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Religion & Politik im Islam

Welche Rolle spielt die IS für das Imperiale System des Kapitalismus?

 von Yavuz Özoguz , 11.09.2014 13:33

Welche Rolle spielt die IS für das Imperiale System des Kapitalismus?

Nachdem die USA die IS-Terromiliz aufgebaut, ausgebildet, ausgestattet und finanziert hat, stellt sie sich jetzt als Gegner jener Terroristen dar. Doch welche Rolle spielt jene Söldner-Bande im weltweiten Dauerkrieg des Kapitalismus gegen die Menschlichkeit?

Die USA haben seit dem 11. September 2001 ihre Verbrechen derart übertrieben, dass selbst die engsten Verbündeten kaum noch mitziehen konnten, ohne die eigenen Bevölkerungen zu verprellen. Selbst in den USA, in der die Bürger ohnehin das nachplappern müssen, was ihnen ein Fürstenhaus von Millionären und deren Hofschreiber vorgeben, wollten die Bürger diesen Dauerkrieg nicht mehr mittragen. Doch ohne Dauerkrieg wird es keine USA mehr geben. Die USA produzieren schon lange keine konkurrenzfähigen Waren für den Weltmarkt mehr. Weder im Billigsektor noch bei Qualitätsprodukten können sie noch mithalten. Das eigene Volk ist mittels extremer Plünderung durch wenige Multimillionäre ausgeschröpft. Der Hunger im eigenen Land nimmt genau so zu wie die Kriminalitätsrate und der Werteverfall. Zu allem Übel ist das eigene Finanzsystem schon längst zusammengebrochen und wird nur noch durch eine historisch einmalig dreiste Form der Insolvenzverschleppung aufrechterhalten. Die USA brechen aber auseinander (wie einstmals die UDSSR) sobald sie nicht mehr „Führungsmacht“ sind. Immer wieder wird durch den US-Präsidenten betont, dass sie die Führungsmacht der Welt seien. Da sie das in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht nicht mehr sein können und in moralischer Hinsicht jegliche Bekundungen zu Freiheit und Gerechtigkeit geradezu wie ein Hohn klingen, bleibt nur noch eine Möglichkeit zur Führungsmacht: Der Krieg. Führer USA ist nur Führer, so lange es Krieg gibt. Dabei spielt es keine Rolle wie viele unschuldige Menschen dabei ermordet werden, wie viele vertrieben werden, wie viele verletzt werden usw. Menschlichkeit war noch nie ein Entscheidungskriterium im kapitalistischen Imperialsystem.

Da die Kriege in Libyen und Irak kaum ernsthaft weiter geführt werden können, da die jeweiligen Bevölkerungen und Infrastrukturen bereits mehr oder minder zerstört sind, benötigen die USA neue Feinde. Russland kommt da wie gerufen. Aber da die Europäer nicht ganz so kriegslüstern mitspielen, wie es die Führungsmacht benötigen würde, bedarf es eines Feindes im Nahen Osten. Ein offener Krieg gegen Syrien kommt nicht direkt in Frage, denn das wäre ein zu offener Bruch gegen das Völkerrecht und es würde in einen weiteren Konflikt mit den Russen müden. Um den Iran anzugreifen bedarf es eines Grundes, und der fehlt, obwohl man sich bei der Atomfrage sehr viel Mühe gibt. In Afghanistan und Pakistan bombt man ohnehin schon wild umher, ohne dass der Führer weitere Geführte finden würde. Also wird ein Feind aufgebaut, der zumindest die europäischen Vasallen dazu ermutigt mitzumachen, wenn der Führer ruft.

Nachdem hinreichend Köpfe abgeschlagen wurden, hat sich die Stimmung – gemäß den manipulierten Medienmeinungen – zugunsten von militärischen Interventionen der Führungsmacht geändert. Jetzt kann die USA wieder Soldaten in den Irak schicken und Deutschland begrüßt das sogar. Jetzt können in Syrien die IS-Leute bombardiert werden, und wen wird es da interessieren, wenn die eine oder andere Bombe auch auf Regierungstruppen fällt? Jetzt kann der gesamte Islam viel offener als zuvor bekämpft werden. In Deutschland brennen erste Moscheen und die Übergriffe gegen Muslime nehmen zu.

Neben allen diesen direkten militärischen Verschwörungen nimmt die psychologische Verschwörung eine viel größere Rolle ein. Die weltweit schwer aufhaltbare Befreiungstheologie des Islam, ausgehend von der Islamischen Revolution und der Islamischen Republik Iran, muss zerstört werden, damit der kapitalistische Imperialismus überleben kann. Dabei spielen die Medien eine maßgebliche Rolle. So werden den Bürgern tagtäglich Begriffe wie „Putin-Versteher“ eingebläut aber „Obama-Versteher“ gibt es nicht. Jeden Tag muss jeder Journalist einige Male den Begriff „radikal-islamistische“ zu irgendeiner antikapitalistischen Gruppe hinzufügen, idealerweise völlig undifferenziert. Aber radikal-zionistisch gibt es nicht. Vor allem aber ist es von großer Bedeutung, die wertvollsten Begriffe des Islam in den Dreck des verbrecherischen Schmutzes zu ziehen, den sich die USA und das zionistische Gebilde ausgedacht haben.

So ist die Hamas in Palästina „radikal-islamistisch“, die Hizbullah im Libanon gilt als „radikal-islamistische“ und die IS-Terroristen auch. Dass Letztere einen Krieg gegen die Hizbullah führen und dass die Hizbullah bisher die einzige schlagkräftige Truppe ist, die – ohne jegliche Hilfe von deutschen Waffenlieferungen – die Christen in der Region geschützt hat, wird aus nachvollziehbaren Gründen den Bürgern vorenthalten.

Doch auch weitere Begriffe werden diskreditiert. Der Ruf „Allahu-Akbar“ ist eigentlich islamisch gesehen der ultimative Befreiungsruf einer Befreiungstheologie, die auch viele Menschen im Westen anziehen würde, wenn sie die Gelegenheit zur vorurteilsfreien Analyse erhielten. Jener Mensch, für den nur Gott die alleinige und absolute Macht darstellt, ist unbesiegbar. Das ist der Ruf, mit dem sich der Muslim mindestens fünf Mal am Tag in seine spirituelle Himmelfahrt vom Diesseits verabschiedet und Kraft von der ultimativen Kraftquelle tankt. Solche Menschen sind gefährlich für jedes Unterdrückersystem, weshalb jener Ruf mit dem Blut der IS-Massenmorde besudelt werden musste. Heute denkt jeder bei dem Ruf an Kopfabschneider. Dass neben der IS die Saudis Weltmeister im Kopfabschneiden sind, wird geflissentlich verheimlicht, weil Köpfe abzuschneiden im Auftrag und als Verbündeter des Westens ja nicht bekämpft wird.

Auch der Begriff Dschihad ist die Überlegenheit des Islam gegenüber allen anderen Religionen. Dschihad ist die Anstrengung des Menschen, um Gottes Liebe näher zu kommen und damit die Anstrengung gegen das Böse in sich selbst. Dschiahd umfasst so viele Bereiche des Lebens, dass man es kaum aufzählen kann. Eine liebende Mutter, die ihrem Kind um Gottes Willen die eigene Brust gibt, betreibt Dschihad. Jeder Krankenbesuch kann genau so Dschihad sein, wie der Einsatz für ein gerechteres Finanzsystem in der Welt. Doch die Propagandisten der Westlichen Welt haben Dschihad in Verbindung mit Verbrechen gebracht, so dass man sich kaum noch vorstellen kann, dass es ein wunderschöner Begriff ist.

Noch schlimmer ist es mit dem Begriff „Islamischer Staat“ selbst. Seit 1979 existiert die Islamische Republik Iran und hatte alle Anzeichen für einen sehr erfolgreichen Versuch, einen Islamischen Staat zu etablieren. Dennoch hat man in diesem Zusammenhang den Begriff in der Westlichen Welt kaum vernommen. Jetzt aber, da es einen Möchtegernkalifen gibt, der mit massiver westlicher Unterstützung das ideale Feindbild schafft, wird der Begriff in den Dreck von Verbrechen gezogen.

Törichte jugendliche Heißsporne, die ihren vorgesetzten Salafistischen Vorbildern nacheifern, bewirken auch in Deutschland, dass z.B. der heilige Begriff der Scharia, was nichts geringeres ist als das Gesamtsystem aller Weltzusammenhänge und deren Gesetzmäßigkeiten, ebenfalls nur noch im Zusammenhang mit Polizei, Verboten und Gesetzesverstößen betrachtet werden können. Es wäre hilfreich, wenn jene Muslime zuerst sich selbst erziehen würden, bevor sie sich anmaßen andere erziehen zu wollen.

Insgesamt scheint der Kampf Westliche Welt gegen Islam und Muslime in jeder Hinsicht ungleich zu sein; nicht nur was die Waffen angeht. Die Westliche Welt, allen voran die USA und Israel, können sich jedes Verbrechen erlauben, ohne dafür von den eigenen Bevölkerungen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Bis heute brauchen die USA nicht zu erklären, wie das Weltwunder des Zusammenbruchs eines ganzen Hochhauses, ohne dass irgendetwas hinein geflogen ist, geschehen konnte. Kaum ein Westler traut sich die gesamte israelische Führung vor ein internationales Tribunal angesichts ihrer unaufhörlichen Verbrechen zu zitieren. Sie können eine ganze Stadt in Schutt und Asche legen und sogar Schulen der UN bombardieren, ohne jemals dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden (in dieser Welt). Solche Methoden dürfen und wollen gläubige Muslime niemals anwenden. Und allein daran ist ersichtlich, dass die IS zumeist aus westlichen Söldnern und nicht aus Muslimen besteht. Die berühmtesten Rekruten, die jene Söldner z.B. aus Deutschland anziehen konnten, waren zwielichte Gestalten, die zuvor keinerlei islamische Wirkung hatten, aber in merkwürdigen Kreisen verkehrten.

Was aber können wir Muslime in Deutschland tun? Offensichtlich haben wir bisher eindeutig viel zu wenig getan! Wir müssen viel mehr aufklärerisch wirken. Wir müssen mehr Texte für Frieden und Freiheit in Gerechtigkeit schreiben. Wir müssen Lieder texten und singen. Wir müssen in den Foren konstruktiv arbeiten. Wir müssen angefangen von unserer eigenen Familie über Nachbarn bis in die eigene Stadt ein Bild des Islam hinterlassen, dass nicht so leicht durch die Verschwörungen zunichte gemacht werden kann. Dazu müssen wir uns vor allem selbst erziehen! Auch in diesem Land gibt es hinreichend Menschen, die diesen Wahnsinn des Führers nicht mehr mitragen wollen. Wir müssen Seite an Seite mit diesen Menschen für Menschlichkeit eintreten.

Die Führer der Westlichen Welt und deren Hofschreiber versuchen immer noch das Bild zu vermitteln, dass die Westliche Welt die Guten sind und der Rest der Welt aus Bösen besteht, die nur darauf warten von der Westlichen Welt befreit zu werden. Dieser irrsinnige Führungswahn (anders kann man das nicht nennen) wurde so übertrieben, dass deren Verbreiter selbst nicht mehr daran glauben. Die US-IS wird genau so vergehen, wie Al-CIAda vergangen ist. Und dann wird ein neues Terrormonster vom Frankenstein unserer Zeit zusammengebastelt werden. Immer mehr Menschen verstehen aber, dass es mit den USA und Israel in ihren heutigen Formen niemals Frieden in dieser Welt geben kann. Daher wird es höchste Zeit um sich vernünftige Gedanken über eine Welt nach den USA und Israel zu machen. In jener Welt dürfen die Fehler von mehreren Tausend Jahren Imperialismus nicht wiederholt werden. Dafür benötigen wir ein Imperium im Herzen angeführt vom Licht der Wahrheit. Lasst uns dafür unsere Anstrengungen (Dschihad) vergrößern, damit eines Tages alle Menschen wissen, dass nichts größer ist als Allah, nicht einmal die USA und Israel. Allahu Akbar.


Yavuz Özoguz
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RE: Welche Rolle spielt die IS für das Imperiale System des Kapitalismus? Brigitte Queck 12.09.2014
 

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