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Religion & Politik im Islam

RE: Die "deutsche Identität" und Muslime

 von Daros Darokakis , 29.05.2013 22:30

Salam ...interessantes Thema.
da ich noch in Jeddah bin und mir noch vor 2/3 Tagen genau dieses Thema im Kopf umschwirrte.
Da ich nicht im schicken "Downtown" untergebracht bin, sondern etwas außerhalb (Produktionsstätten sind ja selten im Stadtzentrum) bin ich zwischen Indern, Pakistanis, Philipinos, Afrikaner ..etc untergebracht.
Fast jeder außer Saudis.
Die Straßen, sind ein einziger Bazar (sozusagen analoger Kapitalismus).
Mir gefällt das und ich fühle mich wohl bei diesen "globalen Durcheinander" ...das schätze ich auch in Europa und anderen Ländern.
Aber ...es gibt einen kleinen Unterschied und der fällt auf erst beim 2. Blick auf (damit meine ich nicht die Kleiderordnung).
Bei uns gibt es in den entsprechenden Gegenden türkische Flaggen, entsprechende Musik, kleine Buddhas etc..
Die Unterschiedlichen Kulturen sind sehr Sichtbar & Hörbar.
Hier (Jaddah) nicht ...es herrscht ganz klar Islam.
In Russland ist es ähnlich, auch in den Gegenden mit vielen Zuwanderern, da ist Russisch angesagt und das gilt auch für viele andere Länder.
Es gibt keine Diskussion, weil die jeweilige Gesellschaft / Staat das von vornerein unterbinden.
In Deutschland gibt es ja seit einigen Jahren diese "Leitkultur Diskussion".
Auch wenn ich persönlich diese für Überflüssig halte, es ist besser so.
Es zegt das die anderen Kulturen entsprechend offen präsentieren und leben können.
Das ist auf jeden Fall positiver als der andere Fall.

Für mich stellt sich die Frage wozu eine Leitkultur überhaupt gut ist.
Über die Zeit betrachtet gibt es DIE Kultur, DIE Gesellschaft, DIE "richtige" Lebenseinstellung ja nicht.
Kultur ist Dynamisch, genau wie Sprache, Gesellschaft und Wertvorstellungen.
Die größte Gabe des Menschen ist ja das er sich anpasst, neues Aufnimmt, integriert und weiter entwickelt.
Innovation und Weiterentwicklung kommen durch das übernehmen und integrieren von anderen Kulturen, Glaubens und Lebenseinstellungen.
Das bedeutet eben auch das sich die Sprache verändert ...das hat sie schon immer getan.
Kein Mensch redet heute Altgriechisch oder das ursprüngliche Mandarin.
Und das ist gut so.
Solange eine Gesellschaft dynamisch bleibt, kann sie sich auch weiter entwickeln.
Wenn das aufhört, ist die praktisch gestorben bzw. es ist nur noch eine Frage der Zeit bis diese Untergeht.
Leider kollidiert das natürlich immer wieder mal mit den eigenen Wertvorstellungen (auch mit meinen).

Über Sokrates habe ich mal gelesen (hoffe das ich ihn nicht verwechsle) das die heutige Jugend (400v.Ch.) verdorben sei und so eine Gesellschaft keine Zukunft hätte. Wie wir wissen hat er sich geirrt.
Das römische Reich, praktisch Nachfolger der griechischen Kultur, hat sogar 1000 Jahre Jahre gehalten.

Worauf will ich hinaus ?
Die Diskussion um eine Leitkultur ist nicht neu und der "Untergang der Gesellschaft" wird alle paar Generationen vorausgesagt, meist wenn sich Große Veränderungen anbahnen, wie zur Zeit.
Unsere Gesellschaft/en werden immer stärker vermischt, diese Dynamik sehe ich eher positiv, auch wenn mir nicht alles gefallen muss.
Das Gegenteil wäre auf jeden Fall schlimmer.
Die islamischen Geselschaften haben da auf jeden Fall einen weiteren Weg vor sich.

Unsere deutsche (nordeuropäische) Geselschaft hat bestimmt einige Fehler.
Aber es gibt sehr wenige mit denen ich tauschen würde.

besten Gruß.
Daros


Daros Darokakis

Themen Überblick

Betreff Absender Datum
Die "deutsche Identität" und Muslime Fatima Özoguz 27.05.2013 15:09
RE: Die "deutsche Identität" und Muslime 27.05.2013 20:48
RE: Die "deutsche Identität" und Muslime Albert von Bieren 28.05.2013 19:08
RE: Die "deutsche Identität" und Muslime Fatima Özoguz 28.05.2013 19:14
RE: Die "deutsche Identität" und Muslime Daros Darokakis 29.05.2013 22:30
 

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