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Religion & Politik im Islam

Die "deutsche Identität" und Muslime

 von Fatima Özoguz , 27.05.2013 15:09

Assalamu alaikum

in letzter Zeit ist öfter von "Identität" der Deutschen die Rede, meistens im Zusammenhang mit den hier lebenden Muslimen, wobei suggeriert wird, dass Muslime die Identität der Deutschen bedrohen.

Identität (lateinisch īdem ‚derselbe‘, ĭdem ‚dasselbe‘) ist die Gesamtheit der eine Entität, einen Gegenstand oder ein Objekt kennzeichnenden und als Individuum von allen anderen unterscheidenden Eigentümlichkeiten. Analog wird der Begriff auch zur Charakterisierung von Personen verwandt. Psychologisch und soziologisch steht dabei im Vordergrund, welche Merkmale im Selbstverständnis von Individuen oder Gruppen als wesentlich erachtet werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4t

Was ist es denn nun genau, das die Identität der Deutschen bezeichnet? Das Christentum? Weihnachten ist für die meisten doch nur noch ein Konsumrausch ohne gleichen, mit Coka-Cola-Männchen als nette Deko. Wer denkt noch daran, dass das Jesu´Geburtstag ist? Mal abgesehen davon, dass der Zeitpunkt historisch umstritten ist.
Ostern verbinden die meisten Deutschen doch nur noch mit dem Osterhasen statt Jesu´Auferstehung. Christi Himmelfahrt wurde zum Massenbesäufnis namens "Vatertag" degradiert. Was bitte ist daran noch "christlich"?

Wie war das noch mit den Zehn Geboten?

Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.


Diese Gesellschaft betet mehrheitlich den Gott Mammon an.

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.


Allein die Kommentare während eines Fußballspiels sprechen eine andere Sprache "Flankengott", "Fußballgott" usw.

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.



Verkaufsoffene Sonntage sind der Verkaufsrenner. Dass das Personal seine Freizeit nicht mit seiner Familie verbringen kann, wird dabei hingenommen.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.


viele werden ins Altenheim abgeschoben und diese Gesellschaft betrachtet alte Leute sowieso als lästige Kostgänger.

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.


dem sollte man die jährlichen Abtreibungszahlen gegenüberstellen, von den Krankenkassen finanziert.

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.


Ehebruch ist hier Volkssport.

Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.


Superreiche, die Steuern hinterziehen, werden als Helden gefeiert, während man Sozialhilfeempfänger schnell als Schmarotzer abstempelt, vor allem wenn es Ausländer sind. Dass die Regierung der größte Dieb am Volk ist, ändert daran leider nichts.

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.


Üble Nachrede wird kaum geahndet, wenn man nur ein "mutmaßlich" davor setzt. Kürzlich erst wieder gelesen :

Yavuz Özoguz erhält mutmaßlich Geld aus dem Iran


Daran ändert das "mutmaßlich" gar nichts und soll nur dazu dienen, einer Anzeige zu entgehen.

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.


Neid ist ebenfalls die Triebfeder vieler Verbrechen.

Also mit den Zehn Geboten hat es diese Gesellschaft auch nicht mehr so. Familie wird gerne als ein "Auslaufmodell" betrachtet, Frauen, die sich um ihre Kinder kümmern, werden als "Heimchen am Herd" verachtet. Dafür sollen homosexuelle Paare den Familien gleichgestellt werden.

Wo liegt denn die deutsche "Identität"? In der Sprache? Die meisten Deutschen hören englische Musik, von der sie die Hälfte nicht verstehen. Die Sprache wimmelt nur so von Anglizismen . Sie essen gern chinesisch, thailändisch oder italienisch, aber selten deutsche Küche.

In der Kunst? Man kann kaum noch ins Theater gehen, ohne auf nackte Akteure zu stoßen, da die alten Werke derart "modernisiert" werden.
Pornographie ist mit ein paar Mausklicks konsumierbar. 2,2 Millionen Kinder leben bei nur einem Elternteil. 1,4 Millionen Kinder werden jedes Jahr in Deutschland misshandelt.
Also mit der christlichen Leitkultur ist es nicht allzu weit her hierzulande. Was macht denn dann die sogenannte "deutsche Identität" aus? Bzw. was ist noch davon übrig? Die großen Dichter werden kaum noch in den Schulen behandelt, dafür werden schon Grundschüler über Sexualität "aufgeklärt".
Aber diese Entwicklung hat nicht erst die letzten Jahre eingesetzt, sondern begann nach und nach nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt kommen ein paar Schlaumeier daher und behaupten, wir würden ihnen die Kultur zerstören. Dabei ist zu berücksichtigen, dass wir höchstens 5 % der deutschen Bevölkerung ausmachen. Und vor den lachhaften 5 % haben so viele Angst?
Ich könnte es ja noch verstehen, wenn wir 50 % wären. Wir sind aber nicht 50, auch nicht 15, sondern ganze 5 %!! Viele behaupten, sie hätten Angst vor uns.
Wenn überhaupt jemand Angst haben müsste, wer müsste dann mehr Angst haben, wenn man die ganzen hasstriefenden Kommentare in online-Zeitungen und Blogs liest? Man liest und hört oft, dass Muslime Angst vor der Mehrheitsgesellschaft hätten, und umgekehrt genauso. Das suggeriert, dass zahlenmäßig einigermaßen ein Gleichgewicht bestehen würde, aber wir reden hier von 95 % und 5% !
Die Angst, 5 % Muslime könnten die ganze Gesellschaft umkrempeln und der Mehrheitsbevölkerung die Sharia aufzwingen, kann man nur als irrational bezeichnen, ganz davon abgesehen, dass sie das auch religionsrechtlich gar nicht dürften. Umgekehrt wäre schon eher ein Anlass vorhanden.
Man versucht jetzt wieder, das Attentat in Woolwich oder auch die Jugendkrawalle in Schweden dem Islam anzulasten.Dabei erhärtet sich bei Woolwich zusehens der Verdacht, dass das wieder Geheimdienste involviert waren, aber das interessiert keinen mehr. Das Mantra lautet: "Dem Islam wohnt Gewalt inne". Wenn man es nur oft genug wiederholt, glaubt es jeder. Und die Islamhasser schreien immer lauter, während die Muslime immer stiller werden. Auffällig ist vor allem, dass jeder Hinz und Kunz, von keinerlei Sachkenntnis getrübt, sein Halbwissen über den Islam zum Besten geben kann. Jeder, der mal im Quran geblättert hat, gilt schon als Islamexperte.

Jedenfalls eine "Leitkultur", die vor einer Minderheit von 5 % Angst hat, steht selber auf tönernen Füßen, bzw. kann gar nicht als eine solche bezeichnet werden. Vermutlich erklärt das auch die hysterischen Debatten über Islamisierung, Leitkultur, Immigration und der bedrohten deutschen Identität. Denn eine starke, souveräne Kultur hat es nicht nötig, derartig in Abwehrreflexe zu verfallen. Da scheinen wohl Neid und Minderwertigkeitskomplexe eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen, die wirtschaftliche Verunsicherung tut ein übriges.


Fatima Özoguz
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