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Religion & Politik im Islam

Einige Gedanken zu Wahlen im Iran und der Tanz um das Goldene Kalb

 von Yavuz Özoguz , 11.06.2013 09:02

Einige Gedanken zu Wahlen im Iran und der Tanz um das Goldene Kalb

Will man die besonderen Chancen zur Annäherung an Wahrheit erkennen, die sich jedem Bürger in unserer Zeit bieten, so muss man ohne Vorurteile die bestehenden „Angebote“ studiere, vergleichen und beurteilen.

Ganz bewusst schreibe ich diesen Artikel vor den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im Iran und warte nicht erst das Ergebnis ab, denn für mich als Nichtiraner hat der Präsident der Islamischen Republik Iran eher eine zweitrangige Bedeutung. Er ist der Präsident der Staatsbürger der Islamischen Republik Iran, muss gemäß Verfassung iranischer Staatsbürger sein und sein Aufgabenfeld ist auf die Belange der Islamischen Republik Iran konzentriert. Hingegen ist der Imam, der Statthalter der Befehlsgewalt, der Wali-ul-Amr bzw. Wali-ul-Faqih ein religiöses Oberhaupt, dessen Ausstrahlung und Wirkung nicht auf die Staatsgrenzen eines Landes begrenzt sind. Entsprechend braucht er gemäß der Verfassung der Islamischen Republik Iran auch kein Iraner zu sein.

Bezüglich der Anschuldigungen aus der westlichen Welt, die Wahlen in der Islamischen Republik Iran währen undemokratisch, habe ich einen schönen Artikel gelesen, auf den ich hier verweise, zumal der Inhalt jener Anschuldigungen nicht der Inhalt meiner weitergegebenen Gedanken sein sollen:

http://irananders.de/analysen/news-analy...hl-in-iran.html

Vielmehr möchte ich die Frage aufstellen: Würde die Westliche Welt, angetrieben von der USraelischen Propaganda, die Islamische Republik Iran loben und würdigen, wenn auch jene Kandidaten zugelassen werden würden, die die Islamische Republik Iran zerstören und ein westhöriges System etablieren wollen? Wäre die Westliche Welt zufrieden mit dem Iran, wenn die Urananreicherung für rein friedliche Zweck komplett eingestellt werden würde, das bestehende zivile Atomprogramm komplett eingestellt werden würde und nur noch auf regenerative Energiequellen gesetzt werden würde? Würden dann die historisch beispiellosen Sanktionsmaßnahmen gegen die Islamische Republik Iran „gelockert“ werden? Oder kurz gefragt: Gibt es überhaupt irgendein Szenario, bei dem die Westliche Welt mit der Islamischen Republik Iran in Koexistenz ohne gegenseitige Feindschaft leben könnte?

Die Antwort darauf ist ein klares und eindeutiges „NEIN“! Solch ein Szenario gibt es nicht, so lange die Bürger des Iran zur Islamischen Republik Iran stehen! Denn die Westliche Welt existiert nicht als ein System, dass überhaupt in Koexistenz mit anderen Systemen existieren könnte. Eines der Hauptmerkmale des Westlichen Systems, ja dessen eigentliches Wesen besteht in der Konfrontation mit allen konkurrierenden Systemen mit dem Ziel, diese zu eliminieren! Anders kann die Westliche Welt nicht existieren, denn das sogenannte Westliche Wertesystem ist ein Unterdrückungssystem gegen die gesamte Menschheit. Das Westliche System ist die Umsetzung dessen, was seit Jahrtausenden in den Religionsbüchern als der „Tanz um das Goldene Kalb“ verurteilt wird. Jener Tanz kennt keine Werte, keine Freiheit, keine Demokratie, keine Menschenrechte und dergleichen. Alle jene Begriffe werden beliebig eingesetzt, genutzt, verworfen und missbraucht, um die eigenen wahren Ziele umzusetzen, nämliche den imperialistischen Kapitalismus.

Die gleichen Kräfte, die vorgeben für Freiheit und Menschenrechte einzutreten, haben keine Probleme mit den Steinzeitdiktatoren der Saudis und Qataris zusammen ein Land zu überfallen und zu zerstören.

Würde irgendwo in der Welt irgendein nichtwestliches System einen kleinen Teil seiner Bürger ausspionieren, abhören und die eMails der eigenen Bürger lesen, wäre der Aufschrei der West-Propaganda riesig! Es würde ein Sturz jener Unfreiheitsregierung gefordert. Aber wenn die Anführer der westlichen Welt ganz offen zugeben, dass sie nicht nur einige, sondern sämtliche Bürger bespitzeln, dann werden andere Maßstäbe angesetzt.

Wenn in irgendeinem nichtwestlichen Land dieser Erde irgendein Bürger nur aufgrund eines Verdachtes hingerichtet werden würde (ohne dass andere Bürger zuschaden kommen), dann wäre der Aufschrei der Westpropaganda riesengroß, dass die fundamentalen Menschenrechte nicht eingehalten worden seien. Die verantwortlichen Befehlshaber würden vor das Internationale Gericht in Den Haag zitiert werden, bzw. es würde zumindest gefordert werden! Wenn aber die westliche Führungsmacht mit Drohnen jede Woche einige Menschen aufgrund eines Verdachtes ermordet und dabei die gleichzeitige Ermordung nachweislich unschuldiger Zivilisten in Kauf nimmt, fordert kein Westpolitiker den Einsatz des internationalen Gerichtshofes.

Wenn in irgendeinem nichtwestlichen Land eine ganze Reihe von Menschen gegen ihren Willen Jahrzehntelang eingesperrt werden, obwohl man ihnen keine Straftat nachweisen kann, und würde man jenen Menschen kein Gerichtsverfahren ermöglichen, keinen Anwalt zur Verfügung stellen und sie zudem auch noch foltern, wäre das System, das dafür verantwortlich ist, mindestens als barbarisch tituliert! Wenn aber die USA Guantanamo seit nunmehr über einem Jahrzehnt betreiben, dann verlangt kein Politiker die Inhaftierung aller US-Politiker, die ganz offen und ohne jegliche Scham die Verantwortung dafür tragen!

Die Liste einer solchen scheinbaren Doppelmoral ließe sich unbegrenzt fortsetzen und immer wieder würde auffallen, dass die Westliche Welt ganz offen und in eklatanter Weise gegen die scheinbaren eigenen Wertevorstellungen agiert. Eine genauere Analyse würde zu dem Schluss führen, dass unzählige westliche Politiker des Mordes, der Verschleppung, gewaltsamen Enteignung und Vertreibung, der Besatzung usw. zweifelsfrei schuldig wären. Ja, in westlichen Parlamenten sitzen zahlreiche Politiker, die nach den eigenen Maßstäben zumindest als mitschuldig an Mord angesehen werden müssten! Ist das den Bürgern eigentlich bewusst? Und der zionistische Staat, dessen nunmehr über ein halbes Jahrhundert andauernde Verbrechen uneingeschränkt von der Westlichen Welt mitgetragen werden, würde im Mittelpunkt der Betrachtung solcher Analysen stehen.

Aber bei der obigen Liste der Schwerstverbrechen handelt es sich nicht um eine Doppelmoral! Indem immer wieder der Begriff „Doppelmoral“ verwendet wird, wird dem Westlichen System der Anschein gegeben, dass bestimmte menschliche Werte zwar existieren würden, diese aber – aufgrund widriger Umstände – manchmal eben über den Haufen geworfen werden müssten. Nein, das ist nicht der Fall! Die Westliche Welt praktiziert keine Doppelmoral, sondern verfolgt ihre Ziele schnurstracks geradeaus und extrem zielorientiert. Der Eindruck der Doppelmoral entsteht nur dadurch, dass die wahren Ziele der Westlichen Welt den eigenen Bürgern vorenthalten werden. Es liegt ein extremer Fall von Heuchelei vor. Das wahre Ziel der Westlichen Welt ist der Tanz um das Goldene Kalb, oder in der heutigen Sprache ausgedrückt: Es ist der Hegemonialanspruch von raubtierkapitalistischen Imperialisten geleitet von Herrenmenschen, die über Leichen gehen.

Es spielt für die Westliche Welt keine Rolle, ob sie mit oder gegen sogenannte Salafisten kämpfen, die Frage ist nur, was nützt den Interessen des Imperialismus mehr. Das kann in dem einen Fall der total überzogene und übertriebene Kampf gegen Salafisten sein, um z.B. ein Feindbild zu schüren, und auf der anderen Seite kann es der Kampf mit ihnen zusammen sein, um ein nichtswestliches Land zu „überreden“, doch westlich zu werden. Manchmal können Menschenrechte von Nutzen sein, wenn es darum geht, ein nichtwestliches Land zu verurteilen, manchmal kann es von Schaden sein, wenn man in irgendeinem Internierungslager Monster heranzüchten muss, die man dann auf die Menschheit loslässt. Manchmal kann Mord für die Westliche Welt von Nutzen sein, wenn Menschen „eliminiert“ werden sollen, die westlichen Interessen missfallen und/oder Unruhen in einem Land geschürt werden sollen, manchmal kann es schädlich sein für westliche Interessen, wenn z.B. Drogenhändler im Iran gehängt werden. Manchmal sind Diktaturen schädlich, wenn jene Diktatoren nicht uneingeschränkt auf die Westliche Welt hören, und manchmal sind sie nützlich, wenn sie ihr eigenes Volk im Sinne der Westlichen Welt unterdrücken und sie zu Tänzern um das Goldene Kalb erziehen.

Die Westliche Welt verfolgt keine Doppelmoral sondern eine eindeutige unmenschliche Moral. Und damit sind wir wieder bei den Wahlen in der islamischen Republik Iran. Selbst wenn alle über 600 Bewerber als Kandidaten zugelassen worden wären, würde die Westliche Welt jene Wahlen als undemokratisch titulieren, so lange das Volk nicht einen westhörigen Kandidaten wählt. Die Wahlen im Iran sind nicht undemokratisch, aber der Begriff „undemokratisch“ aus den Tastaturen westlicher Schreibprostituierter bedeutet nicht die Abwesenheit von „Demokratie“. Undemokratisch aus westlicher Sicht bedeutet „unwestlich“! Die Islamische Republik Iran ist völlig unabhängig von irgendwelchen Wahlen bereits in ihrer Existenz ein Angriff auf das westliche Hegemonialsystem. Sie ist eine Bedrohung für den Kapitalismus und den Imperialismus; nicht weil die Islamische Republik Iran über irgendwelche Waffen verfügt, sondern weil der Geist der islamischen Befreiungstheologie immer mehr Menschen in der Welt erreicht. Und jene Menschen sind immer weniger gewillt freiwillig um das goldne Kalb zu tanzen. Daher wird die Islamische Republik Iran so lange bekämpft werden, so lange sie an ihren menschlichen Zielen festhält!

Die Iraner und die Anhänger der Islamischen Revolution zur Befreiung der Menschen vor den inneren und äußeren teuflischen Mächten sollten sich keine Sorgen machen, so lange sie von den Reichen und Mächtigen dieser Welt angegriffen werden. Ist das nicht auch ein Beweis dafür, dass sie die Menschlichkeit verfolgen?! Erst wenn die Westliche Welt zufrieden mit der Islamischen Republik Iran wäre, müssten sich die Bürger ernsthafte Sorgen machen. Und wenn sie Kritik aus Deutschland hören, so sollten sie sich immer wieder daran erinnern, dass Deutschland bis heute keine vom Volk legitimierte Verfassung hat, wie es die Iraner haben!

Insofern wünsche ich der Bevölkerung der Islamischen Republik Iran Gottes Segen und Seine Rechtleitung bei den bevorstehenden Wahlen. Möge derjenige gewinnen, der für die Verteidigung der islamischen Befreiungstheologie der am meisten geeignete Kandidat ist. Und ich weiß, dass viele Leser sich diesem Wunsch anschließen.

Zu den Blüten der Entschleierung unserer Zeit gehört es, die wahren Ziele des jeweils eigenen Systems erkennen zu können und diese vor der eigenen Haustür in die richtige Richtung lenken zu helfen. Wir Deutsche müssen vor allem erst einmal für freie Wahlen in Deutschland eintreten und nicht im Iran. Und Basis dafür ist die Umsetzung des Artikels 146 des eigenen Grundgesetzes. Zur Umsetzung müssten erst einmal hinreichend viele Bürger den Artikel kennen. Darin liegen unsere Aufgaben hier.


Yavuz Özoguz
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