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Der Fluch der bösen Tat

#1 von Dr.Josef Haas , 02.11.2017 20:59

Der Fluch der bösen Tat

Wenn eine Bewertung der vor hundert Jahren, also am 2.November 1917, veröffentlichten "Balfour-
Doktrin" vorgenommen werden soll, wird man ihr wohl am besten mit der Anwendung des deutschen
Sprichwortes "Der Zweck heiligt die Mittel" gerecht.
Dieses nach dem damaligen britischen Außenminister benannt gebliebene Dokument besteht bekanntlich
aus dessen Schreiben an den Bankier Rothschild II, einem fanatischen Zionisten, was ja bei diesem
Geldmagnaten auch nicht weiter überraschen wird.
Darin sagt er ihm, aber mehr noch der seit 1897 bestehenden zionistischen Weltorganisation, seine
Unterstützung bei der "Errichtung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk" zu.
Diese Garantieerklärung kann und darf aber nun natürlich nicht unabhängig von der seinerzeitigen Weltlage
gesehen werden.
Die Türkei, Deutschlands Verbündeter, stand seinerzeit, also im vorletzten Jahr des ersten Weltkrieges,
vor dem völligen Verlust Palästinas. Darüber hinaus war es neun Monate zuvor zum Sturz des russischen
Zaren Nikolaus II. gekommen, der sich stets eine sehr realistische Sichtweise gegenüber dem Judentum
bewahrt hatte.
In dieser extrem instabilen Welt- und Kriegslage sah dessen nationalistischer Arm, also der Zionismus, die
Situation als günstig an, um - langfristig- das bisher türkisch verwaltete Territorium der Palästinenser zu
okkupieren.
Dennoch, allein mit der als "Balfour-Doktrin" bekannt gewordenen Absichtserklärung des Londoner Foreign
Office, für eine Art Juden-Staat zu sorgen, war dieses Ziel allerdings doch nicht so ohne weiteres erreichbar.
Der spätere israelische Staatspräsident Chaim Weizmann sah also dafür schon damals etwas als eine grundlegende
Voraussetzung an, was infolgedessen Jahrzehnte später zu einer der ersten Maßnahmen Israels in Palästina
gehörte: die Vertreibung zumindest eines Teiles der dortigen arabisch stämmigen Bevölkerung.
Selbstverständlich war er dabei klug genug, um genau dies nicht offiziell beim Namen zu nennen.
Weizmann und andere sprachen stattdessen von der "Schaffung einer dortigen jüdischen Bevölkerungsmehrheit".
Dieser Absicht wurde daher vom offiziellen Zionismus in der Folgezeit alles nach- und untergeordnet.
Noch dazu durfte man sich in diesen chauvinistischen Kreisen, genauso wie heute, diverser Verräter im
arabischen Lager sicher sein.
Konkret konnte hier mit König Faisal I. gerechnet werden, der in einem am 3.Januar 1919 mit Weizmann
geschlossenen Abkommen, einer weiter zunehmenden jüdischen Einwanderung nach Palästina zustimmte.
Natürlich wollte dieser arabische Potentat, welcher sich seinerzeit in einer wahren Begrüßungshysterie gegenüber
den Juden gefiel, dafür etwas handfestes bekommen: die Unabhängigkeit des dann 1932 tatsächlich selbständig
gewordenen Saudi-Arabiens.
Genau diese Hoffnung zerstörten ihm aber zu jener Zeit erst einmal die Briten, die die Araber zwar als billige
und willige Hilfstruppen im Kampf gegen die Türken benutzt hatten, für sie aber nicht das geringste empfanden.
Nun war das Osmanische Reich aber geschlagen und folglich war das Londoner Interesse an einem freien Arabien
in stetem Sink-Flug begriffen.
An einer massiven Vermehrung der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas bestand aber bei ihnen zu dieser Zeit
ebenfalls keine allzu große Nachfrage mehr, womit sich eine eigenartige Problematik in Szene setzte.
Das an Einwanderung interessierte Judentum negierte selbstredend eine solche Denkweise und kam zu Beginn der
1920er Jahre zu Tausenden ins Land.
Es ist vielen tapferen, armen arabischen Menschen dort zu verdanken, dass dessen Hauptziel, also die Herbei-
führung einer Zivilokkupation, wenigstens teilweise verhindert werden konnte.
Auch hier kam aber - einmal mehr- der Spaltpilz im palästinensischen Volk klar zum Vorschein, kannten doch
zahlreiche wohlhabende Großgrundbesitzer aus seinen Reihen keinerlei Skrupel, ihren Grund und Boden an
die jüdischen Immobilienaufkäufer zu veräußern.
Etwa ein Jahrzehnt später machte sich zudem eine zunehmende Bevorzugung der oftmals illegal nach Palästina
gekommenen Juden durch Großbritannien bemerkbar, das bereits im April 1920 das Völkerbundsmandat über dieses
Land übertragen bekommen hatte.
Hier war es dann vor allem der heute auch bei vielen Muslimen geschmähte Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-
Husseini, der bis zu seiner Flucht nach Deutschland stets aufs neue den palästinensischen Widerstand gegen die
zionistischen Landbesetzer organisierte und dadurch seinen Landsleuten vorübergehend noch manches von dem
ersparen konnte, was dann seit 1947/48 bis in unsere Tage hinein zu ihrem festen Lebensbestandteil geworden ist.
Der Rückblick auf "100 Jahre Balfour-Doktrin" macht aber zugleich deutlich, mit welcher moralischen Verkommenheit
das britische Kolonialreich an die Dinge im Nahen Osten heranging.
Hier zählten für dieses Imperium allein die eigenen Interessen- und oft genug- die massive Hintergrundbeeinflussung
durch sehr wohlhabende zionistische Kreise.
Das alte römische Herrschaftsprinzip "Divide et Impera" (Teile und Herrsche) trat so bei den Briten überall in Erscheinung,
wobei man bereits von vorneherein den Bruch zuvor beschworener enger Freundschaften einkalkulierte.
In der Gestalt von Arthur-James Balfour offenbart sich so ein in jeder Hinsicht abstoßendes Reich, dessen im-
perialistische Politik im Lauf von nur anderthalb Jahrhunderten Millionen Menschenleben forderte.
Erinnert sei hier nur an die mehr als 30.000 Zivilisten, welche im Buren-Krieg der Jahre 1899 bis 1902 in erstmals von den
Engländern eingerichteten Konzentrationslagern ums Leben kamen, oder die mehreren Millionen im zweiten Weltkrieg
planmäßig durch Hunger umgebrachten Inder.
Nein: An Abartigkeit und Menschenfeindlichkeit kann es das Vereinigte Königreich durchaus mit den schlimmsten
Menschenschindersystemen der Weltgeschichte aufnehmen, wenngleich diese durch unendlich viele Tatsachen belegbare
Feststellung hierzulande fast schon in die Nähe der Volksverhetzung gerät.
In diesem so blutigen Zusammenhang verblasst ja dann beinahe schon die moralische Schuld, die England bis heute mit der
Balfour-Doktrin auf sich geladen hat.
Doch eine Verharmlosung wäre dennoch absolut unangebracht. Denn schließlich handelt es sich bei ihr um einen
Freibrief für die spätere Etablierung Israels. Und genau damit begann für unzählige Palästinenser ein unvorstellbares
Elend und Leid, dessen Ende leider immer noch nicht absehbar ist.
Es verpflichtet nicht nur Muslime, sondern alle Gerechtigkeitsliebenden Menschen weltweit, ihnen endlich einmal
wirkungsvoll zu helfen.
Dies kann aber nicht, wie so häufig in der Vergangenheit geschehen, durch leere Worte und Phrasen, sondern allein
durch die Beseitigung des zionistischen Gebildes geschehen.
Ein gemeinsamer Staat für Muslime, Christen und Juden, in welchem dann all diese Menschen ihre nationale Heimstätte
finden würden, wäre so der gerechte Ersatz für eine Doktrin, welche am 2.November 1917 mit ihrer einseitigen
Begünstigung des kapitalkräftigen Zionismus einem sich später permanent wiederholenden Unrecht erst den Boden
bereitet hat.

Dr.Josef Haas  
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