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Religion & Politik im Islam

Die Schiiten - die ignorierte muslimische Minderheit

 von Fatima Özoguz , 10.10.2014 08:06

Schiiten werden in den Medien ignoriert

Wenn ich mir die Nachrichten über Syrien anschaue, bekomme ich ein Déjà-vu. Damals im Irak, kurz vor dem Sturz Saddams, wurde auch nur ausgiebig das Schicksal der Kurden unter Saddam beweint. Mit Recht natürlich. Allerdings erst, als Saddam schon in das Lager der "Bösen" gewechselt war, als er die kurdische Stadt Halabscha am 16. März 1988 mit Giftgas fast ausrottete, war der Protest im Westen verhalten bis nicht vorhanden. Warum? Weil Halabscha die iranischen Truppen als Befreier begrüßt hatte, daraufhin wurden sie mit Giftgas abgestraft. Peter Scholl-Latour hatte als einziger beklagt, dass das Schicksal der irakischen Schiiten völlig außen vor gelassen wurde in den Medien.
Jetzt ist ständig nur von den Kurden in Kobane die Rede. Kein Wunder, möchte man doch mit ihrer Hilfe die gesamte Region destabilisieren, in dem man ihnen einen eigenen Staat in Aussicht stellt. Von den Turkmenen in Amirli dagegen hörte man in den deutschen Medien so gut wie nichts, auch nicht, dass die Türkei die schiitischen Turmenen aussperrte, während Syrern großzügig Einlass gewährt wurde.
Auch was den Islam in Deutschland angeht, werden die Schiiten total ignoriert, sie sind schlichtweg nicht vorhanden. Wie ich schon zu den ganzen pseudo-politischen Talkshows mehrfach angemerkt habe,werden entweder sogenannte liberale Muslime eingeladen und / oder salafistische Imame im Nachthemd, gerne aber auch Vertreter von Sekten und Randgruppen wie der Ahmadiyya. Niemals aber ein bekennender Schiit, wobei wir Schiiten doch die zweitgrößte Glaubensrichtung innerhalb des Islam darstellen.
Damit meine ich keine Publizisten und Politiker iranischer Abstammung,die "zufällig" Schiiten sind, weil sie als solche geboren wurden, sondern wirklich Vertreter der Schiiten in Deutschland. Dabei haben die Schiiten im Kampf gegen den USA-geförderten salafistischen Terror die meisten Opfer zu beklagen, und nicht erst seit ISIS, schon viel früher. Gerade zu hohen schiitischen Feier- und Gedenktagen werden gern Anschläge auf ihre Moscheen im Irak, Pakistan und Afghanistan verübt, weil man dann besonders viele Menschen töten kann. Das Ziel ist also Ausrottung der Schiiten und Schüren des Hasses zwischen Schiiten und Sunniten. Als die Taliban die Macht in Afghanistan ergriffen, wurden ganze Dörfer und Siedlungen der Schiiten, vor allem der Hazara, ausgerottet.
Ebenfalls wird kein Sterbenswörtchen über den Genozid an den pakistanischen Schiiten in Pakistan verloren, speziell in der Region Parchinar. Die meisten Deutschen dürften das Wort "Parchinar" noch nie gehört haben, während Kobane mittlerweile jedem geläufig ist.
Es soll hier nicht darum gehen, die einzelnen Beteiligten in den Konfliktgebieten gegeneinander aufzuwiegen oder gar Wertungen vorzunehmen, wer nun schützenswerter sei. Alle Menschen in der Region sind unterdrückt, ob es Sunniten, Schiiten, Aleviten, Christen, muslimische oder yezidische Kurden sind. Aber das konsequente Ignorieren der Schiiten fällt mir stark ins Auge. Mir drängt sich leider der Eindruck auf, dass die schiitische Befreiungstheologie mundtot gemacht werden soll. Lieber bietet man radikalen Salafisten eine Bühne, um die Islamophobie noch mehr anzuheizen, die mittlerweile schlimmer geworden ist als nach dem 11. September.
Dass Imam Khamenei ebenfalls für die deutschen Medien praktisch nicht vorhanden ist, spricht auch eine deutliche Sprache. Imam Khomeini wurde seinerzeit verteufelt, und man erfand immer mehr Horrorgeschichten über die Islamische Republik. Da diese Strategie der schiitischen Befreiungstheologie, die das Walayat Faqih-System verkörpert, immer mehr Anhänger zutrieb, verlegte man sich seit Imam KHameneis Amtsantritt auf Verschweigen. Wenn der bislang unbekannte al-Baghdadi oder früher Bin Laden irgendwo hustete, kam es in die Medien, wobei Imam Khameneis Aussagen hier so gut wie nie verbreitet werden.


Fatima Özoguz
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