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Religion & Politik im Islam

RE: In wie vielen Deutschen schlummert Rassismus?

 von Yavuz Özoguz , 22.01.2015 20:15

Sehr geehrter Herr Hall, sehr geehrte Frau Donker,

erlauben Sie mir, dass ich versuche etwas "Schärfe" aus der Debatte zu nehmen, damit die Diskussion um die Sache erfolgen kann und nicht um die Diskutierenden. Zunächst einmal möchte ich mich entschuldigen: Wenn sich jemand, der auf menschlichen Rassen besteht, dadurch angegriffen gefühlt hat, dass ich ihn als "Rassisten" bezeichnet habe, dann entschuldige ich mich hier öffentlich bei allen Lesern dafür! Ich habe veruscht darzulegen, dass der Begriff "Rassist" für mich etwas anderes bedeutet, als für den Angsprochenen, aber ich habe inzwischen erkannt, dass es weniger wichtig ist, wie ich es gemeint habe, wenn der Ardressat darauf besteht, es so zu verstehen, wie es in der Gesellschaft oft verwendet wird. Das war nicht meine Absicht und werden den Begriff nicht mehr für jemanden verwenden, der glaubt, dass es Menschen rassen gibt. Stattdessen kann ich ja z.B. den Begriff Rassenbefürworter oder Rassengedankenvertreter nennen.

Es gibt mehrere Ebenen der Diskussion, die ziemlich gemischt wurden, so dass möglicherweise einiges missverstanden wurde. Manche Argumente waren wissenschaftlicher Art. Neuere Genuntersuchungen von westlichen Forschern haben in noch extremer Weise herausgestellt, was wir eigentlich schon wussten. Früher dachte man, dass die stärkere Pigmentierung der Afrikaners zu seinem Schutz sich durch die Sonnen entwickelt hat und heute "angeboren" ist. Bereits seit langem weiß man aber auch, dass auch ein "Weißer", wenn er lange genug in Afrika lebt, eine stärkere Pigementierung bekommt und dass sich auch auf die Änderung seiner Gene auswirkt. Neuerdings aber geht man in der rein westlichen Forschung noch einen Schritt weiter. Selbst die Erziehung und Bildung hat einen Einfluss auf die eigenen Gene und die Vererbung! Damit wird deutlich, dass die Freiheit, die Gott uns geschenkt hat, enorm ist. Tatsächlich sind wir eben NICHT ein Produkt der Umwelt, der Sozialisation, der Eltern und der "Gene", sondern ein Träger des Geistes Gottes, der alle diese "Vorprägungen" beeinflussen und sogar überwinden kann, falls es nötig ist. Nur diese Eigenschaft macht den Menschen zum Verantwortungsträger für seine Taten. Einem Tier kann man niemals vorwerfen, getötet zu haben. Aber ein Mensch ist eben nicht das Produkt der vorgzeichneten "Prägung".

Rasse bedeutet, dass eine relevante Prägung besteht, die den Menschen von anderen trennt. Wäre sie irrelevant, würden man nicht so intensiv darüber debattieren. Mag sein, dass Rasse für einige eine Tatsache ist. Und es sind nicht nur Deutsche, die so denken. Es gibt auch viele Muslime, die so denken. Eigentlich denkt die Mehrheit der Meschheit so, aber ist es deswegen richtig? Und vor allem: Ist diese Denkweise ideal? Sollte ein Idealist sie vertreten? Entspricht sie der Befreiungstheologie eines Jesus? Hatte Jesus nur Jünger seiner "Rasse"? Und hat Paulus nur unter Juden gelebt und gewirkt? Bei Muhammad ist der Fall klar, er hatte einen (schwarzen) Abbessinier und einen hellhäutigen Perser unter seinen engsten arabischen Gefährten!

Für mich ist das, was Sie als Rasse bezeichnen, nur eine Tatsache wie die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Augenfarben haben. Ich bezweifle das ja nicht! Aber haben unterschiedliche Augenfarben irgendeine Bedeutung, über die wir hier so lange diskutieren würden? Ich bezweifle auch nicht, dass Menschen unterschiedliche Haarfarben haben. Na und? Was ändert das? Auch haben sie unterschiedliche Nasenformen usw... Erst eine von bestimmten Menschen in bestimmten Epochen ausgewählte Kombination von Merkmalen macht ja die "Rasse" aus, die ich ablehne. Denn würde man andere Kombinationen wählen, gäbe es andere Schnittmengen. Es nützt ja nichts stakkatoartig zu widerholen, dass es Rassen gäbe. Inzwischen hat hier jeder im Forum verstanden, dass bestimmte Teilnehmer daran glauben, dass Menschen in Rassen aufzuteilen sind, unabhängig davon, wie höflich es vorgebracht wurde. Das ist ihr gutes Recht daran zu glauben, selbst wenn mir der Gedanke große Schmerzen bereitet. Aber ich versuche es zu ertragen, da ich die Hintergründe dieses Gedankenguts kenne. Nicht jeder, der so denkt, tut das aus einer bösen Absicht. Viele tun es nur deshalb, weil sie sich "unwohl" fühlen. Sie fühlen sich unwohl, wenn es zu viele Schwarze in ihrer Heimat gibt. Sie fühlen sich unwohl, wenn es zu viele Kopftücher gibt (obwohl hier der Zusammenhang mit Rasse ja kaum gegeben ist). Sie fühlen sich unwohl, wenn die Menschen "anders" sind, als sie es kennen. Aber wäre das nicht eine Chance, sie kennen zu lernen? Kann es nicht sein, dass sie möglicheriweise die gleichen Sehnsüchte teilen? Und kann es nicht sein, dass manch "Anderes", wenn man es kennen lernt, menschlicher ist, als das, was man bisher befolgt hat? Ist der Mensch ein statisches Wesen, oder ein dynamisches, das sich immer weiter zur Liebe Gottes hinentwickelt? Ist das irdische Leben nicht viel zu kurz, als dass man sich über Träger des Geistes Gottes aufregt, nur weil sie anders aussehen und in der Nähe wohnen? Es gibt Deutsche mit deutschen Vorfahren, die sich in Berlin Neukölln pudelwohl fühlen und andere die es nicht tun. Muss man jetzt dem einen recht geben und dem anderen unrecht? Ist das wohlbefinden nicht jedermanns eigene Sache?

Ich habe versucht die idealistische Ansicht des Islam zum Thema Rasse darzulegen. Ist das nicht mein Recht? Müssen Muslime das glauben, was andere diesbezüglich vorgeben? Wenn jetzt jemand hierherkäme und behaupten würde, dass Braunhaarige anders sind als Blonde, würden wir das widerspruchlos hinnehmen? Wenn er es glauben möge und sogar bestimmte Verhaltensformen damit verbindet (ohne zu werten), dann ist das seine Sache. Aber ich empfinde es als merkwürdig, dass jemand versucht seine Meinung dem anderen aufzuzwingen bzw. die andere Meinung versucht zu "bekämpfen". Und ist es sinnvoll, wenn Nichtmuslime einem Muslim über mehrere Tage hinweig, teils mit sehr heftigen Worten immer und immer wieder klar machen will, dass seine Ansicht bezüglich seines eigenen Glaubens falsch seien, wenn selbst die westlichen Wissenschaftler diesbezüglich unterschiedlicher Meinung sind? Warum können wir nicht die unterschiedlichen Ansichten diesbezüglich stehen lassen?

Ich sehe in dem hier dargelegt Problem gar nicht so sehr das Problem der Definition der Rasse oder ob es Rasen gibt oder nicht. Ich sehe vielmehr, dass eine gewisse unbewusste Herrenmenschenmentalität in manchen Köpfen die Vorstellung hat, dass ein Muslim gefälligst seine Ansicht anzunehmen hat oder er verbal so lange zu bekämpfen ist, bis er entweder aufgibt oder es eine andere Art der Eskalation gibt. Möglicherweise ist vielen Trägern dieses Gedankens gar nicht klar, wie sie auf andere wirken, so wie mir nicht klar war, dass meine Begriffsverwendung "Rassist" so fürchterlich schmerzt, obowhl ich es erklärtermaßen gar nicht so gemeint habe, wie der Angesprochene es verstanden hat. Warum können wir hier nicht den Weg des Gemeinsamen suchen? Jemand glaubt, dass Menschen in Rassen zu unterteilen sind. Ok, wir haben es gelesen und es wurde nicht gelöscht. Obwohl es mir im Herzen schmerzt und es in meinen Augen unemnschlich ist, aber ich habe es toleriert, dass es diese Meinung gibt und stehen lassen. Ist das nicht Beweis genug für einen veruschten Dialog? Doch was hat das für Konsequenzen? Dürfen verschiedene Rassen friedlich zusammen leben oder sollen sie "getrennt" werden? Sind nicht Tausende von Völker und "Rassen" durch Deutschlans gezogen und haben sich gemischt? Dürfen Menschen unterschiedlicher "Rasse" nach ihrer Ihrer Definition von Rasse sich "mischen" oder nicht? Wenn ein chinesstämmiger Deutscher in dritter Generationmit einer afrinaischstämmigen Deutschen in vierter Generation sich zuammenschließen, eine Familie gründen und zu ihren Nachbarn werden, fühlen Sie sich dann wohl, wenn es anständige Menschen sind? Und wenn dann imemr mehr "andersfarbige" kommen, aber alles anstündige Menschen sind, und ihre Straße immer bunter wird, fühlen Sie sich dann wohl, wenn sie alle anstündige Leute sind? Wenn ja, dann ist es doch egal, wie wir die Unterschiede nennen. Sie können Sie "Rasse" nennen, ich nenne es nicht so. Wenn sie aber sagen, dass sie das nicht möchten. Wenn Sie sagen, dass diese Leute so anständig sein können, wie sie wollen,a ber sie keine bunte Straße wollen, sondern den weniger anstündigen Weißen vorziehen würden, dann bruacht sie niemand Rassist zu nennen, dann erkennt es jeder Leser von alleine.

Meine Ansicht zu Rassen ist hinreichend erörtert worden. Sind die Rassengedankenvertreter in der Lage, meinen Gedanken zu ertragen, obowohl er ihnen sicherlich nicht mehr Schmerzen bereiten wird, als umgekehrt ihr Gedanke mir bereitet? Vielleicht hilft noch folgendes letzte Beispiel: Zweifelsohne sind Bayern und ostfriesen sehr unterschhiedlich (nicht nur sprachlich). Dennoch käme niemand auf die Idee, ihnen eine "Mischung" zu verwehren. Der Grund liegt darin, dass sich Bayern und Ostfriesen zu etwas "größerem" zusammengefunden hat, nämlich Deutsche. Vor noch wenigen Jahrzehnten waren Franzosen und Deutsche Erzfeinde. Inzwischen haben sie sich zusammengefunden zu etwas "Größerem". Als Europäer können sie leicht den Gedanken ertragen, dass Franzosen und Deutsche sich "Mischen". In der Schweiz haben sich Deutsche, Franzosen und Italiener "gemiescht", weil das größere "Schweiz" attracktiver war. Wie wäre es, wenn wir das noch viel größere als Europäer anstreben, nämlich "Mensch" oder "Weltenbürger". Ich gebe zu, der Gedanke ist nicht leicht zu erfassen. Ich weiß auch, wie viele Widerstände in vielen Menschen dafür existieren.

Ich weiß wovon ich spreche. In meiner Familie (Ehefrau, Kinder und deren Ehepartner) gibt es Deutsche, die deutschstämmig, türkischstämmige, spanischstämmig, algerischstämmig und libanesenstämmig sind. Und ich denke, dass wir eine der glücklichsten Familien Deutschlands sind. Ich freue mich über die vielen "Mischlinge", die ich meine Enkel nennen darf. Und unser aller Heimat ist Deutschland. Mag sein, dass der eine oder andere Deutsche das nicht mag. Aber genügt es nicht, wenn Gott das mag? Oder wollte hier jemand einwänden, dass das gegen die jüdisch-christliche Prägung des Landes sei? Sie Herr Hall, haben hier geschrieben, dass sie mit einer Russin verheiratet sind. Wie glücklich für sie, wenn die Ehe glücklich ist. Wenn die ehe aber nicht glücklich wäre, dann würde es auch nichts nützen, wenn die Partnerin eine Deutsche wäre.

Lassen Sie uns gemeinsam für ein Deutschland eintreten, dass zum Vorbild für andere wird, auch in Bezug auf Umgang miteinander, trotz unterschiedlicher Gene bzw. gerade deswegen!

Yavuz Özoguz
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