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Religion & Politik im Islam

RE: In wie vielen Deutschen schlummert Rassismus?

 von Daniel Hader , 24.01.2015 03:15

Ich bin das was man Bio Deutscher nennen könnte. Gleichzeitig bin ich mit einer Araberin jahrelang verheiratet und es sind auch Kinder daraus entstanden, die einen deutschen Vater, eine arabische Mutter haben.
Ich maße mir an, sowohl Herrn Özoguz' Sichtweise zu verstehen als auch die von Herrn Hall.
Meiner Ansicht nach gibt es Stämme in Deutschland, in Europa und in der Welt, so wie es mehrere Familien in einer Straße gibt. Wir haben Familie Maier, Familie Müller, Familie Sanchez., FamilieYildrim, Familie Nyguen, usw. Alle leben in der selben Strasse. Keiner kann leugnen, dass die Kinder der Familie Nyguen anders aussehen als die Kinder der Familie Sanchez und die wieder anders aussehen als die Kinder der Familie Müller.
Zentralafrikanische Stämme sind schwarz. Meine Frau ist auch Afrikanerin, kommt aber aus Nordafrika und wird als Weiße erkannt.
Menschen schauen nicht primär auf die Augenfarbe, um Menschen zu unterscheiden. Sie schauen auf Merkmale, wie Hautfarbe, Gesichtszüge, (hören) den Zungenschlag. Diese fallen sofort auf. Das ist für sich allein nicht verwerflich, sondern eine natürliche menschliche Reaktion auf diese Kommunikationsmerkmale. Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren. Er kommuniziert auch mit seinem Aussehen.
Das was in Deutschland meiner Meinung nach als schwierig angesehen wird mit den muslimischen Mitbürgern, ist die andere Religion. Und das andere Aussehen. Und die nicht traditionell Deutsch klingenden Namen. Würde der Ali nur zu Hause beten, sich in Anton um benennen und auf ein Feierabend Bier mitgehen, wäre alles in Ordnung. FAST!!!
Es fehlt nur noch, dass der früher-Ali-jetzt-Anton auch ein bisschen hellere Haut bekommen sollte. Hier wird es aber schwierig die Selbstverleugnung voranzutreiben.
Oder ist es eher eine persönliche Umorientierung?

Ich kenne einen türkischstämmigen. Ein regelmässiger Bekannter. Sein Name war Youssef. Ich sage "war", da er seinen Vor-Namen im Rahmen einer öffentlich-rechtlichen Namensänderung angeglichen hatte. Jetzt heißt er Josef. Auch schriftlich heißt er so. Er bezeichnet sich als Muslim, geht aber gerne am Wochenende aus, hatte eine Freundin ( ich weiß nur von einer), jetzt verheiratet mit einer Bio Deutschen, ist dem Alkohol nicht abgeneigt und hat einen mehrheitlich deutschen Freundeskreis. Er spricht tadellos Deutsch, er wurde in Deutschland geboren, hier sozialisiert. Und jetzt sind da noch zwei gewichtige Punkte, die ihn für seine deutschen Freunde vollends als Bio Deutschen ausmachen:

1. Er hat den deutschen Namen seiner Frau angenommen. Er heißt jetzt meinetwegen Josef Eckensberger ( seinen richtigen Namen will ich nicht nennen).

2. Er ist hellhäutig, hat dunkelbraune Haare und ein ziemliches Aller Welt Gesicht. Er könnte Deutscher, Franzose, Österreicher oder Bulgare sein.
An den islamischen Festtagen besucht er aber dann die Moschee.
Dieser Josef Eckensberger könnte bei jeder Bagida Demo mitmarschieren. Theoretisch könnte er auch eine kurze Rede halten. Man würde ihn als Josef Eckensberger vorstellen. Er würde kurz eine Rede halten in einwandfreiem Deutsch. Und wenn er den Geschmack seiner Zuhörer treffen würde, würde er sogar wohl Beifall ernten. Und manch ein Demonstrant würde so für sich denken: " ein wahrlich patriotischer Bayer, der die Wahrheit sagt. Die Wahrheit wäre aber, dass da ein Vollblut-Türke vor ihm eine Rede gehalten hat.
Wäre dieser Josef Eckensberger ein kongostämmiger Deutscher, würde er als "Fremder" erkannt werden. Auch wenn alles andere genau so abliefe wie bei dem türkischstämmigen Eckensberger.

Ich bin kein Nazi. Ansonsten wäre ich ein dummer Nazi, da ich ja mit der Ehe zu meiner arabischen Frau, mein deutsches Blut verunreinigt hätte oder so ähnlich.
Aber ich bin auch nicht blind. Es gibt unterschiedliche Stämme mit unterschiedlichen Gepflogenheiten, Volks-Charakteren und Sprachen sowie Weltanschauungen. Gott jedoch kennt keinen Unterschied zwischen Menschen. Ich glaube, dass Gott damit die Gleichwertigkeit der Menschen meint. Kein Stamm ist besser als der andere. Sie, Herr Özoguz haben ja für sich erkannt, dass die Vorstellung etwas besseres zu sein eine große Sünde ist, ja sogar die Ursünde von Iblis begangen, wenn ich Sie richtig verstanden habe.

Ich kann mit Gewissheit sagen, dass Gott den Himmel als Geschöpf wollte. Denn ich erkenne den Himmel als Himmel. Das ist der Beweis. Gott wollte auch wohl die Vielfalt der Menschen in Bezug auf Kultur, Aussehen und Sprache. Der Beweis ist ersichtlich. Zudem spricht Gott zu uns über Seine Offenbarungen und Seine Gesandten, dass Er die Völker erschuf und den Himmel. Und ich erinnere mich nicht, dass die Erwähnung darüber negativ konnotiert war.

Ich kenne eine Chinesin, die kein Wort Chinesisch spricht. Sie ist in einer Kleinstadt aufgewachsen, wo sie die einzige chinesischstämmige war. Sie war ein adoptiertes Kind. Sie wurde komplett in Deutschland unter Deutschen sozialisiert. Sie redet, gestikuliert, lacht und träumt ausschließlich Deutsch. Diese Tatsache überzeugt mich dahingehend, dass als fremdartig erkannte Gesichtszüge, Charaktere, Tonlagen beim Sprechen, ja sogar selbst die Art des Lachens, die vermeintlich länderspezifisch sein sollen, komplett ausgemerzt werden können. Sie trägt übrigens einen komplett deutschen Namen.
Das einzige was sie nicht "verstecken" kann (aber auch nicht verstecken muss), ist ihr asiatisches Erscheinungsbild.
Es gibt also so etwas wie Stammeszugehörigkeit. Türkischstämmig, indischstämmig, deutschstämmig, chinesischstämmig, usw. Wer das leugnet, kann auch gleich die Schwerkraft leugnen. Weder Herr Özoguz noch Herr Hall leugnen dieses.

Es gibt eine Überlieferung vom Propheten Mohammad, die hoffentlich gesichert ist, ansonsten bitte ich um Korrektur. Darin wird sinngemäß gesagt: Araber ist, wer arabisch spricht.
Man könnte also sagen, dass der Deutscher ist, der deutsch spricht. Das könnte man so stehen lassen, als eine Ebene des Deutschsein.
Allerdings wäre ein tüchtiger Germanist aus Thailand mit exzellenten Deutschkenntnissen somit automatisch Deutscher. Da ich Kinder habe, die einen deutschen und einen arabischen Elternteil haben, habe ich eine andere Theorie: Deutscher ist, wer Deutschland als seine Heimat hat. Das Deutschsein wäre gekoppelt mit einem bestimmten Boden, bzw. mit einem besonderen Verhältnis oder einer besonderen Verbindung zu Deutschland in seiner jeweiligen Form. Der Begriff "Heimat" ließe sich noch erweitern um die Liebe zur Heimat. Das wäre dann ein patriotischer Deutscher. Eine weitere Erweiterung könnte der Wille zur Gerechtigkeit sein, in Verantwortung vor Gott und den Menschen. Das wäre dann ein anständiger patriotischer Deutscher.
Ein chinesischstämmiger Deutscher ist ein vollwertiger Deutscher, wird aber sein Leben Lang chinesischstämmig bleiben. Wenn er eine deutschstämmige heiratet und aus dieser Ehe Kinder entstehen, die in weiteren Generationen deutschstämmige heiraten, werden nach wenigen Generationen diese Kinder auch deutschstämmig. Wenn aber diese Kinder, die aus dem chinesischstämmigen Vater und der deutschstämmigen Mutter mit türkischstämmigen Deutschen Kinder bekommen, diese Kinder dann wiederum mit deutschstämmigen Kindern und diese wiederum mit spanischstämmigen Deutschen Kinder zeugen, dann tritt genau das ein, was es schon immer auf der Welt gab.
Es entstehen hier Neudeutsche. Ich finde den Begriff "Neudeutsche" oder "Einwanderer" ohnehin besser als Migrant oder Zuwanderer. Beides hat einen ausgrenzenden Unterton. Man ist nie angekommen.

Eines möchte ich noch hinzufügen: Ich empfinde Heimat als etwas schönes. Heimat ist Geborgenheit, Familie und Eintracht. Und ich bin lange genug auf Erden um zu wissen, dass kein Mensch freiwillig seine Heimat aufgibt. Es gibt auch Menschen, die ziehen es vor in ihrer Heimat abgeschlachtet zu werden, statt in die Fremde zu ziehen.
Es geht schon in die Millionen von Menschen, die als so genannte Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund, Deutschland als ihre Heimat sehen. Und ja, Deutschland ist ihre Heimat.
Diese Menschen haben einen anderen Stamm. Aber sie werden ihre Gene im Gen Pool Deutschlands mit einfließen lassen. So war es schon immer. Sie sind der Grundstein der Neudeutschen. Aber auch die jetzigen Mehrheitsdeutschen werden nicht aussterben.
Der Chinesischstämmige, der niemals in seinem Leben Deutscher werden kann, wohl weil er niemals deutschstämmig werden kann, kann aber ein Heimat Deutscher werden. Deutschland ist seine Heimat geworden.
Unzählige der so genannten Migranten, würde man sie aus Deutschland rausschmeissen ( auf welche Art auch immer), wären keine Heimkehrer, sondern Heimatvertriebene und dann Heimatlose.

Finden Sie, Herr Hall, dass ich Recht habe, wenn ich sage, Deutschland ist die berechtigte Heimat von Ali? Dieser Ali ist hier geboren, spricht perfekt Deutsch, ist fleißig, hat vielleicht eine kongostämmige Deutsche geheiratet, die ebenfalls hier geboren wurde. Beide lieben ihre Heimat Deutschland. Sie wären sogar bereit für Deutschland Opfer einzugehen, z.B. dass sie ihre Söhne für die Armee hergeben, würde Deutschland angegriffen werden, so dass Deutschland nichts anderes bleibt als sich zu verteidigen.
Beide trinken kein Alkohol, beide beten, beide Fasten im Monat Ramadan.
Dieser Ali wäre für Sie nicht deutschstämmig. Da bin ich einverstanden. Würden Sie aber zustimmen, dass Deutschland das Heimatland von diesem Ali ist? Und wäre dieser Ali, wenn er jemals unfreiwillig aus Deutschland rausgeworfen würde, ein Heimatvertriebener? Wenn irgendjemand in Deutschland auf die Idee käme, diesem Ali Nahe zu legen Deutschland zu verlassen, mit dem Hinweis, dass er kein Deutscher sei, wäre es für Sie eine logische Selbstverständlichkeit, wenn dieser Ali erwidern würde, Deutschland sei seine Heimaterde und es wäre daher unsinnig von ihm zu verlangen seine Heimat zu verlassen? Bitte, ich meine nicht, ob es es sein gutes Recht wäre, diese Erwiderung vorzubringen. Es ist sein gutes Recht. Das weiß ich. Wäre seine Erwiderung aber für Sie nachvollziehbar und in ihrer inhaltlichen Darstellung richtig und wahr?


Daniel Hader
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