.htm
[8] http://www.muslimmarkt.de/Palaestina-Spe...uetzenjuden.htm
[9] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/1801
[10] http://www.dw.com/de/juden-im-iran-ging-...ropa/a-38848551
[11] http://www.eslam.de/manuskripte/verfassung_iri/kapitel01.htm


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zuletzt bearbeitet 01.02.2018 | Top

RE: Sind Muslime wirklich judenfeindlich?

#2 von Werner Arndt , 01.02.2018 17:55

Zitat
Wie aber ist die historische und die aktuelle Faktenlage, die jeder selbst überprüfen kann?



Zitat
Wie der Islam mit anderen Religionen umging, sollte daher mittels eines einfachen Tests beurteilt werden: Wie haben sich muslimische Herrscher mehr als tausend Jahre lang verhalten, als sie die Macht hatten, "den Glauben mit dem Schwert zu verbreiten"?

...

Jeder ehrliche Jude, der die Geschichte seines Volkes kennt, kann gegenüber dem Islam nur große Dankbarkeit empfinden. Der Islam hat die Juden 50 Generationen lang geschützt, während die christliche Welt die Juden verfolgte und viele Male "mit dem Schwert" versuchte, sie von ihrem Glauben abzubringen.

(Uri Avnery)

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mohammeds-schwert



Uri Avnery im Gespräch
http://www.deutschlandfunk.de/uri-avnery...ticle_id=318949

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