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Religion & Politik im Islam

Muss eine deutsche Kanzlerin einen Massenmörder ehren?

 von Yavuz Özoguz , 12.01.2014 14:53

Muss eine deutsche Kanzlerin einen Massenmörder ehren?

Nach dem Ableben von Ariel Scharon wird wiederum einmal mehr deutlich, dass sogenannte westliche Werte nichts mit Menschlichkeit zu tun haben, sondern vor allem das Herrenmenschengedankengut verbreiten.

Gemäß eigenen Angaben des Kanzleramtes hat Bundeskanzlerin Merkel den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon als „israelischen Patrioten, der sich große Verdienste um sein Land erworben hat“ gewürdigt. Weiter heißt es auf der Internetseite des Kanzleramtes: „Mit seiner mutigen Entscheidung, die israelischen Siedler aus dem Gazastreifen abzuziehen, habe er einen historischen Schritt auf dem Weg zu einem Ausgleich mit den Palästinensern und zu einer Zweistaatenlösung getan.“

Liest man diese Zeilen, könnte man denken, dass es sich bei Ariel Scharon um einen „ganz normalen“ westlichen Politiker gehandelt hat, der nicht mehr oder weniger unschuldiges Blut an den Fingern kleben hat als andere. Aber ist das wirklich so? Ein Blick in das Leben Scharons dürfte auch den pro-westlichen Leser eines Anderen belehren.

Bereits mit 14 Jahren trat Scharon die Terrororganisation Hagana ein. Jene paramilitärische Untergrundorganisation in Palästina war vor allem bekannt für seine Terroranschläge gegen die britischen Besatzer, die allerdings nicht etwa einen damals noch nicht existierenden jüdischen Staat besetzt hatten, sondern das muslimische Palästina. Die Hagana war zum einen damit beschäftigt, Bombenanschläge auf die Besatzer zu verüben und zum anderen, eine militärische Organisation aufzubauen, die den geplanten Staat des Zionismus „verteidigen“ sollte. Scharon war mit 14 Jahren ein Kindersoldat! Westliche Kindersoldaten sind im Gegensatz zu anti-westlichen stets Helden in der Hofberichterstattung.

Bei den sogenannten Unabhängigkeitskriegen rühmte er sich damit, besonders viele Palästinenser ermordet zu haben. Legendär ist das unter seinem Kommando durchgeführte Massaker im Dorf Qibya, wo vor allem unbewaffnete Zivilisten - zumeist Frauen und Kinder - ermordet wurden. Scharon dienten diese Massaker als Sprungbrett in seiner militärischen Laufbahn. Seine besonders ausgeprägte Brutalität bekamen nicht nur die besetzten Völker in Palästina und Libanon sowie Ägypten zu spüren, sondern auch Verbündete wie die USA.

So wurde einstmals US-Spionageschiff „USS Liberty“ in internationalen Gewässern vor der Küste der Halbinsel Sinai durch zionistische Mirage-Jagdbomber fast versenkt, ein Großteil der Besatzung kam ums Leben oder wurde schwer verletzt. Als „offizielle“ zionistische Schreibweise wird eine „tragische Verwechslung“ angegeben, die allerdings selbst israelische Historiker anzweifeln. Die schwer verletzten Überlebenden wurden von der US-Armee entlassen. Ihnen wurde das Kriegsgericht angedroht, falls sie irgendjemandem etwas davon erzählten, was sie erlebt hatten. Heute sind die Indizien überwältigend, die verdeutlichen, dass die USS Liberty versenkt werden sollte, weil sie abgehört hatte, was in Al Arish geschehen ist. Dort wurden im Juni 1967 mehr als tausend ägyptische Kriegsgefangene massakriert. Befehlshaber der verantwortlichen zionistischen Truppen war Ariel Scharon. Der Verantwortliche für solch ein Verbrechen würde in der Westlichen Welt in jedem Fall geächtet werden, außer er ist Zionist.

„Gekrönt“ wurde Scharons militärische Laufbahn während der mörderischen Besetzung des Libanon. Im Rahmen der zionistischen Besatzung wurden in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila Massaker an palästinensischen Zivilisten verübt, für die Scharon maßgebliche Verantwortung trägt. Die meisten der mindestens 1000 Opfer waren Frauen und Kinder. Selbst ein zionistischer Untersuchungsausschuss konnte seine Mitschuld nicht leugnen.

Diese nach Maßstäben internationalen Rechts verbrecherische Laufbahn führte Scharon auch als „Zivilist“ fort. Am 28. September 2000 entweihte Scharon in Begleitung von rund 1000 Journalisten, Polizisten, Militärs und Politikern das Gelände des muslimischen Felsendoms und löste eine Intifada aus. Nie zuvor (und auch nicht danach) hat sich ein zionistischer Machthaber solch eine Unverschämtheit geleistet. Im Jahr 2005 setzte der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon den Abzug der zionistischen Siedler aus dem Gazastreifen durch und verwandelte anschließend den Gazastreifen zum größten Freiluftgefängnis unserer Epoche.

Es würde den Rahmen eines solchen kurzen Berichtes sprengen, wollte man sämtliche Verbrechen Scharons detailliert auflisten. Das Internet dürfte - insbesondere im englischsprachigen Raum - hinreichend Ergänzungen bieten. Scharon war zweifelsohne auch unter zionistischen Maßstäben ein „Bulldozer“, wie er genannt wurde. Sein Titel“ König der Juden Arik“, mit der Verniedlichung für Ariel haben ihm die schlimmsten Hardliner unter seinen Anhängern verpasst. Selbst unter den Zionisten gehörte Scharon zweifelsohne zu den Menschen, die für die Massenmorde an zumeist Frauen, Kindern und unschuldigen Zivilisten verantwortlich sind. Insofern stellt sich erneut die Anfangsfrage: Muss eine deutsche Kanzlerin einen solchen Massenmörder ehren?

Nach der Logik, die die Kanzlerin in ihrer Botschaft verlautbaren ließ, hätte sie auch Saddam und andere Zivilistenschlächter ehren können. Sie tat es aber nicht. Scharon aber muss sie ehren, denn Scharon war ein Anführer der Zionisten! Und Anführer der Zionisten können und dürfen gemäß aktuell wirksamer deutscher Staatsräson gar keine Verbrecher sein. Allerdings stellt sich die Frage, ob nicht eine an Hochverrat grenzende Äußerung getätigt wird, wenn ein Massenmörder jener „Qualität“ durch eine deutsche Kanzlerin geehrt wird. Scharon war ein ausgeprägter Vertreter des westlichen Herrenmenschengedankenguts. Es hat viele vor ihm gegeben und wird wohl viele nach ihm geben. Es liegt an uns, welche Ehre wir jenen Menschen zuteilwerden lassen, und wen wir zu unserer eigenen Regierung wählen.

Abschließend sei eine Kuriosität erwähnt, die in Westlichen Medien – wie fast alles, was dem imperialistischen Kapitalismus nicht nützt – wenig Beachtung fand. Im Jahr 2006 starb in Jerusalem der damals hoch angesehene und 108 Jahre alte Rabbi Jitzchak Kadouri. Er hatte unter anderem Kabbalistik im Irak studiert. Als er 2006 verstarb, benannte und bekannte er Jesus als den Messias der Juden. An seiner Beerdigung tags darauf nahmen mindestens 200.000 Menschen teil. Gleichzeitig hinterließ er eine schriftliche Botschaft, die erst ein Jahr nach seinem Ableben geöffnet werden sollte. Darin behauptete er, dass er vom Messias erfahren habe, dass dieser kurz nach dem Ableben Ariel Scharon kommen werde. Zu wünschen wäre es uns allen sehr, auch damit Deutschland in Zukunft Wahrhaftigkeit ehrt und nicht die Vertreter von Verbrechen.


Yavuz Özoguz
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