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Religion & Politik im Islam

RE: Muss eine deutsche Kanzlerin einen Massenmörder ehren?

 von Brigitte Queck , 23.01.2014 17:51

Scharon

Ehrungen für einen Massenmörder, Haßattacken national-religiöser Israelis auf Christen und christliche Institutionen, Definition: Wer ist ein Antisemit?, Auflistung der politischen Morde durch die israelischen Geheimdienste u. a.

von Sigfried Ullmann,16.1.2013

Liebe Mitstreiter für Frieden, Menschenrechte und Gerechtigkeit,

der frühere Außenminister Genscher hatte sich medienwirksam für den früheren Milliardär Chodorkowski eingesetzt. Dabei wurde nicht hinterfragt, wie der aus einfachen Verhältnissen stammende Chodorkowski zu seinem riesigen Vermögen kommen konnte. Nach Bert Brecht steht hinter jedem großem Vermögen ein großes Verbrechen. Wie dem auch sei, an die vielen oft ohne Grund und Anklage in israelischen Gefängnissen inhaftierten Palästinenser verschwendet Genscher offensichtlich keine Gedanken, denn für diese setzt er sich nicht ein.

Die schärfste Kritik an der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern kommt von einigen Israelis. Ein Beispiel sind die beigefügten Bekundungen des Zeev Smilansky mit dem Titel: "Israel ist der größte Feind des Zionismus geworden". Statt Zionismus sollte man vielleicht „ des Judentums“ sagen.

Vor einiger Zeit wurde von Arte die französische Dokumentation "Juden und Muslime" gezeigt - eine französische Produktion. Dokumentiert wurde das ursprünglich freundschaftliche und respektvolle Verhältnis zwischen Juden und Moslems, das durch die israelische Staatsgründung in Palästina, vor allem nach dem 6-Tage-Krieg im Jahre 1967 und die Besetzung der Palästinensergebiete, zerstört wurde. Die Dokumentation erstreckt sich über einen Zeitraum vom Jahre 610 bis in die Jetztzeit. Auch wenn manches weggelassen wurde, zum Bespiel die schon frühzeitige zionistische Forderung, die einheimische Bevölkerung mit Gewalt aus Palästina zu vertreiben, insbesondere von Zeev Jabotinsky, ist der Film außerordentlich sehenswert. Leider ist er nicht mehr bei ARTE 7 verfügbar. Vielleicht gibt es mal eine Wiederholung.

In Bonn wurde kürzlich der Film "Bethlehem" gezeigt. Es geht um einen israelischen Geheimdienst-Offizier und einen 17jährigen palästinensischen Informanten, also Kollaborateur. Der israelische Journalist Gideon Levy bezeichnete den Film als einen geschickt gemachten, aber üblen Propagandafilm, der nicht auf die Ursachen des palästinensischen Widerstands eingeht. Der Zuschauer erhalte den Eindruck, dass die Israelis die Guten und die Palästinenser die Bösen sind. - Das ist wahrscheinlich so gewollt. (Anlage: Rezension des Gideon Levy) Wenn der Film noch mal im Fernsehen oder in Ihrer Gegend gezeigt wird, wissen Sie also Bescheid.

Nach Scharons Tod überboten sich die Politiker und die Mehrzahl der Medien mit heuchlerischen Kommentaren. Tatsächlich aber war Scharon ein Massenmörder, der vor ein internationales Gericht gehört hätte, z. B. für die von ihm organisierten Massenmorde in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila. Er war auch einer der Kommandeure der berüchtigten Einheit 101. (siehe zum Beispiel "Erinnerung an die Einheit 101" und "Nach dem Massenmord in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila" in dem Gedichtband "Höre Israel" von Erich Fried). Als weitere Lektüre empfehle ich "Politizid - Ariel Sharons Krieg gegen das palästinensische Volk" von Baruch Kimmerling (siehe anliegenden Auszug) und "Terror als Vorwand" von Avi Primor mit den Karten der von Scharon vorgeschlagenen "Bantustans" nach südafrikanischem Vorbild auf den Seiten 140 und 141. Einen umfassenden Überblick über den verhängnisvollen Lebensweg des Ariel Scharon vermittelt Evelyn Hecht-Galinskis ausgezeichneter Kommentar „Der Schlächter von Beirut vor dem höchsten Gericht“ unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19905&css=print .sowie Arn Strohmeyers Beitrag „Sein ganzes Leben .., Ariel Scharons Gewaltpolitik ...“ im Anhang. Beides ist wirklich lesenswert!

Die Jüdische Zeitung (JZ) brachte in ihrer Ausgabe Dez. 2013 / Januar 2014 eine Übersicht über die vom israelischen Geheimdienst innerhalb und außerhalb Palästinas ermordeten Palästinenser. Scharon war für diese Morde mitverantwortlich.

In einem Bericht der JZ wird beschrieben, wie jemand aus Westjerusalem zu Fuß in die arabische Altstadt geht: "Die Risse im Asphalt haben sich zu großen Löchern ausgeweitet. ... Der Gestank des auf der Straße liegenden Abfalls lässt es nicht mehr verbergen: Das alte al Kuds steht vor der Tür." Die Ursache dieser Zustände ist, dass Israel einerseits von den palästinensischen Hauseigentümern eine für viele untragbare Grundbesitzabgabe in Höhe von rd. 2500 Euro jährlich verlangt, aber keine regelmäßig Müllabfuhr durchführt und die Infrastruktur verwahrlosen lässt, um die Palästinenser zur Aufgabe zu zwingen.

Der christliche Zionist Ulrich Sahm behauptet in der JZ, die Weltpresse würde die Flucht und Vertreibung von Juden und Christen in den islamischen Ländern ignorieren. Seinerseits ignoriert er geflissentlich aber die von Israel gewollte und sogar durch Attentate des israelischen Geheimdienstes auf jüdische Institutionen beschleunigte Auswanderung der Juden aus den arabischen Ländern nach Israel (siehe "Die Hand" von Erich Fried) und die Hassattacken nationalreligiöser Israelis der Siedlerbewegung auf christliche Institutionen und Christen in Jerusalem einschließlich der Verwüstung von Friedhöfen und der Zerstörung von Kreuzen. ..Offensichtlich sind die national-religiösen Israelis der Auffassung, dass in einem jüdischen Staat nur Juden leben dürfen und die Zeugnisse anderer Religionen getilgt werden müssten.

Die Israel-Lobby behauptet, dass in Europa der Antisemitismus zunähme. Dabei stützt sie sich u. a. auf eine Befragung von Juden in acht EU-Staaten (FRA-Studie), wie ebenfalls in der JZ zu lesen ist. "Nach ihrer Definition von Antisemitismus befragt, sagten 34 %, dass dieser Begriff auf "eine nichtjüdische Person, die Israel kritisiert", zutreffe. Auf diese Weise wird dann jegliche Kritik an der völker- und menschenrechtswidrigen Politik der israelischen Regierung in Antisemitismus umgemünzt, um diese Kritik zum Schweigen zu bringen. (Siehe hierzu auch "Antisemitismus als politische Waffe - Israel, Amerika und der Mißbrauch der Geschichte" des jüdisch-amerikanischen Politologen Norman G. Finkelstein.)

In meinem vorherigen Rundschreiben 101 hatte ich von der Verbreitung eines Pamphlets der Aktion 3. Welt Saar berichtet, das von der TAZ verbreitet und mit Steuergeldern gefördert wurde. Hierzu hat die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost e. V. eine ausführliche Stellungnahme herausgegeben.

Der Spiegel 3/2014 berichtete, dass in Israel eine Strafsteuer für kritische NROs beschlossen wurde – typisch für die „einzige Demokratie im Nahen Osten“?

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon hat den amerikanischen Außenminister John Kerry wegen seiner Friedensbemühungen scharf angegriffen und damit klargestellt, dass die israelische Regierung keinerlei Kompromisse mit den Palästinensern eingehen will. Er unterstellte Kerry „unangebrachte Besessenheit und messianischem Eifer.“ Und weiter: „In Wirklichkeit gibt es gar keine Verhandlungen zwischen uns und den Palästinensern. Das einzige, was uns noch retten kann, ist der Friedensnobelpreis für John Kerry, und dass er uns dann in Frieden lässt.“ Dabei soll Kerry schon auf viele, für die Palästinenser unannehmbare Forderungen eingegangen sein. Israel verfolgt natürlich das Ziel, die gescheiterten Verhandlungen – wie immer – den Palästinensern anzulasten und dies dann propagandistisch zu verbreiten. Vielleicht wird mal wieder zu diesem Zweck eine Provokation auf dem Tempelberg inszeniert oder ein Palästinenserführer ermordet.
.
Der israelische Friedensaktivist Reuven Moskovitz zitierte zum Abschluß seiner Weihnachtsbotschaft den Holocaustüberlebenden Erich Fried mit dem Gedicht

Worauf es ankommt

Es kommt im Augenblick
nicht darauf an
wann es war
daß Israel
sich verwandelt hat
in eine Verbrecherregierung

Aber es kommt darauf an
zu erkennen
daß sie jetzt eine
Verbrecherregierung ist

Es kommt auch nicht mehr
darauf an
darüber zu streiten
nach welchem Vorbild
sie ihre Verbrechen begeht
Diese Verbrechen selbst
tragen sichtbar die Spur des Vorbilds

Aber es kommt darauf an
nicht nur klagend oder erstaunt
den Kopf zu schütteln
über diese Verbrechen
sondern endlich
etwas dagegen zu tun

Es kommt nicht darauf an
was man ist
Moslem, Christ, Jude, Freigeist:
Ein Mensch
der ein Mensch ist
kann nicht schweigen
zu dem was geschieht

In diesem Sinne solidarische Grüße

Siegfried Ullmann

Anlagen:

- Von Rom bis Dubai - Geschichte der politischen Attentate im Israel-Palästina Konflikt", Spiegelbericht „Strafsteuer für Kritiker“ und „Militärische Übungen in palästinensischen Dörfern zulässig“. (PDF)
- Smilansky: Israel, der größte Feind des Zionismus.
- Stellungnahme der Jüdischen Stimme (Rassismus und israelische Propaganda ...)
- „Bethlehem“, Rezension des G. Levy
- „Sein ganzes Leben..., Ariel Scharons brutale Gewaltpolitik ...“ von Arn Strohmeyer
-Auszüge aus dem Buch „Politizid –Ariel Sharons Krieg gegen die Palästinenser“
-Bericht: „Israel - Antichristliche Attacken mehren sich“

Brigitte Queck
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